Pfaffinger Umschau

upf schaut hin, hört zu und schreibt's auf

Month: Juni, 2012

Zu wenig Zeit für alles

Gerade habe ich die Bundesarbeitsministerin in den Fernsehnachrichten sagen sehen, bis wann das etwas werden soll mit der Frauenquote in den Vorständen: „bis zweiachtzehn“. Sie treibt damit die geistlose Sitte auf die Spitze, dass sich vermeintlich wichtige Menschen in der Öffentlichkeit zu schade sind, den Jahreszahlen der Zeit, in der wir leben, die nötige Referenz zu erweisen und sie so auszusprechen, wie sie auf dem Papier stehen. Was treibt sie und die etwas weniger reudzierten „zwanzig-zwölf“-Sager zu ihrem Tun? Zwischen „zweiachtzehn“ und „zweitausendachtzehn“ besteht ein Unterschied von zwei Silben, sieben Buchstaben und einem kleinen Sekundenbruchteil. Mathematisch geht die Differenz zwischen der ministerial gekürzten Null und der verschwiegenen „1000“ indes gegen Unendlich, ein Zustand, den Philosophen und Psychologen deuten mögen. Was ich sehe: Ein winziger Zugewinn an Coolness, das, Frau BuMin Vau-de-El. Sparen wäre an anderer Stelle angesagt.

History just around the corner

Sunday April 29th 2012. As I arrive on the National Mall in the Capital the crowds are already covering the area. It is bright and sunny, natives and visitors start to enjoy a beautiful day. For me it’s a little bit to many of them, so I decide for a detour – to somewhere. Avoiding the mainstream traffic I find myself minutes later on the George Washington Memorial Parkway northbound. After a short stop for an overlook on the Potomac river I drive on. A sign „Chain Bridge“ catches my attention. Sounds interesting, I follow the direction using Dolley Madison Blvd. Than, another sign, pointing to the right: „Claud Moore Colonial Farm“ which sounds even more interesting. So I follow. To my surprise the first attraction on this new route: the „George Bush Center for Intelligence“ on my right. It’s the CIA headquarters in Langley, well known to thriller-readers all over the world as the place, where the guys work, who support Jerry Cotton and James Bond with their skills…

A few hundred yards further on the left I turn into a small parking lot with a small wodden gatehouse – the entrance of the farm. For a very modest (and extremly friendly collected) fee of 3 bucks the doors open to me and let me in to visit a typical tobacco farm of the year 1771, three years before the American Revolution began. The quiet, spacy layout of the farm gives you plenty of opportunity to make your own way throuh history. As you meet the people runnin the place, you will eperience that it’s not about re-enactment but about history living on, what takes places here. They grow plants and spices as the ancestors did, although they have to reduce the amount of crop due to the smaller number of people living and working on the site today. They raise and harvest animals and in the main house you will find dried meat which survided the winter hanging from the wooden roof. You will meet kids, joining the farmlive temporarily, nevertheless dressed properly in historical gowns and spending their free time in between farm jobs playing games with nature made toys. Watching the kids, watching and listening to all those living on the farm gives you confidence that there must be a happy live without elecetronics. At the same time it gives you a clear message, how hard and challenging it has been to earn your living then in an era that were the very different old times.

If you have been to Washington DC and have seen it all or just wan to avoid the crowds: There’s no doubt that this is a very good place to go. Especially as from time to time traditional markets with authentically made products as well as history related events like the „Salting Fish Day“ or „Chew the Fat“ are worth a visit as well. The Colonial Farm is open Wednesday through Sunday, 10:00 AM to 4:30 PM. All other information under www.1771.org

Erleuchtung in Tirol

Das Felixe Mina’s Haus in Tannheim, Tirol, erzählt wunderbare Geschichten. Manchmal hängen sie direkt vor einem von der Decke.

Eins nach dem anderen. Oder doch das andere lieber zuerst?

Dass der Gesellschafter „Stadt München“ nun doch nicht für den Ausbau des Flughafens stimmen darf, der ihm teilweise selbst gehört, haben seine Bürger entschieden. Man darf nicht über die geringe Beteiligung am Entscheid maulen, denn auch wer sich des Votums enthält, zeigt, was ihm eine Angelegenheit wert ist. Aber man darf den Kopf schütteln über die Reihenfolge, in der in diesem Land inzwischen Infrastrukturprojekte behandelt werden. Wofür sollen wir unsere Haushalte denn noch mit den aufwendigen Genehmigungs- und Planfeststellungsverfahren, mit Gerichtsentscheiden, Mediationen und dergleichen belasten, wenn danach durch einen Bürgerentscheid alles wieder gekippt werden kann? Gehört dieser nicht vielmehr an den Anfang des Verfahrens, um grundsätzlich die Ampel auf „rot“ oder auf „grün“ zu stellen – und dann dem Signal entsprechend zu handeln oder es zu lassen? Ich höre die Einwände: Zu abstrakt dann die Entscheidungsgrundlage, zu theoretisch… Ich entgegne: Entweder wir haben (bzw. sind) „mündige Bürger“, dann ist das kein Problem. Beide Seiten legen ihre Fakten vor und auf dieser Basis wird entschieden. Oder wir sind nicht mündig genug für solche Voten – warum sollte dann ein nachtäglicher Entscheid etwas Sinnvolles zu Wege bringen? Unser Land wird sich kräftig verändern müssen, um hier nicht in Zukunft zum Gefangenen seiner eigenen Ängste zu werden.

Gefangen in der Urzeit – Caught in past times

Die „La Brea Tar Pits“, mitten im Stadtgebiet des heutigen Los Angeles, gerieten vor 25.000 Jahren unzähligen Wildtieren zur Falle – und gewähren den Besuchern heute einzigartige Rückblicke in die Geschichte.

Some 25,000 years ago a huge number of wild animals got caught in the „La Brea Tar Pits“ – located in the middle of today’s Los Angeles. Visitors to the place an its museum experience a very unique insight view into earth’s history.
Öl. Schatz der Erde. Sprudelnde Quelle des Gewinns. Hunderte nickender Förderpumpen rund um Los Angeles zeugen davon, wie dicht unter der Erdkruste das schwarze Gold zu finden ist. An einer Stelle tritt es seit vielen tausend Jahren offen zu Tage, in den „La Brea Tar Pitts“, den Teertümpeln von La Brea. Lange bevor Menschen diesen Raum zu besiedeln begannen, gerieten immer wieder wilde Tiere in den Sog der klebrigen Löcher, darin nach ihrem Tod bestens konserviert.

Drinnen, im Dunkel des Museums, vor der Vitrine mit 400 im Morast gefundenen Wolfsköpfen (oberes Bild), das großen künstlerischen Installationen anderer Museen in nichts nachsteht, kommt so mancher ins Grübeln über Zeit, Ewigkeit und die Vergänglichkeit alles Irdischen. Während draußen der Großstadtverkehr dem nächsten Fast-Food-Stop zuströmt.

Wo vor knapp hundert Jahren die „Rancho La Brea“ lag, befindet sich heute das Page Museum für Naturkunde, in dem die wesentlichen Fundstücke aus den Teergruben ausgestellt sind. In Fachkreisen gilt Rancho La Brea als eine der bedeutendste Fossilienfundstääten der Erde, gerühmt für ihre in Größe und Auswahl einzigartige Sammlung ausgestorbener Eiszeit-Tiere und -Pflanzen. In aufwendig und sehr anschaulich gestalteten Szenarien können sich die Besucher ein sehr realistisch anmutendes Bild davon machen, wie Los Angeles vor 10.000 und 40.000 Jahren aussah, als anstelle von Bodybuildern und Models Säbelzahnkatzen und Mammute die Landschaft durchstreiften.

Vor dem Museums, im Hancock Park, sind lebensgroße Repliken mehrerer ausgestorbener Säugetiere gezeigt, dem Image der Filmmetropole entsprechend in höchst dramatischen Inszenierung beim Überlebenskampf. Neben den künstlichen Figuren blubbern indes realistisch und ganz echt die Teerlöcher. Unter den Attraktionen von Los Angeles gilt bei Insidern das Page Museum als Geheimtipp. Vor allem an Werktag-Vormittagen, während sich das Leben im Verborgenen der umliegenden Bürogebäude abspielt, lässt sich mitunter sogar eiszeitliche Einsamkeit am Tümpel nachempfinden.

Mit aller Schärfe des Gesetzes

Jüngst erlebt: Mami, Papi und der kleine (nennen wir ihn mal:) Michi stehen Samstagnachmittag im Supermarkt am Lotto-Tresen und geben ihren Schein ab. Nachdem das erledigt ist, wollen sie noch eines der Lose kaufen, die einladend in Plexiglasboxen dargeboten werden. Papa bezahlt, der Junior soll ziehen. Da zischt die Feldwebelstimme der Lotterie-Beauftragten: „SIE ziehen selbssssst. Das ist ab achzzzzzzzzzzzzzzzehn.“ Papi und Mami sind ratlos, Michi den Tränen nah. Dann zieht Papi und versteht, wie er Mami im Weggehen erklärt, die Welt nicht mehr: „Wenn wir doch dabei sind…“ Ja, so ist unser Gemeinwesen: Fürsorglich um die Suchtabwehr bemüht. Wenn dagegen volljährige Zocker im Hochfrequenz-Handel an den Börsen mal eben ein paar zig Millionen verjuckeln und dabei ganze Volkswirtschaften an den Rand des Ruins treiben, dann ist das ganz okay. Kein Feldwebel, kein Zischen, nix. Michi, deine Chance kommt noch!

Der Empfehlungsbrief

Der Schauspieler händigte dem Direktor einen Empfehlungsbrief ein.

Überbringer war darin als großartiger Schauspieler gerühmt.

Der Brief schloß mit den Worten: „- –  Er spielt Macbeth Hamlet, Shylock und Billard. Billard am besten.“

Eine von vielen wertvollen Anekdoten aus Sigismund von Radeckis „Das ABC des Lachens“, Band 84 aus der historischen ro ro ro-Serie und eines der besonders kostbaren Stücke in meiner Bibliothek. Nicht zuletzt wegen der in diesem Buche gepflegten Sprachkunst. Das Buch (ISBN gab es damals noch nicht, man suche also nach Autor und Titel) ist leider nur noch antiquarisch zu erhalten, gleichwohl höchst empfehlenswert.

Gute Laune-Musik, frisch gezupft

Swing und Ragtime sind an und für sich schoin Garanten für Gute-Laune-Musik. Vorigen Samstagabend, beim Konzert von „Front Porch Picking“ in der Schrottgalerie, kam noch eine Packung Fröhlichkeit obendrauf. Denn das Quintett aus Göttingen packt in sein Programm stets auch eine Dosis Hawaii mit hinein. Bei Stücken wie „Radio Hula“ oder die „Maui Chimes“ greift die Band zu ausgesuchten und authentischen Instrumenten, um unplugged den typischen Südsee-Insel-Sound erklingen zu lassen. Gerade in Verbindung mit der von Peter Funk meisterhaft gezupften Lapsteel Guitar wirken die Melodien, die Wolfgang Beisert aus der Ukulele herausholt, besonders intensiv. Dazu die temporeiche Dramaturgie von Dirk Heimberg, der schon mal die Hawaiian Slack Key Guitar herausholt, der lässig-souveräne Hans-Jörg Maucksch am Kontrabass und als treibende Kraft Klaus Hoheisel auf dem Cajon – das ist eine mitreißende Mischung. Das zeigen sie beim Swing, das zeigen sie beim Blues, das zeigen sie bei Rag, beim Bluegrass und beim Walzer. Walzer? Ja, Walzer. Hier wird Musik nicht nur gespielt, hier wird sie mit Herzblut gefeiert. Das ist einen extra Applaus wert, der über die gebotenen drei Zugaben hinausgeht. Zumal einem das entspannte „Spass an der Freud'“-Spiel der Fünf auch bewusst macht, welche Klasse die Komponisten hatten, die jener Zeit, die wir nur aus Schwarzweiß-Filmen kennen, die musikalische Farbe gaben. Absolut empfehlenswert. Hör- und Seh-Probe (Schrottgalerie 2010) anbei. (Foto: (c) Front Porch Picking)

A day in the farmland…

Tractor lineup at the John Deere Pavilion in Davenport (c) Q.C.CVB

Tractor lineup at the John Deere Pavilion in Davenport (c) Q.C.CVB

… certainly is not the typical touristy thing to do. But while you are in the area it gives you a deep insight into the real life in North America. When I found this letter from the Quad Cities in my mailbox some days ago, I remembered a story I wrote in 1994 for soccer-fans traveling to Illinois. Chicago was the palce to play first round for the German team in the World Championships then – and I tried to point out some places nearby worth a visit. The Quad Cities, about 170 miles west ot Chicago definetely are such a place. They consist of Moline and Rock Island on the Illinois side of the Mississippi and Davenport and Bettendorf on the western banks of the river. Farming and agriculture are big topics there, with John Deere as the poster child of the industry. Nevertheless watching the big boats on the river, being loaded with thousands of tons of grain attracts your interest as well as the small traditional farms and the traces of the early settlers. I liked Davenport a lot for being the place where the great musician Bix Beiderbecke grew up and lived – as well as for the German American Heritage Center, located in a 150 year old hotel bulit for German immigrants then. I also remember very well a nightly cruise on the mighty river aboard the „Celebration Belle„, which is still departing from Moline. And I had really hearty food for dinner in The Machine Shed, for which I noted in my travel log: „You can see the difference on the table, when farmers serve to farmers.“ As I learned from the letter now, some microbreweries and distilleries are added to the gourmet offer from the area, which certainly enhances the traveler’s enjoyment. What I will put on my schedule for the next visit is some more tours through the agricultural sights in the region. The concept sounds convincing and probably is a favourable offer to the experienced traveler. I will keep you updated in a later post about similar places in Illinois worth a visit, too. (Video is courtesy of Quad Cities CVB)

Gute Gründe für die Boeing 747-8i

Lufthansa Boeing 747-400 in airSeit zwei Tagen hat die Deutsche Lufthansa ihre erste Boeing 747-8i im Dienst – auf der Route zwischen Frankfurt und Washington. Derzeit wird viel darüber spekuliert, ob die Entscheidung der Airline für den Nachfolger der 747-400 ein Fehlgriff war (oder ist), weil keine andere Gesellschaft von Rang ihr bei dieser Kaufentscheidung gefolgt ist. Aus meiner Sicht sprechen gute Gründe für den Einsatz des neuen Modells, die über die höhere Wirtschaftlichkeit der Triebwerke und die vergrößerte Kapazität hinausgehen.

Erstens: Im Einsatz zwischen Hub-Knoten der Star Alliance – wie etwa FRA und IAD – wird es weiterhin Bedarf an „Jumbo“-Kapazitäten geben, die größer sind als das, was die A340/330- und die B777-Klasse bieten können, die aber gleichzeitig kleiner sind als das, was in einem A380 Platz hat. Zumal dann, wenn Strecken mehrmals täglich auch durch Allianzpartner (hier: UAL) beflogen werden.

Zweitens: Die erhöhte Cargo-Kapazität der 747-8i steuert über die Beifracht einen essentiellen Beitrag zur Wertschöpfung jedes Fluges bei, insbesondere bei einer Airline wie LH, die traditionell stark in diesem Geschäft ist. Das mag bei anderen großen Carrieren, die theoretisch ebenfalls 747-8i-Kandidaten wären, anders aussehen, vor allem dann, wenn deren Hubs nicht mit Einschränkungen und Limits wie FRA leben müssen.

Drittens: Die extrem große Business Class in der 747-8i mit 92 Sitzen ist, gerade im Hub-Hub-Verkehr für die Lufthansa ein wertvolles Asset, um ihre Position in der Geschäftsfliegerwelt zu sichern. Die in Internetforen vielfach und lautstark bemängelte, angeblich nicht konkurrenzfähige Qualität des Produkts spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Effizienz einer Dienstleistung, wie sie sich in Netzwerk und Frequenz spiegeln, ist meist von höherer Relevanz als komfortable Nettigkeiten.

Viertens: Auch wenn in den vergangenen zwei Jahrzehnten der Shift der Lufthansa weg von Boeing, hin zu Airbus unübersehbar war, werden in Everett und Umgebung weiterhin genauso gute Flugzeuge gebaut wie in Toulouse. Gerade für die Langstrecke und im XXL-Format ist das Tragen auf zwei Schultern strategisch sinnvoll. Zum Beispiel dann, wenn aus irgendwelchen Gründen mal wieder eine (Teil-)Flotte gegroundet werden müsste.