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Gute Gründe für die Boeing 747-8i

Lufthansa Boeing 747-400 in airSeit zwei Tagen hat die Deutsche Lufthansa ihre erste Boeing 747-8i im Dienst – auf der Route zwischen Frankfurt und Washington. Derzeit wird viel darüber spekuliert, ob die Entscheidung der Airline für den Nachfolger der 747-400 ein Fehlgriff war (oder ist), weil keine andere Gesellschaft von Rang ihr bei dieser Kaufentscheidung gefolgt ist. Aus meiner Sicht sprechen gute Gründe für den Einsatz des neuen Modells, die über die höhere Wirtschaftlichkeit der Triebwerke und die vergrößerte Kapazität hinausgehen.

Erstens: Im Einsatz zwischen Hub-Knoten der Star Alliance – wie etwa FRA und IAD – wird es weiterhin Bedarf an „Jumbo“-Kapazitäten geben, die größer sind als das, was die A340/330- und die B777-Klasse bieten können, die aber gleichzeitig kleiner sind als das, was in einem A380 Platz hat. Zumal dann, wenn Strecken mehrmals täglich auch durch Allianzpartner (hier: UAL) beflogen werden.

Zweitens: Die erhöhte Cargo-Kapazität der 747-8i steuert über die Beifracht einen essentiellen Beitrag zur Wertschöpfung jedes Fluges bei, insbesondere bei einer Airline wie LH, die traditionell stark in diesem Geschäft ist. Das mag bei anderen großen Carrieren, die theoretisch ebenfalls 747-8i-Kandidaten wären, anders aussehen, vor allem dann, wenn deren Hubs nicht mit Einschränkungen und Limits wie FRA leben müssen.

Drittens: Die extrem große Business Class in der 747-8i mit 92 Sitzen ist, gerade im Hub-Hub-Verkehr für die Lufthansa ein wertvolles Asset, um ihre Position in der Geschäftsfliegerwelt zu sichern. Die in Internetforen vielfach und lautstark bemängelte, angeblich nicht konkurrenzfähige Qualität des Produkts spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Effizienz einer Dienstleistung, wie sie sich in Netzwerk und Frequenz spiegeln, ist meist von höherer Relevanz als komfortable Nettigkeiten.

Viertens: Auch wenn in den vergangenen zwei Jahrzehnten der Shift der Lufthansa weg von Boeing, hin zu Airbus unübersehbar war, werden in Everett und Umgebung weiterhin genauso gute Flugzeuge gebaut wie in Toulouse. Gerade für die Langstrecke und im XXL-Format ist das Tragen auf zwei Schultern strategisch sinnvoll. Zum Beispiel dann, wenn aus irgendwelchen Gründen mal wieder eine (Teil-)Flotte gegroundet werden müsste.

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