Pfaffinger Umschau

upf schaut hin, hört zu und schreibt's auf

Deutschland, einig‘ Watschenland?

Wie so oft ist es die Sprache, die jene verrät, die Sanftheit auf der Zunge tragen und Gewalt im Herzen. Als vor einigen Tagen das Bundesverfassungsgericht das bestehenden bundesdeutschen Wahlrecht als nicht verfassungsgemäß bewertete, erscholl landauf, landab das Wort von der „schallenden Ohrfeige“, die – wahlweise – Schwarz-Gelb, die Regierung oder sonstwer in politischer Verantwortung erhalten habe. Auch Angehörige von Parteien auf vermeintlich gewaltlosem Kurs konnten sich solchen Kommentars nicht enthalten, auch nicht Medien, die noch vor nicht allzu langer Zeit einem Bischof, der einst Kinder geohrfeigt hat, den Rücktritt nahelegten. Nur wenige Tage vorher hatte es in Zusammenhang mit dem Scheitern des Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) im Europäischen Parlament ebenso politische Ohrfeigen gehagelt. Daher gilt es den Vertechtern schlagender Kritik mehrerlei entegegen zu halten. Erstens: Das Bundesverfassungsgericht schlägt nicht. Zweitens: Städte („Karlsruhe“) schlagen auch nicht. Drittens: Ohrfeigen haben in einer friedlichen Gesellschaft nichts zu suchen. Viertens: Mit platten Sprüchen Politik zu machen, darf getrost als populistisch gelten. Fünftens: Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben. (Matthäus 5,5; „Bergpredigt“). Sechstens: „… wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.“ (Matthäus 5,39; „Bergpredigt“)

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