Pfaffinger Umschau

upf schaut hin, hört zu und schreibt's auf

Naturschutz und Umweltschutz im Konflikt

Binnenschiff und Lkw im Vergleich. Grafik: RMD Wasserstraßen GmbH

Es gibt keine hundertprozentigen lösungen für die Probleme dieser Welt. Dies zeigt sich dieser Tage gerade wieder einmal am aufkeimenden Konflikt rund um den vermeintlichen Biosprit „E10„. Eigentlich soll dieser Fahrzeugtreibstoff mit Bioethanol-Beimischung ja dazu beitragen, dass unsere Umwelt weniger belastet wird. Gleichzeitig aber belastet er die Natur, weil die vorhandenen Ressourcen auch hier wieder nicht ausreichen und landwirtschaftlich erzeugt werden müssen. Was heißt „landwirtschaftlich“ – agro-industriell ist das richtige Wort. Und damit ist vorprogrammiert, dass sich Naturschutz und Umweltschutz in die Haare kommen, weil beides zugleich nicht zu haben ist. Wenigstens nicht beim gewählten Verfahren. Wenigstens nicht unter nachhaltigen Bedingungen. Wenigstens nicht bei verantwortungsbewusstem Vorgehen. Selbst ein verringerter Verbrauch würde nur die Dimension des Problems verkleinern – aus der Welt wäre es nicht.

Was den Blick auf eine ähnlich gelagerte Situation lenkt, die sich derzeit auf der bayerischen Donau abspielt. Dort ist wegen der Trockenheit der Wasserstand derzeit zu niedrig, um gewerbliche Schifffahrt zu betreiben. Die Frachtschiffe liegen fest. Seit Jahrzehnten versuchen die Verkehrspolitik und Transportwirtschaft, inzwischen sogar aktiv von der EU unterstützt, durch technische Maßnahmen die Schiffbarkeit der Donau zu erhöhen: Vertiefung, Staustufen etc. sind immer wieder ins Gespräch gebracht worden – und gescheitert. Die Zahl der Gutachten nähert sich dem dritten Dutzend, die Zahl der gescheiterten Versuche ebenfalls. Im Zweifelsfall war es für die politischen Entscheider stets opportun, sich als Naturschützer zu gerieren und den Ausbau abzulehnen.

Mit dem Zuwachs der transportierten Güter, die aus Osteuropa zu uns gelangen und durch Deutschland reisen, entsteht nun auch hier ein Konflikt mit dem Umweltschutz: Denn verglichen mit dem Lkw verursacht das Binnenschiff nur etwas mehr als die Hälfte der Emissionen. Und auch im Vergleich mit der Bahn steht es noch gut da. Für die zusätzlichen Verkehre müssten sowohl Schiene wie Straße deutlich ausgebaut werden. Womit Landschaftsverbrauch programmiert und negative Folgen für den Naturschutz unvermeidlich sind. Oder für den Umweltschutz. Oder für beide.

Wer geht nun hin und erklärt diese komplizierte Situation dem vermeintlich mündigen Wähler? Wer übernimmt die Verantwortung? Oder läuft die Sache darauf hinaus, erst einmal nichts zu tun und abzuwarten, ob jemand anderer aus der Deckung kommt und einen Fluchtweg öffnet? Ich fürchte, wir haben keine Wahl.

2 ResponsesLeave one →

  1. Sir this is a very insightful article and glad Germany has similar issues as USA:0)

    Our U.S. Congress helps the rich; but we average Americans are trying to force sustainability on our governments too. Oregon leads the way. We Americans focus upon what is best for our grand kids & future generations as a litmus test on „sustain-ablity“.

    However corn for bio fuels was a, American Congress mistake for consumer; but boom for farmers. Now we don’t have enough corn and prices rise.

    I recommended an proven switch grass or timber’s saw dust waste; but no corporate fat cats can prosper on it – so Congress could care less. Rural America & future generations would have benefited?

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  2. Ein sehr guter Artikel. Die zum Schluss gestellten Fragen lassen sich im Zusammenhang mit der Donau jedenfalls eigentlich mit Heinrich von Kleist beantworten: der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht.
    Die Donauschifffahrt wird dann zu Ehren kommen, wenn Alpenquerung, A3 und Bahn der Stautrombose erlegen, der Transport-Tsunami (spätestens ab 2020) über Deutschland hereinbricht und Millionen von Flüchtlingen Deutschlands Straßen und Lagerhallen für Just-in-time-Tricks der Wirtschaft unbrauchbar gemacht haben werden. Kaputte Straßen, Schienen und Eisenbahnen tun ein Übriges. Das wird niemand Wagen anzugehen, aus Furcht, Wasser auf die Mühlen von Vertretern extremer Positionen zu träufeln.

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