Pfaffinger Umschau

upf schaut hin, hört zu und schreibt's auf

Month: Mai, 2013

„Schiffslotsen auf Stelzen“ an der Chesapeake Bay

Das „Hooper Strait Lighthouse“ gehört zum Chesapeake Bay Maritime Museum. (c) Capital Region USA

Das „Hooper Strait Lighthouse“ gehört zum Chesapeake Bay Maritime Museum. (c) Capital Region USA

Errichtet an stürmischen oder unwegsamen Küsten dienen Leuchttürme seit jeher Seefahrern als Orientierung. Aber auch auf Touristen üben die Wachposten der Weltmeere eine ungebrochene Faszination aus – nicht nur, weil sie häufig an malerischen Küstenregionen zu finden sind, sondern mit außergewöhnlicher Architektur begeistern. So auch die „Schraubpfahlleuchttürme“ (engl. Screw-Pile Lighthouse) an der Chesapeake Bay: Einst prägten mehr als 40 dieser hüttenartigen Bauwerke die Bucht, die auf langen Stelzen aus dem Wasser ragten. Die meisten wurden bis 1960 abgerissen, denn durch ihre leichte Bauweise waren sie zwar schnell und günstig zu errichten, dafür aber nicht besonders robust. In Maryland sind heute noch vier dieser historischen Leuchttürme erhalten und eine Nachbildung kam 2012 dazu. Bei einer Tour entlang der Küstenregion können Besucher nicht nur die einmaligen „Screw-Pile Lights“ bewundern, sondern auch das maritime Leben in Maryland und das Landschaftspanorama der Chesapeake Bay, einer der bedeutendsten Naturlandschaften Nordamerikas, genießen.

Historische Hafenstadt Baltimore

Baltimore ist die größte Stadt Marylands und einer der bedeutendsten Seehäfen der USA. Im Herzen der Hafenstadt, dem Inner Harbor, finden Besucher den ältesten noch existierenden Schraubpfahlleuchtturm des US-Bundestaates. Das „Seven Foot Knoll Lighthouse“ wurde 1855 an der Flussmündung des Patapsco River errichtet und 1997 nach Baltimore transportiert. Dort ist es heute Teil des Baltimore Maritime Museums (www.historicships.org). Nicht nur der Leuchtturm, auch die historischen Schiffe des Museums erzählen Besuchern die Geschichte der amerikanischen Seefahrt – so etwa die USS Constellation, eines der ältesten Schiffe der US-Navy aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, oder die USCGC Taney, das letzte erhaltene Schiff, das den Angriff auf Pearl Harbor 1941 überstanden hat. Neben einem Ausflug in die amerikanische Vergangenheit lädt Baltimore zu einem ausgiebigen Einkaufsbummel in einem der zahlreichen Geschäfte und Shopping-Zentren ein und bietet ein pulsierendes Nachtleben mit abwechslungsreichen Bars und Restaurants.

Segeltörn in Annapolis

Annapolis ist auch als Segelhauptstadt der USA bekannt und beherbergt den wohl bekanntesten Schraubpfahlleuchtturm Marylands: das „Thomas Point Shoal Lighthouse“ aus dem Jahr 1875 (www.thomaspointlighthouse.org oder amaritime.org). Der Leuchtturm wird noch immer aktiv genutzt und befindet sich als einziger dieser Art an seinem ursprünglichen Standort vor der Küste von Annapolis. Das Bauwerk ist nur mit dem Schiff zu erreichen, weshalb im Sommer viele Bootstouren zu dem Wahrzeichen der Stadt angeboten werden, etwa bei einem Segeltörn mit der Woodwind (www.schoonerwoodwind.com). Für Geschichtsinteressierte lohnt sich auch ein Besuch der US Naval Academy, denn die Offiziersschule der US-Marine reflektiert ein wichtiges Stück amerikanischer Kultur und technischer Errungenschaften. Auch der Yachthafen und die vielen Boutiquen, Kunstgalerien und Weinkeller in Annapolis sind einen Abstecher wert.

Erholung und Gaumenfreuden in St. Michaels

Beim "Crabfeast" ist der Leuchtturm malerische Kulisse. (c) Capital Region USA

Beim „Crabfeast“ ist der Leuchtturm malerische Kulisse. (c) Capital Region USA

Der „Hooper Strait Lighthouse“ wurde 1879 erbaut, um Seefahrer zwischen Hooper und Bloodsworth Island in Dorchester County zu lotsen. Heute gehört er zum Chesapeake Bay Maritime Museum (www.cbmm.org) und kann am Navy Point in St. Michaels besichtigt werden. Die idyllische Kleinstadt an der Bucht lädt zum Entspannen ein, beispielsweise in einem der luxuriösen Hotels wie „The Inn at Perry Cabin“ mit angeschlossenem Spa. Wie viele Hafenstädte in Maryland ist auch St. Michaels bekannt für sein kulinarisches Angebot: Neben frischem Fisch und Meeresfrüchten wie Shrimps und Austern, darf vor allem die heimische Blaukrabbe nicht fehlen, die hier in allen Variationen auf den Tisch kommt.

Traditionelles Fischerdorf Solomons

Der 1883 errichtete „Drum Point Lighthouse“ stand an der Flussmündung des Patuxent River, bevor er bedeutendstes Ausstellungsstück des Calvert Marine Museum (www.calvertmarinemuseum.com) in Solomons wurde. Das Museum bietet geführte Leuchtturmtouren an, bei denen Besucher mehr über das maritime Leben an der Chesapeake Bay erfahren. Auch eine alte Austernfabrik und historische Ruderboote können besichtigt werden. Bei einer Flusskreuzfahrt erleben Gäste die Bucht vom Wasser aus.

Kunst und Klasse in Cambridge

Der „Choptank River Lighthouse“ (www.choptankriverlighthouse.org) in Cambridge ist eine Nachbildung des Originals von 1871, das einst zwischen Castle Haven und Nenoni Points am Choptank River stand, und wurde im vergangenen Jahr fertiggestellt. Besichtigungen sind von Mai bis Oktober kostenlos möglich. Die Stadt Cambridge wird als Herz der Chesapeake Bay bezeichnet und bietet Unterkünfte der Extraklasse, darunter das „Hyatt Regency Chesapeake Bay Golf Resort, Spa and Marina”. Kunstfreunde kommen im „Dorchester Center for the Arts“ auf ihre Kosten. Besonders stolz ist die Stadt auf ihre Vergangenheit: Harriet Tubman wurde in Cambridge geboren und ging als Gegnerin der Sklaverei in die Geschichte ein. Auf ihren Spuren können Besucher auf dem „Harriet Tubman Underground Railroad Byway“ wandeln.

Die Wüste tanzt beim Electric Daisy Carnival

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Spektakuläre Bilder liefert der Electric Daisy Carnival in Las Vegas (c) Insomniac, Erik Kabik

Mehr als 300.000 Besucher, über 150 Musikacts, Kunstinstallationen, Fahrgeschäfte und ein 15-minütiges Feuerwerk − darunter macht es der Electric Daisy Carnival (EDC) nicht. Sind die USA nicht unbedingt als Wiege der elektronischen Musik bekannt, so findet mit dem EDC in Las Vegas gerade dort eines der größten Rave-Festivals der Welt statt. Vom 21. bis 23. Juni wird Las Vegas zum Mekka der Electro-Szene.

„From Dusk Til‘ Dawn“ lautet die Devise beim  Electric Daisy Carnival. Getanzt wird von abends bis in die frühen Morgenstunden und das drei Tage lang. Die Plattenteller stehen aber auch tagsüber nicht still. Über 100 Musiker beschallen zwischen 21. und 23. Juni den Motor Speedway, Las Vegas‘ berühmte Rennstrecke. Der verwandelt sich an diesem Wochenende in eine riesige Tanzfläche, auf der Beat-Akrobaten, Sound-Tüftler, Bewegungskünstler und Paradiesvögel gemeinsam feiern.

Dabei ist der EDC mehr als eine reine Tanzparty. Besucher ab 18 Jahren tauchen in eine bunte, verrückte Welt aus eindrucksvollen Lichter-Shows, exzentrischen Kunstinstallationen und spontanen Theaterperformances ein. Zum Kultritual, das bei keinem EDC fehlen darf, entwickelten sich die Minuten langen Feuerwerke, die der Veranstalter Insomniac mitten in der Nacht zündet.

Unzählige Besucher lockt das Event, das ursprünglich in Los Angeles stattfand, jährlich an. Im Sommer 2012 zählte der EDC 115.000 Fans allein in einer einzigen Nacht. Für die steigenden Besucherzahlen bietet Las Vegas die besten räumlichen Bedingungen. 2011 zog das Festival um. Nicht zuletzt ist Las Vegas mit seinen lichtdurchfluteten Nächten und den Locations der Superlative die richtige Kulisse für ein Mega-Event wie den Electric Daisy Carnival.

Tickets sind ab sofort erhältlich unter electricdaisycarnival.com. Die Preise für einen 3-Tages-Pass liegen bei 289 Dollar. VIP-Pässe, die unter anderem exklusiven Zugang zu erhöhten, abgeschirmten Tanzbühnen bieten, kosten 500 Dollar.

 

Ertragssteuerung mit Loyalitäts-Appell

Airbus der Frontier Airlines beim Start in Denver (c) Ulrich Pfaffenberger

Airbus der Frontier Airlines beim Start in Denver (c) Ulrich Pfaffenberger

Es kommt selten vor, dass im Segment der Low-Cost-Carrier (LCC) einer schneller ist als Ryanair, wenn es um das kreative Abschöpfen brachliegender Ertragspotentiale geht. Aber es kommt vor. So erheben schon seit einiger Zeit die beiden US-Billigairlines Spirit und Allegiant Gebühren für die Benutzung der Gepäckfächer an Bord. Einen draufgesetzt hat jetzt die amerikanische „Frontier“, der es gegen den Strich geht, dass immer noch Passagiere die billigen Tickets nicht direkt über die Website der Airline buchen, sondern sie sich bei Drittanbietern holen. Damit sie das nicht mehr tun, darf künftig bei Frontier nur noch jener sein Handgepäck kostenfrei in der oberen Gepäckablage deponieren, der seinen Flugschein direkt online bei der Gesellschaft gezogen hat. Alle anderen dürfen künftig Zugangsgebühren fürs „overhead compartment“ berappen – und das nicht zu knapp. Zwischen 25 und 100 US-Dollar werden fällig.

Es hätte angesichts der Kommunikations-Gepflogenheiten der Branche überrascht, stünde über den entsprechenden Mitteilung der Airline nicht ein herzzerreißend euphemistischer Hinweis auf die Serviceverbesserung, die aus der neuen Gebühr erwächst: „Frontier Enhances Services for Customers Using FlyFrontier.com“ heißt es da. Denn „Frontier’s most loyal customers“ hätten sich beklagt, dass es immer schwieriger werde, ausreichend Platz für ihr Handgepäck in den oberen Ablagen zu finden. Das neue Konzept werden ihnen dort jetzt mehr Raum schaffen und den Boarding-Prozess beschleunigen, kündigt die Gesellschaft an. Ein Versprechen, das sich in Luft auflösen dürfte, wenn nur noch Passagiere an Bord gehen, die ihr Ticket bei der Airline gebucht haben, was das eigentliche Ziel der Aktion ist.

Aber es bleibt ja noch Spielraum: Denn noch kann Handgepäck von allen gratis mitgenommen werden, das sich unterm Vordersitz verstauen lässt. Noch.

Denn schließlich arbeitet Frontier, wie viele Zeilen später in der Mitteilung zu lesen ist, an seiner Umwandlung zu einem „Ultra Low Cost Carrier“. Bei dem künftig auch Kaffee, Tee, Saft und Limonade auf den billigen Plätzen nur noch gegen Bezahlung zu haben sind. Das allerdings haben die Kollegen in Irland schon viel früher vorgemacht.

Können Kreise sprechen?

Sie gehörte dereinst zu den beliebtesten Phrasen im Nachrichten-Deutsch – die Quellenangabe „wie aus gut informierten Kreisen“ verlautet. Wer in jüngster Zeit aufmerksam hinschaut (manchmal auch hinhört), der wird feststellen, dass diese dem Informantenschutz geschuldete Abstraktion sich dramatisch verkürzt hat. Inzwischen ist vielfach nur noch von „Kreisen“ die Rede. Zum Beispiel hier, hier, hier, hier, hier und hier.

So lange die Kreise „gut informiert“ waren, waren sie Synonym für eine Gruppe zwar unbekannter und ungezählter, aber doch klar zu verortender Menschen. Selbst „US-Kreise“, „Regierungs-Kreise“ oder „wissenschaftliche Kreise“ schlossen trotz ihrer verschwimmenden Grenzen dadurch dingfest zu machen, dass sie Menschen bezeichneten, die der betrachteten Sache nahe standen und darüber offenbar verlässliche Auskunft geben konnten. „Kreise“ ohne jedes Attribut dagegen sind – nichts.

Das gleiche gilt für Sätze wie „Kreisen zufolge ist der Solarworld-Partner Qatar Solar Technologies bereit, sich mit einer Minderheit an dem Bonner Unternehmen zu beteiligen.“ (Quelle: Reuters/Süddeutsche.de). Sie helfen dem Leser beim Einordnen über Wert und Qualität der Aussage gar nichts. Denn solche Kreise können sehr, sehr weit gezogen sein – und unter Umständen gar außerhalb dessen liegen, was sie vorgeblich einschließen. Im schlimmsten Fall sind es „interessierte Kreise“, die den Nachrichtenmarkt in ihrem Sinne beeinflussen wollen.

Dass sich gerade große Nachrichten-Agenturen wie dpa und Reuters auf diesen (Ver-)Kürzungswahn einlassen, ist doppelt verwerflich, prägen sie doch mit ihrem Sprachgebrauch das Sprachbild in den Redaktionen quer durchs Land. Ihr Fehler: Statt das Kind beim Namen zu nennen – „wir wollen, können oder dürfen die Quelle nicht beim Namen nennen“ – bauschen sie vermeintliches Insiderwissen zur Information auf oder kleiden Gerüchte ins Nachrichtengewand. Beide Male verfehlen sie ihren Auftrag und treiben Schindluder mit der Sprache.

San Pedro lädt zum Landgang und zum Meerblick

Die einen sehen das "Fireship No. II" bei einer eindrucksvollen Demonstration seiner Kraft. Die anderen "Wasserballett" der anderen Art. (c) Ulrich Pfaffenberger

Die einen sehen das „Fireship No. II“ bei einer eindrucksvollen Demonstration seiner Kraft. Die anderen „Wasserballett“ der anderen Art. (c) Ulrich Pfaffenberger

Wer mit dem Schiff die Destination „Los Angeles“ ansteuert, für den führt an San Pedro kein Weg vorbei. Cunard, Holland America, Princess, Royal Caribbean und wie sie alle heißen: Hier im Süden der Metropolis L.A. legen all die mächtigen weißen Kreuzfahrer an, um ihre Gäste nach Downtown, Long Beach, Beverly Hills oder Hollywood zum Landausflug auszuschiffen. Den meisten von ihnen entgeht dabei, dass sie vor dem Schiffsbug ein überaus sehens- und besuchenswertes Ziel zum Greifen nahe haben. Umgekehrt aber entdecken immer wieder Touristen, denen die Luft der Innenstadt zu heiß und stickig wird, San Pedro als die kleine Abwechslung für zwischendurch – mit frischer Brise vom Pazifik.

Charme zu zivilen Preisen

Sie sollten sich dabei nicht von den hoch aufragenden Kränen des Containerterminals abschrecken lassen. Was schon Meilen entfernt nach Industriegebiet aussieht (und mit dem Internationalen Hafen Los Angeles auch ist), entwickelt sich aus der Nähe betrachtet zu einer gemütlichen kalifornischen Kleinstadt, in der’s vergleichsweise unaufgeregt und glamourfrei zugeht. Bestes Beispiel sind die kleinen Bars und Kneipen, ganz ohne Glamour und mit zivilen Preisen, aber beim Plausch mit Einheimischen genauso unterhaltend – und die Atmosphäre frei von Pappmache-Kulissen.

Was mancher in L.A. „provinziell“ nennen könnte, macht den Charme von San Pedro aus. Das Assistance League of San Pedro Post Office zum Beispiel, architektonisch eher seltsam anzusehen, birgt die einzige Postfiliale im ganzen Land, die nur von Freiwilligen betrieben wird. Alle Einnahmen fließen in wohltätige Projekte. Oder der alte Trink-Brunnen in der Beacon Street, der von 1870 bis in die 1950er Jahre Einheimischen wie gestrandeten Seeleuten jenen Brand löschen halt, den die Durstlöscher in den Kneipen entfacht hatten. Damals gab es die nette amerikanische Sitte, jedem Gast ein Glas Wasser an den Tisch zu stellen, in San Pedro noch nicht.

Seeluft schnuppern und Asien sehen

Einer der schönsten Plätze, drinnen wie draußen, ist das Los Angeles Maritime Museum, direkt neben dem Yachthafen. Mehr als 700 Schiffsmodelle und jede Menge Exponate aus der maritimen Geschichte der Stadt und ihrer Menschen lassen nicht nur das Herz jedes Schiffahrt-Liebhabers höher schlagen. Auch echte Landratten werden es genießen, draußen auf dem Deck Seeluft zu schnuppern und dabei Schlepper, Feuerwehrboote und Ausflugsdampfer an sich vorbeischippern zu lassen. Und wer dann bei der Hafenrundfahrt an einem der gewaltigen Container-Pötte entlangschippert, den nimmt die Weite der Weltmeere ganz gefangen: Der hier kommt aus Shanghai, der segelt nach Singapur.

Wie eng San Pedro mit der Schiffahrt – insbesondere der nach Asien – verbunden ist, wird am höchsten Punkt der Stadt sichtbar. Auf dem San Pedro Hill, umgeben von einem weitläufigen Park, in dem Kinder ihre Drachen steigen lassen, Familien mit Rollschuhen ihre Runden drehen und Brautpaare sich zum Hochzeitsfoto drapieren, thront ein koreanischer Tempel. In seinem Inneren eine Freundschaftsglocke, 1976 zur 200-Jahr-Feier der amerikanischen Unabhängigkeit von der Republik Korea als Geschenk gegeben. Ein Platz voller Harmonie und Frieden, von dem aus der Blick frei ist hinein in die Stadt und hinaus auf den Ozean. Wenn man verstehen will, was es auf sich hat mit dem Unterschied zwischen Atlantik und Pazifik und warum man von Kalifornien mehr Richtung Asien als Richtung Europa denkt, hier genügen wenigen Minuten, um es zu erkennen.

Der schiefe Turm von San Pedro

Besonderen Ruhm unter den Seefahrern der Welt genießt der Leuchtturm an der Hafeneinfahrt von San Pedro, „Angel’s Gate“. Wann immer ein Hochsee-Schiff zum ersten Mal den Los Angeles Harbor ansteuert, bekommt der Master zur Erinnerung eine Plakette in Gestalt des Leuchtturm überreicht, dessen grünes Licht ihm zuvor den Weg gewiesen hat – eine begehrte Trophäe unter Skippern. Nicht-Seefahrer können sich ersatzweise an der leichten Schrägstellung des Turms erfreuen, Folge eines schweren Sturms anno 1939, oder, bei Nebel, am melodischen Zweiklang des Nebelhorns, das alle 30 Sekunden ertönt.

Ein höchst entspannendes und frisches Gegenstück zu den mondänen Stränden weiter im Norden bietet Cabrillo Beach, wo praktisch ganz San Pedro zum Sonnen und zum Baden geht. Entsprechend locker und familiär ist die Atmosphäre dort. Ein kleines, aber feines Aquarium macht mit dem Leben im und am Wasser in der Region vertraut und ist, ganz nebenbei, weit über die Region hinaus berühmt für die „Strudel“, die dort in der Cafeteria serviert werden.

Zwischen Sträflingsinsel und Schlachtschiff-Museum

In Sichtweite des Strandes befinden sich einige außergewöhnliche Orte. Terminal Island zum Beispiel, einst Mittelpunkt des Warenumschlags und der Fischerei – an deren Bedeutung ein weitgehend unbekanntes Denkmal zu Ehren der japanischen Gemeinde am Ort erinnert – steht heute dort eine Strafanstalt im Mittelpunkt. Zahlreiche, teilweise historische Lagerhäuser, Verpackungsbetriebe und Werftanlagen befinden sich im Übergang in moderne Zeiten und haben bei einigen Hollywood-Streifen als malerisch-morbide Kulisse für Filme gedient, deren große Action- und Explosions-Szenen dort gedreht wurden. Ander spektakuläre Anblicke liefern die großen Boote der Küstenwache, die hier ständig ein- und auslaufen, das „Fireboat No. 2“ der Hafenfeuerwehr, das größte und leistungsstärkste seiner Art in den USA, und seit kurzem die U.S.S. Iowa, einst eines der mächtigsten Schlachtschiffe auf den sieben Meeren und nun auf dem Weg zum schwimmenden Museum.

Überschaubare Innenstadt mit lebendiger Kneipenszene

Das historische Herz von San Pedro ist nur ein paar Gehminuten vom Ufer entfernt. Eine bunte Mischung bei der Architektur, eine bunte Mischung aus Läden, Restaurants und Galerien. Kleine „Antique Shops“, in denen man im kultgeschwängerten Durcheinander mehr oder weniger wertvolle Artefakte der letzten hundert Jahre findet sind ebenso wie eine Handvoll Buch-Antiquariate auf jeden Fall lohnendere Quellen für Mitbringsel und Erinnerungsstücke als die üblichen Souvenir-Shops. Ein echtes Schaustück ist das Warner Grand Theater im Art-Deco-Stil, 1931 als Kulturtempel eingeweiht – und als letzter seiner Gattung noch heute in Betrieb.

Am Ende eines lockeren Tages in San Pedro ist zudem Verlass auf jene Stätten, in denen der erschöpfte Wanderer Labsal sucht. Den sommerlichen Temperaturen Kaliforniens entsprechend findet das Leben und Genießen nicht nur drinnen, sondern auch unter freiem Himmel statt. Kochkunst aus der Karibik, aus Japan, Mexiko, Griechenland mischt sich mit American-Style und einer Unzahl von Varianten bei der Meeresfrüchte-Küche – und das alles innerhalb weniger Straßen-Blöcke. Die Restaurants von San Pedro sind für prima Essen zu freundlichen Preisen bei Einheimischen geschätzt.

Und bitte versäumen Sie nicht eine Fahrt mit der historischen Straßenbahn, der Trolley, unten am Hafen. Sie ist, nicht nur wegen des malerischen Fahrzeugs, ein Erlebnis, das man in den automobilen USA nicht mehr oft geboten bekommt. Und ein schönes Zeichen dafür, dass es stets auch eine Nummer kleiner und langsamer geht – aber trotzdem Spaß macht.

„Rollin‘ Up the River“

Chicago Blues Festival - Konzert im Grant Park - Credit: City of Chicago

Chicago Blues Festival – Konzert im Grant Park – Credit: City of Chicago

In diesem Jahr bereits zum 30. Mal steht der Blues ganz im Zentrum eines großen Musikfestivals in Chicago. 2013 feiert die Stadt, in der einst Blues-Ikonen wie Muddy Waters und Howlin‘ Wolf zu Ehren kamen, den Blues mit einer musikalischen Reise entlang des Mississippi, die vom Flussdelta in Louisiana bis in die Millionenmetropole am Lake Michigan führt. Entsprechend trägt das diesjährige Festival den passenden Titel „Rollin‘ Up the River“ und erinnert damit nicht zuletzt an die Migrationswelle der 1940er und 1950er Jahre aus dem Süden der USA, die auch zahlreiche Musiker bis nach Chicago führte, wo dann der legendäre Sound des Chicago-Blues geprägt wurde.

Die Konzerte des 30. Chicago Blues Festival finden unter freiem Himmel statt und kosten keinen Eintritt. Zu erleben sind zahlreiche international bekannte Blues-Legenden sowie Top-Vertreter der jüngeren Generation. Den Auftakt bilden am 6. Juni im Jay Pritzker Pavilion des Millennium Parks Shemekia Copeland und andere Blues-Größen. Am nächsten Tag startet dann im benachbarten Grant Park auf sechs Bühnen die dreitägige Mississippi-Reise, deren musikalische Stationen New Orleans, Memphis, St. Louis und zum krönenden Abschluss Chicago sind. Zu den Stars des Festivals zählen James Cotton, Eddy „The Chief“ Clearwater, Otis Clay, Bobby Rush und Irma Thomas. Zudem klettern Sir Mack Rice, der einst mit „Mustang Sally“ einen Welthit landete, sowie Eddie Floyd, aus dessen Feder „Knock on Wood“ stammt, zu Gastauftritten auf die Bühne.

Weitere Informationen zum 30. Chicago Blues Festival „Rollin‘ Up the River“ gibt es online unter www.chicagobluesfestival.us sowie auf den Seiten von www.choosechicago.com.