Pfaffinger Umschau

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Ertragssteuerung mit Loyalitäts-Appell

Airbus der Frontier Airlines beim Start in Denver (c) Ulrich Pfaffenberger

Airbus der Frontier Airlines beim Start in Denver (c) Ulrich Pfaffenberger

Es kommt selten vor, dass im Segment der Low-Cost-Carrier (LCC) einer schneller ist als Ryanair, wenn es um das kreative Abschöpfen brachliegender Ertragspotentiale geht. Aber es kommt vor. So erheben schon seit einiger Zeit die beiden US-Billigairlines Spirit und Allegiant Gebühren für die Benutzung der Gepäckfächer an Bord. Einen draufgesetzt hat jetzt die amerikanische „Frontier“, der es gegen den Strich geht, dass immer noch Passagiere die billigen Tickets nicht direkt über die Website der Airline buchen, sondern sie sich bei Drittanbietern holen. Damit sie das nicht mehr tun, darf künftig bei Frontier nur noch jener sein Handgepäck kostenfrei in der oberen Gepäckablage deponieren, der seinen Flugschein direkt online bei der Gesellschaft gezogen hat. Alle anderen dürfen künftig Zugangsgebühren fürs „overhead compartment“ berappen – und das nicht zu knapp. Zwischen 25 und 100 US-Dollar werden fällig.

Es hätte angesichts der Kommunikations-Gepflogenheiten der Branche überrascht, stünde über den entsprechenden Mitteilung der Airline nicht ein herzzerreißend euphemistischer Hinweis auf die Serviceverbesserung, die aus der neuen Gebühr erwächst: „Frontier Enhances Services for Customers Using FlyFrontier.com“ heißt es da. Denn „Frontier’s most loyal customers“ hätten sich beklagt, dass es immer schwieriger werde, ausreichend Platz für ihr Handgepäck in den oberen Ablagen zu finden. Das neue Konzept werden ihnen dort jetzt mehr Raum schaffen und den Boarding-Prozess beschleunigen, kündigt die Gesellschaft an. Ein Versprechen, das sich in Luft auflösen dürfte, wenn nur noch Passagiere an Bord gehen, die ihr Ticket bei der Airline gebucht haben, was das eigentliche Ziel der Aktion ist.

Aber es bleibt ja noch Spielraum: Denn noch kann Handgepäck von allen gratis mitgenommen werden, das sich unterm Vordersitz verstauen lässt. Noch.

Denn schließlich arbeitet Frontier, wie viele Zeilen später in der Mitteilung zu lesen ist, an seiner Umwandlung zu einem „Ultra Low Cost Carrier“. Bei dem künftig auch Kaffee, Tee, Saft und Limonade auf den billigen Plätzen nur noch gegen Bezahlung zu haben sind. Das allerdings haben die Kollegen in Irland schon viel früher vorgemacht.

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