Pfaffinger Umschau

upf schaut hin, hört zu und schreibt's auf

Month: Januar, 2014

Das Gesetz der vielen Faktoren

Die aktuellen Meldungen und Kommentare zur Insolvenz des Medienkozerns Weltbild sind ein Musterbeispiel für eine unzureichende Fehlerkultur in unserem Lande. Ab der Stunde Null nach Bekanntgabe des wirtschaftlichen Scheiterns hat die Suche nach jenen begonnen, die schuld darin sind, dass so etwas passieren konnte. Nicht gründlich und zurückhaltend geschieht dies, sondern plakativ, öffentlich und auf Basis von punktueller Wahrnehmung.

Wie so oft in unserem Leben dürfte der Absturz von Weltbild mehr als einen Grund haben. Und es dürfte an mehr gelegen haben als an fehlendem Geld. Wer in der Schule beim Physikuntericht nur ein bisschen zugehört hat, kennt die wichtigste (vereinfachte) Spielregel der Kybernetik: Wenn ich in einem System an einer Stellschraube drehe, verändert sich das ganze System, nicht nur der Zustand an der Stellschraube. Die Komplexität eines Unternehmens, eingebunden in eine ebenso komplexe Wirtschaft und Gesellschaft, ist ein solches System, in dem sich viele kleine Eingriffe – von innen wie von außen – zu großer Wirkung vervielfachen können. Wer dieses „Gesetz der vielen Faktoren“ missachtet und nur nach der einen, zwingenden Ursache sucht, wird in seiner Analyse scheitern. Die Erkenntnis der wahren Gründe wird ihm verschlossen bleiben, genauso wie die Chance, nachhaltig etwas zu lernen.

Die Tatsache, dass aus Kreisen der Mitarbeiter von Weltbild schnell Ideen fürs Weitermachen entwickelt wurden, ist ein gutes Zeichen. Nach dem Recht auf den ersten Zorn haben sie die Energie genutzt, um etwas Konstruktives zu schaffen. Viele andere, die in den vergangenen Tagen sich großgetan haben in Schuldzuweisungen, sollten sich daran ein Beispiel nehmen. Ihre vereinfachte Sicht hat einiges von der Vorstellung „Die Erde ist eine Scheibe“. Die Namen von Schuldigen sind ein schlichtes Konstrukt; zu schlicht, um eine Krise zu bewältigen. Was es braucht, ist eine umfassende Fehleranalyse als Grundlage für ein klügeres Verhalten in der Zukunft. Jede darin investierte Energie ist um ein Vielfaches wertvoller als jene, die es braucht, um mit Fingern zu zeigen.

Ein Goldbrocken als Türstopper

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Auf den Spuren der frühen Goldsucher von North Carolina (c) VisitNC.com

Es scheint auf den ersten Blick nichts besonderes zu sein, dass 1799 auf der John Reed Farm ein knapp acht Kilo schwerer Felsbrocken als Türstopper diente. Doch drei Jahre später stellte sich heraus, dass dieser Brocken aus reinem Gold besteht. Der „Türstopper“ löste damit den ersten Goldrausch in der Geschichte der USA aus und veränderte nicht nur Cabarrus County, sondern auch die Farm von John Reed – die ist seitdem als „Reed Gold Mine“ bekannt ist.

Reeds Sohn Conrad hatte zur damaligen Zeit noch keine Ahnung, welche Ausmaße sein Fund in Little Meadow Creek annehmen würde. Ansonsten hätte er den Stein wohl kaum für 3,50$ an einen Juwelier verkauft, der über den Wert dieses Türstoppers wusste. Nachdem John Reed sich über den Fund seine Sohnes bewusst wurde, baute er seine Farm zu einem Goldbergwerk um und erwirtschaftete so bis zum Jahr 1824 bereits 100.000$ durch Gold. Damit war die „Reed Gold Mine“, die erste Goldmine der Vereinigten Staaten.

Von Reeds Glück über dessen Goldfunde motiviert, begannen bald darauf auch die Farmer der Umgebung auf ihrem Grundstück – und ab 1825 auch unter der Erde – nach Gold zu suchen, mit Erfolg. So lies der erste Goldrausch der USA mit dem Ursprung in North Carolina natürlich nicht lange auf sich warten und brachte viele neue Arbeitsplätze mit sich.

Mit dem Tod von John Reed 1845 wechselte die Miene mehrmals ihren Besitzer. 1896 wurde der letzte große Goldbrocken innerhalb des Geländes gefunden, auf dem im Laufe der Jahre insgesamt mehr als 45 Kilogramm Gold gefunden wurde. Bis 1848 führte North Carolina die Liste der Staaten, die Goldfunde vorweisen konnten an und wurde schließlich von Kalifornien abgelöst.

Nach mehreren Restaurierungen ist die Reed Gold Mine als einzige Untergrund-Goldmiene in den USA für Besucher zugänglich. Ein Besucherzentrum bietet zudem Ausstellungen zum Thema sowie originale Werkzeuge aus der Zeit und einen Film, der die Highlights des Goldrausches darstellt. Jede volle Stunde werden Touren durch die Tiefen der Mienen angeboten. Hobby-Goldsucher können auch hier gerne ihr Glück beim Goldwaschen versuchen – ein wirklich großer Spaß für die ganze Familie und ein einmaliges Erlebnis über die Geschichte des Goldrausches.

Das Charlotte heute die zweitgrößte Finanzmetropole der USA ist, hat sie vor allem dem ersten Goldrausch des Landes in North Carolina zu verdanken, denn dieser bildete die Grundlage für den Erfolg der Stadt. Auch das heutige „Mint Museum“, eines von Charlottes Kunstmuseen, hat seine Ursprünge im Jahr 1835. Das Gebäude war damals eine der ersten Münzprägestätten der Vereinigten Staaten und trug den Namen „Charlotte Mint“ – vielleicht lässt sich hier auch heute noch die ein oder andere Goldmünze finden…

 

Eine Ballpark-Legende wird 100

Ein Ständchen zum Geburtstag: die Musikkapelle des Wrigley Fields spielt auf (c) Choose Chicago

Ein Ständchen zum Geburtstag: die Musikkapelle des Wrigley Fields spielt auf (c) Choose Chicago

Die nächste Baseballsaison wird in Chicago zu einem großen Fest. Das legendäre Wrigley Field, Spielstätte der Chicago Cubs, feiert 2014 mit der „Party of the Century“ („Party des Jahrhunderts“) sein 100-jähriges Jubiläum. Im Mittelpunkt stehen dabei zehn Homestands der Chicago Cubs, also zehn Heimspiel-Serien. Jede ist einem Jahrzehnt aus der Geschichte des Wrigley Fields gewidmet. Zu sehen und erleben gibt es dabei unter anderem historische Trikots der Cubs und ein spezielles Unterhaltungsprogramm vor jedem Spiel. Bei ausgewählten Matchs erhalten die ersten 10.000 Besucher kostenlose Spielerfiguren als Geschenk.

Das Stadion selbst präsentiert sich während der gesamten Spielzeit festlich geschmückt, und auch an den Essensständen wird es unter dem Motto „Dining Through the Decades“ besondere Leckereien geben. Darüber hinaus bereitet das Chicago History Museum eine große Fotoausstellung mit vielen historischen Aufnahmen des Wrigley Fields vor. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist das Spiel der Chicago Cubs gegen die Arizona Diamondbacks am 23. April 2014, dem Tag des 100. Geburtstages des Stadions.

Sternstunden des Baseball-Sports

Das Wrigley Field wurde 1914 als „Weeghman Park“-Baseballstadion mit Platz für 14.000 Zuschauer eröffnet. Hier, im Norden Chicagos, trugen zunächst die Chi-Feds, die später Chicago Whales hießen, ihre Heimspiele aus. Das erste Spiel fand am 23. April 1914 statt und endete mit einem 9:1-Sieg der Chi-Feds über die Kansas City Packers.

1916 zogen die Chicago Cubs in das Stadion um, das zehn Jahre später nach dem Eigentümer der Mannschaft, William Wrigley Jr., in Wrigley Field umbenannt wurde. Seitdem fanden dort viele legendäre Spiele und denkwürdige Baseball-Momente statt. Spieler wie Sammy Sosa, Pete Rose oder Tom Glavine sorgten für wahre Sternstunden dieser Sportart, und 1932 kam es auf dem Wrigley Field zu dem berühmten „Called Shot“, dem Homerun von Babe Ruth, den der Spieler mit vorheriger Ansage schlug.

Weitere Informationen zum 100-jährigen Jubiläum des Wrigley Field gibt es unter www.WrigleyField100.com

Frisch gepresst und frisch gepflückt in Oregon

Oregon Ciders erobern gerade den Gaumen der Genießer (c) Travel Oregon

Oregon Ciders erobern gerade den Gaumen der Genießer (c) Travel Oregon

Apfelwein wird nicht nur in Deutschland gerne getrunken, sondern erlangt auch in Oregon eine immer größere Beliebtheit. Die amerikanische Variante des Apfelweins, „Cider“ genannt, wird heute an 16 verschiedenen Orten im Staate Oregon hergestellt. Aber Oregon ist nicht nur für seine Cider-Produktion beliebt, sondern auch für ausgezeichnetes Essen „á la nature“.

Nachdem James Kohn schockiert feststellte, dass in sogenannten „Apple Ciders“ aus dem Supermarkt keine Äpfel mehr enthalten sind, sondern unzählige Zusatzstoffe und Geschmackverstärker, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern. Nur wenige Zeit später gründete er das „Wandering Aengus Ciderworks“ und stellt heute erfolgreich Cider aus reinem Obst her – mindestens drei Äpfel pro Flasche. Im Laufe der Jahre haben James Kohn und sein Partner Nick Gunn die größte Auswahl an Ciders entwickelt und blicken auf eine erfolgreiche Karriere zurück – sie waren es, die das Geschäft mit dem flüssigen Obst wieder zu neuem Leben erweckt haben.

Auch im beliebten Weinanbaugebiet Willamette Valley existieren bereits Cider-Hersteller wie 2 Towns Ciderhouse, Carlton Cyderworks und E.Z. Orchards, die auf den Geschmack gekommen sind. Das Geschäft mit den Ciders läuft gut und vergrößert sich stetig. Da müssen sich die Hersteller anstrengen, um immer neue, kreative Cider zu entwickeln. 2 Towns präsentierte erst kürzlich ihren neuen „it“-Cider aus Rhabarber – hergestellt mit Hopfen aus dem Willamette Valley.

Heute können die Cider von lokalen Anbietern auch in den gängigen Supermärkten gekauft werden – und der Plan geht auf. In Portland findet eine Oregon Cider Week statt und auch ein Festival im Juni wurde „Cider Summit PDX“ genannt.

Justin Wills kreiert kulinarische Noten mit wilden Zutaten von Mutter Natur (c) Restaurant Beck

Justin Wills kreiert kulinarische Noten mit wilden Zutaten von Mutter Natur (c) Restaurant Beck

Zu einem leckeren Getränk gehört natürlich auch immer etwas zu Essen, das genauso frisch ist, wie der Saft selbst. Da ist man bei Koch Justin Wills und seiner „wildly local cuisine“ am Depoe Bay genau richtig. Denn hier geht der Chef des „Restaurant Beck“ noch selbst auf die Jagd nach frischen Zutaten für seine Menüs. 95 % aller verwendeten Zutaten des Restaurants bezieht Wills von Farmern und Fischern aus der Umgebung oder macht sich selbst entlang der Küste oder im Wald auf die Suche nach leckeren Beilagen. Dabei verwendet der Chefkoch alles, was er finden kann und entsteht dann schon mal eine Art „Salt and Vinegar Chip“ aus Eichenmoos. „Mutter Natur ist einfach unglaublich. Sie gibt uns alles, was wir brauchen“, so Wills, der von seiner italienischstämmigen Familie alles über die Natur und das Kochen lernte.

Bei so einer Leidenschaft in Kombination mit einem einzigartigen Konzept lässt der Erfolg nicht lange auf sich warten. 2011 wurde Wills vom Food&Wine Magazine für den „People´s Choice Best New Chef: Pacific Northwest“ nominiert und gehört zu den „Best Chefs America 2013“. Da bekommt das Prinzip „an apple a day“ einen ganz neuen Geschmack…

Die Renaissance des Stammtischs

Es ist schon ein paar Jährchen her, da war der „Stammtisch“ das Synonym für den Austausch dumpfer, verbohrter, vorurteilsbeladener Parolen. Wem medienwirksam und öffentlich unterstellt wurde, er verbreite „Stammtischparolen“, der war gemeinhin, auf jeden Fall aber in der spezifischen Angelegenheit gebrandmarkt als einer, dem es an Fähigkeit zum Differenzieren gebricht und dem ein Übermaß an schlichtem Denken zuteil war. Parteien, denen man das Streben nach der „Hoheit über den Stammtischen“ nachsagte, bekamen das gleiche Etikett, abgeleitet von der Zustimmung derer, die am Stammtisch saßen.

Stammtische sind selten geworden. Nicht nur, weil die Kneipen sowie die Dorf- und Vorstadtwirtschaften aussterben, in denen sie standen. An den wenigen, die geblieben sind, geht es nach wie vor überwiegend gemütlich hier. Ihr Wert ist nicht hoch genug einzuschätzen, dienen sie doch der Pflege eines gefährdeten Kulturguts: dem unmittelbaren, offenen Gespräch. Sie sind der lebendige Kontrast zum anhaltenden Rückzug ins Private und die anregende Alternative zum aufgezwungenen Schweigen gegenüber dem öffentlichen Gebrüll.

Denn das breitet sich in beängstigender Geschwindigkeit aus. Wer verbohrten Meinungen lauschen und vorurteilsbehaftete Gedanken wahrnehmen möchte, der wird zum einen durch die auf vermeintliche Spannung und „Atmosphäre“ gebürsteten Talkshows im Fernsehen umfassend bedient. Noch massiver aber tritt das, was man dem Stammtisch von gestern unterstellte, in den vermeintlichen Diskussionsforen auf, die im Internet feilgeboten werden – bei den etablierten Medien genauso wie bei Blogs und Portalen.

Der traurige Unterschied ist die Anonymität derer, die an diesen E-Stammtischen sitzen, und mit einer Verbissenheit, einer Selbstherrlichkeit und einer Intoleranz gegenüber anderen Meinungen zu Worte gehen, die den analogen Vorläufern fehlte. In einem allerdings unterscheidet sich das Heutige ganz wesentlich vom Gestrigen: „Der“ Stammtisch ist nicht mehr per se ein konservatives Milieu, denn er ist Forum aller Parteilichkeiten. Eine Hoheit ist dort ebenso nicht mehr zu erlangen. Ein Gewinn für die Diskussionskultur ist jedoch nicht erkennbar, nur eine vervielfachte Aggression.

 

 

Dreikönigsfest mit Mutprobe in Tarpon Springs

Tarpon Springs Epiphania

Wer von den jungen Männern das goldene Kreuz ertaucht, dem wird besonderer Segen zuteil. (c) Visit St. Petersburg/Clearwater

Die Gemeinde Tarpon Springs in Florida feiert das Dreikönigsfest am 6. Januar 2014 mit einer Mutprobe: Nach der Morgenmesse in der griechisch-orthodoxen Kathedrale St. Nicholas folgt eine Prozession zum Fluss Spring Bayou, in den ein Kreuz geworfen wird. Junge Männer stürzen sich in das kühle Wasser, um das Kreuz aus den Tiefen zu holen. Dem Finder beschert es ein Jahr voller Glück und Segen. Die bestandene Mutprobe wird anschließend mit Livemusik und einem Festessen gefeiert.

Epiphanias kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet „Erscheinung“. Es ist das zweitälteste christliche Fest nach Ostern, wird seit dem zweiten Jahrhundert gefeiert und ist älter als das Weihnachtsfest. In der griechisch-orthodoxen Kirche ist Epiphanias der Tag, der an die Taufe von Jesus Christus im Fluss Jordan durch Johannes den Täufer erinnert. In Griechenland begeben sich nach dem Gottesdienst alle zum Gewässer des Ortes – zum Meer, einem Fluss, See oder auch einem Wasserspeicher. Der Priester wirft ein goldenes Kreuz ins Wasser, dem junge Männer nachtauchen. Wer das Kreuz als erster findet, erhält gesonderten Segen.

Die Gemeinde Tarpon Springs liegt im Norden der Pinellas-Halbinsel an der Westküste Floridas. Viele der rund 20.000 Einwohner haben griechische Wurzeln, das macht den Ort zur Gemeinde mit dem höchsten prozentualen Anteil griechischstämmiger Bewohner in den USA. Grund für diesen ungewöhnlich hohen Anteil war die kommerzielle Zucht von Badeschwämmen, die 1890 begann. Damals warb der griechische Unternehmer John Cocoris Fachkräfte an – die Schwammtaucher kamen vor allem von den Dodekanes-Inseln und aus Chalkidiki nach Tarpon Springs.

Bis Anfang der 1930er Jahre florierte die Schwammindustrie in Tarpon Springs, mehr als 200 Boote waren täglich in den Feldern im Einsatz. Bis zum Jahr 1936 hatten sich bereits mehr als 2.000 griechische Siedler in Tarpon Springs niedergelassen. Allerdings gingen die Schwammfelder durch Krankheiten bis 1947 nach und nach zugrunde. Erst durch synthetische Schwammfelder konnte der Industriezweig wiederbelebt werden, aber nie seine ursprüngliche Bedeutung zurückerlangen. Heute ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftszweig der Stadt. Besucher können die historischen Schwammdocks besichtigen und Schwammtaucher bei der Arbeit beobachten.

Die Epiphaniasfeier ist mit bis zu 50.000 Besuchern das bedeutendste Ereignis von Tarpon Springs. Jedes Jahr am 6. Januar kommen griechischstämmige Amerikaner aus dem ganzen Land in den kleinen Ort. Viele Einwohner von Tarpon Springs hoffen, dass unter den Besuchern auch Griechen sind, die sich entscheiden zu bleiben. Die Feierlichkeiten zum Dreikönigsfest ziehen sich insgesamt über drei Tage. Die Veranstalter versprechen ein buntes Wochenende mit spirituellen und unterhaltsamen Programmelementen.