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Flugreisende sind großzügig bei Entschädigungen

Jedes Jahr haben Fluggäste in Deutschland Anspruch auf Entschädigungen in einer Gesamthöhe von rund 532 Millionen Euro wegen verspäteter oder annullierter Flüge. Doch der Großteil des Geldes bleibt bei den Airlines: Wie das Verbraucherschutzportal www.Fairplane.net jetzt ermittelt hat, sparen Fluggesellschaften mehr als 500 Millionen Euro jährlich ein, die eigentlich Passagieren zustehen. Für die Auswertung hat Fairplane alle 2013 in Deutschland abgewickelten Flüge analysiert.

Bei Flugannullierungen sparen Airlines das meiste Geld: Passagiere, die ihre Entschädigung von Fairplane einfordern lassen, wenden sich fast ausschließlich wegen Flugverspätungen an das Portal. Dass ihnen bei Annullierungen ebenso ein Ausgleich zusteht, wissen nur die Wenigsten. Dabei liegt dem Großteil (70 Prozent) der Ausgleichsansprüche ein gestrichener Flug zu Grunde. Insgesamt wurden 2013 knapp 17.700 Flüge auf deutschen Flughäfen annulliert. Spitzenreiter ist Deutschlands verkehrsreichster Flughafen Frankfurt, gefolgt von München und Düsseldorf – an diesen drei Airports wurden zusammen mehr als 12.200 Flüge gestrichen.

Gemessen an der Anzahl abgefertigter Passagiere schneidet jedoch Düsseldorf vergleichsweise am schlechtesten ab. Die meisten Annullierungen in Deutschland gab es im vergangenen Jahr bei den großen Fluggesellschaften Lufthansa (mehr als 7.200), Air France (rund 6.100) und British Airways (gut 4.300). Bei den Zielflughäfen hätten die meisten in Deutschland annullierten Flüge nach Frankfurt am Main, Paris Charles de Gaulle oder London Heathrow führen sollen. Jeweils mehr als 2.000 geplante Flüge mit diesen Zielflughäfen fanden niemals statt.

Mehrheit der Reisenden kennt ihre Rechte nicht: Sofern Passagiere nicht mindestens 14 Tage vor dem ursprünglichen Flugdatum über den Ausfall informiert wurden und die Flugstreichung im Verantwortungsbereich der Airline liegt, haben sie bei einer verspäteten Ankunft von mindestens drei Stunden zusätzlich zu Betreuungsleistungen einen Anspruch auf Entschädigung. Deren jeweilige Höhe regelt die seit 2005 geltende Fluggastrechte-Verordnung der EU. Doch die Mehrheit der Reisenden ist sich ihrer Rechte noch immer nicht bewusst. Von rund 200 Millionen Passagieren jährlich auf Flügen von und nach Deutschland steht etwa 1,4 Millionen Passagieren (0,7 Prozent) eine Ausgleichszahlung zu – mit einer durchschnittlichen Höhe von 380 Euro.

Die Gesamtsumme aller berechtigten Ausgleichsansprüche beläuft sich damit auf gut 530 Millionen Euro. Doch lediglich vier Prozent dieser berechtigten Ansprüche werden eingefordert und damit von den Airlines ausgezahlt – auf die übrigen 96 Prozent wird verzichtet. Der Grund dafür liegt für Fairplane-Geschäftsführer Andreas Sernetz auf der Hand: „Die meisten Flugreisenden kennen ihre Rechte nicht. Davon profitieren die Fluggesellschaften, indem sie versuchen, Passagiere mit Essens-Gutscheinen oder Bonusmeilen milde zu stimmen.“

Auch die Angst vor hohem Aufwand und Anwaltskosten würde viele davon abschrecken, die Airline zu konfrontieren, so Sernetz weiter. Während Passagieren hohe Summen entgehen, wäre die finanzielle Belastung für die Fluggesellschaften, anders als von ihnen öffentlich vorgebracht, eher gering: Für sie würde die Durchsetzung aller bestehenden Ansprüche lediglich mit zwei Euro pro verkauftem Flugticket ins Gewicht fallen.

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