Pfaffinger Umschau

upf schaut hin, hört zu und schreibt's auf

Month: Mai, 2015

Wie ein Ozean aus Sand

Die Dünen im Great Sand Dunes Nationalpark mit dem Cleveland Peak im Hintergrund (c) National Park ServiceNomen est omen – die Sanddünen des Great Sand Dunes National Park and Preserve im US-Bundesstaat Colorado sind mit einer Höhe von rund 230 Metern nicht nur die höchsten Dünen Nordamerikas, sondern auch ein großartiges Naturschauspiel, das aus der Ferne an ein Meer mit Wellen aus Sand erinnert. Die einzigartige Hochgebirgswüste liegt vor den Sangre de Cristo Mountains, einer zu den Rocky Mountains gehörenden Bergkette, die sich bis auf über 4.000 Meter erhebt.

Geschütztes Naturwunder

Auf einer Fläche von rund 340 Quadratkilometern erstreckt sich neben der Dünenlandschaft eine abwechslungsreiche Wildnis aus weitläufiger Steppe, Sumpf, Wäldern und Bergseen. Die ältesten Zeugnisse von Menschen in dieser Gegend sind etwa 11.000 Jahre alt und stammen von Nomaden aus der Steinzeit, die mit Speeren Mammuts und Bisons jagten. In den 1920er Jahren schlugen Bürger vor, die Dünen vor einer Zerstörung durch Menschenhand zu bewahren, und baten den Kongress, sie als nationales Denkmal zu schützen. 1932 trat diese Eingabe per Gesetz in Kraft, 2004 wurde das Gebiet darüber hinaus zu einem Nationalpark erklärt.

Tagesprogramm mit Rutschpartie

Pflichtprogramm für die meisten Besucher ist natürlich der Aufstieg auf einen der imposanten Sandberge, von denen fünf über 200 Meter hoch sind. Mit einer Höhe von „nur“ etwa 198 Metern ist die High Dune das beliebteste Besucherziel im Park, da sie einen herrlichen Blick auf das Dünenfeld bietet. Um zu ihrer Spitze und wieder zurück zu wandern, benötigt man etwa 2 Stunden. Westlich von ihr liegt die Star Dune, die mit rund 230 Metern höchste Düne Nordamerikas. Die Wanderzeit zu ihr hin und zurück beträgt rund 5 Stunden. Auch Snowboarder haben die Dünen längst als Spielwiese für sommerliche Rutschpartien entdeckt. Das so genannte Sandboarding, bei dem sportlich ambitionierte Besucher über den Sand hinab gleiten, ist überall auf dem Dünenfeld erlaubt. Schlitten und Sandboards können direkt am Parkeingang bei einem Outfitter ausgeliehen werden.

Verlockendes Wanderrevier auch für Fortgeschrittene

Die Wildnis des Schutzgebietes lässt sich hervorragend bei Tageswanderungen und mehrtägigen Rucksacktouren erkunden. Vom höchsten Punkt des Montville Nature Trail hat man einen herrlichen Panoramablick, der Mosca Pass Trail hingegen folgt den Spuren der Ureinwohner und Siedler. Wer die Gebirgsregion intensiv erkunden möchte, sollte sich vom Medona Pass aus zum Medona Lake aufmachen. Die Strecke verläuft erst durch üppige Wiesen und Wälder, und endet an diesem Gebirgssee in Höhe der Baumgrenze. Für fortgeschrittene Wanderer geht es von dort noch weiter auf den Gipfel des über 4.000 Meter hohen Mount Herard, wo man einen atemberaubenden Blick auf die Dünen hat.

Zelten direkt in den Dünen

Der ganzjährig geöffnete Great Sand Dunes Nationalpark liegt fünf Autostunden (390 km) südlich von Denver. Der Eintrittspreis für eine  Woche beträgt 3 USD für Erwachsene, für Besucher unter 16 ist der Eintritt frei. Mit dem National Parks Pass können bis zu vier Insassen eines Autos für 80 USD ein Jahr lang alle Nationalparks der USA besuchen. Motels und Lodges befinden sich außerhalb des Parks. Der Piñon Flats Campingplatz im Park bietet von April bis Oktober über 90 Plätze. Für authentisches Wüstenfeeling sollte man direkt in den Dünen zelten, was außerhalb des Tagesbesuchern vorbehaltenen Bereichs möglich ist. Hierzu benötigt man eine kostenlose Genehmigung, die im Besucherzentrum erhältlich ist. Direkt angrenzend an den Park im San Luis Valley befindet sich die Zapata Ranch, eine Bisonranch, die ihren Gästen authentisches Cowboyleben vermittelt www.zranch.org.

Chisholm-Trail sieht seinem Jubiläum entgegen

EIne Skulptur am Chisholm Trail Heritage Center erinnert an die bewegende Geschichte des "Real Cowboy Life". (C) CTHC

EIne Skulptur am Chisholm Trail Heritage Center erinnert an die bewegende Geschichte des „Real Cowboy Life“. (C) CTHC

Breitkrempige Hüte und hohe Stiefel, Lassos und Sporen – jene verwegenen „Cow Punchers“, die sich bis heute in den Weiten der nordamerikanischen Prärie um die Rinderzucht kümmern, sorgten dafür, dass sich der „Mythos Cowboy“ innerhalb einer nur kurzen Zeitspanne weltweit verbreitete: Zwischen den 1860er- und 1880er-Jahren trieben sie etwa 20 Millionen Rinder aus Texas auf den sogenannten Cattle Drives zu den Bahnhöfen im Norden.

Zwar feiert man eigentlich erst 2017 das 150. Jubiläum des Chisholm Trail, doch schon heuer wird das Chisholm Trail Heritage Center in Duncan/Oklahoma in einer Sonderausstellung die Viehtriebe ins Rampenlicht stellen. Auf gut tausend Kilometern führte der Trail einst mitten durch das „Heartland“, durch das Herz des Mittleren Westens der USA, und verband Fort Worth/Texas mit Wichita/Kansas. An die Tage der Cattle Drives auf dieser Route zwischen 1867 und 1889 – insgesamt vier Millionen Tiere sollen damals unterwegs gewesen sein – wird die neue Ausstellung ebenso erinnern wie an das heutige Leben von Cowboys und Rinderzüchtern in den US-Bundesstaaten Oklahoma und Kansas.

Zwischen 2015 und 2018 können Besucher des Chisholm Trail Heritage Center jene Menschen näher kennenlernen, für die Viehzucht und -haltung Lebensinhalt war und ist. Deshalb sucht das Museum derzeit auch „Real Cowboys on the Trail“, „echte“ Cowboys und Cowgirls, die entlang dem historischen Chisholm Trail ihrem Job nachgehen und dazu gewillt sind, aus ihrem Alltag mit dem Vieh zu erzählen. Ihre Geschichten und Fotos werden dann im Rahmen der Ausstellung präsentiert.

Überdies wird eine neue historisch-authentische Graphic Novel die Geschichte des Chisholm Trail zu neuem Leben erwecken. Gestaltet wird der Band von dem Comiczeichner Aaron Mallard. Eine Auswahl seiner Werke wird derzeit im Chisholm Trail Heritage Center in einer Sonderausstellung vorgestellt.