Pfaffinger Umschau

upf schaut hin, hört zu und schreibt's auf

Month: Januar, 2016

Mein erster Schritt zum „Filmproduzent“

"Der gestiefelte Kater", wie ich ihn aus der Augsburger Puppenkiste kenne. (c) Regio Augsburg Tourismus

„Der gestiefelte Kater“, wie ich ihn aus der Augsburger Puppenkiste kenne. (c) Regio Augsburg Tourismus

Über einen Hinweis auf Facebook wurde ich heute aufmerksam auf ein Filmprojekt. Die junge Regisseurin Eva Merz möchte einen Film drehen, der sich mit Walter Oehmichen und dem Aufbau der „Augsburger Puppenkiste“ nach dem Zweiten Weltkrieg befasst. Über die Crowdsourcing-Seite Kickstarter will sie dafür bis zum 16. Februar den Betrag von 26.000 $ einsammeln.

Es gibt einige attraktive Belohnungen für jene, die sich an dem Projekt beteiligen. Dazu gehören unter anderem die Nennung im Abspann als „first of friends“ oder als „Executive Producer“, ein Link zum Download des Film oder ein einstündiges Skype-Gespräch mit Eva Merz.

Ich habe mich jetzt beteiligt – aus mehreren Gründen. Die Geschichte der „Augsburger Puppenkiste“ ist ein Teil meines Lebens. Ich bin 5 Minuten zu Fuß vom Marionettentheater aufgewachsen und war dort of zu Gast. „Sankt Nikolaus in Not“, „Frau Holle“ oder „Die Schneekönigin“ sind bis heute lebendige Erinnerung.

In meiner Facharbeit im Leistungskurs Deutsch, die sich mit den „Theaterprogrammen der Brecht-Inszenierungen in Augsburg nach 1945“ befasste, war die Puppenkiste ebenfalls zweimal vertreten, einmal mit der „Dreigroschenoper“ (sicher) und einmal mit einem anderen Stück (muss ich noch nachschauen). Bert Brecht selbst hat als Schüler den „Baal“ auch schon als Puppenstück vor Nachbarskindern in der Bleich aufgeführt.

Dritter Grund: Die irrwitzige Vorstellung von vermeintlich Fernsehverantwortlichen, die Stücke der Puppenkiste für nicht mehr zeit-kind-gemäß halten und sie heute nachwachsenden Generationen vorenthalten. Das darf nicht unwidersprochen bleiben.

Daher halte ich diesen Film für mich und für Augsburg für unverzichtbar. Mit-Produzenten seien auf diesem Weg herzlich eingeladen.

Dreizehn Wege, New Orleans kennenzulernen

Die Canal Street in New Orleans führt mitten hinein ins Leben der Stadt. (c) Alex Demyan/neworleansonline.com

Die Canal Street in New Orleans führt mitten hinein ins Leben der Stadt. (c) Alex Demyan/neworleansonline.com

Ob das legendäre French Quarter, der beeindruckende Garden District, oder die neuen In-Viertel Faubourg Marigny & Bywater – jede der unzähligen Nachbarschaften in New Orleans hat einen einzigartigen Charakter. Um die Atmosphäre der Stadt wirklich erleben zu können, sollten Besucher keines dieser markanten Distrikte auslassen. 13 besondere Straßen verstreut in The Big Easy sind dabei die geeigneten Wege, der Seele der Stadt nahe zu kommen.

Begleitet von Grün und Eleganz…

Die wunderschönen Villen und Anwesen des Garden District finden Besucher entlang der St. Charles Avenue. Geschmückt mit uralten Baumbeständen bietet sich hier eine Fahrt mit der historischen St. Charles Streetcar an, um diese Gegend auf sich wirken zu lassen. Highlight der Fahrt ist ein Stopp am Audubon Park zum Entspannen und Genießen in freier Natur sowie ein anschließender Besuch des Audubon Zoo. Ein kleiner Tipp: Während der Mardi Gras-Zeit verwandelt sich die St. Charles Avenue eine Paradenstraße und wird unter anderen zum absoluten Besuchermagnet.

Ursprünglich als Hauptstraße in New Orleans geplant, liegt die Canal Street zwischen dem French Quarter und dem Central Business District. Mit dieser zentralen Lage ist sie idealer Ausgangspunkt für jegliche Ausflüge und Unternehmungen. Besucher können einfach in die rote Canal Street Streetcar einsteigen und so die Highlights von Mid-City erreichen – darunter auch das New Orleans Museum of Art im City Park und das beliebte Ralph’s on the Park Restaurant.

… von Musik und feiner Küche …

Natürlich darf bei den wichtigsten Straßen der Stadt eine ganz sicher nicht fehlen: die berühmte Bourbon Street. Sie ist vor allem bekannt für ihr aufregendes Nachtleben, historische Bars und toller Live-Musik. Als perfekter Startpunkt für einen schönen Abend empfiehlt sich ein kurzer Besuch im Fritzel’s oder dem ältesten Gebäude, das als Bar genutzt wird: Lafitte’s Blacksmith Shop. Auch ein Essen im Galatoire’s, das seit 1905 kreolische Küche serviert und Wert auf Familientraditionen legt, rundet den Abend ab.

Laden an Laden zum "Durchblättern" in derMagazine Street. (C) Alex Demyan/neworleansonline.com

Laden an Laden zum „Durchblättern“ in derMagazine Street. (C) Alex Demyan/neworleansonline.com

Obwohl parallel zur Bourbon Street gelegen befindet man sich auf der Royal Street in einer vollkommen anderen Welt. Kunstgalerien, Antiquitäten-Shops und ausgezeichnete Restaurants – diese Straße steht nicht nur für Kultur und Geschichte, sondern auch für einige der atemberaubendsten, architektonischen Gebäude der Stadt.

… von Künstlern, Bars und Clubs …

Shopping-Begeisterte sollten einen Abstecher auf die Magazine Street einplanen. Von Uptown bis zum Lower Garden District stehen sechs Meilen mit unzähligen Boutiquen und Geschäften zur Verfügung. Ob gehobene Küche oder eine schnelle Mahlzeit zwischendurch, Spas, Coffee Shops oder Kunstgalerien, die Magazine Street ist für einen Einkaufsbummel genau das Richtige.

Die Frenchmen Street ist das Herz und die Seele für Live-Musik in New Orleans und erfreut sich immer größer werdender Beliebtheit. Hier kommen nicht nur Besucher, sondern vor allem die Einheimischen hin, um mit die beste Musik der Stadt zu genießen. Mit unzähligen Bars und Clubs, wie dem Spotted Cat und dem d.b.a., die keinen Eintritt verlangen sowie das Snug Habor Jazz Bistro als beliebte Location, zieht die Straße unzählige Musik-Begeisterte an und zeigt alles, was die Stadt musikalisch zu bieten hat.

… kennt die lebendige Vielfalt kein Ende

Auch die Esplanade Avenue mit ihren historischen Gebäuden der früheren kreolischen Oberklasse, die Julia Street, oder liebevoll „Gallery Row“ genannt, die mit zahlreichen Galerien und Events beeindruckt sowie die zahlreichen Bars, Restaurants und Shops in der Oak Street geben Reisenden einen einmaligen Eindruck der Vielfältigkeit von The Big Easy. Nicht zu vergessen sind ebenfalls die bei Studenten beliebte Maple Street, die lebendige Freret Street mit den angeblich besten Cocktails der Stadt im Cure, der Oretha Castle Haley Boulevard, auf welchem das Southern Food and Beverage Museum beheimatet ist und zu guter letzt die St. Claude Avenue, der Himmel auf Erden für alle Künstler.

Gut, dass bei diesem Angebot New Orleans eine fußgängerfreundliche Stadt ist und Reisende mit einem guten Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln überall problemlos hinbringt.

Journalismusformel: Minus mal minus macht minus

Manche Entscheidungen im Journalistenleben scheinen auf den ersten Blick sehr einfach zu sein. Beim zweiten Hinsehen entpuppen sie bzw. ihre Folgen sich als höchst komplex. Im dritten Hinsehen wünscht man sich dann, man wäre anders vorgegangen. Dies ist inbesondere dann der Fall, wenn die journalistische Arbeit das reine Übermitteln von Nachrichten verlässt und eine Tendenz bekommt. Dies vorab.

Als Volontär habe ich einerseits die reine Lehre des Zeitungsjournalismus gelernt: Nachricht und Meinung gehören voneinander getrennt. Damit vermeide ich, meine Leser zu manipulieren. Andererseits hat mir die alltägliche Arbeit gezeigt, dass diese reine Lehre unmöglich einzuhalten ist. Denn schon die Entscheidung, womit ich eine Meldung beginnen lasse, welchen Umfang ich ihr zumesse, welche Position im Blatt, welche Qualität der Aufmachung (große oder kleine Schlagzeile, mit oder ohne Bild) ist nicht mehr auf rein sachlicher Basis zu begründen – mit Ausnahme des Faktums, dass der verfügbare Platz für Veröffentlichungen beschränkt ist. Ich wäge die auflaufenden Nachrichten auf Relevanz ab, auf Gewicht. Ich setze Prioritäten. Dabei folge ich meinem Urteil und meiner Erfahrung sowie der Meinung der Kolleginnen und Kollegen aus der Redaktionskonferenz.

Sie sehen: Nachricht und Meinung zu trennen ist unmöglich.

Wenn eine große Tageszeitung daher der Meldung über die sexuelle Belästigung oder Vergewaltigung von mehreren Dutzend Frauen während der Silvesternacht in Köln auf ihrer Titelseite nur eine kurze, im Konjunktiv gehaltene einspaltige Meldung „unter dem Bruch“ gewährt und den dazugehörigen Bericht auf der Panorama-Seite plaziert, also dem „Bunten und Vermischten“, und ihm dort etwa die Hälfte des Umfangs gewährt, den ein Bericht über in Eis und Schnee feststeckende Züge erhält, dann wirft das Fragen über die Meinung derer auf, die für diese (An)Ordnung verantwortlich sind.

Zumal gleichzeitig die Titelseite einen Vierspalter „Verbientes Gelände“ präsentiert, der sich damit befasst, wie in Afrika Insekten Elefanten von Feldern fernhalten sollen. Zumal gleichzeitig der Aufmacher der Panorama-Seite „Geliebtes Glühlicht“ über Berlin als „Welthauptstadt der Gaslaternen“ eine Wohlfühlatmosphäre ausstrahlt, die in direktem Kontrast zum Befinden der in Köln belästigten Frauen steht. Zumal nur verschämt und gegen Ende der Nachricht die Pflichtfrage „wer?“ beantwortet wird. Zumal die „Anreißer“-Meldung auf der Titelseite die Vorfälle in der Überschrift mit „Übergriffe“ relativiert, indem sie die Spezifizierung „sexuelle“ unterlässt.

Da ich weder der Redaktion angehöre noch Zugriff auf deren Meinungsgemengelage habe, bleiben mir nur Vermutungen. Sollte eine davon zutreffen, ist auch mein Wohlgefühl im gewählten Beruf stark beschädigt.

  • Es ist – trotz einschlägiger, umfassender Berichterstattung anderer seriöser Medien – zu einer krassen Fehleinschätzung gekommen, was die Schwere des Vorfalls angeht.
  • Die Redaktion hat versucht, durch die Marginalisierung der Täter und ihrer Herkunft eine bedrohte Bevölkerungsgruppe zu schützen, indem sie jenen keine „Munition“ liefern wollte, von denen diese Bedrohung ausgeht – und damit gerade die eigentliche Absicht torpediert, weil die unsaubere Berichterstattung genau diese „Munition“ liefern könnte.
  • Die Redaktion hält, im Jahre 3 nach #aufschrei, die titelseiten- und kommentarspaltentauglichen Altherren-Sprüche eines Politikers sexismustechnisch für gravierender als das tatsächliche, aggressive Betatschen von Frauen.
  • Die Redaktion überschätzt das Interesse an der afrikanischen Landwirtschaft.
  • Die Redaktion unterschätzt das Interesse an Situationen, die für Frauen bedrohlich sind.
  • Die Redaktion arbeitet mit Tendenz.

Der letzte Punkt ist der schlimmste. Denn er macht Nachricht und Berichtende angreifbar in ihrer Seriosität. Mit dem traurigen Ergebnis, dass minus (Information und Bewertung) mal minus (Vertrauen in das Urteilsvermögen der Leser) doch minus (Glaubwürdigkeit) ergibt.

tl;dr

Es gibt keinen harmlosen Sexismus. Es gibt keine weniger schlimmen Belästiger, egal welcher Herkunft Täter und Opfer sind. Und es dient nicht „der guten Sache“, etwas kleinzuschreiben, damit „die Bösen“ nicht Wasser auf ihre Mühlen bekommen – im Gegenteil. Die Wiederbelebung des sauberen, nachrichtlichen Journalismus bedarf dringend der Wiederbelebung einer klaren, von Formeln befreiten Sprache.