Pfaffinger Umschau

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Dünne Luft für den „Butterbrezeneffekt“

Nose in in MUC (C) Ulrich Pfaffenberger

Nose in in MUC (C) Ulrich Pfaffenberger

Vor ein paar Tagen hat das Statistische Bundesamt seine Zahlen zum Luftverkehr in Deutschland 2015 veröffentlicht. „Im Jahr 2015 starteten oder landeten insgesamt 193,9 Millionen Fluggäste auf deutschen Flughäfen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, war dies ein Zuwachs von 7,5 Millionen Passagieren oder 4,0 % gegenüber 2014“, heißt es in der dazugehörigen Pressemitteilung. Weiter schreibt das Amt: „Wachstumsimpulse gingen dabei vor allem vom Auslandsverkehr aus, dessen Passagierzahlen sich gegenüber 2014 um 7,1 Millionen (+ 4,4 %) auf 170,8 Millionen erhöhten. Im Inlandsverkehr stieg die Anzahl der Fluggäste dagegen nur um 0,4 Millionen (+ 1,5 %) auf 23,1 Millionen.“

Es lohnt sich, den Asprekt „Auslandsverkehr“ näher zu beleuchten. Denn seine verschiedenen Aspekte laden zur Differenzierung ein. Da sind einmal die Reisenden, die aus dem Ausland kommend, in Deutschland eintreffen. Ihr Besuch ist nicht nur aus Gründen der Völkerverständigung positiv zu bewerten; jeder ankommende Fluggast trägt zur Entwicklung unserer Wirtschaft bei. Der eine kauft vielleicht nur eine Butterbreze vor dem Weiterflug. Dafür steckt der andere ein paar Millionen in die neue Niederlassung seines Unternehmens in unserer Nachbarschaft. Die löst einen Butterbrezen-Effekt bei neuen  Mitarbeitern, Zulieferern, Dienstleistern, Einzelhändlern, Immobilienmaklern usw. aus, die sich dank des wachsenden Geschäfts eine zusätzliche Zwischenmahlzeit gönnen können. (Die Luftfracht, die „made in Germany“ weltweit verfügbar macht, sei hier nur am Rande des Flugfelds erwähnt.)

Da sind aber – andererseits – auch die Deutschen, die ins Ausland fliegen. Den Titel „Reiseweltmeister“ haben wir zwar verloren, aber ferne Länder sehen wir uns noch immer gern in großer Zahl an. Wobei: Von manchen dieser Länder sehen wir nur den Flughafen, an dem wir umsteigen. Die Folgen davon sind an den Wachstumszahlen der heimischen Airports zu erkennen. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow, formuliert das so: „…während die Starts europäischer Netzwerkcarrier an deutschen Flughäfen um 19,8 zugelegt haben, sind die von deutschen Fluggesellschaften um 6,2 Prozent zurückgegangen… Am größten deutschen Flughafen Frankfurt/Main z.B. lag das Passagierwachstum in den letzten fünf Jahren bei 15 Prozent. In Amsterdam hingegen bei 34 Prozent, in Dubai bei 64 Prozent und in Istanbul sogar bei 91 Prozent.“

Oberflächlich betrachtet mag das für viele kein Anlass zur Sorge sein. Mancher Fluglärmgegner mag sogar überlaut jubeln ob des Exports der störenden Geräusche ins Ausland. Oder voller Genugtuung den Wunsch von Flughäfen nach Ausweitung ihrer Kapazitäten ins Reich der statistisch belegten Märchen verweisen. (Wobei gern und leichthin Ursache und Wirkung durcheinander geworfen oder in ihrer Wechselbeziehung ignoriert werden.) Man kann aber auch genau hinschauen und die Wettbewerbsnachteile für die hiesige Luftverkehrsbranche erkennen: unkalkulierbare Dauer von Genehmigungsverfahren, Luftverkehrsteuer oder die Luftsicherheitsgebühren, die hierzulande nicht der Staat trägt. (Die „Fluggastrechte“ in die Liste der Nachteile aufzunehmen, ist indes töricht vom BDL. Kommunikationspolitisch genauso wie inhaltlich sprechen sie für den Standort.)

Heute kann man diesen Nachteilen als Otto Normalfluggast noch durch ein Umsteigen im Ausland ausweichen. Morgen wird die „dünne Luft im Luftverkehr“ die deutsche Volkswirtschaft viel Geld kosten, wenn sie diese Nachteile ausgleichen will. Geld, das an anderer Stelle fehlt. Nicht nur für Butterbrezen.

 

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