Pfaffinger Umschau

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Month: Februar, 2017

Rosa Blütenpracht an der National Mall

Wenn sich die Kirschblüten im Tidal Bassin der National Mall spiegeln, ist Washington romantisch bis in die Haarspitzen (c) washington.org

Wenn sich die Kirschblüten im Tidal Bassin der National Mall spiegeln, ist Washington romantisch bis in die Haarspitzen (c) washington.org

Einmal im Jahr zeigen die Kirschbäume rund um das Tidal Basin an der National Mall ihre ganze Pracht und tauchen die US-Hauptstadt in ein rosa-weißes Blütenmeer. Für die Bewohner und Besucher von Washington, D.C. ein willkommener Anlass, das Ende des Winters mit dem Cherry Blossom Festival einzuläuten. Das Kirschblüten-Fest, das in diesem Jahr vom 20. März bis zum 16. April 2017 zum 105. Mal stattfindet, geht auf ein Geschenk aus Japan zurück. 1912 übergab der Bürgermeister von Tokio der Stadt Washington, DC zum Zeichen der japanisch-amerikanischen Freundschaft 3.000 Kirschbäume. Einige der Bäume mussten im Laufe der Jahrzehnte ersetzt werden.

Kulisse für lebendige Kunst

Die zartrosa Blütenpracht an der National Mall bietet eine beeindruckende Kulisse für die zahlreichen Konzerte, Tanz-Performances und Veranstaltungen des Cherry Blossom Festivals, dem größten Frühlingsfest in den USA. Besonders beliebt bei Familien ist das Kite-Event, bei dem handgefertigte Drachen und ihre Flugkünste – in diesem Jahr am 1. April 2017 – bewundert werden können. Besucher haben die Möglichkeit, die imposanten Gedenkstätten von Washington, D.C. während der Kirschblüte im Rahmen einer geführten Tour zu entdecken. Es werden Führungen mit dem Fahrrad oder Schiff angeboten sowie Touren rund um die Themen „Food“ und Fotografie.

Parade zum Blüten-Gipfel

Beliebter Höhepunkt des Festivals ist die bunte National Cherry Blossom Festival Parade, die von 10 bis 12 Uhr am 8. April 2017 auf der Constitution Avenue (zwischen 7th und 17th Street; vom National Archive bis zum Washington Monument) zahlreiche Schaulustige anlockt. Riesige Helium-Ballons, aufwendig verzierte Wagen, Blaskapellen aus den unterschiedlichsten amerikanischen Destinationen und eine Menge Showeinlagen sorgen für ausgelassene Stimmung.

Treffen sich zwei Elemente im Buch

Sam Kean: Treffen sich zwei Elemente. S. Fischer Verlag ISBN 978-3-596-19580-0

Sam Kean: Treffen sich zwei Elemente. S. Fischer Verlag ISBN 978-3-596-19580-0

Es gibt Schulen, an denen zwar „Chemieunterricht“ stattfindet, an denen man aber nichts über Chemie lernt. Man kann das als kurzfristige Episode abtun und sich wichtigeren Dingen zuwenden. Man kann das bedauern, aber nichts daran ändern und in einem Aspekt des Lebens ungebildet bleiben. Oder man kann sich damit so lange nicht zufrieden geben, bis einem etwas widerfährt, das den ursprünglichen Mangel ausgleicht. 36 Jahre nach meinem Abitur ist mir das mit dem Buch „Treffen sich zwei Elemente“ von Sam Kean passiert. Jetzt weiß, welch weite Welt mir bisher verschlossen blieb, weil mir Chemie fremd war.

Anregende Übersetzung

Zunächst ein großes Lob an Stephan Gebauer, den Übersetzer des Buches. Er hat den lockeren, populärwissenschaftlichen Duktur von Science-Literatur „made in USA“ auf ansprechende Art ins Deutsche transferiert. Was eine Kunst ist, da einschlägiges Unterfangen mitunter in Albernheiten oder übertriebene Wortspielereien ausartet. In diesem Fall entspinnt sich ein anregender Dialog mit dem Autor über eine Materie, auf der sich der Leser erst zurechtfinden muss, aber sich von Anfang an direkt angesprochen fühlt. Da ist nichts Trennendes mehr auf der Sprachebene. Sehr gut.

Gelungene Dramaturgie

Wissenschaftsjournalist Kean geleitet uns kenntnisreich über das ebenso verlockende wie (für die meisten von uns) abstrakte Spielfeld des Periodensystems. Schritt für Schritt folgt er der Entdeckungsgeschichte der Elemente – sowohl wissenschaftlich als auch biografisch. Er ordnet die Entwicklung ein ins Weltgeschehen genauso wie in die menschlichen und zwischenmenschlichen Geflechte der beteiligten Forscherinnen und Forscher. Vom ewigen Scheitern des einen wie vom glücklichen Gelingen bei den anderen ist dabei ebenso die Rede wie von Sturheit und Streit, von Besessenheit und Ignoranz. Eine gelungene Dramaturgie also, bei der das Kernthema stets im Mittelpunkt bleibt, weil man jeder Zeile die sorgfältige Recherche anmerkt und die Absicht des Autors, seinen Leser klüger aus dem Buch zu entlassen, als dieser es betreten hat.

Inspiration fürs Vertiefen

Für mich war die Begegnung mit „Treffen sich zwei Elemente“ eine Bereicherung, die Lektüre entwickelte sich zum klassischen „page turner“ bis tief in die Nacht hinein. Seit Nancy Hathaways „Wie alt ist die Sonne und wie weit weg sind die Sterne?“, das einen ähnlichen biografischen Ansatz verfolgt, ist Sam Keans Buch aus meiner Sicht eine der gelungensten Einführungen in ein spannendes wissenschaftliches Feld. Ich habe danach Lust gehabt, mich tiefer mit Chemie zu befassen – und mit allem, was sie in unserem Leben bewegt. Was will man mehr von einem Buch?

Sam Kean: Treffen sich zwei Elemente … Verblüffende Geschichten aus der Welt der Chemie. Aus dem Englischen von Stephan Gebauer. S. Fischer Verlag. 9,99 €. ISBN:  978-3-596-19580-0

Baltimore gehen die Lichter auf

Das Kunstwerk „Drift“ der Künstlerin Stephanie Imbeau lädt zum Staunen ein. (c) capitalregionusa.de

Das Kunstwerk „Drift“ der Künstlerin Stephanie Imbeau lädt zum Staunen ein. (c) capitalregionusa.de

Vom 31. März bis 8. April 2017 wird Baltimore zu einem Freilichtmuseum für innovative Lichtinstallationen. Nach dem großen Erfolg der Premiere mit rund 400.000 Besuchern im vergangenen Jahr wird das kostenlose Festival „Light City Baltimore“ nun 2017 um zwei Tage verlängert und mit einem deutlich ausgeweiteten Programm stattfinden. Erklärtes Ziel der Veranstalter ist es, mit interaktiver Lichtkunst, Performances, Konzerten und einem Familienprogramm neu zu definieren, wie öffentlicher Raum genutzt werden kann.

Begehbare Kunstwerke laden zur Interaktion ein

Herzstück des größten Festivals seiner Art in den USA ist der „BGE Light Art Walk“, ein 2,5 Kilometer langer Fußweg rund um den Inner Harbor in Baltimore. 22 großflächige Installationen von Künstlern aus aller Welt sind hier für die Besucher erlebbar, von denen allein zehn bei „Light City Baltimore“ zum ersten Mal öffentlich ausgestellt werden. Viele der Kunstwerke sind begehbar und interaktiv, wie etwa die Installation „sono:lumo“ des gleichnamigen Künstlerkollektivs aus Baltimore. Umgebungsgeräusche, Stimmen oder Musik werden hier in bunte Lichtkreise verwandelt, die sich auf großen Scheiben ausbreiten wie Wellen in einem Teich. Auch das Kunstwerk „Drift“ der Künstlerin Stephanie Imbeau, die vor kurzem nach Berlin gezogen ist, lädt zum Staunen ein – drei aus bunten Regenschirmen zusammengesetzte und von innen beleuchtete Skulpturen schwimmen im Hafenbecken und kreieren wortwörtlich ein Lichtermeer.

Lichtspiele in der Nachbarschaft

Neben dem Zentrum am Hafen gibt es in acht Stadtteilen weitere Installationen, die aus einer Kollaboration der jeweiligen Gemeinde mit einem Künstler entstanden. Diese „Neighborhood Lights“ sorgen gemeinsam mit 50 Konzerten, 150 Performances, Vorträgen und Konferenzen sowie einer Vielzahl lokaler Essensstände dafür, dass der Geist des Festivals in der ganzen Stadt erfahrbar wird. Ob die bloße Bewunderung hinreißender Kunst, Diskussionen über soziale Wandlungsprozesse oder einfach nur unbeschwertes Spielen – beim „Light City Baltimore“ kommt jeder auf seine Kosten.