Pfaffinger Umschau

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Month: April, 2017

Giganten am Himmel über dem großen Fluss

Beim Great Galena Balloon Race begegnen sich alle Elemente in anmutiger Gestalt - Foto Great River Road Illinois

Beim Great Galena Balloon Race begegnen sich alle Elemente in anmutiger Gestalt – Foto Great River Road Illinois

Jedes Jahr am dritten Wochenende im Juni verwandelt sich der Himmel über Galena in ein Meer von bunten Ballons. In dem beschaulichen Städtchen an der Great River Road Illinois, rund drei Stunden westlich von Chicago, treffen sich vom 16. bis zum 18. Juni 2017 Ballonfahrer aus dem ganzen Land zum Great Galena Balloon Race. Zu dem dreitägigen Spektakel werden wieder mehrere Dutzend „Himmelsgiganten“ erwartet. Das Event findet auch in diesem Jahr auf dem Gelände des Eagle Ridge Resort and Spa statt.

Festival mit vielen regionalen Bezügen

Besucher des farbenfrohen Happenings können ihrem Lieblings-Ballon bei der Wettfahrt die Daumen drücken und das abwechslungsreiche Rahmenprogramm am Boden genießen. Neben Attraktionen für Kinder, verschiedenen Essens- und Getränkeständen und einer Bierverköstigung wird auf der stimmungsvollen Veranstaltung auch Live-Musik gespielt. Wer die wunderschöne Landschaft um Galena und den nahe gelegenen Mississippi aus der Vogelperspektive betrachten möchte, hat die Möglichkeit, selbst in einem Heißluftballon abzuheben. Nach der Premiere im vergangenen Jahr werden auch 2017 wieder sogenannte „Wine Flights“ angeboten. Während der Ballonfahrt können die Passagiere nicht nur die Aussicht, sondern auch erlesene Weine genießen.

Auch im Rest des Jahres ist der Himmel so nah

Die Region um Galena ist für ihre hervorragenden thermischen Verhältnisse bekannt. Ein Ausflug in schwindelerregende Höhen ist dort nicht nur während des Festivals möglich. Das Unternehmen Galena on the Fly bietet, abhängig vom Wetter, zwischen Ostern und Ende November täglich Fahrten zum Sonnenaufgang und Sonnenuntergang an. Die von dem Unternehmen eingesetzten Heißluftballons zählen zu den größten des Landes und bietet bis zu 14 Passagieren Platz.

Seitenweise Reiseträume

Bücher vom und übers Reisen schüren seit jeher unsere Phantasie und Vorfreude, begleiten uns als anregendes Gepäck unterwegs oder befördern kostbare Erinnerungen. Eine Auswahl für die Saison.

Soeben erschienen ist Karsten Eichners Traumschiff Ahoi – Das Kreuzfahrt 1×1“ (ISBN 978-3-7822-1279-3). Ein idealer Einstieg in die Welt der Kreuzfahrt und ein unverzichtbares Kompendium für den Smalltalk an Bord. Es erzählt die Geschichte der modernen Seereise von ihren Anfängen im 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit, gibt Tipps zu Routen und Reedereien und berät bei der Schiffs- und Kabinenwahl. Ein augenzwinkerndes Lesevergnügen für Kreuzfahrt-Fans und alle, die es werden wollen.

Das Kochbuch „Stories of Menu – Historische maritime Speisen neu interpretiert“ (ISBN 978-3-7822-1266-3) widmet sich den Menüs historischer Seereisen. Der Hamburger Sternekoch Heinz O. Wehmann vom Landhaus Scherrer, Blankenese, hat die Gerichte der Bord-Speisekarten von einst für das Kochbuch modern interpretiert, Autorin Birgit Altendeitering-Tiggemann liefert spannende Anekdoten rund um die jeweiligen Schiffsreisen.

Die Zeit beherrscht das Leben der Menschen. Im Lauf der vergangenen 250 Jahre ist sie zu einer ungeheuer dominanten und drängenden Kraft geworden. Man glaubt, sie läuft davon, versucht, sie zu messen, zu kontrollieren, zu verkaufen, zu filmen, sie zu inszenieren, unvergänglich und sinnerfüllt zu machen. Doch wie sind die Menschen derart unter das Diktat der Zeit geraten und was lässt sich dagegenhalten? Leidenschaftlich, witzig und klug geht der preisgekrönte britische Autor Simon Garfield in seinem neuen Buch „Zeitfieber“ (ISBN 978-3-8062-3443-5) der Geschichte der Zeit nach.

Weil ihre weltfremden Künstler-Eltern 2005 ins legendäre Chelsea Hotel in New York („Das Hotel, in dem ich ohne Aufsehen morgens um vier mit einem Zwerg, einem Bären und vier Frauen aufs Zimmer gehen kann.“ Leonard Cohen) ziehen, wächst Nicolaia Rips auf inmitten von Bohemiens, Callgirls und Spinnern. Ständig werden auf den Zimmern Partys gefeiert, krumme Dinger gedreht, phantastische Geschichten als lautere Wahrheit verkauft. Mit wundervoller Komik und viel Humor erzählt Rips in „Alles außer gewöhnlich(ISBN 978-3-312-01018-9), wie sie die Normalität zu meistern lernte und sich ihren Platz im fast normalen Anderssein erkämpfte.

Reisen bringt das Bedürfnis mit sich, von seinen Reisen zu erzählen. Früher am gefürchteten Dia-Abend, heute mit einem endlosen Strom aus Posts, Pics und Messages. Mit dem Handbuch „Die Kunst, andere mit seinen Reiseberichten zu langweilen“ (ISBN 978-3-312-01021-9) von Matthias Debureaux lernt man, wie sich der Erlebnisbericht weiter ausbauen lässt, welche Wendungen uns ins optimale Licht rücken, und zwar noch vor der Abreise, während der Tour und nach der Rückkehr sowieso. Jeder darf sich wiedererkennen; unser Lachen über den albernen Touristen meint uns selbst. Unterhaltsam, böse und klug: In einer Mischung aus Satire und Kulturgeschichte erzählt Debureaux von einer der großen Schwächen unserer Gesellschaft und wie sie auf die Spitze getrieben wird.

Hinweis: Die Links auf dieser Seite führen auf die Bestellseiten des Online-Buchhändlers buch7.de, zu dem keinerlei geschäftliche Beziehungen bestehen. Ich unterstütze allerdings dessen Ansatz, aus seinem Gewinn 75% „an wertvolle soziale, kulturelle undökologische Projekte“ zu spenden – zumal die Kunden selbst Vorschläge machen können, wer das sein soll.

Wanderlust in North Carolina

Der Chimney Rock, eine Wegmarke auf dem Mountains-to-Sea-Trail in North Carolina (c) Visit NC

Der Chimney Rock, eine Wegmarke auf dem Mountains-to-Sea-Trail in North Carolina (c) Visit NC

Vor 40 Jahren wurde der Grundstein für den Mountains-to-Sea Trail gelegt, der sich heute quer durch North Carolina erstreckt. Wer vom Great Smoky Mountains National Park bis hin zu den Outer Banks an der Atlantikküste wandert, erfährt entlang des Weges den Bundesstaat in seiner ganzen Vielfalt: Die Bergregion mit dichten Wäldern und rauschenden Flüssen; Farmen, verwitterte Tabakscheunen und alte Textilmühlen im Piedmont sowie die Küstenregion mit ihren kolonial geprägten Städtchen, Marschland, Leuchttürmen und Dünenlandschaften.

Der Mountains-to-Sea Trail belohnt Wanderer mit etlichen Superlativen. Er führt zum Gipfel des Mount Mitchell und zu Jockey’s Ridge – dem höchsten Berg und der höchsten Sanddüne im Osten der USA. Outdoorfans passieren vier Nationalparks, zehn State Parks, zwei Wildtierreservate und drei Leuchttürme, darunter Cape Hatteras Lighthouse, den höchsten Leuchtturm der Vereinigten Staaten.

Mit Hand und Fuß

Der Mountains-to-Sea Trail ist North Carolinas längster ausgewiesener Weitwanderweg. Alljährlich legen Freiwillige weitere Meilen an, um ihn kontinuierlich wachsen zu lassen. Derzeit umfasst er 18 Segmente und eine markierte Route von etwa 1.095 Kilometern sowie zirka 805 Kilometer Verbindungswege. Vom Clingmans Dome passieren Wanderer unter anderem den Pisgah National Forest, das Städtchen Asheville, den Hanging Rock State Park und die nördlich gelegenen Gebiete von Winston-Salem, Greensboro, Durham und Raleigh. Von da führt der Mountains-to-Sea Trail weiter zur Küste in Richtung Wilmington und Jacksonville, durch den Croatan National Forest und nach Cedar Island. Dort setzt man mit der Fähre zum Cape Hatteras National Seashore über und wandert auf den Outer Banks bis hinauf zu Jockey’s Ridge. Wer lieber auf dem Wasser unterwegs ist, nimmt die alternative Paddelroute auf dem Neuse River, die südlich von Raleigh beginnt und im Croatan National Forest endet.

Am Cape Hatteras mit dem höchsten Leuchtturm der USA erreicht der Trail die Atlantikküste. (c) Visit NC

Feiern am Wegesrand

Anlässlich des 40. Jubiläums finden 2017 zahlreiche Veranstaltungen statt. So wird Jennifer Pharr Davis aus Asheville im August die Wanderschuhe schnüren, um den Mountains-to-Sea Trail innerhalb von drei bis vier Monaten komplett zu begehen. Die 33-Jährige hält zudem den Geschwindigkeitsrekord für den Appalachian Trail und lässt Interessierte auf Ihrer Wanderung durch North Carolina an ihren Erlebnissen teilhaben. Hierfür werden Events und gemeinsame Wanderungen organisiert, denen sich Naturliebhaber anschließen können.

Am 9. September 2017 werden sich zudem hunderte Outdoor-Enthusiasten auf den Weg machen und jeweils einen Teil des Mountains-to-Sea Trail laufen, so dass sämtliche 1.175 Kilometer des Trails an nur einem Tag begangen werden.

Aus dem Sumpf in die Welt hinaus

Landwirtschaft prägte vor 250 Jahren das östliche Illinois, Landwirtschaft prägt die Gegend auch heute: Bauernhof bei Nauvoo. (c)Tom Simpson Photography

Landwirtschaft prägte vor 250 Jahren das östliche Illinois, Landwirtschaft prägt die Gegend auch heute: Bauernhof bei Nauvoo. (c)Tom Simpson Photography

Wer durch die ländlichen Regionen von Illinois unterwegs ist, stößt immer wieder auf Siedlungen mit einem stark ausgeprägten religiösen Charakter. Nicht nur die Amish haben in den vergangenen gut 250 Jahren ihre Heimat in Nordamerika gefunden. Auch viele andere Glaubensgemeinschaften nutzen die neue Freiheit in der Neuen Welt, um sich unbedrängt von den politischen Strukturen ihrer europäischen Heimat zu entfalten. Diese Siedlungen lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen. Einmal in solche, die Traditionen aus ihren Herkunftsländern fortführten, wie zum Beispiel die schwedischen Pietisten, die sich in Bishops Hill niederließen. Zum anderen in solche, die den gut gedüngten spirituellen Nährboden dieser Gegend nutzen, um neue Religionen reifen zu lassen. Dazu gehörten die Mormonen, die ihren Ursprung in Nauvoo hatten.

Zuflucht am Ufer des Mississippi

Auf das kleine Städtchen mit seinen gut 1.000 Einwohnern stößt man auf einer Reise entlang des Mississippi im US-Bundesstaat Illinois. Dort, wo heute zwischen grünen Wiesen und alten Bäumen zahlreiche, original erhaltene historische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert stehen, hatten die Mormonen ihre erste feste Ansiedlung errichtet. Auf ihrer Flucht vor Verfolgung in anderen Bundesstaaten und auf der Suche nach einem Ort, an dem sie gemeinsam leben und ihren Glauben in Frieden praktizieren konnten, kauften die Anhänger der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ im Jahr 1839 das sumpfige Stück Land am Ufer des Mississippi. Schon die indianische Urbevölkerung hatte dort gelebt und den Landstrich unter anderem Quashquema genannt. Später errichten weiße Trapper und Siedler an der Stelle einen Handelsposten, dem sie erst den Namen Venus und später Commerce gaben. Der bis heute gültige Ortsname Nauvoo geht auf die Mormonen zurück und ist die aus dem Hebräischen entlehnte Bezeichnung für „schöner Ort“.

Radikale Anfänge unter Joseph Smith

Unter Führung von Joseph Smith jr., Gründer der Glaubensgemeinschaft und Prophet der Mormonen, legten die neuen Eigentümer das Land trocken und errichteten ihre Stadt. Auf dem Hügel darüber entstand ab 1841 der große Nauvoo Tempel. Joseph Smith arbeitete als Kaufmann und Gastwirt, wurde später auch Bürgermeister von Nauvoo und kandidierte 1844 sogar für das Amt des amerikanischen Präsidenten.

Mit der Pferdekutsch erfahren Besucher eine Ahnung historischer Verhältnisse in Nauvoo. (c) Tom Simpson Photography

Mit der Pferdekutsch erfahren Besucher eine Ahnung historischer Verhältnisse in Nauvoo. (c) Tom Simpson Photography

Im gleichen Jahr ließ er mit Zustimmung des Stadtrates die Druckerpresse der örtlichen Zeitung Nauvoo Expositor zerstören, nachdem diese in ihrer ersten und einzigen Ausgabe kritisch über Smith und seine religiösen Ansichten berichtet hatte. Nach diesem Angriff auf die Pressefreiheit ließ ihn der Gouverneur von Illinois, Thomas Ford, verhaften und im nahegelegenen Carthage in Untersuchungshaft stecken. Als eine aufgebrachte Meute am 27. Juni 1844 das Gefängnis stürmen und Smith lynchen wollte, versuchte dieser zu fliehen, wurde dabei aber erschossen.

Interner Streit führt zum Exodus

Nach seinem Tod übernahm Brigham Young die Führung der Kirche. Es herrschte innerhalb der Gemeinschaft jedoch Uneinigkeit über die künftige Ausrichtung und einige Praktiken wie die Polygamie, weshalb sich in der Folge zahlreiche Gruppen abspalteten. Diese begleiteten Young auch nicht, als er im Februar 1846 mit einigen hundert Gefolgsleuten zum großen „Exodus“ in Richtung Westen aufbrach. Der Treck mündete im Sommer des darauffolgenden Jahres in der Gründung von Salt Lake City. Die überwiegende Mehrheit der rund 20.000 Gläubigen, die in Nauvoo und Umgebung lebten, folgte Young. Die Angehörigen von Joseph Smith jr, darunter sein ältester Sohn, Joseph Smith III., gehörte dagegen zu denen, die in Nauvoo zurückblieben. Unter seiner Führung formierten sich die meisten verbliebenen Splittergruppen zur „Reorganisierten Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ (seit 2001 „Gemeinschaft Christi“).

Viele Attraktionen für Besucher

Wer heute nach Nauvoo kommt, kann viel aus der Zeit der ersten Mormonen-Siedler entdecken. Zu den Höhepunkten gehören das frühere Wohnhaus von Joseph Smith jr., das Wirtshaus, das er einst betrieb, sowie die Gräber der Smith-Familie. Von hoher Bedeutung speziell für die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ ist der „Trail of Hope“, jene Straße, an der die Menschen, die Brigham Young nach Westen folgten, zu tausenden warteten, um den Mississippi zu überqueren.

Zudem stehen zahlreiche weitere original erhaltene Häuser den Besuchern offen. Dort erfahren sie viel über Leben und Alltag der Menschen jener Zeit. In manchen Häusern kann man sogar übernachten. Die Handwerkskunst jener Zeit wird im Family Living Center demonstriert. Ein kleines Museum ist die ehemalige Werkstatt des Waffenmachers Jonathan Browning, der unter anderem das „Harmonica Gun“ erfand. Nicht mehr original ist dagegen der Nauvoo Tempel, der prächtig auf dem Hügel über dem Städtchen thront. Bei ihm handelt es sich um den 2006 geweihten Nachbau des Originals, das durch Feuer und Sturm im 19. Jahrhundert zerstört worden war.

Geschichte in Musical-Form

Einen guten Überblick zum historischen Nauvoo vermitteln die Besucherzentren sowie kostenlose Fahrten mit Pferde- oder Ochsenkarren. Die Geschichte der Mormonen in Musicalform erzählen die Aufführungen „Rendezvous in Old Nauvoo“ (täglich montags bis samstags in der Cultural Hall) sowie die Historienspiele „Nauvoo Pageant“ und „British Pageant“ im Juli und August unter freiem Himmel. Der Eintritt ist jeweils frei. Zu den Sehenswürdigkeiten Nauvoos ohne direkten Bezug zum Mormonentum gehört Baxter’s Vineyards & Winery, das älteste Weingut von Illinois (Ausschank und Probierstube sind täglich geöffnet).

Eine Bitte, keine Formel

Was will uns dieses Wort sagen?

Was will uns dieses Wort sagen?

„X hat sich für sein Verhalten/seine Äußerung entschuldigt.“ Ein Satz, den man in jüngster Zeit häufiger hört. Vor allem in den Nachrichten. Denn die Vorfälle häufen sich, von denen bekannt wird, dass da jemand in irgendeiner Form schuldig geworden ist. In der Regel dessen, dass er (ja, die „sies“ sind da in der Minderheit) zuerst das Maul aufgerissen und erst danach das Hirn eingeschaltet hat.

Weil in der kommunikativen Welt der 2010er Jahre kaum noch etwas (Halb-)Öffentliches unbemerkt, undokumentiert und unveröffentlicht bleibt, verfangen sich immer mehr Zeitgenossen im Status einer Verfehlung gegen a) die öffentliche Meinung, b) den gesellschaftlichen Konsens, c) die guten Sitten oder d) gegen gute Manieren. Insbesondere c) und d) lassen dann den Druck entstehen, das dafür gefälligst eine Entschuldigung fällig sei. Wozu sich die vermeintlich reuigen Sünder dann aus unterschiedlichsten Motiven heraus dann auch hinreißen lassen: „Ich entschuldige mich für …“

Das geht so natürlich gar nicht.

Sich selbst aus der Schuld zu entfernen mag bequem und effizient erscheinen. Zulässig ist es nicht. Legitim ist aus meiner Sicht nur die Formel: „Dafür bitte ich um Entschuldigung.“ Anschließend ist es Sache der a) Öffentlichkeit, b) Gesellschaft oder c) individuell Betroffener, diese Bitte anzunehmen und dem reuigen Sünder zu vergeben. Ich halte den Faktor „Reue“ in der Tat für den entscheidenden, wobei mich meine katholische Erziehung beeinflussen mag: „In Demut und Reue bekenne ich meine Sünden“, heißt es am Anfang der Beichte.

Man mag von mir aus darüber streiten, ob eine solche Unterwerfung missbraucht worden ist und bis heute missbraucht werden kann. Aber der Umstand, dass da einer mit geneigtem Haupt vom hohen Podest des Danebenbenehmens heruntersteigen oder sich aus dem grellen Licht von Lügen oder unberechtigten Vorwürfen herausbewegen muss – das erscheint mit als eine Grundlage dafür, dass ihm Ent-Schuldigung zuteil wird. So einfach, dass er sich selbst einen Persilschein ausstellt und meint, damit alles wieder zum Guten geregelt zu haben, so einfach darf es sich keiner machen. Dass auch gehört werde, wer die Bitte um Entschuldigung annimmt und sie bejaht, ist das Mindeste.

 

Gefertigt mit Aloha!

Pazifische Wellen: Herausforderung für Surfer, Inspiration für Künstler.(c) Hawaii Tourism Authority_Tor Johnson

Pazifische Wellen: Herausforderung für Surfer, Inspiration für Künstler.(c) Hawaii Tourism Authority_Tor Johnson

Die erührende Vielfalt der sechs hawaiianischen Inseln ist eine geschätzte Inspirationsquelle für Künstler und diejenigen, die aus lokalen Erzeugnissen besondere Produkte und köstliche Gerichte herstellen. Von der Geschichte des kalo (Taropflanze), die sich im Muster eines Hawai‘i-Hemdes wiederfindet, bis zur Faszination der Wellen, die in Bildern, Fotos und Handy-Hüllenmotiven ausgedrückt wird. Neben Können und traditionellen Handgriffen, darf bei der Herstellung vor allem eins nicht fehlen: die Zugabe von Aloha – denn ohne „Made with Aloha“ wäre „Made in Hawai‘i“ nur halb so schön…

HAWAI‘I ISLAND

Landwirtschaft: Auf Hawai‘i Island gelegen, ist Big Island Bees einer der weltweit führenden Honigproduzenten. Besucher bekommen hier einen Einblick in die lokale Bienenzucht und können sich von der exzellenten Qualität verschiedener Sorten Einzel-Blütenhonig überzeugen. Big Island Bees produziert den Honig nach Originalrezeptur, ohne das Erzeugnis zu erhitzen, zu filtern oder mit anderen Zutaten zu vermischen. Viele erstklassige hawaiianische Restaurants beziehen ihren Honig von Big Island Bees.

Mode: Sig Zane Designs ist das bekannteste Label in Hawai‘i, wenn es um Aloha-Kleidung geht. Die Hemden und Kleider erzählen die hawaiianische Kulturgeschichte – in Sig Zanes Mode wird den Pflanzen und der Kultur der Inseln Tribut gezollt, verschiedene Muster spiegeln Orte, Natur und Traditionen wider.

Kunst: Von der Melodie und der Schönheit der Natur inspiriert, praktiziert Roen Hufford das kapa-Drucken und –Designen. Der Künstler bedient sich natürlicher Rohstoffe und kreiert komplexe Muster, die von verschiedenen einheimischen Pflanzen und Früchten übernommen werden. Außerdem wandelt er Holzstöcke in Motiv-Stempel um.

Prägende Kulturpflanze auf den Hawaiianischen Inseln ist die Taro. (c) Hawaii Tourism Authority Tor Johnson

Prägende Kulturpflanze auf den Hawaiianischen Inseln ist die Taro. (c) Hawaii Tourism Authority Tor Johnson

KAUA‘I

Landwirtschaft: Doug und Genna Wolkon, Inhaber von Kauaʻi Farmacy an Kauaʻis Nordküste, haben sich ganz dem Tee verschrieben: Auf mehr als 1,5 Hektar Fläche werden über 60 medizinische Kräuterpflanzen, die zu erstklassigen Teesorten verarbeitet werden, angebaut. Kauaʻi Farmacy versorgt nicht nur zahlreiche Restaurants mit ihren Produkten, sondern bietet auch geführte Touren für Besucher an. Dabei kommen weder Verkostungen noch Geschichten über die Tradition und Kultur des Teeanbaus in Hawai‘i zu kurz.

Mode: Mit dem Label KaiKini Bikini werden Frauen in einem handgefertigten Bikini nicht nur schön in Szene gesetzt, auch das Thema Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle. Auf Kauaʻi und mit dem besonderen Flair der Insel gefertigt, sind die Stücke dank ihres schnell trocknenden und antimikrobiellen Materials ideal für jegliche Aktivität – zum Surfen, Sonnenbaden, Tauchen, Yoga oder auch, um Wandern zu gehen.

Kunst: Die lokale Künstlerin Patrice Pendarvis erzählt mit ihrer Aquarellmalerei die Geschichte Hawai‘is. Seit mehr als 40 Jahren bringt Patrice Schönheit, Charme und Vielfalt der Inseln in ihren Bildern auf die Leinwand – mit traditionellen und abstrakten Ansätzen.

MAUI

Landwirtschaft: Am Fuße des Haleakalā National Park liegt die Ali‘i Kula Lavender Farm (AKL). Mehr als fünf Hektar Farmland beheimaten rund 55.000 Lavendelpflanzen und 45 verschiedene Sorten. Die Pflanzen werden sowohl an Restaurants verkauft als auch zu zahlreichen Produkten, von der Seife über Backpulver, verarbeitet und im Laden angeboten. Die malerische Lage der Farm bietet sich zudem an, eine kleine Pause zu machen und Kaffee mit Lavendelzusatz sowie Lavendelscones zu probieren und an einer geführten Tour teilzunehmen.

Mode: Mit ihrer von der Insel inspirierten Schmuckkollektion hebt Jamie Shepherd, Designerin von Sophie Grace Maui, die besondere Schönheit Mauis hervor und spricht vor allem Frauen an, die das Strandleben lieben. Dabei verarbeitet sie Halbedelsteine und Muscheln, in Gold gefasste Haizähne und schwarze Tahitiperlen zu Ohrringen, Armbändern, Ringen etc. Die Stücke sind sowohl in Sophies Boutique in dem kleinen Ort Pāʻi als auch in vielen Geschäften in ganz Maui erhältlich.

Kunst: Sie gelten als die Lieferanten von „flüssigem Gold“: Kether Keyser und Tiare Rietow haben Queen Bee Productions Maui ins Leben gerufen und versorgen ihren Kunden mit einer Serie an Hautpflegemitteln, die nachhaltig und umweltfreundlich hergestellt werden und den Körper verwöhnen. Ihren Leidenschaften und Ausbildungen geschuldet, ist jedes Produkt von Hand mit Maui-Honig und Maui Bienenwachs gefertigt – vom Lippenbalsam bis zur Körperbutter aus ausschließlich natürlichen Inhaltsstoffen.

O‘AHU

Landwirtschaft: Manuele Distillers, die Heimat von Ko Hana Agricole Rum, bringen Hawai‘is Geschichte und Geschmack ins Glas. Einzelne Sorten werden von Hand geerntet, zu Saft gepresst und dann perfekt destilliert, um Zuckerrohrrum in  feinster, höchster Qualität anzubieten. Das Natürliche der Erde und das Süße des Rohrzuckers bringen den individuellen, charakteristischen Geschmack hervor – nur die besten Rumsorten kommen dann auch in die Flasche.

Mode: Salt Liko ist das Beste aus aktueller Mode und dem Kulturerbe Hawai‘is. Stylist Matt Bruening und die Designer Kuhao Zane und Brandi Serikakau haben das Label gegründet und verfolgen mit ihren Mustern und Kreationen die Idee, dass „wir alle aus den Elementen, die uns umgeben, geboren werden“. Salt symbolisiert die Inseln als Spielplatz und Liko spiegelt im übertragenden Sinne wider, dass sich verwurzeltes Holz jeder Landschaft anpassen kann. Das Design soll inspirieren und passt besonders gut zu denjenigen, die den entspannten Lifestyle Hawai‘is leben und lieben.

Kunst: Einer der weltweit bekanntesten Surf-Fotografen ist Zak Noyle – er schafft es nicht nur, mit seinen Bildern die Schönheit des Ozeans festzuhalten, sondern auch immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Seine Werke sind in Form von faszinierender Fotografie zu bestaunen und in Form von Accessoires und Kleidung wie Handy-Hüllen und T-Shirts als Andenken zu erwerben und damit dauerhaft ein Stück Hawai‘i mit sich zu nehmen.

Wenn die Rockies zum „Klassenzimmer“ werden

Natur wohin das Auge reicht: Aspen inmitten der Rockies Stand-Up-Paddling vor einmaliger Bergkulisse Wandern und Lernen: Unterwegs am West Maroon Trail. (c) C2 Photography

Natur wohin das Auge reicht: Aspen inmitten der Rockies
Stand-Up-Paddling vor einmaliger Bergkulisse
Wandern und Lernen: Unterwegs am West Maroon Trail. (c) C2 Photography

Stand-Up-Paddling oder Klettern, Fährtenlesen, Zeichnen, Schreinern – wer seinen Sommerurlaub in Aspen und Snowmass verbringt, hat gute Chancen, bei der Abreise um ein paar sportliche, geistige oder künstlerische Skills reicher zu sein. Ob es an der Strahlkraft der unbändigen Rocky Mountains liegt oder einfach an der Myriade von Möglichkeiten, die Aspen und Snowmass mit ihren mächtigen Bergen rundherum den Menschen eröffnen, wäre noch zu klären.

Von Profis lernen

Fakt ist derweil, dass die beiden Städtchen im Roaring Fork Valley ein Hotspot für Experten, Freaks und Profis aus den unterschiedlichsten Disziplinen sind.Das Gute daran: Die meisten von ihnen geben ihre Begeisterung und ihr Wissen mit großem Enthusiasmus weiter und so mancher Anfänger wundert sich, wie schnell sich bei respekteinflößenden Sportarten, wie Downhill-Biken und River Surfing, oder Fähigkeiten, wie Tischlern, Schweißen oder Schnitzen, beachtliche Erfolge einstellen.

Jeder in seinem Outdoor-Element

Wenn in den Sommermonaten dicke Wildblumenteppiche die lichten Espenwälder durchziehen, werden das Tal und die mächtigen Vier – Aspen Mountain, Snowmass, Buttermilk und Aspen Highlands – zu einem Tummelplatz für Outdoor-Freunde aller Art. Wälder, Felsen, Gewässer…so vielseitig wie das Terrain, sind auch die Sportarten, die hier betrieben werden. Für jede einzelne findet sich ein Guide oder Trainer, der den Gästen nicht nur hilft, die nötigen Techniken zu erlernen; die Experten führen ihre „Schüler“ nebenbei auch zu den magischsten Orten der vielseitigen Bergwelt.

Wasser hat keine Balken, aber Boards

Stand-up-Paddling zu lernen bekommt in der Bergwelt von Aspen und Snowmass einen reizvollen Kick. (c) C2 Photography

Stand-up-Paddling zu lernen bekommt in der Bergwelt von Aspen und Snowmass einen reizvollen Kick. (c) C2 Photography

Dabei sind es nicht nur Kletterer und Zweirad-Enthusiasten, die hier, am Berg oder auf präpariertem Gelände, neue Skills erlernen; auch auf den glitzernden Seen und schäumenden Gewässern im Tal wird gesportelt und gelernt. Hier sind die Stand-Up-Paddler und Kanuten in ihrem Element und wer sich ein paar Tage in der stillen Schönheit von Colorados Wasserwelten verlieren möchte, kann zum Beispiel bei Charlie MacArthurs Kayak & SUP Academy alles lernen, was für eine Paddel-Tour in die Wildnis nötig ist.

„Petri heil“ im Roaring Fork Valley

Auch zukünftige Angler sind in Aspen und Snowmass in guten Händen. Die Gewässer im Roaring Fork Valley gelten als äußerst fischreich und sind besonders bei Fliegenfischern beliebt. Örtliche Anglerläden wie der Taylor Creek Fly Shop oder Aspen Fly Fishing bieten regelmäßig geführte Angelausflüge und Kurse an. Für alle, die etwas über die Natur der Rocky Mountains, ihre artenreiche Vogelwelt und über hilfreiche Fähigkeiten, wie das Fährtenlesen lernen wollen, ist das Aspen Center for Environmental Studies die richtige Adresse. Hier finden regelmäßig kostenlose geführte Wanderungen, Vorträge und spannende Diskussionsrunden rund um Wälder, Landwirtschaft und Ökologie statt. Das Programm gibt es unter www.aspennature.org

Für Kopf und Hände

Es muss nicht immer Sport sein: Wer sich im Urlaub künstlerisch oder handwerklich weiterbilden möchte, kann in Aspen und Snowmass aus einer Vielzahl an Angeboten wählen – vom Indoor-Gärtnern über Fotografie und Drucktechnik bis hin zu Keramik- und Tischlerkursen ist alles möglich. Anlaufstellen hierfür sind unter anderem das Aspen Center for Environmental Studies, zum Beispiel für verschiedene Gartenbautechniken, oder das Anderson Ranch Arts Center. Hier werden Interessierte nicht nur in klassische Handwerkstechniken wie Tischlerei, Töpferei, Schweißen oder Textildruck eingeführt; die Coaches zeigen auch, was mit 3D-Druck, Laser-Cutter und CNC-Fräsen alles möglich ist.

Ideen (be)greifbar machen

Auch innovatives Möbel-Design und Workshops zu den verschiedensten Formen bildender Kunst sind im Angebot. Letztere sind vor allem im Red Brick Center for the Arts in Downtown Aspen zuhause. Inmitten wechselnder Ausstellungen lernen Menschen aller Altersstufen hier, ihren Ideen Ausdruck zu verleihen. Ein besonderes Erlebnis für Kunst- und Weinfreunde sind die Paint & Wine Social Art Events im Red Brick Center, immer dienstags von 17:30 bis 19:30 Uhr. Die Fired! Up Workshops, bei denen die Besucher Keramik aller Art mit ihren eigenen Designs versehen, erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit.

EIn Bild von einer Landschaft

Mit Freiluft-Künstler Mike Otte geht es derweil raus in Aspens inspirierende Natur, wo er seinen Schülern verschiedene Techniken der Landschaftsmalerei näher bringt. Weitere Informationen zu den Sommerkursen 2017 im Red Brick Center for the Arts sowie im Anderson Ranch Arts Center gibt es unter www.aspenart.org/learn  und www.andersonranch.org/workshops-at-the-ranch.

Projekt „Jump“ erweitert Optionen für Passagiere

Ein enges Netz von Flug-Anbindungen für den ländlichen Raum: Vorbild ist mehr als 80 Jahre alt. (c) Archiv upf

Ein enges Netz von Flug-Anbindungen für den ländlichen Raum: Vorbild ist mehr als 80 Jahre alt. (c) Archiv upf

Im Zuge der Erarbeitung des aktuellen Luftverkehrskonzeptes haben die Gutachter der Bundesregierung in Kapitel 08 Unterpunkt 15 die „Erschließung ländlicher Räume ohne zusätzlichen Infrastrukturaufwand“ angeregt. In einer Expertenkommission aus Ministerium, Luftverkehrsgesellschaften und Vereinigung Cockpit wurde das Modellprojekt „Halbe Strecke – volle Mobilität“ entwickelt. So können heute Passagiere z.B. auf einem Flug von Berlin nach Frankfurt auch die „Zwischenhaltestellen“ Bernburg (Saale), Eschwege und Fulda zum Aussteigen nutzen. Einzige Voraussetzung ist eine gültige Bescheinigung als privater Fallschirmspringer. Alternativ können Interessierte auch eine Tageslizenz auf der Webseite der Deutschen Flugsicherung für € 7,99 online bestellen. (Keine weiteren Nachweise erforderlich).

Bequemer Zwischenausstieg

In dem Modellprojekt kommen nur zertifizierte Fallschirme mit automatischer Auslösung zum Einsatz, so dass auch jeder Fluggast ab 12 Jahren (Mindestgröße 1,40 Meter) den bequemen Zwischenausstieg nutzen kann.  Bis die ersten Flugzeuge vom Typ Airbus A321 (AMS – Advanced Mobility Solution) ausgeliefert werden, erfolgt der Ausstieg über ein Fenster im Cockpit.

„Wie James Bond anreisen und gleichzeitig etwas für die Umwelt tun – das ist die passgenaue Antwort auf die Mobilitätsbedürfnisse der heutigen Zeit“, kommentiert Hans Habicht, Staatssekretär für Luftverkehr im Verkehrsministerium das Ergebnis der neuen Entwicklung. Dabei verweist er auch auf die nicht zu unterschätzende Einsparung an CO2, denn jeder ausgestiegene Passagier reduziert das Gewicht des Flugzeugs und damit auch den Kerosinverbrauch.

Alles schon mal dagewesen: "Fliegende Anbindung" des ländlichen Raums anno 1925. (c) Archiv upf

Alles schon mal dagewesen: „Fliegende Anbindung“ des ländlichen Raums anno 1925. (c) Archiv upf

Wegweisender Umbau der Kabine

Dieter Kranich, Projektleiter bei Lufthansa Technik erklärt: „Neben den neuen Modellen A321-AMS wollen wir natürlich auch die Bestandsflotte umrüsten. Anstelle der hinteren Bordtoilette werden wir einen zusätzlichen Ausstieg mit wetterfestem Haltegriff einbauen. Technisch sollte das für uns kein Problem darstellen, lediglich die Schlage an der vorderen Toilette könnten durch den Wegfall etwas größer werden.“

Auch Emely Taube, Leiterin der Arbeitsgruppe „Neue Servicekonzepte“ der VC zieht ein positives Fazit und freut sich darauf den langgehegten Wunsch vieler Passagiere nach punktgenauem Aussteigen endlich erfüllen zu können: „Das Konzept ist einfach und durchdacht. Wer unterwegs aussteigen möchte nutzt einfach den „Stop“ Kopf an seinem Platz. Das kennt jeder aus dem Stadtbus.“

Schutz vor ungeabsichtigtem Ansaugen

Auch die Europäische Flugsicherheitsbehörde EASA gab unter wenigen Auflagen grünes Licht für den Modellversuch. So muss beispielsweise das Triebwerk auf der Ausstiegsseite im Schub gedrosselt werden um ein unbeabsichtigtes Einsaugen der abspringen Fluggäste in die Turbinenschaufeln zu vermeiden.

Die wahre Billigfliegerei

Die Ära des Aribus A340 nähert sich, früher als zu seiner Inbetriebnahme erwartet, allmählich ihrem Ende. Da schaut man schon mal ins Archiv, wie das damals war, anno 1993. Und was fällt mir in die Hände, versteckt zwischen immer noch ansprechenden Broschüren über den neuen Flieger? Ein sechsseitiger Leporello, überschrieben „Mit Lufthansa nach USA: Weniger hat Ihre Urlaubskasse nicht verdient.“ Die Rede soll nun nicht von den vollmundig bepriesenen Zielen und Packages sein, die den werten Lesern ans Herz gelegt wurden. Die Rede sei von den aufgerufenen Preisen, „Direkt und preiswert: die Lufthansa Holiday Special-Tarife“ für die Wintersaison 1993/94″.

Dieser Scan zeigt (Obacht, bitte: Preise in DM!), was die Airline den Passagieren zumuten wollte, „damit in der Reisekasse nicht schon bei Ankunft Ebbe ist“:

Flugtarife 1993 und 1994 nach Nordamerika. Quelle: Lufthansa Prospekt

Flugtarife 1993 und 1994 nach Nordamerika. Quelle: Lufthansa Prospekt

Es lohnt sich nun, nicht nur diese Ticketpreise in Euro umzurechnen. Es lohnt sich auch, mit einem Inflationsrechner zu ermitteln, a) wie hoch ein damals aufgerufener Preis heute sein müsste, um die aufgelaufene Kostensteigerung auszugleichen, und b) welcher Kaufkraft heute diese Preise entsprächen, wären sie auf damaligem Niveau geblieben.

Das führt zur Erkenntnis, dass „Low Cost Carrier“ eine relative Bezeichnung ist – denn offenbar liefert die ganze Branche heute zu weiter schrumpfenden Preisen.

Die 999 DM-Tickets nach Atlanta, New York oder Toronto aus Winter und Frühjahr 1993/94 müssten heute rund 710 Euro kosten, wären ihre Verkäufer die Inflation von kumulierten rund 39 Prozent mitgegangen. Oder, anders betrachtet: Aus den (umgerechnet) 510 Euro Kaufpreis von einst sind 366 Euro heute geworden – ein Kaufkraftverlust von ungefähr 28 Prozent.

Ein Blick in die aktuelle Preisstruktur auf dem Nordamerika-Markt zeigt, wohin die Preisentwicklung tatsächlich geführt hat.