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Projekt „Jump“ erweitert Optionen für Passagiere

Ein enges Netz von Flug-Anbindungen für den ländlichen Raum: Vorbild ist mehr als 80 Jahre alt. (c) Archiv upf

Ein enges Netz von Flug-Anbindungen für den ländlichen Raum: Vorbild ist mehr als 80 Jahre alt. (c) Archiv upf

Im Zuge der Erarbeitung des aktuellen Luftverkehrskonzeptes haben die Gutachter der Bundesregierung in Kapitel 08 Unterpunkt 15 die „Erschließung ländlicher Räume ohne zusätzlichen Infrastrukturaufwand“ angeregt. In einer Expertenkommission aus Ministerium, Luftverkehrsgesellschaften und Vereinigung Cockpit wurde das Modellprojekt „Halbe Strecke – volle Mobilität“ entwickelt. So können heute Passagiere z.B. auf einem Flug von Berlin nach Frankfurt auch die „Zwischenhaltestellen“ Bernburg (Saale), Eschwege und Fulda zum Aussteigen nutzen. Einzige Voraussetzung ist eine gültige Bescheinigung als privater Fallschirmspringer. Alternativ können Interessierte auch eine Tageslizenz auf der Webseite der Deutschen Flugsicherung für € 7,99 online bestellen. (Keine weiteren Nachweise erforderlich).

Bequemer Zwischenausstieg

In dem Modellprojekt kommen nur zertifizierte Fallschirme mit automatischer Auslösung zum Einsatz, so dass auch jeder Fluggast ab 12 Jahren (Mindestgröße 1,40 Meter) den bequemen Zwischenausstieg nutzen kann.  Bis die ersten Flugzeuge vom Typ Airbus A321 (AMS – Advanced Mobility Solution) ausgeliefert werden, erfolgt der Ausstieg über ein Fenster im Cockpit.

„Wie James Bond anreisen und gleichzeitig etwas für die Umwelt tun – das ist die passgenaue Antwort auf die Mobilitätsbedürfnisse der heutigen Zeit“, kommentiert Hans Habicht, Staatssekretär für Luftverkehr im Verkehrsministerium das Ergebnis der neuen Entwicklung. Dabei verweist er auch auf die nicht zu unterschätzende Einsparung an CO2, denn jeder ausgestiegene Passagier reduziert das Gewicht des Flugzeugs und damit auch den Kerosinverbrauch.

Alles schon mal dagewesen: "Fliegende Anbindung" des ländlichen Raums anno 1925. (c) Archiv upf

Alles schon mal dagewesen: „Fliegende Anbindung“ des ländlichen Raums anno 1925. (c) Archiv upf

Wegweisender Umbau der Kabine

Dieter Kranich, Projektleiter bei Lufthansa Technik erklärt: „Neben den neuen Modellen A321-AMS wollen wir natürlich auch die Bestandsflotte umrüsten. Anstelle der hinteren Bordtoilette werden wir einen zusätzlichen Ausstieg mit wetterfestem Haltegriff einbauen. Technisch sollte das für uns kein Problem darstellen, lediglich die Schlage an der vorderen Toilette könnten durch den Wegfall etwas größer werden.“

Auch Emely Taube, Leiterin der Arbeitsgruppe „Neue Servicekonzepte“ der VC zieht ein positives Fazit und freut sich darauf den langgehegten Wunsch vieler Passagiere nach punktgenauem Aussteigen endlich erfüllen zu können: „Das Konzept ist einfach und durchdacht. Wer unterwegs aussteigen möchte nutzt einfach den „Stop“ Kopf an seinem Platz. Das kennt jeder aus dem Stadtbus.“

Schutz vor ungeabsichtigtem Ansaugen

Auch die Europäische Flugsicherheitsbehörde EASA gab unter wenigen Auflagen grünes Licht für den Modellversuch. So muss beispielsweise das Triebwerk auf der Ausstiegsseite im Schub gedrosselt werden um ein unbeabsichtigtes Einsaugen der abspringen Fluggäste in die Turbinenschaufeln zu vermeiden.

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