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Wie Luke Howard unseren Himmel veränderte

Richard Hamblyn: Die Erfindung der Wolken. Suhrkamp TB ISBN 9783518455272

Richard Hamblyn: Die Erfindung der Wolken. Suhrkamp TB ISBN 9783518455272

Und wenn darauf zu höhrer Atmosphäre
Der tüchtige Gehalt berufen wäre,
Steht Wolke hoch, zum Herrlichsten geballt,
Verkündet, festgebildet, Machtgewalt,
Und, was Ihr fürchtet und auch wohl erlebt,
Wie’s oben drohet, so es unten bebt.

Kein geringerer als Johann Wolfgang von Goethe hat sich zu diesen Zeilen hinreißen lassen, der Wolkenform des Cumulus gewidmet. Eines von vier Gedichten, das er dem Briten Luke Howard gewidmet hat, jenem Mann, auf dessen Kategorisierung der Wolken bis heute die Meteorologie aufbaut. Eine „der außergewöhnlichsten Huldigungen, die je ein Wissenschaftler einem anderen gezollt hat“, schreibt Richard Hamblyn in seinem biografisch aufgebauten Wissenschaftsbuch „Die Erfindung der Wolken“.

Das Durcheinander am Himmel aufgeräumt

Es ist eine packende Erzählung, die gut das Prinzip wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt. Denn Howard, von Beruf Apotheker, war es durch Beobachtung und Akribie gelungen, das vor seiner Zeit herrschende Durcheinander der Wolken- und Wetterbeobachtung aufzuräumen und mit einer allgemein verständlichen, universalen Struktur zu versehen. Cirrus, Stratus, Nimbus – die lateinischen Namen der Wolkenformen, verbunden mit genauer Beschreibung des damit verbundenen Geschehens waren der Standard, der bis dahin fehlte.

Verlorenes Prinzip des „Universalgelehrten“

Aus einem öffentlichen Vortrag anno 1802 in London entwickelte sich, Widerständen zum Trotz, die Grundlage für die Sprache der Wetterkunde. Darauf aufbauend wurden genauere Vorhersagen genauso möglich wie tragfähige Beschreibungen vergangener Ereignisse. Die Parallelen zu anderen Wissenschaftlern, die ebenfalls mit Althergebrachtem aufräumen und aus gefühlten Zuständen verifizierbare Fakten machten, werden bei jeder Zeile deutlich. Erstaunlich für heutige Leser dürfte auch Howards – heute verlorener – Ansatz Richtung Universalgelehrtheit sein, den er mit Goethe teilte: Als Pharmazeut übertrug er seine Lern- und Forschungsstrukturen auf andere Disziplinen und erzielte damit dort selbst Erfolge.

Prominente Fürsprache verhalt zum Durchbruch

Sichtbar wird indes auch, wie wichtig prominente Fürsprache in solchen Fällen ist. Hätte Howard nicht Goethes Begeisterung geweckt und diesen zum Propagandisten seiner Wolkensprache werden lassen – wohl hätte sich eine andere Bezeichnungs-Struktur durchgesetzt. Heutige Meteorologen sind überzeugt, dass die Klassifizierung des Franzosen Jean-Baptiste de Lamarck differenzierter und praktikabler gewesen wäre – sich gegen die Deutungsmacht Goethes jedoch nicht durchsetzen konnte.

Dem Lesevergnügen tut dies indes keinen Abbruch: Hamblyns Buch öffnet die Augen für Wissenschaftsgeschichte und Himmelsbilder gleichermaßen – und ist eine anregende Lektüre für jedermann. Offenbar aber nicht von so großem wirtschaftlichen Erfolg begleitet, dass aktuelle Auflagen verfügbar wären. Suchende werden indes antiquarisch fündig.

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