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Celine, Britney & Co. setzen 2017 in Vegas AKzente

Las Vegas ist als „Entertainment Capitol of the World“ bekannt. Zahlreiche Stars, Kabarettisten, Magier, Tänzer und Akrobaten sind hier Zuhause. So haben auch Berühmtheiten wie Celine Dion, Britney Spears, Mariah Carry, Jennifer Lopez oder Lionel Richie permanente Shows in der Glitzermetropole. Mit den Backstreet Boys kommen 2017 weitere Superstars in die Stadt. Vor allem durch die kleinen Theater fühlt man sich den Stars häufig ganz nah.

Celine Dion, Backstreet Boys, Britney Spears und Mariah Carey stehen 2017 in Las Vegas auf der Show-Bühne. (c) LVCVA

Celine Dion, Backstreet Boys, Britney Spears und Mariah Carey stehen 2017 in Las Vegas auf der Show-Bühne. (c) LVCVA

Nach vielen Gerüchten ist es endlich offiziell – die Backstreet Boys kommen nach Las Vegas. Mit 130 Millionen verkauften Alben weltweit sind sie wohl die bekannteste Boy-Band aller Zeiten. Die erste Show von „Backstreet Boys: Larger Than Life“ wird am 1. März 2017 im Theater The AXIS at Planet Hollywood Resort & Casino sein. Diese Show wurde exklusiv für Las Vegas produziert und umfasst die Top Nummer 1 Hits der Band. Nick Carter, Howie Dorough, Brian Littrell, AJ McLean und Kevin Richardson werden dann im März und Juni weitere Konzerte geben

Britney Spears gehört schon zu den „alten Hasen“ in der Glitzermetropole. Mit der Show „Piece of Me“ tritt sie bereits seit 2013 im The Axis at Planet Hollywood Resort & Casino auf und war dort die erste Künstlerin mit einer permanenten Show. Seitdem haben über 500.000 Personen ihr Konzert in Las Vegas gesehen. Nun hat sie von März bis Mai 2017 weitere 18 Auftritte angekündigt. Selbst für Gäste, die das Konzert schon mal gesehen haben lohnt sich ein erneuter Besuch. Im Februar wurde die Show überarbeitet und begeistert die Zuschauer mit neuen Songs sowie neuen verführerischen Kostümen und Choreographien.

Passend zum 50. Geburtstag des Caesars Palace feierte Celine Dion im Oktober 2016 ihr Jubiläum mit dem 1.000 Auftritt. Die Musik-Ikone ist schon seit 2003 im The Colosseum des Caesars Palace zuhause. Wegen der großen Nachfrage hat sie von April bis Juni 2017 weitere 24 Auftritte angekündigt. Die verbesserte Show verbindet Celines größten Hits mit zeitlosen Klassikern von Stars wie Elvis, den Bee Gees, Queen und Prince und wird von einem vollen Orchester und einer Band begleitet.

Mit über 220 Millionen verkauften Alben zählt Mariah Carey zu den erfolgreichsten Künstlerinnen aller Zeiten. Ihre Show „#1 TO INFINITY“ mit jeder Menge Glanz und Glamour passt zudem perfekt zu Las Vegas. Nach zwei Jahren wird sie nun die Stadt verlassen. In insgesamt neun Abschluss-Konzerten wird sie ihre 18 Nummer 1 Hits nächstes Jahr zum Besten geben. Wer die Grand Dame noch ein letztes Mal live in Las Vegas erleben möchte, sollte sich für ihren letzten Auftritt im The Colosseum des Caesars Palace am 13. Mai 2017 Tickets besorgen.

Nashville erinnert an den „Teufelsgeiger“ Charlie Daniels

Die Country Music Hall of Fame & Museum in Nashville widmet Charlie Daniels eine Ausstellung. (c) tennesseetourism.de

Die Country Music Hall of Fame & Museum in Nashville widmet Charlie Daniels eine Ausstellung. (c) tennesseetourism.de

Zu Charlie Daniels‘ bevorstehender Aufnahme in ihre Ruhmeshalle zeigt die Country Music Hall of Fame & Museum das Lebenswerk des „Teufelsgeigers“. Die Ausstellung Charlie Daniels: Million Mile Reflections in Nashville eröffnet am 23. September und läuft bis zum März kommenden Jahres.

„The Devil went down to Georgia. He was lookin‘ for a soul to steal.” Spätestens 1979 mit dieser Songzeile und irrwitzigen Riffs auf der Geige schaffte Charlie Daniels seinen Durchbruch als Weltstar. Diese Südstaaten-Variante des Faust’schen Teufelspakts, bei der ein gewisser Johnny mit dem Teufel um seine Seele fiedelt, erschien auf dem Album Million Mile Reflections der Charlie Daniels Band, nach dem jetzt auch die Ausstellung in Nashville benannt wurde.

An der Seite von Presley, Dylan und Cohen

Charlie Daniels‘ Karriere reicht aber noch sehr viel weiter zurück mit Anfängen im Bluegrass. Seit 1950 arbeitet er als Berufsmusiker. Seinen ersten Hit landete er 1964 als Koautor von Elvis Presleys It Hurts Me. 1967 zog er nach Nashville, Tennessee, war dort auch Studiomusiker für Bob Dylan, Leonard Cohen und Ringo Starr. 1970 dann das erste Soloalbum, und 1972 die Gründung der Charlie Daniels Band. Am 30. Oktober dieses Jahres wird Charlie Daniels 80 Jahre jung.

Der „Tempel der Country Music“ wächst

Die Country Music Hall of Fame & Museum, gebaut und betrieben von der Stiftung Country Music Foundation, ist das weltweit größte Museum der Country Music. Vor fast 50 Jahren am 1. April 1967 gegründet, wurden Ruhmeshalle und Museum aus einem bescheidenen Bau im Viertel der Musikverlage Music Row 2001 ins Herz von Tennessees Hauptstadt Nashville verlegt – und damit die Fläche vervierfacht. Im Jahr 2014 verdoppelte sich die Gesamtfläche des Neubaus mit der Fensteranordnung einer Klaviatur noch einmal auf nun 32500 Quadratmeter.

Info: Zusätzlich zum Eintritt buchbar sind geführte Touren durch das Museum sowie durch die nahe gelegene Plakatdruckerei Hatch Show Print und das RCA Studio B im Stadtteil Music Row, zu dem Shuttlebusse fahren.

 

Wo Bristol und Bonnaroo den Ton angeben

Bristol in Tennessee feiert sein traditionelles Rhythm & Roots Festival 2016 vom 16. bis 18. September (c) Brandon Reece/Tennessee Tourism

Bristol in Tennessee feiert sein traditionelles Rhythm & Roots Festival 2016 vom 16. bis 18. September (c) Brandon Reece/Tennessee Tourism

Frühling und Sommer sind Festivalzeit in Tennessee. Nirgendwo gibt es mehr Bühnen als im Musikstaat der USA – von ganz klein und traditionsbewusst wie beim Bristol Rhythm & Roots bis gigantisch wie auf dem CMA Fest in Nashville für Country Music oder auf dem Bonnaroo bei Manchester mit Rock im Woodstock-Stil.

Die Mega-Festivals von Tennessee bringen Weltstars auf die Bühnen. Memphis in May, an vier Wochenenden vom 29. April bis 28. Mai, präsentiert Paul Simon und Neil Young. Das CMA Music Festival, weltweit größtes Country-Music-Ereignis vom 9. bis 12. Juni in Nashville, glänzt mit den Rascal Flatts, Carrie Underwood und Hank Williams Jr. Gleichzeitig lässt das Rockspektakel Bonnaroo mit hunderttausenden von Besuchern auf einem Feld bei Manchester Erinnerungen an Woodstock aufleben – mit Pearl Jam als Top-Act. Und das große Stadtfest Riverbend in Chattanooga vom 10. bis 18. Juni hat Blood, Sweat & Tears gebucht. Zum Nationalfeiertag am 4. Juli tritt in Nashville die neunfache GRAMMY-Gewinnerin Sheryl Crow bei freiem Eintritt auf.

Doch Tennessee hat damit noch lange nicht genug und begeistert mit musikalischen Leckerbissen auf vielen mittelgroßen Festivals. Jackson lockt mit dem Rock-A-Billy Music Festival am 5. und 6. August, Bristol mit traditionellem Country zum Rhythm & Roots vom 16. bis 18. September. Das Pilgrimage Music & Cultural Festival in Franklin bei Nashville bringt am 24. und 25. September Americana-Sounds auf die Bühne.

Ein spannender Newcomer 2016 ist das Stomp Festival for Lost Music vom 5. bis 8. Mai in Knoxville. Gefeiert werden dort die verloren geglaubten Aufnahmen der „Knoxville Sessions“ von 1929 und 1930 aus dem St. James-Hotel der Stadt, die am 29. April auf vier CDs mit Begleitbuch erscheinen sollen. Weltweiter Herausgeber der wiederentdeckten Pionieraufnahmen kommerzieller Country-Musik ist der deutsche Musikverlag Bear Family Records aus Holste-Oldendorf bei Bremerhaven. Das Festival ist Teil einer ganzen Reihe von Stadtfestivals in Knoxville, die bereits am 31. März bis 2. April mit Ears beginnt, gefolgt von Rhythm & Blooms gleich am Wochenende darauf.

Und schließlich gibt es jede Menge kleiner und kleinster Festivals. In Tennessee kommt kein Stadtfest ohne Live-Musik aus, und davon gibt es hunderte. Sie bieten an jedem Wochenende irgendwo im Staat beste Möglichkeiten, nicht nur absolut ursprüngliche Sounds aus dem Herzland amerikanischer Musik zu hören, sondern auch Einheimische kennen zu lernen. Sie sind es, und erst in zweiter Linie Touristen, die mit ihrer Musikbegeisterung den Sommer der Musik tragen. Denn Tennessee ohne Musik wäre für sie einfach undenkbar.

„Um zu überleben“

Anfang der 1990er Jahre habe ich für das inzwischen eingestellte Magazin HiFi-Vision ein Interview mit John Trudell geführt. Der hatte gerade sein Album „Aka Graffiti Man“ in überarbeiteter Form ein zweites Mal veröffentlicht. Es kam zu einem Gespräch, in dem ich mehrerlei lernte: Ein guter Musiker definiert sich nicht nur über seine Musik; über Indianer muss ich noch viel in Erfahrung bringen; es gibt immer eine Alternative.

Am meisten haben mich jene zwei Minuten bewegt, in denen John, Santee-Indianer und Vietnam-Veteran, von der Nacht erzählte, die sein Leben auf einen neuen Weg geschickt hatte. Was war passiert? Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg hatten ihn die Lebensumstände der Indianer in den USA so bewegt, dass er sich aufmachte, gegen die politisch Verantwortlichen vorzugehen. Als Mitglied und später Vorsitzender des American Indian Movement ging er an die Öffentlichkeit – unter anderem warf er dem dem FBI Vergehen gegen die Indianer vor. Anlässlich einer Rede zu diesem Thema verbrannte er die US-Flagge, „because we learned as soldiers that we have to burn the flag if it is disgraced“. Stunden danach ging sein Zuhause in Flammen auf. Darin verbrannten seine Frau, seine drei Kinder und seine Schwiegermutter.

Dies ist der Ausgangspunkt für das Interview, das es online bisher nirgendwo zu finden gibt. Mir liegt daran, dass es (auch in der typischen Länge eines gedruckten Interviews) erhalten bleibt, um an John Trudell zu erinnern, der am 8. Dezember gestorben ist.

Wenn einer Ihre Biographie liest, dann könnte er auch auf den Gedanken kommen: Der Mann hätte auch Terrorist werden können statt Dichter und Sänger. Warum haben Sie sich so entschieden?

Wenn ich zurückschaue, dann hatte ich keine andere Wahl. Welche Gefühle ich auch damals hatte – ich hatte nicht die Energie, darauf zu reagieren. Ich verstehe das wirklich selbst nicht. Als alle diese Dinge geschahen, war Schreiben sicher das letzte, woran ich dachte. Aber vielleicht ist das der Grund, warum ich diesen Weg gegangen bin: Weil es das war, was ich am wenigsten erwartete. Man muß das auch ganz pragmatisch sehen: Wann immer ich versucht hätte, Rache zu üben, die Leute, die ich hätte erwischen müssen, an die wäre ich nie herangekommen.

War es vorher schon Teil Ihres Lebens, Lyrik zu schreiben?

Nein.

Als Sie damit anfingen, wollten Sie da nur schreiben, oder dachten Sie da auch schon daran, auch Musiker zu sein?

Auch nicht. Als ich zu schreiben anfing, hatte ich nichts anderes im Sinn als zu überleben. Ich habe auch nicht gezielt zu schreiben begonnen, sondern es ist einfach passiert. Ich wußte, daß unabhängig von Gründen, ich dadurch ein Ziel bekam, eine Richtung. Die hatte ich vorher nicht. Mit der Zeit entdeckte ich dann auch meine Fähigkeit, mit Worten etwas auszudrücken. Später dann dachte ich darüber nach, meine Worte mit Musik zu verbinden. Aber zunächst hatte ich all das nicht im Sinn.

Die Gedichte, die Sie schreiben – wollen Sie die einer möglichst großen Menge Menschen mitteilen oder möchten Sie entdeckt werden?

Als ich beschloß, das alles nach außen tragen, da war das meine Entscheidung. Wie die Leute das annehmen oder nicht annehmen wollten, das überließ ich ganz ihnen. Ich habe nicht nach denen gesucht, die mit mir übereinstimmen, und nicht nach denen, die etwas gegen mich haben.

Sie haben sich nicht wie ein Missionar gefühlt, der eine Botschaft verbreiten will?

No. Ich mußte mich selbst ausdrücken und das war der Weg, der mir dazu einfiel. Es war meine Reaktion auf die Ereignisse, danach nicht zu schweigen.

Glauben Sie nicht, daß viele Indianer schweigen, weil Ihnen die Worte fehlen? Oder weil sie Angst haben?

Ich glaube nicht, daß es Angst ist, oder daß sie nicht wüßten wie sie sich ausdrücken sollen. Denn unter uns können wir uns ganz gut darüber verständigen. Viele Leute verstehen nur nicht, wenn wir etwas ausdrücken wollen, weil sie erwarten, daß wir in ein bestimmtes Bild passen, das sie von uns haben. Und dann wird’s schwierig, denn du kannst nicht in irgendjemands Bild passen und gleichzeitig dein echtes Bild zeigen. Denn jene, die ein Bild wollen, verwehren der Wahrheit den Zutritt. Da muß man sich schon überlegen, ob man zu diesen Leuten überhaupt sprechen will, weil sie dich ja sowieso nicht verstehen.

Der Stamm der Hopi diskutiert gerade, ob sie nicht künftig grundsätzlich Besucher von allen Ereignissen fernhalten sollen, wo sie ihre Religion oder ihre Kultur zeigen. Wie stehen Sie zu diesen Überlegungen, zur Tradition überhaupt?

Ich respektiere diesen Standpunkt, denn das ist keine Show. Was sie tun, ist vermutlich das gesündeste für sie. Wenn die Leute kommen, um eine Show zu sehen, dann haben sie keinen Blick dafür, was wirklich geschieht. Und wenn man zuläßt, daß Fremde dazukommen, fotografieren oder mitschneiden, dann ist das Ganze aber nichts anderes mehr als eine Show. Die Hopis sind ja keine verschlossenen Leute, sondern gehen nach außen, um über sich zu berichten. Aber wenn sie ihre Kultur schützen wollen, muß man das akzeptieren. Wer eine Show sehen will, kann ja zu einem Powwow gehen. Das ist offen zugänglich und braucht kein großes Verständnis.

Wer sich Ihre CD anhört, der wird nicht viel von jener traditionellen indianischen Musik entdecken, wie man sie sich vielleicht erwartet, wenn man hört: Da singt ein Indianer. Dafür ist viel mehr weiße und schwarze Musik drin, als zu erwarten wäre.

Genau das war der Grund, warum wir’s so gemacht haben. Weil wir keinem Bild entsprechen wollten. Zu oft wollen uns Nicht-Indianer so sehen, wie es ihnen ihre Phantasie vormacht. Sie wollen unsere Wirklichkeit verdrängen. Da gibt’s einige bei uns, die sich dagegen wehren. Wir sind hier und jetzt. Wer auf die Worte der Lieder hört, wird merken, daß sie durch und durch indianisch sind. Wer romantische, stereotype Bilder sucht, ist bei uns an der falschen Adresse. Das kriegt er nicht von uns. Und wird, das sind inzwischen ziemlich viele. Ich weiß nicht, wie ich’s nennen soll: kulturelles Mißverständnis oder unabsichtlicher Rassismus.

Jesse R. Davis, ein Kiowa-Indianer: Hör zu, wie der Gitarre spielt. Das ist ein Indianer, der über seine Gitarre spricht. Keiner spielt wie er. Was mich beunruhigt, ist das jene, die mit uns sympathisieren, für unsere Zukunft genauso gefährlich sind wie unsere Feinde. Denn unsere Feinde mögen uns nicht, weil wir Indianer sind. Und unsere Sympathisanten mögen uns, weil sie ein Bild von uns haben, daß wir darstellen sollen. Wenn sie aber nicht akzeptieren, wie wir heute sind, dann können sie uns genauso gefährlich werden. Sie wollen uns in der Vergangenheit halten.

Ich mache mir Sorgen über den Drogenhändler auf der Straße. Ich muß mir Sorgen machen, über Leute, die Krieg wollen und Bomben auf Bagdad werfen. Ich muß mir Sorgen darüber machen, wie Frauen und Männer mit der Gesellschaft zurechtkommen. Das berührt mein Leben als Indianer genauso, wie wenn die Regierung Bäume umlegt. Was wir der Außenwelt klarmachen wollen, ist: Um uns eine Zukunft zu geben, müssen sie unsere Gegenwart anerkennen. Unsere Feinde wollen uns zerstören, unsere Freunde uns in der Vergangenheit halten – und beide verweigern uns unsere Zukunft.

Die Tatsache, daß Jessse R. Davis, seine Gitarre so spielt, wie er sie spielt: Der Mann ist Vollblut-Indianer und drückt seine Gefühle dadurch aus, wie er seine Gitarre spielt. Die Leute sollten sich dadurch nicht täuschen lassen. Ich könnte auch hingehen und ein Album machen mit nichts als trommeln und indianischer Musik. Können Sie sich vorstellen, wieviele Leute das aus dem Regal nehmen würden? Ganz wenige. Was wir machen, ist, die Hautfarbe aus dem Spiel zu lassen und menschliche Lebewesen anzusprechen. Und da ich alle Lyrik schrieb und Jesse alle Musik – dann ist das Album indianisch.

Gibt es viele Dichter, Schreiber, Musiker wie Sie unter den Indianern?

Die Zahl wächst. Vor 20 Jahren haben wir unseren Kampf um politische Rechte aufgenommen. Die Form dieses Kampfs hat sich geändert, wie drücken unsere Kultur heute vielmehr durch Kunst aus. Vor 15 Jahren gab es politische Aktivisten, heute gibt es Künstler. Immer mehr Indianer greifen zu Gitarren und Keyboards und diesen Dingen und drücken damit traditionelle und zeitgenössische Formen aus.

Es gibt zur Zeit viele Filme, die Indianer zum Thema haben, und in Deutschland gut ankommen, weil wir für Indianerfilme seit Winnetou etwas übrighaben. Was denken Sie darüber?

„Der mit dem Wolf tanzt“ und „Black Robe“ werden das deutsche Indianerbild weiter festigen. Ich kann mit beiden wenig anfangen, weil sie sich nicht mit unserer heutigen Realität auseinandersetzen. Vor ein paar Jahren gab es den Film „Powwow Highway“, der mir gut gefiel, weil er uns in die Gegenwart setzte. Er gab uns Leben in dieser Generation. Der nächste Film, der kommt, „Thunderheart“, folgt dieser Linie. Und ich denke er wird gut aufgenommen, weil er sich mit unserem politischen Kampf in dieser Generation befaßt und damit, was die Regierung mit uns angestellt hat.

Gibt es derzeit eine Stimme zugunsten der native Americans, die auch gehört wird und die etwas ändern kann? Haben die Indianer zum Beispiel in dem Konflikt zwischen Schwarz und Weiß noch eine Chance gehört zu werden?

Nein, da kümmert sich keiner drum. Eher sorgen sie dafür, daß unsere Probleme kein Ende nehmen, sie sind die Quelle dafür. Ein Kolonisator ist programmiert, dich zu kolonialisieren, aber nicht, sich um deine Probleme zu kümmern. Das ist die Situation, der wir uns in den USA ausgesetzt sehen. Wir haben zwar Sympathisanten, aber es ist keiner im System, der unsere Rechte schützt.

Gibt es nicht Staaten, wo die Indianer mit den Eindringlingen besser zurechtkommen als in anderen?

Das kommt drauf an, um was es geht und in welchem Staat es geschieht. Wenn der Staat irgendetwas entdeckt, was die Indianer haben und was der Staat braucht, dann ist zum Beispiel in Oklahoma nicht leicht dranzukommen. Mancherorts sind die Stämme kulturell stärker, anderswo schwächer. Die Navajos sind ziemlich stark und konnten in Arizona und New Mexico einiges durchsetzen. Die Indianer in Oklahoma hat der Staat um so ziemlich alles beraubt, was sie haben konnten. Das ist für mich eine Form von Apartheid: Jeder akzeptiert, daß die Indianer da sind, aber sie werden kurzgehalten in einem zweitklassigen Status.

An welche Gruppe richten sich Ihre Lieder zuerst? Wollen Sie anderen Indianer damit zu einer Identität verhelfen?

Es geht nicht so sehr darum, eine Identität zu verschaffen. Zunächst entstanden die Songs, um auszudrücken, was Jesse und ich zu sagen hatten. Wir wollten sagen: Da sind wir zwei Indianer in einer Gesellschaft von heute. Von diesem Punkt ausgehend sind die Songs für alle, für die sie Sinn machen. Und wenn Sie ansprechen, daß diesem Album die indianischen Elemente fehlen: Den Indianern gefällt’s. Es sind die weißen Menschen, die fragen „wo sind die Indianer auf diesem Album?“ Es ist nun mal so, daß wir ein paar Jahrhunderte lang uns der Sprache, der Kultur der Weißen ausgesetzt haben und nun einen Weg entdeckt haben, um uns auf diesem Weg ihnen verständlich zu machen. Aber jetzt wollen sie’s nicht hören, weil sie uns lieber in einer Weise sprechen hören, die sie nicht verstehen. Es ist schon ziemlich bizarr.

Also: Die Musik ist geschrieben für Menschen mit Stammesbewußstein (tribaly conscious people), nicht Rassenbewußte (racialy conscious)! Das kann jede Farbe sein, auch wenn keiner dieses Stammesbewußtsein als solches erkannt hat.

Viele Menschen sagen, der Verlust der Sprache würde die Indianer ihrer letzten Wurzel berauben. Die letzte Schlacht, die sie verlören, wäre die gegen eine überwältigende Kultur aus Micky Maus und Fernsehen. Ist es da nicht Teil der Lebensaufgabe für einen Dichter, das Gefühl für Tradition und Stammesbewußtsein aufrecht zu erhalten?

Das ist die Aufgabe eines jeden Individuums. Das ist doch das Problem unserer Gesellschaft, daß jeder möchte, daß ein anderer für sie die Aufgaben übernimmt. Es ist Ihre Verantwortung genauso, meine Kultur am Leben zu erhalten, wie es meine Aufgabe ist. Das kann nicht die Aufgabe einzelner sein. Und wenn wir das Gefühl haben, daß etwas verloren geht, dann müssen wir das akzeptieren. Es gibt eine Evolution. Ich mag die Tatsache nicht, daß unsere Erfahrung damit Genozid, Ausrottung heißt. Ich akzeptiere die Evolution. Aber ich entscheide, was ich verliere. Das lasse ich keinen anderen entscheiden. Und ich entscheide, was für Veränderung und was für Verlust steht. Ich wäre besorgt, wenn ich nicht länger über eine spirituelle Identität verfügte. Wenn ich nicht mehr wüßte, wie ich zu beten habe, wie ich Rücksicht zu nehmen habe, wenn ich nicht mehr weiß, daß die Erde meine Mutter ist – dann würde ich vermutlich einen Verlust fühlen. Jetzt gerade fühle ich mich verändert. Ich kenne meine spirituelle Gegenwart und ich spüre die meiner Vorfahren und das, was sich für die Zukunft daraus entwickelt. Wenn ich’s so sehe, bin ich ein Produkt der Evolution. Ich fühle mich deswegen aber nicht verloren. Ich bin erst dann ein wirklicher Verlierer, wenn ich die Existenz der Evolution bestreite. Dann werde ich rigid…… und kann mich nicht mehr an die Wirklichkeit anpassen, wie es die Menschheit immer schon getan hat. Es ist mein Pech, daß ich in einer räuberischen Gesellschaft lebe, das zehrt an der Spiritualität der Menschen. Aber soll ich deswegen die Wirklichkeit bestreiten, mich den Räubern auf dem Präsentierteller stellen und mich verzehren lassen?

Sie sprechen von einer Sprache, die alle verbinden soll. Kann das die Musik sein?

Sie ist’s schon.

Sind sie sicher?

Alle Musik kann das, wenn sie die Gefühle und Wahrheiten einer Gesellschaft ausdrückt.

Was halten Sie dann von Nationalhymnen?

Nonono. Die Frage war, „kann“ die Musik? Ja, sie kann. Aber ich habe keine Ahnung von Nationalhymnen, weil ich sie noch nie beachtet habe. Ich glaube nicht daran und weiß, daß das alles Propaganda und Müll ist. Das hat nichts mit Wahrheit und Gefühlen zu tun. Das hat mit Verhaltensveränderung zu tun, mit Gehirnwäsche. In diesem Fall wird Musik nicht als Sprache der Gefühle verwendet, sondern als Kontrollinstrument. Aber das verhindert ja nicht, daß Musik als die eine, gemeinsame Sprache verwendet werden kann. Schau doch in die Geschichte: Jede Epoche und jede Gesellschaft hatte ihre Lieder. Und immer wenn einer versuchte, über die Musik die Kontrolle zu gewinnen, dann hat er die Musik verändert. Aber die Musik kommt immer wieder zum Leben.

Werden die indianischen Lieder einmal verlorengehen?

Nein.

Wer wird sie am Leben erhalten?

Indianer.

Aber von denen gibt’s doch immer weniger…

Das könnte ein falscher Eindruck sein. Wir sind unterdrückt, Genozid arbeitet gegen uns, aber wir sind noch immer da. Und wir haben noch immer unsere Einflußmöglichkeiten. Du kannst nicht alles behalten, was du je gehabt hast, und mit dir nehmen. Ab und zu mußt du etwas zurücklassen, das ist Evolution. Ich kann in jede beliebige indianische Gemeinschaft in den USA gehen – und die Lieder werden da sein. Das Problem ist wieder einmal die nicht-indianische Sichtweise: Wir sehen nicht so aus, wie sie uns sehen wollen, also deuten sie das als Verlust. Vielleicht ist der wirkliche Verlust in der nicht-indianischen Gesellschaft, die verlernt hat zu sehen. Für die wäre es viel wichtiger, auf sich selbst zu achten, was sie verlieren. Ich kenne die Gefahren, denen ich ausgesetzt bin, und kann mich darauf einstellen. Die Gefahr, daß es keine Zukunft für mich gibt, die verstehe ich sehr, sehr gut. Wenn die nicht-Indianer sich genauso gut auf die Gefahren ihres Lebens einstellen und sie erkennen würden, dann würde keiner von uns verlieren.

Welche Reaktion erwarten Sie auf Ihre Musik?

Meine Musik wird von jenen akzeptiert werden, die sich mit der Wirklichkeit abgeben, egal wo das ist. Wer sich mit romantischen Stereotypen befassen will, der wird Probleme damit haben. Aber das ist nicht mein Problem, sondern ihres. Ich bin kein Teil von Buffalo Bills Wild West Show und ich werde nicht singen und tanzen, wenn sie das wollen. Wenn ich’s mache, dann so wie ich will.

Zu Dylan gehört Nashville, zu Dylan gehört Cash

Das Ausstellungsplakat “Dylan, Cash And The Nashville Cats: A New Music City” von Jon Langford - Foto: Country Music Hall of Fame & Museum.

Das Ausstellungsplakat “Dylan, Cash And The Nashville Cats: A New Music City” von Jon Langford – Foto: Country Music Hall of Fame & Museum.

Bob Dylan und seine Plattenaufnahmen im Nashville der 60er Jahre stehen im Mittelpunkt einer neuen großen Ausstellung ebenfalls in der „Music City“, die noch bis Ende 2016 läuft. Es geht auch um Dylans Studioband Nashville Cats und die Zusammenarbeit beider mit Johnny Cash.

Die Ausstellung Dylan, Cash And The Nashville Cats: A New Music City in der Country Music Hall of Fame & Museum beleuchtet den großen Einfluss Nashvilles auf Bob Dylan seit 1965 und 1966, als er dort das Doppel-Album Blonde on Blonde mit der Studiomusiker-Formation The Nashville Cats aufnahm. Auch geht es um die Zusammenarbeit Dylans mit Johnny Cash und um dessen legendäre The Johnny Cash Show von 1969 bis 1971 im ABC-Fernseh-Network.

Die Ausstellung untersucht zudem weitere Einspielungen der Nashville Cats aus der Epoche mit Musiklegenden wie Joan Baez, J.J. Cale, The Byrds, Leonard Cohen, Paul McCartney, Linda Ronstadt, Simon & Garfunkel und Neil Young. Diese Aufnahmen leiteten in den 1960er- und 70er-Jahren einen Wandel ein: War Nashville vorher nur die Hauptstadt der Country Music, öffnete sich die Stadt seitdem auch anderen Musikstilen. Mit Folk, Rock und Pop wurde Nashville so zur heutigen „Music City“. Was für den Film Hollywood, ist für die Musik Nashville.

Zu den Perlen der Ausstellung zählen Musikinstrumente und Kostüme, das handgeschriebene Manuskript des Songs Wanted Man von Bob Dylan, den Cash im Jahr 1969 für sein Album Johnny Cash at San Quentin aufnahm, sowie Clips der Johnny Cash Show.

Früh übt sich, wer ein Jazzer werden will

Jazz Aktionstag Markt Schwaben (c) Pinus Text & Bild

Jazz Aktionstag Markt Schwaben (c) Pinus Text & Bild

Die Musikschule Markt Schwaben hatte dieser Tage unter dem Titel „Jazz Stories“ zu einem „großen Aktionstag“ in den Unterbräu geladen. Auch wenn das schmuck hergerichtete Gebäude den angestaubt, verspinnwebten und verrauchten Charme einer Jazz-Kneipe vermissen ließ, sorgte doch die Leidenschaft der jungen Musiker für dichte Atmosphäre. Beim Gang durch die Epochen kamen Musiker wie Zuhörer der Evolution eines stilbildenden Stücks Musikgeschichte sehr nahe. Besonders anregend geriet der Nachmittag auch dadurch, dass die Veranstalter ihre Nachwuchsmusiker wie auch das Publikum mit ausgewiesenen Profis wie Josef Ametsbichler, Guido May, Felix Sapotnik, Werner Klausnitzer und Andreas Kurz zusätzlich zu motivieren. Drei der auftretenden Ensembles seien besonders hervorgehoben, da wir ihnen mit Sicherheit in der Zukunft wieder begegnen werden. Erstens die Big Band „Markt Schwabens Finest“, geleitet von Hermann Rid und begleitet von der Sängerin Heike Schoch: Ballroom-Niveau. Zweitens die „glorreichen Sieben“ im Percussion Ensemble, voller Hingabe und Feingefühl. Drittens der „Youngsters Music Club“, der gerade seine erste eigene CD veröffentlicht hat.

Meine komplette Rezension ist in der Ebersberger SZ erschienen.

Bach verstanden

Es kostet Kraft, viel Kraft dieses „Kyrie“. Ganz Bach eben, Diener seines Herrn, ganz der Aufgabe verpflichtet, die Hörenden zu Glaubenden zu machen, versetzt er sie in Trance, so lange, bis der Alltag vergessen und alle Sinne dem Herrn zugewandt. Musik, nicht nur zur Ehre, sondern auch zum Dienste Gottes sind diese zwei Stunden BWV 232 im anspruchsvollen h-moll. Musik, die jeden fordert, der sich mit ihr befasst, vor allem aber einen Chor. Zumal wenn sich dieser als Konzertchor versteht, nicht als geistliches Ensemble. Eine echte Bewährungsprobe also, noch dazu an bester Adresse, dem Herkulessaal, dessen Akustik alles offenbart.

Der Chor der Bayerischen Philharmonie, der nach mehreren geglückten Bewährungsproben dieses Spitzenwerk angeht, besteht die Herausforderung ans eigene Können. Hohe Disziplin, kluge Einteilung der Kräfte und ein offenkundiges Verständnis für die hohe Kunst des Komponisten liefern die Grundlagen fürs Gelingen. Mark Mast hat seinen Sängerinnen und Sängern vermittelt, worauf es ankommt, führt sie souverän und inspiriert durchs Konzert – und sein Ensemble setzen es in einer Qualität um, die deutlich über das hinausragt, woran man einen Laienchor misst.

Die kluge Kombination der singenden mit den spielenden Stimmen trägt das Ihre dazu bei. Das Barockensemble L’arpa festante zählt nicht von ungefähr zu den Glanzlichtern unter denen, die sich dem Spiel mit historischen Instrumenten widmen. Seine Geschlossenheit und seine Musikalität sind von allerster Güte, was sich insbesondere dann zeigt, wenn sich einzelne Instrumentalisten zur Begleitung der singenden Solisten finden, mit ihnen in Dialog treten. Da hören wir Bach in Reinkultur und das Herz freut sich.

Auch deshalb, weil die Besetzung der Solostimmen mit großem Bedacht erfolgte – was das Werk angeht wie auch die erweiterte Dimensionalität zum Chor. Manfred Bittner ist ein Bass, wie man ihn sich für ein solches Konzert und einen solchen Raum nur wünschen kann: kraftvoll entspannt, mit einem feinen Gespür für Zwischentöne und Tempi. Marcus Ullmann als Tenor setzt die Akzente, wo sie das Werk fordert, nicht das Publikum, überzeugt mit Klarheit und Wärme. Marion Eckstein gibt den Altpartien eine anregende Prägung, nicht zuletzt weil ihre kluge Intonation besonders gut mit der Stimmung der historischen Instrumente harmoniert. Monika Eder bewegt sich mit traumwandlerischer Sicherheit im Spannungsfeld von Dramatisierung und Demut, erweist der Intention Bachs eine vollendete Referenz.

Sie alle da oben auf der Bühne haben ihren Bach verstanden. Das vollbesetzte Haus dankt es mit langem, herzlichem Applaus.      (c) Ulrich Pfaffenberger

Gute Laune-Musik, frisch gezupft

Swing und Ragtime sind an und für sich schoin Garanten für Gute-Laune-Musik. Vorigen Samstagabend, beim Konzert von „Front Porch Picking“ in der Schrottgalerie, kam noch eine Packung Fröhlichkeit obendrauf. Denn das Quintett aus Göttingen packt in sein Programm stets auch eine Dosis Hawaii mit hinein. Bei Stücken wie „Radio Hula“ oder die „Maui Chimes“ greift die Band zu ausgesuchten und authentischen Instrumenten, um unplugged den typischen Südsee-Insel-Sound erklingen zu lassen. Gerade in Verbindung mit der von Peter Funk meisterhaft gezupften Lapsteel Guitar wirken die Melodien, die Wolfgang Beisert aus der Ukulele herausholt, besonders intensiv. Dazu die temporeiche Dramaturgie von Dirk Heimberg, der schon mal die Hawaiian Slack Key Guitar herausholt, der lässig-souveräne Hans-Jörg Maucksch am Kontrabass und als treibende Kraft Klaus Hoheisel auf dem Cajon – das ist eine mitreißende Mischung. Das zeigen sie beim Swing, das zeigen sie beim Blues, das zeigen sie bei Rag, beim Bluegrass und beim Walzer. Walzer? Ja, Walzer. Hier wird Musik nicht nur gespielt, hier wird sie mit Herzblut gefeiert. Das ist einen extra Applaus wert, der über die gebotenen drei Zugaben hinausgeht. Zumal einem das entspannte „Spass an der Freud'“-Spiel der Fünf auch bewusst macht, welche Klasse die Komponisten hatten, die jener Zeit, die wir nur aus Schwarzweiß-Filmen kennen, die musikalische Farbe gaben. Absolut empfehlenswert. Hör- und Seh-Probe (Schrottgalerie 2010) anbei. (Foto: (c) Front Porch Picking)