Pfaffinger Umschau

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Category: Sehen

„Spotlight“ betrifft nicht nur Journalisten und Kardinäle

„Spotlight“ ist ein Film, bei dem mitfiebert, wer jemals seinen Job als Journalist ernst genommen hat. Ein Film, der im Grenzbereich von Glauben und Wissen forscht – sowohl in der Fiktion des Drehbuchs, als auch in der Reaktion des Publikums. Ein Film, der in bewegender Weise verdichtet, wie über Jahrzehnte zwischenmenschliches Vertrauen durch Missbrauch entweiht wurde. Er ist gleichzeitig ein glaubwürdiger Beleg dafür, warum der Tageszeitungsjournalismus auch weiterhein seine Daseinsberechtigung hat. Vor allem dann, wenn Recherche und Gegenrecherche so nachhaltig betrieben werden, wie das in den Redaktionen angesehener US-Zeitungen bis heute üblich ist.

Der Filmtitel bezeichnet die gleichnamige Redaktion für investigativen Journalimus bei der Tageszeitung Boston Globe. Ihre Arbeit ist oft zäh und langwierig. Mitunter führt sie ins Leere, weil die Recherchen den usprünglichen Verdacht entkräften. Nicht so im geschilderten Fall. Es geht um den Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche in Boston. Die vermeintlichen Einzelfälle erweisen sich bald als gelegentlich an die Öffentlichkeit gelangte Episoden eines weitreichenden Skandals von Vertuschung und Schönrednerei. Eines Skandals, der in seiner Größe und Ausdehnung die gesamte Organisation Kirche durchzieht und wider besseres Wissen vom zuständigen Kardinal ignoriert wird. Ihm erscheint offenbar der Schutz der Institution und der Täter wichtiger als ein ehrenwerter Umgang mit den Opfern.

Der Film von Tom McCarthy baut auf tatsächlichen Ereignissen auf. Er enthüllt indes nicht den Skandal, sondern seine Folgen für das Leben vieler Menschen. Zuerst der Opfer, deren Gang an die Öffentlichkeit Last und Befreiung zugleich ist. Dann der Journalisten, die – als bräuchte es ein Zeugnis gegen das Prädikat „Lügenpresse“ – in ihrer sorgfältigen Arbeit auf schnelle Effekte und Schlagzeiten verzichten, um die ganze Geschichte akribisch zu erforschen und dann zu berichten. Getragen von einer exzellent zusammengestellten und beeindruckend agierenden Truppe von Schauspielern wird dabei die Zerrissenheit jedes Einzelnen vor Augen geführt, dessen Glauben (in unterschiedlichster Ausprägung) vom Wissen gemartert wird. Beispielhaft sei Mark Ruffalo in der Rolle des Reportes Michael Rezendes genannt; beim Besuch einer Weihnachtsmesse mit Kinderchor spiegelt sich in seiner Miene das ganze Leid eines Erwachsenen, der erkennt, dass sich sein Wunsch nach Rückkehr in den Kinderglauben nie mehr erfüllen wird. Er bringt die Story schließlich zu Papier.

Glaubwürdig und ohne selbst das Urteil über „richtig“ oder „falsch“ zu fällen, fördert der Film allein durch das Beobachten der journalistischen Arbeit zutage, was an menschlicher Schwäche und Fehlbarkeit über Jahrzehnte hinweg den Missbrauch am Leben gehalten hat – und seiner Aufklärung entgegen stand. Die einen, die nicht zulassen wollen, dass eine altehrwürdige Institution ins Misskredit gerät. Die anderen, die – bewusst als Opfer vom Rande der Gesellschaft gefischt – wehrlos, orientierungslos und schweigend zu überleben suchen, was in ihrem Leben zerstört wurde. Jene, die nicht erkennen können oder wollen, was da vor ihren Augen und Ohren geschieht. Jene, die auf den Zusammenhalt alter Seilschaften pochen und an den Lokalpatriotismus der Aufklärer appellieren. Jene, die sich auf die Unantastbarkeit ihres Amtes berufen. Jene, die glauben, Geld löse Probleme. Jene, die angesichts angeblich größerer Katastrophen (während der Recherchen ereignen sich die Attentate von 9/11) den Zusammenhalt und die Stärke der Nation beschwören. Und jene, die vergessen haben, was der Stifter dieser Religion über Kinder gesagt hat.

Eine gute Geschichte erfasst das ganze Gefüge von Menschen und ihren Motiven, bevor sie erzählt werden darf. Manchmal, im Film, darf sie sich auf einen einzigen Satz verdichten. Michael Keaton, der den Leiter der Spotlight-Redaktion, Walter Robinson, spielt, liefert in einer Szene als Erkenntnis von Reporterarbeit eine Dimension des (Er-)Schreckens , die selbst angeblich unberührbare Faktensammler aus dem Gleis wirft: Er unterhält sich mit Ehemaligen seiner eigenen Schule, an der ebenfalls ein Geistlicher Schutzbefohlene missbraucht hat. Keiner am Tisch will etwas davon bemerkt haben. Da spricht Robinson aus, was die anderen in diesem Augenblick kaum zu denken wagen: „Es war wohl nur Zufall, dass es nicht uns getroffen hat.“

Zwei Stunden und acht Minuten dauert dieser Film, der länger ist als ein Leben.

 

Mein erster Schritt zum „Filmproduzent“

"Der gestiefelte Kater", wie ich ihn aus der Augsburger Puppenkiste kenne. (c) Regio Augsburg Tourismus

„Der gestiefelte Kater“, wie ich ihn aus der Augsburger Puppenkiste kenne. (c) Regio Augsburg Tourismus

Über einen Hinweis auf Facebook wurde ich heute aufmerksam auf ein Filmprojekt. Die junge Regisseurin Eva Merz möchte einen Film drehen, der sich mit Walter Oehmichen und dem Aufbau der „Augsburger Puppenkiste“ nach dem Zweiten Weltkrieg befasst. Über die Crowdsourcing-Seite Kickstarter will sie dafür bis zum 16. Februar den Betrag von 26.000 $ einsammeln.

Es gibt einige attraktive Belohnungen für jene, die sich an dem Projekt beteiligen. Dazu gehören unter anderem die Nennung im Abspann als „first of friends“ oder als „Executive Producer“, ein Link zum Download des Film oder ein einstündiges Skype-Gespräch mit Eva Merz.

Ich habe mich jetzt beteiligt – aus mehreren Gründen. Die Geschichte der „Augsburger Puppenkiste“ ist ein Teil meines Lebens. Ich bin 5 Minuten zu Fuß vom Marionettentheater aufgewachsen und war dort of zu Gast. „Sankt Nikolaus in Not“, „Frau Holle“ oder „Die Schneekönigin“ sind bis heute lebendige Erinnerung.

In meiner Facharbeit im Leistungskurs Deutsch, die sich mit den „Theaterprogrammen der Brecht-Inszenierungen in Augsburg nach 1945“ befasste, war die Puppenkiste ebenfalls zweimal vertreten, einmal mit der „Dreigroschenoper“ (sicher) und einmal mit einem anderen Stück (muss ich noch nachschauen). Bert Brecht selbst hat als Schüler den „Baal“ auch schon als Puppenstück vor Nachbarskindern in der Bleich aufgeführt.

Dritter Grund: Die irrwitzige Vorstellung von vermeintlich Fernsehverantwortlichen, die Stücke der Puppenkiste für nicht mehr zeit-kind-gemäß halten und sie heute nachwachsenden Generationen vorenthalten. Das darf nicht unwidersprochen bleiben.

Daher halte ich diesen Film für mich und für Augsburg für unverzichtbar. Mit-Produzenten seien auf diesem Weg herzlich eingeladen.

Bilder hören

Dieses Foto entstand bei einem Konzert in der Schrottgalerie in Glonn. Für mich einer der besten Plätze im Großraum München, um guten Blues und guten Jazz zu hören.

This picture I took during a concert at the Schrottgalerie in Glonn. In my eyes (and ears) one of the best places in the Greater Munich Area to enjoy good Blues and good Jazz.