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Tag: Architektur

Sarasota – Schatzkästlein für Architekturfans

Umbrella House_Copyright Bill Miller

Das Umbrella House ist eine Ikone moderner Architektur in Sarasota. (c) Bill Miller

In Sarasota County an Floridas Golfküste verschmelzen verschiedene Architekturstile des 19. und 20. Jahrhunderts nahtlos miteinander: Während in Sarasota Stadt der neo-mediterrane Stil vorherrscht, finden sich in Venice, einer Vorstadt von Sarasota, vorwiegend von der italienischen Renaissance geprägte Stadtteile. Früher als ein Mekka für Architekturliebhaber gehandelt, entdecken junge Fans der Baukunst Sarasota County jetzt neu.

Paläste und Fantasien

Von Holzrahmenhäusern im „Old Florida“ Stil über palastartige, venezianisch-gotische Anwesen bis hin zu futuristischen Gebäuden – im Rahmen von selbstgeführten Touren können Interessierte die architektonischen Schätze der Region genauer unter die Lupe nehmen und tauchen dabei tief in ihre Geschichte ein. 2015 eröffnete zudem das Center for Architecture, das durch Kursangebote, wechselnde Ausstellungen und Veranstaltungen die Architektur von Sarasota County aufzeigt und zu Dialog und Austausch anregt.

Echo der Subtropen

Die Sarasota School of Architecture, auch Sarasota Moderne genannt, ist eine regionale Bewegung moderner Nachkriegsarchitektur an Floridas Westküste. Ihre Philosophie basiert auf der Berücksichtigung der subtropischen Klimaverhältnisse Floridas: Breite Markisen, große Dachüberstände, innovative Belüftungssysteme und raumhohe Glasschiebetüren zeichnen den Stil der Sarasota School of Architecture aus und sollten sowohl vor starker Sonneneinstrahlung schützen als auch einen fließenden Übergang von Innenraum zur üppigen Natur schaffen.

Ikonen der Moderne

Angeführt von Paul Rudolph, der gemeinsam mit weiteren Architekten der Bewegung Wohnhäuser und öffentliche Gebäude errichtete, erfuhr die Sarasota Moderne zwischen 1940 und 1970 internationale Anerkennung. Ihr Vermächtnis ist heute noch in der zeitgenössischen Architektur in und rund um Sarasota zu bewundern. So findet sich hier beispielsweise das Umbrella House, das von der renommierten Architekturzeitschrift Architectural Digest einst unter die Top Fünf der bedeutendsten Häuser der Jahrhunderthälfte gewählt wurde.

Eine weitere Ikone, die Beach Cottage von Paul Rudolph aus dem Jahre 1952, kann noch bis zum 6. Oktober 2016 als Nachbildung auf dem Gelände des John & Mable Ringling Museum of Art besichtigt werden. Ausgewählte Häuser öffnen zu besonderen Anlässen ihre Türen und laden beispielsweise zu einem Cocktailempfang in besonderer Atmosphäre ein.

Ein Denkmal für den Zirkuspionier

Während der 1920er Jahre wurde die Baukunst in Sarasota County stark vom neo-mediterranen Stil geprägt. Vorreiter war hier Zirkuspionier John Ringling, der sich mit der Erbauung des imposanten Herrenhaus Cà d’Zan im venezianisch-gotischen Stil ein Denkmal setzte. Gemeinsam mit seinem Bruder besaß er zu jener Zeit mehr als 25 Prozent der Region und formte diese nachhaltig durch neo-mediterrane Gebäude. In den späten 1940er Jahren setzten die Architekten der Region ihren Schwerpunkt auf stylische, moderne Häuser – die Sarasota School of Architecture war geboren und wurde weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt.

Besucher können sich während einer rund zweistündigen Selbstfahrertour durch Sarasota die architektonischen Highlights der verschiedenen Epochen anschauen. Sie führt durch die Straßen und historischen Stadtviertel von Downtown Sarasota, Lido Key und den nördlichen und südlichen Zipfel der Stadt und beleuchtet insbesondere die Baukunst der Sarasota School of Architecture. Weitere Infos unter http://sarasotaarchitecturalfoundation.org/resources/documents/tour%20sarasota.pdf

Chicago ruft Architektur-Biennale ins Leben

Chicago - Architecture - Willis Tower and the Chicago River - (C) Cesar Russ Photography

Chicago – Architecture – Willis Tower and the Chicago River – (C) Cesar Russ Photography

Chicagos erstes globales Forum zu Architektur und Städtebau geht vom vom 1. Oktober 2015 bis 3. Januar 2016 über die Bühne. Installationen und Kunstprojekte werden im gesamten Stadtgebietzu sehen und zugänglich sein.

Seit mehr als 100 Jahren gehören Architektur und Innovationen zu den stärksten Exportgütern Chicagos. Wie aus kaum einer anderen Metropole haben Ideen, Baustile und Verfahren aus Chicago den Städtebau international beeinflusst. Am Ufer des Lake Michigan entstanden einst die ersten Wolkenkratzer der Welt, und Ikonen wie Louis Sullivan, Frank Lloyd Wright oder Mies van de Rohe haben in Chicago wegweisende architektonische Meisterwerke geschaffen. Vor diesem Hintergrund initiiert die Stadt zusammen mit der Graham Stiftung eine Architektur-Biennale, die erstmals vom 1. Oktober 2015 bis zum 3. Januar 2016 stattfinden wird.

Chicagos Architektur-Biennale ist als globales Forum für Architekten, Designer, Studenten und Architekturliebhaber konzipiert. Übergreifendes Thema sind die Herausforderungen an Architektur und Städtebau in den Bereichen Soziales, Umweltschutz, Ästhetik, Technik und Handel. Den Kern bilden Veranstaltungen und eine umfassende Ausstellung im Chicago Cultural Center sowie zahlreiche Installationen im Millennium Park und in den Stadtteilen. Für die künstlerische Umsetzung verantwortlich ist unter anderem Joseph Grima, einer der Co-Kuratoren der ersten Istanbuler Design-Biennale 2012. Hierzu gehören auch mehrere Projekte, die der in Chicago lebende Künstler Theaster Gates in Chicagos Southside verwirklichen wird.

„Architektur prägt eine Stadt. Doch keine andere Stadt wurde derart von ihrer Architektur geprägt und hat gleichzeitig weltweite Architektur-Strömungen beeinflusst wie Chicago“, erläuterte Chicagos Bürgermeister Rahm Emmanuel anlässlich der Vorstellung des Biennale-Konzepts. „Seit der Weltausstellung von 1893 gilt Chicago als ein Zentrum von Innovation. Dieses Erbe wollen wir 2015 mit der ersten Chicago Architektur-Biennale fortführen und schaffen daher einen weltweiten Treffpunkt, an dem neue Ideen für die Zukunft diskutiert und entwickelt werden.“

 

„Open House Chicago“ macht verborgene Schätze sichtbar

Chicago - Architecture - Willis Tower and the Chicago River (c) Cesar Russ Photography

Chicago – Architecture – Willis Tower and the Chicago River (c) Cesar Russ Photography

Wie sieht in Chicago eine Präsidentensuite aus, in der Staatsoberhäupter übernachten? Wie sind die Lofts der berühmtesten Architektenbüros der Stadt gestaltet? Und wie lebt man in einem von Stararchitekten designten Haus? Zu „Open House Chicago“ öffnen sich am 19. und 20. Oktober 2013 in der Millionenmetropole am Michigansee viele Türen, die der breiten Öffentlichkeit normalerweise verschlossen bleiben. Insgesamt 150 Gebäude – Wolkenkratzer, Wohnhäuser, Hotels, Theater, Restaurants, Privatclubs und vieles mehr – gewähren hochinteressante Einblicke.

Teilnehmer können bei „Open House Chicago“ wahre Schätze entdecken. Zum Beispiel den mit Ornamenten, Teppichen und Kandelabern prächtig gestalteten Empire Room des Palmer House Hilton. Dort befand sich in den 1930er Jahren einer der berühmtesten Nachtclubs der USA. Entertainer wie Frank Sinatra, Judy Garland, Louis Armstrong legten dort den Grundstein zu ihren großen Karrieren. Entworfen hat das Palmer House das Architektenbüro Holabird & Root. Dessen topmoderne Designstudios im Marquette Building laden am dritten Oktober-Wochenende ebenfalls zu Besichtigungen ein.

So auch der Metropolitan Club in der 66. und 67. Etage des Willis Towers. Er ist Treffpunkt des „Who is who“ von Chicagos Finanz- und Geschäftsleben und bietet neben Weinbar und Fitnesscenter eine tolle Aussicht auf die Stadt. Der neogotische Tribune Tower (Sitz der Tageszeitung „Chicago Tribune“), das Rathaus von 1911, der „House of Blues“ Musikclub, das Restaurant Berghoff’s und das McCormick Brückenhäuschen am Chicago River sind weitere Gebäude in der Innenstadt, die bei „Open House Chicago“ zu besichtigen sind.

Chicagos Stadtteile locken unter anderem mit den Produktionsstätten der Goose Island Brauerei und der City Winery, aber auch mit dem ursprünglichen, nur 14 Stockwerke hohen Sears Tower. Das Emil Bach House ist ein exzellentes, nur selten zugängliches Beispiel für den berühmten Präriestil des Architekten Frank Lloyd Wright.

Die Besichtigungen bei „OpenHouse Chicago“ kosten keinen Eintritt, auch muss man sich zu Führungen nicht vorab anmelden. Weitere Informationen gibt es online unter www.openhousechicago.org.