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Tag: Blues

Der Mississippi-Blues hat viele Farben

Die Bluesclubs in der Beale Street in Memphis, der Bluesmeile der USA, Mittelpunkt des Beale Street Music Festival 1.-3. Mai 2015. (C) www.memphis-mississippi.de

Die Bluesclubs in der Beale Street in Memphis, der Bluesmeile der USA, Mittelpunkt des Beale Street Music Festival 1.-3. Mai 2015.
(C) www.memphis-mississippi.de

Die Feldarbeiter auf den Baumwollplantagen des Staates Mississippi brachten den Blues hervor, aus der nahen Stadt Memphis im Nachbarstaat Tennessee eroberte diese uramerikanische Musik die Welt. Mehr als 50 Bluesfestivals feiern vom Frühjahr bis zum Herbst dieses reiche Erbe.

Die Hafenstadt Memphis am Ol‘ Man River besitzt mit der Beale Street die Bluesmeile der USA überhaupt. Ein Bluesclub reiht sich an den anderen, jeder davon gewährt für wenige Dollar Zutritt. Einmal im Jahr wird nicht nur diese Straße selbst, sondern auch eine große Wiese am Mississippi zum Mittelpunkt des Blues. Zum Beale Street Music Festival, einem von vier Wochenenden im Mai, zieht es Tausende in die Stadt – zu der Musik, die schon Elvis Presley inspiriert hat, als der „King“ dort in seiner heute vielbesuchten Villa Graceland residierte. In diesem Jahr steigt das Weltfest des Blues vom 1. bis 3. Mai.

Memphis nennt sich „Heimat des Blues und Geburtsort des Rock ‘n‘ Roll“, weiß aber sehr wohl zu schätzen, wo der Blues wirklich entstanden ist und weiterhin seine Wurzeln hat: im Nachbarstaat Mississippi, gleich südlich der Stadtgrenze gelegen. Dort, im Mississippi Delta, der 200 Kilometer langen flachen Ebene ehemaligen Schwemmlands des Mississippi, sangen die Baumwollarbeiter auf einem der fruchtbarsten Ackerböden der Welt ihre schwermütigen Lieder, um ihr schweres Los besser ertragen zu können – und schufen so eine gleichermaßen fruchtbare und bis heute höchst lebendig gebliebene und Musikkultur.

So verwundert es nicht, dass der Staat Mississippi allein von April bis Oktober mehr als 50 Blues- oder auch andere Festivals zählt, wo garantiert auch immer Bluesmusiker der Weltklasse auftreten. Die Kleinstadt Clarksdale hat gleich zwei große Konzertwochenenden im Kalender, das Juke Joint Festival vom 9. bis 12. April und das River Blues & Gospel Festival vom 7. bis 9. August. Zu den vielen Bühnen zählt dann auch der Club „Ground Zero“ des Filmstars Morgan Freeman.

Einem weiteren ganz Großen aus Mississippi, dem zweiten König der Region, begegnet man mit etwas Glück in Indianola. B.B. King, der „Blues Boy“ Riley King eben aus diesem kleinen Ort, kommt fast immer zum „Homecoming“ zurück zu seinen Anfängen, dieses Jahr am 23. Mai. Nach 70 Live-Auftritten weltweit im Jahr 2014 hat sich der größte lebende Bluesmusiker, der auf seinen 90. Geburtstag am 16. September zugeht, eine Pause verordnet und alle Konzerte 2015 abgesagt. Wohl aber hofft man in Indianola, dass er wie gewohnt zum Homecoming erscheint, auch wenn er dann wohl die Auftritte den Jüngeren überlassen wird. In Indianola steht nämlich das B.B. King Museum & Delta Interpretative Center: das große Museum rund um seine Person und das Leben in diesem besonderen Delta, das vom nächsten Meer, dem Golf von Mexiko mit seinen Badestränden der Mississippi Gulf Coast, vier Autostunden entfernt liegt.

Das Bentonia Blues Festival in Bentonia, Mississippi, immer am dritten Sonntag des Juni, 2015 am 21. des Monats. Foto: Dawn Rosenberg

Das Bentonia Blues Festival in Bentonia, Mississippi, immer am dritten Sonntag des Juni, 2015 am 21. des Monats. Foto: Dawn Rosenberg

Das Bentonia Blues Festival am 20. Juni auf einer Wiese nahe dem gleichnamigen Ort ist ein Geheimtipp für Musikpuristen. Während nämlich die E-Gitarren längst die erste Geige im Blues spielen, kommen hier auch solche Musiker zum Zuge, die nach alter Väter Sitte akustisch spielen – ganz so wie zu den Zeiten des Robert Johnson, dessen Grab nahe Greenwood ein Pilgerziel wahrer Fans ist. Man hört zum Beispiel regelmäßig „Super Chikan“ aus Clarksdale, der seine Gitarren selbst baut, gerne auch mal mit einem alten Kochtopf oder einem Auto-Auspuff als Klangkörper. Der Mentor des Festivals, Jimmy „Duck“ Holmes, auch bekannt als „500 Pfund Blues“, hatte 1972 die Idee zum ersten Bentonia-Festival und trat seitdem auch immer wieder selbst dort auf.

Die Hauptstadt des Staates Mississippi lockt mit dem Jackson Rhythm & Blues Festival vom 14. bis 15. August. Zu dieser Zeit, ab Juli, muss man im Staat am großen Strom allerdings mit bis zu 40 Grad bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit rechnen. Das passt zwar perfekt zum Blues und dessen Stimmung, ist aber nicht jedermanns Sache.

In der zweiten Septemberwoche wird es dann hochsommerlich – nach bescheidenen europäischen Maßstäben, überschreitet doch das Quecksilber nur noch selten die 30-Grad-Marke. So liegt dann für klimaempfindliche Naturen das Mississippi Delta Blues & Heritage Festival genau richtig im Kalender, nämlich am 19. September in Greenville am Mississippi.

Das Mighty Missisippi Music Festival vom 2. bis 4. Oktober, ebenfalls in Greenville, lässt sich gut mit dem King Biscuit Blues Festival in Helena, am anderen Flussufer im Bundesstaat Arkansas kombinieren, dieses Jahr vom 8. bis 10. Oktober. Die drei Tage zwischen den Festival-Wochenenden bieten genügend Zeit, das Delta auf eigene Faust zu erkunden. Der Mississippi Blues Trail schließlich führt zu wichtigen Orten der Bluesgeschichte.

Eine gute Übersicht der Festivals in Mississippi gibt ein Kalender, der kostenlos beim deutschen Verkehrsbüro erhältlich ist und auch auf www.memphis-mississippi.de/pdf/mississippifestivals2015.pdf steht. Zum Beale Street Music Festival informiert die Seite www.memphisinmay.org/beale-street-music-festival.

Gute Laune-Musik, frisch gezupft

Swing und Ragtime sind an und für sich schoin Garanten für Gute-Laune-Musik. Vorigen Samstagabend, beim Konzert von „Front Porch Picking“ in der Schrottgalerie, kam noch eine Packung Fröhlichkeit obendrauf. Denn das Quintett aus Göttingen packt in sein Programm stets auch eine Dosis Hawaii mit hinein. Bei Stücken wie „Radio Hula“ oder die „Maui Chimes“ greift die Band zu ausgesuchten und authentischen Instrumenten, um unplugged den typischen Südsee-Insel-Sound erklingen zu lassen. Gerade in Verbindung mit der von Peter Funk meisterhaft gezupften Lapsteel Guitar wirken die Melodien, die Wolfgang Beisert aus der Ukulele herausholt, besonders intensiv. Dazu die temporeiche Dramaturgie von Dirk Heimberg, der schon mal die Hawaiian Slack Key Guitar herausholt, der lässig-souveräne Hans-Jörg Maucksch am Kontrabass und als treibende Kraft Klaus Hoheisel auf dem Cajon – das ist eine mitreißende Mischung. Das zeigen sie beim Swing, das zeigen sie beim Blues, das zeigen sie bei Rag, beim Bluegrass und beim Walzer. Walzer? Ja, Walzer. Hier wird Musik nicht nur gespielt, hier wird sie mit Herzblut gefeiert. Das ist einen extra Applaus wert, der über die gebotenen drei Zugaben hinausgeht. Zumal einem das entspannte „Spass an der Freud'“-Spiel der Fünf auch bewusst macht, welche Klasse die Komponisten hatten, die jener Zeit, die wir nur aus Schwarzweiß-Filmen kennen, die musikalische Farbe gaben. Absolut empfehlenswert. Hör- und Seh-Probe (Schrottgalerie 2010) anbei. (Foto: (c) Front Porch Picking)

Bilder hören

Dieses Foto entstand bei einem Konzert in der Schrottgalerie in Glonn. Für mich einer der besten Plätze im Großraum München, um guten Blues und guten Jazz zu hören.

This picture I took during a concert at the Schrottgalerie in Glonn. In my eyes (and ears) one of the best places in the Greater Munich Area to enjoy good Blues and good Jazz.