Pfaffinger Umschau

upf schaut hin, hört zu und schreibt's auf

Tag: Centennial

JFK und Neuengland – eine Freundschaft auf Gegenseitigkeit

JFK an Bord der Honey Fitz vor Hyannisport (c) Cecil Stoughton, White House Photographs, John F. Kennedy Presidential Library and Museum

JFK an Bord der Honey Fitz vor Hyannisport (c) Cecil Stoughton, White House Photographs, John F. Kennedy Presidential Library and Museum

1962 geht ein Geburtstagsständchen um die Welt. Bis heute unvergessen, hauchte Marilyn Monroe ihr „Happy Birthday, Mr. President“ für John F. Kennedy in ihr Mikrofon. 2017 jährt sich der Geburtstag des 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten zum 100. Mal. Grund genug, sich während einer Reise in Kennedys Heimat Neuengland auf Spurensuche zu begeben, mehr über JFK zu erfahren und zu entdecken, warum er die malerische Region im Nordosten der USA so sehr liebte. Der später häufig als charismatischster und berühmtester Präsident der USA bezeichnete Kennedy verbrachte einen Großteil seines Lebens in den sechs Neuengland Staaten und kehrte auch während seiner Präsidentschaft oft und gerne hierher zurück.

Born in Massachusetts

Am 29. Mai 1917 erblickte John Fitzgerald Kennedy in Brookline, Massachusetts das Licht der Welt, wo er in seinem Geburtshaus die ersten drei Lebensjahre verbrachte. Das im Kolonialstil errichtete Haus ist heute Teil der Kennedy National Historic Site und für die Öffentlichkeit zugänglich. Ranger des National Park Service führen interessierte Besucher durch die Nachbarschaft und durch das Haus, in dem sich noch 172 Originalstücke aus dem Besitz der Kennedys befinden.

Familiäres Insel-Leben

Besonders auf der zu Massachusetts gehörenden Halbinsel Cape Cod und den vorgelagerten Inseln Martha’s Vineyard und Nantucket fühlte sich Kennedy zuhause. Auf dem Familiensitz in Hyannis Port verbrachte er regelmäßig die Sommermonate mit seinen Eltern und Geschwistern und ging seiner großen Segelleidenschaft nach. Auch während seiner Zeit als Präsident kam JFK

Die Kennedys in Hyannis (c) Cecil Stoughton, White House, John Fitzgerald Kennedy Library, Boston.jpg

Die Kennedys in Hyannis (c) Cecil Stoughton, White House, John Fitzgerald Kennedy Library, Boston.jpg

mit seiner Frau Jackie und den beiden Kindern jeden Sommer ins „Summer White House“ nach Hyannis Port, um zu arbeiten, Interviews zu geben und sich zu erholen. Das John F. Kennedy Hyannis Museum dokumentiert Kennedys Aufenthalte zwischen 1934 und 1963 in einer multimedialen Ausstellung. Anlässlich des 100. Geburtstags porträtiert die Sonderausstellung „JFK at 100: Life & Legacy“ die Privatperson John F. Kennedy.

Verlockende Meeresfrüchte

Das vornehme Martha’s Vineyard ist eine gute Stunde mit der Fähre von Cape Cod entfernt. Hier gibt es fangfrischen Lobster, das köstliche Lieblingsgericht der Neuengländer. Auf Nantucket wird die Zeit des Walfangs lebendig gehalten und man kann im Walfangmuseum unter anderem ein gewaltiges Walskelett bewundern. Walbeobachtungstouren starten von Mai bis Oktober vielerorts in den Küstenregionen.

Inspirierende Schulzeit

Seine Schulzeit verbrachte Kennedy größtenteils in Massachusetts und Connecticut. An der Internatsschule Choate in Wallingford, Connecticut, machte er 1935 seinen Abschluss. Von seinem Schuldirektor soll Kennedy zu seiner berühmten Aussage „Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern was Du für Dein Land tun kannst“ inspiriert worden sein. Von 1936 bis 1940 studierte John F. Kennedy Politikwissenschaften an der Eliteuniversität Harvard in Cambridge. Die älteste Universität der Vereinigten Staaten wurde 1636 gegründet und gehört zu den acht prestigeträchtigen Hochschulen der amerikanischen Ivy League. Mit

Abschluss von der Harvard University 1940 (c) John Fitzgerald Library, Boston.jpg

Abschluss von der Harvard University 1940 (c) John Fitzgerald Library, Boston.jpg

Harvard, Yale, Brown und Dartmouth nennen vier der insgesamt acht Ivy League Colleges Neuengland ihr Zuhause, und sorgen mit unterhaltsamen Campustouren und universitätseigenen Kunstmuseen für Abwechslung bei den Besuchern . In Harvard bieten Studenten die sogenannten „Hahvahd Tours“ an, bei denen man neben lustigen Geschichten und Anekdoten über die weltberühmte Universität auch einiges über den prominenten Absolventen JFK und seine Zeit am Campus erfährt.

Tea Party und andere Geschichte(n)

Auf der anderen Seite des Charles River befindet sich Boston. Die Hauptstadt von Massachusetts ist die Wiege amerikanischer Geschichte und das Tor zu Neuengland. Die Metropole an der Ostküste der USA lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden und lockt mit einer Vielzahl kultureller und kulinarischer Angebote. 1630 gegründet gehört Boston zu den ältesten Städten der USA und war maßgeblich an der Amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung beteiligt. Auf dem Freedom Trail kann man sich auf die Spuren amerikanischer Geschichte begeben und dabei an bedeutenden Bauwerken und Schauplätzen Halt machen.

Zum Gedenken des 1963 ermordeten Präsidenten wurde in Boston die John F. Kennedy Presidential Library and Museum errichtet. Das von Stararchitekt I. M. Pei entworfene Gebäude ist der offizielle Aufbewahrungsort für Originaldokumente und

JFK mit Nichten und Neffen in Hyannisport (c) Robert Knudsen, White House Photographs, John F. Kennedy Presidential Library and Museum.jpg

JFK mit Nichten und Neffen in Hyannisport (c) Robert Knudsen, White House Photographs, John F. Kennedy Presidential Library and Museum.jpg

Schriftverkehr der Regierung Kennedy. Die Dauerausstellung „Young Jack“ gibt Besuchern einen Einblick in Kennedys Kindheit und zeichnet seinen Weg vom Jungen zum Präsidenten nach. Außerdem beherbergt das Museum eine Sammlung mit Geschenken ausländischer Staatsoberhäupter, eine Nachbildung des Schreibtisches aus dem Oval Office und zahlreiche Dokumente und Ausstellungsstücke zu Kennedys Wahlkampf, seiner Amtseinführung und dem amerikanischen Raumfahrtprojekt Apollo, das 1969 mit Neil Armstrong den ersten Menschen auf den Mond brachte. In der Sonderausstellung „JFK 100 – Milestones & Mementos“ werden viele von Kennedys persönlichen Habseligkeiten gezeigt, die der Öffentlichkeit bisher unbekannt waren. Dazu gehören unter anderem eine Sonnenbrille, Krawatten und Geschenke seiner Kinder. Vor dem Museum können Besucher zudem Kennedys geliebtes Boot Victura bewundern, mit dem er als Junge durch die Gewässer Neuenglands segelte.

Zeitreise mit Hochzeit und Sommerfrische

Cliff Walk in Newport (c) Discover Newport.jpg

Cliff Walk in Newport (c) Discover Newport.jpg

Auch in Newport, Rhode Island kann man auf den Spuren des beliebten Präsidenten wandeln. In dem pittoresken Seefahrerort heiratete John F. Kennedy 1953 Jacqueline Bouvier in der St. Mary’s Church. Die Kirche bietet heute nicht nur Besichtigungen an, sondern nimmt Besucher mit Musik, Bildern und Videos von der Kennedy-Hochzeit auch mit auf eine Zeitreise. Der prächtige Hochzeitsempfang mit 1.300 geladenen Gästen fand auf der Hammersmith Farm statt, in der die spätere First Lady ihre Kindheit verbracht hatte. Das im viktorianischen Stil errichtete Herrenhaus wurde, wie der Familiensitz in Hyannis Port, während seiner Präsidentschaft von Kennedy als „Summer White House“ genutzt. Seit 1999 ist das Haus in Privatbesitz und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Auf eigene Faust kann man hingegen das malerische Newport erkunden und auf dem Cliff Walk an imposanten Herrenhäusern aus dem 19. Jahrhundert vorbeilaufen, die direkt an Rhode Islands atemberaubender Küste liegen.

Weitere Informationen zum Kennedy Jubiläum gibt es auf www.jfkcentennial.org, Wissenswertes über Neuengland auf www.neuenglandusa.de.

My National Parks (1): Yosemite

Zum 100jährigen Bestehen der US National Parks werde ich an dieser Stelle Szenen und Geschichten aus meinen Besuchen in der verschiedenen Nationalparks quer durchs Land veröffentlichen. Den Anfang macht der Yosemite National Park in Californien. Er war auch einer der ersten Parks, die ich besucht habe.

High Sierra, Yosemite National Park (c) California Travel and Tourism Commission / Andreas Hub

High Sierra, Yosemite National Park (c) California Travel and Tourism Commission / Andreas Hub

Ich habe damals in einer Tent Cabin in „Curry Village“ übernachtet. Bei meiner Ankunft nachmittags hatte mir eine freundliche Mitarbeiterin ein Merkblatt fürs Camping im Park in die Hand gedrückt. Es enthielt unter anderem ausführliche, illustrierte Hinweise, wie Lebensmittel und Geschirr zum Schutz vor anwesenden Wildtieren (Bären!) in luftiger Höhe aufzubewahren seien – als Bündel an Baumästen zum Beispiel. Ein weiterer Satz war hervorgehoben: „Lassen Sie keine Lebensmittel im Zelt!“

Hörnchen erweisen sich als Feinschmecker

Meine doppelt in Plastik verscheißten, supermarktfrischen Cookies hielt ich nichts desto trotz für ungefährdet. Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte. Bei der Rückkehr von der Wanderung am nächsten Tag fand ich beide Packungen aus der Reisetasche entfernt, zackig aufgerissen, den Inhalt angefressen, die Reste zerbröselt am Boden. Die Bißspuren deuteten auf Hörnchen einer beliebigen, aber wohl extrem spürsinnigen Art hin.

Frische Luft im Frühjahr

Mein Besuch erfolgte Anfang Mai. Eine gute Zeit für den Yosemite, auch wenn in den höheren Regionen noch Straßen wie der Tioga Pass noch schneebedingt gesperrt und manche Ecken der Tuolumne Meadows noch schneebedeckt waren. Pflanzen und Bäume blühten in frischem Grün, die Luft war sauber und klar – entsprechend großartig und weitreichend die Ausblicke. Zudem war die Zahl der anderen besucher noch überschaubar und mancher Aussichtspunkt, selbst der beliebte Glacier Point, bot für längere Zeitspannen vollkommene Ruhe und Stille.

Erst dann werden einem die Dimensionen dieses Parks so richtig bewusst, der für manchen oberflächlichen Betrachter und Attraktions-Jäger nur aus dem spektakulären Überhang-Felsen „El Capitan“ besteht. Man lernt im Lauf von ein paar Tagen Aufenthalt übrigens schnell zu unterscheiden zwischen jenen, die dort nur mit Augen und Mund hinaufkommen, und jenen, die den Kraftakt tatsächlich unternommen haben. Es sind dies auch deutlich weniger.

Was heißt hier schon Zeit?

Was sich ebenfalls innerhalb kurzer Zeit veränderte, eigentlich schon in den Stunden des ersten Vormittags, waren die Pläne, die ich gefasst hatte angesichts der einladenden Beschreibungen verschiedener Pfade, Aussichtspunkte und Sehenswürdigkeiten. Selbst großzügig eingeplante ganze Stunden für einen Punkt erwiesen sich als nicht ausreichend, um die unendliche Abfolge von Eindrücken aufzunehmen, die sich aus dem Spiel von Licht, Wind und Natur ergaben.

Riesen-Sequoia im Tuolumne Grove (c) Kim Carroll Photography

Riesen-Sequoia im Tuolumne Grove (c) Kim Carroll Photography

Allein schon der Weg durchs Tal am Wasser entlang nimmt einen für einen ganzen Tag gefangen. Die knappe Meile vom Trailhead zum Taft Point erweist sich als so ergiebig, dass eine Halbtagestour daraus werden kann, genauso wie der Aufstieg zum Inspiration Point. Das Gute an diesen vergangenen Tagen: In der Kamera befand sich Film und kein Chip, weshalb die meisten Erinnerungen ganz bei mir sind.

Mammutbäume als Storyteller

Apropos: Wer den Yosemite aufsucht, der ist gut beraten, sich Zeit für die Mammutbäume zu nehmen, die Sequoias. Ich hatte immer noch das Foto aus dem Seydlitz-Bauer Erdkundebuch der Unterstufe in Erinnerung, das einen dieser Bäume zeigte, der an seinem Fuß von einem Reisebus durchfahren wurde. Dieses comic-gleiche „key visual“ wird von der Wirklichkeit um ein Vielfaches übertroffen. Diese Bäume sind in jeder Hinsicht groß, die Menschen klein.

Am meisten hat mich eine Holzscheibe beeindruckt, herausgeschnitten aus einem gefällten Riesen, die ungefähr 4.000 Jahresringe aufwies. In der Mitte markierte ein kleiner Nagel das Datum „Jesus born„. Man möchte nur zu gern dem lauschen, was diese Bäume zu erzählen haben. Womit sich der Besuch im Yosemite und dem benachbarten (und alles andere als nebensächlichem) Sequoia & Kings Canyon National Park nicht nur über Tage hinzöge, sondern über ein ganzes Leben.

Hinweis: Über all die Jahre habe ich, egal wie viele Nationalparks auf der Reiseplanung vorgesehen waren, stets den „Golden Eagle Pass“ gekauft, der jetzt etwas wortgewaltig „The America the Beautiful-The National Parks and Federal Recreational Lands Pass“ heißt. Die Ranger am Park Eingang wissen aber, was gemeint ist, wenn man nach dem „Golden Eagle Pass“ fragt. Für eine pauschale Summe öffnet er den Eintritt in alle Nationalparks im Lande.