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Tag: Cowboys

„Rauchende Colts“ qualmen wieder

Neues Leben für den historischen Wilden Westen auf der Front Street von Dodge City (c) KSOK Travel & Tourism

Neues Leben für den historischen Wilden Westen auf der Front Street von Dodge City (c) KSOK Travel & Tourism

Zwischen dem 28. Juli und dem 7. August ist es wieder so weit: Während der legendären Dodge City Days, heuer zum 56. Mal veranstaltet, fliegen den Besuchern wieder „Blaue Bohnen“ um die Ohren. Elf Tage lang wird in dem 25.000-Seelen-Städtchen Dodge City, im Südwesten des Bundesstaats Kansas, der ehemals Wilde Westen zu neuem Leben erweckt: Über 50 Events, darunter Konzerte, ein hoch dotierter Rodeo-Wettbewerb, ein Kunsthandwerksmarkt, ein Kinderfest, ein großer Umzug und ein BBQ-Wettbewerb, unterhalten die Besucher.

Höhepunkte des Festivals sind die Rodeo-Wettbewerbe (3. bis 7.8.), die heuer zum 40. Mal ausgetragen werden, die große Western-Parade am Samstag (30.7.), die täglich auf der Central Avenue stattfindenden Konzerte sowie die Kinoabende unter freiem Himmel mit Westernklassikern. Bei den Kindern beliebt ist der Rummelplatz, genannt „Carnival in the Park“.

„Gunsmoke“ begründete den Ruf der Stadt

Dank der langlebigsten TV-Westernserie aller Zeiten „Gunsmoke“, hierzulande als „Rauchende Colts“ bekannt, erlangte Dodge City weltweiten Ruhm. Zwischen 1955 und 1975 sorgten U.S. Marshall Dillon (James Arness) und sein Gehilfe, Deputy Festus (Ken Curtis) auf der Leinwand für Recht und Ordnung im berühmt-berüchtigten „Dodge“ und verhalfen ihm zu dem Ruf die Westernstadt schlechthin zu sein.

Die Wurzeln der Stadt reichen zurück ins Jahr 1871, als eine erste Ranch entstand und ein Jahr später ein gewisser George Hoover begann, in seinem Saloon Geschäfte mit auf dem Santa Fe Trail vorbeiziehenden Händlern und Soldaten vom nahen Fort Dodge zu machen. Doch erst die Ankunft der Eisenbahn sorgte für Aufschwung: Zunächst wurden Bisonfleisch und -felle von der als „Buffalo City“ bekannten Stadt nach Osten verschickt, dann wurde Dodge City zu einer der wichtigsten Rinder-Verladestationen im Westen.

Einstmals eine wahre Königin

Die Idee, Rinderherden aus Texas zu den Eisenbahnknoten in Kansas zu treiben, kam in der zweiten Hälfte des 19. Jh. auf, um der gestiegenen Nachfrage an Fleisch in den wachsenden Metropolen im Ostens gerecht zu werden. Cowboys trieben die Longhorn-Rinder in langen Trecks Richtung Norden, z.B. ab 1867 auf dem Chisholm Trail, der nächstes Jahr groß seinen 150. Geburtstag feiert. Hatten die Cowboys ihre Herden nach mehreren Monaten auf dem Trail verladen und ihren Sold erhalten, waren Spass und Unterhaltung angesagt – Dodge City wurde nicht ohne Grund „Little Las Vegas“ oder „Queen of the Cow Towns“ genannt! Um Schießereien zu vermeiden, mussten die Cowboys am Ortseingang ihre Waffen abgeben und fungierten berühmt-berüchtigte Revolverhelden wie die Earp-Brüder, Doc Holliday oder die Masterson-Brüder als Sheriffs.

Mit dem Ende der Viehtriebe um 1890 endeten die „wilden Zeiten“ und Dodge City versank in einen Dornröschenschlaf. Filme und die TV-Serie „Gunsmoke“ sorgten dann für ein Revival und heute strömen unter dem Motto: „Get the Heck into Dodge!“ Besucher nicht nur zu den Dodge City Days in die Stadt.

Chisholm-Trail sieht seinem Jubiläum entgegen

EIne Skulptur am Chisholm Trail Heritage Center erinnert an die bewegende Geschichte des "Real Cowboy Life". (C) CTHC

EIne Skulptur am Chisholm Trail Heritage Center erinnert an die bewegende Geschichte des „Real Cowboy Life“. (C) CTHC

Breitkrempige Hüte und hohe Stiefel, Lassos und Sporen – jene verwegenen „Cow Punchers“, die sich bis heute in den Weiten der nordamerikanischen Prärie um die Rinderzucht kümmern, sorgten dafür, dass sich der „Mythos Cowboy“ innerhalb einer nur kurzen Zeitspanne weltweit verbreitete: Zwischen den 1860er- und 1880er-Jahren trieben sie etwa 20 Millionen Rinder aus Texas auf den sogenannten Cattle Drives zu den Bahnhöfen im Norden.

Zwar feiert man eigentlich erst 2017 das 150. Jubiläum des Chisholm Trail, doch schon heuer wird das Chisholm Trail Heritage Center in Duncan/Oklahoma in einer Sonderausstellung die Viehtriebe ins Rampenlicht stellen. Auf gut tausend Kilometern führte der Trail einst mitten durch das „Heartland“, durch das Herz des Mittleren Westens der USA, und verband Fort Worth/Texas mit Wichita/Kansas. An die Tage der Cattle Drives auf dieser Route zwischen 1867 und 1889 – insgesamt vier Millionen Tiere sollen damals unterwegs gewesen sein – wird die neue Ausstellung ebenso erinnern wie an das heutige Leben von Cowboys und Rinderzüchtern in den US-Bundesstaaten Oklahoma und Kansas.

Zwischen 2015 und 2018 können Besucher des Chisholm Trail Heritage Center jene Menschen näher kennenlernen, für die Viehzucht und -haltung Lebensinhalt war und ist. Deshalb sucht das Museum derzeit auch „Real Cowboys on the Trail“, „echte“ Cowboys und Cowgirls, die entlang dem historischen Chisholm Trail ihrem Job nachgehen und dazu gewillt sind, aus ihrem Alltag mit dem Vieh zu erzählen. Ihre Geschichten und Fotos werden dann im Rahmen der Ausstellung präsentiert.

Überdies wird eine neue historisch-authentische Graphic Novel die Geschichte des Chisholm Trail zu neuem Leben erwecken. Gestaltet wird der Band von dem Comiczeichner Aaron Mallard. Eine Auswahl seiner Werke wird derzeit im Chisholm Trail Heritage Center in einer Sonderausstellung vorgestellt.