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Tag: Film

Filmreife Ferien in Georgia

Auf den Spuren von Forrest Gump in Savannah. (c) Georgia Department of Economic Development

Auf den Spuren von Forrest Gump in Savannah. (c) Georgia Department of Economic Development

„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man kriegt.“ Dieser legendäre Ausspruch von Forrest Gump gilt nicht für das „Year of Georgia Film“, das der US-Bundesstaat Georgia 2017 feiert. Denn was viele nicht wissen: Georgia steht bei der Anzahl der Film- und TV-Produktionen in den USA an dritter Stelle und weltweit auf Platz fünf. Besuchern bietet sich deshalb vielerorts die spannende Möglichkeit einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und Originalschauplätze von Kino-Blockbustern oder Kultserien zu besuchen.

Auf direktem Weg zu „The Walking Dead“

Hierfür werden in ganz Georgia geführte Touren zu Drehorten angeboten sowie zahlreiche Filmfestivals veranstaltet. Wer selbst auf Entdeckungsreise gehen möchte, findet auf der neuen Webseite www.exploregeorgia.org/film zahlreiche Informationen zu Locations, aktuellen Dreharbeiten sowie zu Attraktionen, Restaurants und Hotels, die auf der Leinwand eine tragende Rolle spielten. Unter dem Motto „Entdecke Georgia in neun Filmen“ sind zudem Routenvorschläge zu verschiedensten Locations von Serien wie The Vampire Diaries und The Walking Dead oder Streifen wie Forrest Gump, Die Tribute von Panem und Captain America: Civil War verfügbar.

Urlaub in der Filmkulisse

Während einer Reise in Georgia begegnet man immer wieder filmbekannten Plätzen. So pilgern viele in Savannah zum Chippewa Square, wo Forrest Gump einst mit seiner Pralinenschachtel auf den Bus wartete, oder neuerdings auch nach Tybee Island, wo etliche Strandszenen für den neuen Baywatch-Film entstanden. Die Hauptstadt Atlanta beherbergt zahlreiche Schauplätze aus Die Tribute von Panem, The Blind Side oder Ant-Man und bietet gute Chancen Dreharbeiten hautnah mitverfolgen zu können.

In Senoia wandeln Besucher auf den Spuren von "The Walking Dead" (C) Anja Hoebler

In Senoia wandeln Besucher auf den Spuren von „The Walking Dead“ (C) Anja Hoebler

In den Kulissen von „The Walking Dead“

Der Hotspot unter Serienfans ist derzeit das südlich von Atlanta gelegene Senoia, das als Kulisse für die fiktiven Orte Woodbury und Alexandria in The Walking Dead dient. Seit Beginn der Dreharbeiten zieht das kleine Städtchen Touristen an, die dort die Drehorte, den Woodbury Shoppe und das kleine Museum mit Filmrequisiten besuchen oder bei Nic & Norman’s, dem Restaurant von Hauptdarsteller Norman Reedus und Produzent Greg Nicotero, einen Burger essen. Wo vor zehn Jahren noch fünf Geschäfte im verschlafenen Senoia zu finden waren, sind es heute fast 50 und regelmäßig kommen neue dazu.

„Grüne Tomaten“ bis heute auf der Speisekarte

Ähnlich wiederbelebt wurde auch das winzige Dorf Juliette durch den Film Grüne Tomaten. Das Whistle Stop Cafe spielte in diesem eine zentrale Rolle und serviert auch 26 Jahre später noch grüne Tomaten oder Barbecue an mehr als 100.000 Besucher jährlich. Covington, wo 2009 die Dreharbeiten für die Serie Vampire Diaries begannen, verzeichnet ebenfalls einen ähnlichen Effekt und gilt mittlerweile als die Welthauptstadt der Vampire. Es dient als Kulisse für die Stadt Mystic Falls und begeistert Fans unter anderem mit dem Mystic Grill Restaurant, das einem Restaurant aus der Serie nachempfunden wurde.

Hollywood auf den Fersen

Laut der Motion Picture Association of America rangiert Georgia bei der Anzahl an Film- und TV-Produktionen in den USA hinter Hollywood und New York an dritter Stelle. Weltweit steht der Bundesstaat bereits auf Platz fünf. Der Film Deliverance, der Anfang der 1970er Jahre in den nordöstlichen Bergen von Georgia entstand, legte einst den Grundstein für die Filmindustrie des Bundesstaates. Dessen großen Erfolg war der Anlass für den damaligen Gouverneur von Georgia, Jimmy Carter, das Georgia Film Office ins Leben zu rufen.

Selbst die Briten drehen in Atlanta

Über die Jahre hinweg lernten Filmschaffende Georgias vielfältige Geografie sowie sein ganzjährig mildes Klima zu schätzen und so stieg die Zahl der Produktionen kontinuierlich an. 2008 wurde der Georgia Entertainment Industry Investment Act verabschiedet, der Film- und TV-Produktionen bis zu 30 Prozent Steuerersparnis gewährt, wenn diese im Bundesstaat drehen und diverse Auflagen erfüllen. Allein im Finanzjahr 2016 entstanden so 245 Filme, TV-Serien und Musikvideos in Georgia, was einem Investitionsvolumen von insgesamt 7,2 Milliarden US-Dollar und 79.900 Arbeitsplätzen entspricht. So betreiben beispielsweise die britischen Pinewood Studios einen Studiokomplex südlich von Atlanta, in dem aktuell die Marvel-Filme Guardians of the Galaxy Vol. 2 und Spider Man: Homecoming gedreht werden.

„I had the time of my life“ seit 30 Jahren

Die Partnerin aus dem See heben: Aus der Filmszene ist beim jährlichen Festival am Lake Lure der "Lake Lift Competition" geworden. (c) Visit North Carolina

Die Partnerin aus dem See heben: Aus der Filmszene ist beim jährlichen Festival am Lake Lure der „Lake Lift Competition“ geworden. (c) Visit North Carolina

Drei Dekaden sind vergangen, seitdem „Dirty Dancing“ die Leinwand in ein Spiegelbild leidenschaftlicher Tanzkunst verwandelte. Heute noch geraten Jung und Alt in Verzückung, wenn die Klänge des Kultfilms ertönen. Die wohl berühmteste Szene – die Hebefigur im See – wurde einst im Lake Lure in North Carolina gefilmt und auch weitere Drehorte lassen sich dort heute noch entdecken. So können Fans im damaligen Hotel der Hauptdarsteller nächtigen oder auf dem Original Tanzboden die Hüften schwingen. Wer frühzeitig plant, erlebt neben dem Dirty Dancing Festival am 18. und 19. August ein weiteres Spektakel in North Carolinas Bergregion: Die totale Sonnenfinsternis am 21. August.

Dirty Dancing Festival

„Ich habe eine Wassermelone getragen!“ heißt es am 18. und 19. August 2017 beim Dirty Dancing Festival am Lake Lure. Bereits zum achten Mal pilgern Filmfans zum Ufer des Sees, um Live-Musik, Tanzkurse und eine Filmvorführung unter freiem Himmel zu erleben. Zu den Highlights des Festivals zählen der Wettbewerb im Wassermelonen-Tragen und die Lake Lift Competition im See. Wie einst bei Johnny und Baby ist hierbei das Ziel, seine Partnerin aus dem Wasser zu heben und so lange wie möglich in der Luft zu halten.

Drehorte am See

Außerhalb des Festivals lohnt sich ein Besuch des Lake Lure sowohl für Dirty Dancing- als auch für Naturfans. Der Stausee östlich von Asheville und der nahe gelegene Chimney Rock State Park sind ein wahres Paradies, das es zu entdecken gilt. Ein guter Ausgangspunkt für einen ganztägigen Ausflug auf den Spuren des Tanzfilms ist das Welcome Center von Lake Lure. Dieses wartet mit einer kleinen Ausstellung zu Filmen, die in der Region gedreht wurden, sowie einer Nachbildung der weißen Treppe, auf der Baby ihre Tanzschritte übte, auf – perfekt für ein Dirty Dancing-Erinnerungsfoto. Der nächste Stopp ist Firefly Cove, wo einst die Hebefigur im See, etliche Tanzszenen und Bilder vom Camp der Hotelangestellten gefilmt wurden. Erreichbar ist dieses Idyll am besten per Mietboot oder bei einem Ausflug mit lake Lure Tours zu den schönsten Orten rund um den See. Den Abschluss bildet der Bald Mountain Golf Course im Rumbling Bald Resort. An Loch 16 des Golfplatzes entstand die Sequenz, in der Baby ihren Vater nach Geld fragte.

Im Bett mit Baby und Johnny

Das kleine Esmeralda Inn mit dem Original-Tanzboden in der Lobby ist eine beliebte Pilgerstätte für Dirty Dancing-Fans. (cI Visit North Carolina

Das kleine Esmeralda Inn mit dem Original-Tanzboden in der Lobby ist eine beliebte Pilgerstätte für Dirty Dancing-Fans. (cI Visit North Carolina

Während der Dreharbeiten übernachteten die Crew und Schauspieler im 1927 Lake Lure Inn & Spa. Die Zimmer, in denen die Hauptdarsteller damals schliefen, werden heute als Jennifer Grey Suite sowie Swayze Suite vermietet. Zudem laden in Anlehnung an den Film Johnny‘s Cabin und Baby’s Bungalow zu einem Aufenthalt ein. Auch das kleine Esmeralda Inn ist eine beliebte Pilgerstätte für Dirty Dancing-Fans. Der Tanzboden, auf dem Grey und Swayze zu “Time Of My Life” auftraten, ziert heute die Lobby des rustikalen Hotels, das in seinen 125 Jahren schon Gäste wie Mary Pickford, Douglas Fairbanks oder Clark Gable beherbergte.

Kosmisches Spektakel

Nicht weit von den Drehorten um den Lake Lure entfernt, lässt sich zudem die totale Sonnenfinsternis am 21. August 2017 verfolgen. Sie beginnt um 14.35 Uhr und dauert nur kurz an, aber es wird ein Spektakel sein, von dem man noch seinen Enkelkindern erzählt. Teile des Great Smoky Mountain National Parks und der Westen North Carolinas liegen im Kernschatten und bieten so beste Aussichten auf die verschwindende Sonne. Während in Sylva die Finsternis für eine Minute und 45 Sekunden sichtbar ist, wird die Sonne in Cashiers für fast zweieinhalb Minuten verdeckt. Dort wird zudem das Solar Fest 2017 mit Foodtrucks und Livemusik gebührend gefeiert. Zudem haben Bryson City und das Jackson County extra für die Sonnenfinsternis Webseiten eingerichtet – mit Informationen, den besten Plätzen zum Beobachten sowie Events und Reisetipps anlässlich dieses seltenen Naturereignisses.

„Spotlight“ betrifft nicht nur Journalisten und Kardinäle

„Spotlight“ ist ein Film, bei dem mitfiebert, wer jemals seinen Job als Journalist ernst genommen hat. Ein Film, der im Grenzbereich von Glauben und Wissen forscht – sowohl in der Fiktion des Drehbuchs, als auch in der Reaktion des Publikums. Ein Film, der in bewegender Weise verdichtet, wie über Jahrzehnte zwischenmenschliches Vertrauen durch Missbrauch entweiht wurde. Er ist gleichzeitig ein glaubwürdiger Beleg dafür, warum der Tageszeitungsjournalismus auch weiterhein seine Daseinsberechtigung hat. Vor allem dann, wenn Recherche und Gegenrecherche so nachhaltig betrieben werden, wie das in den Redaktionen angesehener US-Zeitungen bis heute üblich ist.

Der Filmtitel bezeichnet die gleichnamige Redaktion für investigativen Journalimus bei der Tageszeitung Boston Globe. Ihre Arbeit ist oft zäh und langwierig. Mitunter führt sie ins Leere, weil die Recherchen den usprünglichen Verdacht entkräften. Nicht so im geschilderten Fall. Es geht um den Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche in Boston. Die vermeintlichen Einzelfälle erweisen sich bald als gelegentlich an die Öffentlichkeit gelangte Episoden eines weitreichenden Skandals von Vertuschung und Schönrednerei. Eines Skandals, der in seiner Größe und Ausdehnung die gesamte Organisation Kirche durchzieht und wider besseres Wissen vom zuständigen Kardinal ignoriert wird. Ihm erscheint offenbar der Schutz der Institution und der Täter wichtiger als ein ehrenwerter Umgang mit den Opfern.

Der Film von Tom McCarthy baut auf tatsächlichen Ereignissen auf. Er enthüllt indes nicht den Skandal, sondern seine Folgen für das Leben vieler Menschen. Zuerst der Opfer, deren Gang an die Öffentlichkeit Last und Befreiung zugleich ist. Dann der Journalisten, die – als bräuchte es ein Zeugnis gegen das Prädikat „Lügenpresse“ – in ihrer sorgfältigen Arbeit auf schnelle Effekte und Schlagzeiten verzichten, um die ganze Geschichte akribisch zu erforschen und dann zu berichten. Getragen von einer exzellent zusammengestellten und beeindruckend agierenden Truppe von Schauspielern wird dabei die Zerrissenheit jedes Einzelnen vor Augen geführt, dessen Glauben (in unterschiedlichster Ausprägung) vom Wissen gemartert wird. Beispielhaft sei Mark Ruffalo in der Rolle des Reportes Michael Rezendes genannt; beim Besuch einer Weihnachtsmesse mit Kinderchor spiegelt sich in seiner Miene das ganze Leid eines Erwachsenen, der erkennt, dass sich sein Wunsch nach Rückkehr in den Kinderglauben nie mehr erfüllen wird. Er bringt die Story schließlich zu Papier.

Glaubwürdig und ohne selbst das Urteil über „richtig“ oder „falsch“ zu fällen, fördert der Film allein durch das Beobachten der journalistischen Arbeit zutage, was an menschlicher Schwäche und Fehlbarkeit über Jahrzehnte hinweg den Missbrauch am Leben gehalten hat – und seiner Aufklärung entgegen stand. Die einen, die nicht zulassen wollen, dass eine altehrwürdige Institution ins Misskredit gerät. Die anderen, die – bewusst als Opfer vom Rande der Gesellschaft gefischt – wehrlos, orientierungslos und schweigend zu überleben suchen, was in ihrem Leben zerstört wurde. Jene, die nicht erkennen können oder wollen, was da vor ihren Augen und Ohren geschieht. Jene, die auf den Zusammenhalt alter Seilschaften pochen und an den Lokalpatriotismus der Aufklärer appellieren. Jene, die sich auf die Unantastbarkeit ihres Amtes berufen. Jene, die glauben, Geld löse Probleme. Jene, die angesichts angeblich größerer Katastrophen (während der Recherchen ereignen sich die Attentate von 9/11) den Zusammenhalt und die Stärke der Nation beschwören. Und jene, die vergessen haben, was der Stifter dieser Religion über Kinder gesagt hat.

Eine gute Geschichte erfasst das ganze Gefüge von Menschen und ihren Motiven, bevor sie erzählt werden darf. Manchmal, im Film, darf sie sich auf einen einzigen Satz verdichten. Michael Keaton, der den Leiter der Spotlight-Redaktion, Walter Robinson, spielt, liefert in einer Szene als Erkenntnis von Reporterarbeit eine Dimension des (Er-)Schreckens , die selbst angeblich unberührbare Faktensammler aus dem Gleis wirft: Er unterhält sich mit Ehemaligen seiner eigenen Schule, an der ebenfalls ein Geistlicher Schutzbefohlene missbraucht hat. Keiner am Tisch will etwas davon bemerkt haben. Da spricht Robinson aus, was die anderen in diesem Augenblick kaum zu denken wagen: „Es war wohl nur Zufall, dass es nicht uns getroffen hat.“

Zwei Stunden und acht Minuten dauert dieser Film, der länger ist als ein Leben.

 

Mein erster Schritt zum „Filmproduzent“

"Der gestiefelte Kater", wie ich ihn aus der Augsburger Puppenkiste kenne. (c) Regio Augsburg Tourismus

„Der gestiefelte Kater“, wie ich ihn aus der Augsburger Puppenkiste kenne. (c) Regio Augsburg Tourismus

Über einen Hinweis auf Facebook wurde ich heute aufmerksam auf ein Filmprojekt. Die junge Regisseurin Eva Merz möchte einen Film drehen, der sich mit Walter Oehmichen und dem Aufbau der „Augsburger Puppenkiste“ nach dem Zweiten Weltkrieg befasst. Über die Crowdsourcing-Seite Kickstarter will sie dafür bis zum 16. Februar den Betrag von 26.000 $ einsammeln.

Es gibt einige attraktive Belohnungen für jene, die sich an dem Projekt beteiligen. Dazu gehören unter anderem die Nennung im Abspann als „first of friends“ oder als „Executive Producer“, ein Link zum Download des Film oder ein einstündiges Skype-Gespräch mit Eva Merz.

Ich habe mich jetzt beteiligt – aus mehreren Gründen. Die Geschichte der „Augsburger Puppenkiste“ ist ein Teil meines Lebens. Ich bin 5 Minuten zu Fuß vom Marionettentheater aufgewachsen und war dort of zu Gast. „Sankt Nikolaus in Not“, „Frau Holle“ oder „Die Schneekönigin“ sind bis heute lebendige Erinnerung.

In meiner Facharbeit im Leistungskurs Deutsch, die sich mit den „Theaterprogrammen der Brecht-Inszenierungen in Augsburg nach 1945“ befasste, war die Puppenkiste ebenfalls zweimal vertreten, einmal mit der „Dreigroschenoper“ (sicher) und einmal mit einem anderen Stück (muss ich noch nachschauen). Bert Brecht selbst hat als Schüler den „Baal“ auch schon als Puppenstück vor Nachbarskindern in der Bleich aufgeführt.

Dritter Grund: Die irrwitzige Vorstellung von vermeintlich Fernsehverantwortlichen, die Stücke der Puppenkiste für nicht mehr zeit-kind-gemäß halten und sie heute nachwachsenden Generationen vorenthalten. Das darf nicht unwidersprochen bleiben.

Daher halte ich diesen Film für mich und für Augsburg für unverzichtbar. Mit-Produzenten seien auf diesem Weg herzlich eingeladen.