Pfaffinger Umschau

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Tag: Geschichte

Am Ende der Reise

Letzter Landeplazt in der Wüste Arizonas bei Tucson. (c) Arizona Office of Tourism (AOT)

Letzter Landeplazt in der Wüste Arizonas bei Tucson. (c) Arizona Office of Tourism (AOT)

In endlosen Reihen warten die altgedienten Riesen der Lüfte auf ihr ungewisses Schicksal. Über 4.000 Fluggeräte stehen auf dem eindrucksvollen Friedhof mit dem Spitznamen The Boneyard in der glühend heißen Wüstensonne von Tucson. Manche werden nur kurzfristig geparkt, dem Großteil aber droht die Verschrottung. Mit einer Fläche von etwa 1.400 Fußballfeldern ist das Gelände das weltweit Größte seiner Art und aufgrund seines morbiden Charmes ein absolutes Muss für alle Flugzeugfans. Inzwischen ist die Anlage über 70 Jahre alt

Schlafende Giganten

Das ausgedehnte Gelände wird heute von der 309th Aerospace Maintenance and Regeneration Group (AMARG) betrieben und hat sich als wahrer Touristenmagnet etabliert. Dies ist kaum verwunderlich, denn an keinem anderen Ort können die Legenden der Luftfahrt in tausendfacher Ausführung bestaunt werden. Altehrwürdige B-52 Bomber, S-58 Helikopter oder die berühmten F-14 Tomcats aus dem Top Gun Film, die früher zusammengenommen einen Wert im zweistelligen Milliarden-Dollar-Bereich hatten, träumen hier von glorreichen Zeiten in den Lüften.

Interessierte sollten sich daher die geführten Touren des Pima Air & Space Museums nicht entgehen lassen. In offenen Bussen kommen die Besucher den schlafenden Giganten besonders nahe und erfahren Wissenswertes über deren bewegte Geschichte. Im Anschluss empfiehlt sich auch ein Besuch des eigentlichen Museums, das nebenan mit rund 300 ausgestellten Fliegern aus allen Epochen der amerikanischen Luft- und Raumfahrt weitere spannende Eindrücke verspricht. Doch nicht nur Touristen kommen in Scharen, ebenso beliebt ist das weitläufige Gelände bei Regisseuren. So dienten die Gerippe bereits vielen Filmen, wie dem Blockbuster Transformers – Die Rache oder der Actionkomödie Harley Davidson & The Marlboro Man mit Mickey Rourke, als Kulisse.

Die "Air Force One" gab's auch schon mal eine Nummer kleiner. Alles weitere verräte das Pima Air & Space Museum. (c) Letzter Landeplazt in der Wüste Arizonas bei Tucson. (c) Arizona Office of Tourism (AOT)

Die „Air Force One“ gab’s auch schon mal eine Nummer kleiner. Alles weitere verräte das Pima Air & Space Museum. (c) Letzter Landeplazt in der Wüste Arizonas bei Tucson. (c) Arizona Office of Tourism (AOT)

Warum ausgerechnet Tucson?

Viele Besucher fragen sich natürlich, warum ausgerechnet Tucson, das sonst eher für seine meterlangen Kakteen bekannt ist, als letzte Ruhestätte ausgewählt wurde. Alles begann nach Ende des Zweiten Weltkrieges, als 1946 in den USA plötzlich tausende Militärflugzeuge nicht mehr benötigt wurden. Ein perfekter Abstellplatz für die Veteranen aus Stahl fand sich schließlich in der Sonora-Wüste, deren klimatische und landschaftliche Beschaffenheit sich hervorragend für die Lagerung eignet. Das trockene, heiße Wetter mit geringer Luftfeuchtigkeit und konstanten Temperaturen verhindert, dass die Fluggeräte Rost ansetzten. Außerdem können die Flieger durch den von Natur aus harten, ebenen Boden leicht bewegt werden, ohne erst große Flächen künstlich befestigen zu müssen. Diese Voraussetzungen sind einzigartig in den ganzen USA.

Das Procedere mit den überflüssig gewordenen Luftfahrzeugen ist seit sieben Jahrzehnten gleich geblieben: Sie werden auseinandergenommen und die gewonnenen Ersatzteile für Maschinen verwendet, die sich noch im Dienst befinden. Der übrig gebliebenen Schrott geht an umliegende Händler. Andere Flugzeuge werden konserviert, um sie bei Bedarf wieder flugtauglich herzurichten.

Ruhestätte auch fürs rollende Material

Wer von der rauen Ästhetik der ausgedienten Maschinen verzaubert wurde und Lust bekommen hat auf mehr alte Fahrzeuge, für den verbirgt sich nur zwei Fahrtstunden entfernt, nahe Phoenix, ein weiteres Highlight in der Wüste: Der größte Autofriedhof der USA. Bei Hidden Valley Auto Parts stehen in kilometerlangen Reihen über 10.000 Klassiker zum Verkauf. Den amerikanischen Straßenkreuzern, vorwiegend aus den 50er bis 70er Jahren, ergeht es unter der sengenden Sonne Arizonas genauso wie den Flugzeugen: Sie rosten nicht, sondern bleichen lediglich aus. Der Schrottplatz entpuppt sich daher als wahrer Abenteuerspielplatz für Liebhaber und Tüftler, die hier den einen oder anderen Schatz entdecken können. Zwar kommen sie dabei im heißen Sand garantiert ins Schwitzen, doch fast nirgendwo sonst werden die Ikonen längst vergangener Zeiten so gut konserviert.

JFK und Neuengland – eine Freundschaft auf Gegenseitigkeit

JFK an Bord der Honey Fitz vor Hyannisport (c) Cecil Stoughton, White House Photographs, John F. Kennedy Presidential Library and Museum

JFK an Bord der Honey Fitz vor Hyannisport (c) Cecil Stoughton, White House Photographs, John F. Kennedy Presidential Library and Museum

1962 geht ein Geburtstagsständchen um die Welt. Bis heute unvergessen, hauchte Marilyn Monroe ihr „Happy Birthday, Mr. President“ für John F. Kennedy in ihr Mikrofon. 2017 jährt sich der Geburtstag des 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten zum 100. Mal. Grund genug, sich während einer Reise in Kennedys Heimat Neuengland auf Spurensuche zu begeben, mehr über JFK zu erfahren und zu entdecken, warum er die malerische Region im Nordosten der USA so sehr liebte. Der später häufig als charismatischster und berühmtester Präsident der USA bezeichnete Kennedy verbrachte einen Großteil seines Lebens in den sechs Neuengland Staaten und kehrte auch während seiner Präsidentschaft oft und gerne hierher zurück.

Born in Massachusetts

Am 29. Mai 1917 erblickte John Fitzgerald Kennedy in Brookline, Massachusetts das Licht der Welt, wo er in seinem Geburtshaus die ersten drei Lebensjahre verbrachte. Das im Kolonialstil errichtete Haus ist heute Teil der Kennedy National Historic Site und für die Öffentlichkeit zugänglich. Ranger des National Park Service führen interessierte Besucher durch die Nachbarschaft und durch das Haus, in dem sich noch 172 Originalstücke aus dem Besitz der Kennedys befinden.

Familiäres Insel-Leben

Besonders auf der zu Massachusetts gehörenden Halbinsel Cape Cod und den vorgelagerten Inseln Martha’s Vineyard und Nantucket fühlte sich Kennedy zuhause. Auf dem Familiensitz in Hyannis Port verbrachte er regelmäßig die Sommermonate mit seinen Eltern und Geschwistern und ging seiner großen Segelleidenschaft nach. Auch während seiner Zeit als Präsident kam JFK

Die Kennedys in Hyannis (c) Cecil Stoughton, White House, John Fitzgerald Kennedy Library, Boston.jpg

Die Kennedys in Hyannis (c) Cecil Stoughton, White House, John Fitzgerald Kennedy Library, Boston.jpg

mit seiner Frau Jackie und den beiden Kindern jeden Sommer ins „Summer White House“ nach Hyannis Port, um zu arbeiten, Interviews zu geben und sich zu erholen. Das John F. Kennedy Hyannis Museum dokumentiert Kennedys Aufenthalte zwischen 1934 und 1963 in einer multimedialen Ausstellung. Anlässlich des 100. Geburtstags porträtiert die Sonderausstellung „JFK at 100: Life & Legacy“ die Privatperson John F. Kennedy.

Verlockende Meeresfrüchte

Das vornehme Martha’s Vineyard ist eine gute Stunde mit der Fähre von Cape Cod entfernt. Hier gibt es fangfrischen Lobster, das köstliche Lieblingsgericht der Neuengländer. Auf Nantucket wird die Zeit des Walfangs lebendig gehalten und man kann im Walfangmuseum unter anderem ein gewaltiges Walskelett bewundern. Walbeobachtungstouren starten von Mai bis Oktober vielerorts in den Küstenregionen.

Inspirierende Schulzeit

Seine Schulzeit verbrachte Kennedy größtenteils in Massachusetts und Connecticut. An der Internatsschule Choate in Wallingford, Connecticut, machte er 1935 seinen Abschluss. Von seinem Schuldirektor soll Kennedy zu seiner berühmten Aussage „Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern was Du für Dein Land tun kannst“ inspiriert worden sein. Von 1936 bis 1940 studierte John F. Kennedy Politikwissenschaften an der Eliteuniversität Harvard in Cambridge. Die älteste Universität der Vereinigten Staaten wurde 1636 gegründet und gehört zu den acht prestigeträchtigen Hochschulen der amerikanischen Ivy League. Mit

Abschluss von der Harvard University 1940 (c) John Fitzgerald Library, Boston.jpg

Abschluss von der Harvard University 1940 (c) John Fitzgerald Library, Boston.jpg

Harvard, Yale, Brown und Dartmouth nennen vier der insgesamt acht Ivy League Colleges Neuengland ihr Zuhause, und sorgen mit unterhaltsamen Campustouren und universitätseigenen Kunstmuseen für Abwechslung bei den Besuchern . In Harvard bieten Studenten die sogenannten „Hahvahd Tours“ an, bei denen man neben lustigen Geschichten und Anekdoten über die weltberühmte Universität auch einiges über den prominenten Absolventen JFK und seine Zeit am Campus erfährt.

Tea Party und andere Geschichte(n)

Auf der anderen Seite des Charles River befindet sich Boston. Die Hauptstadt von Massachusetts ist die Wiege amerikanischer Geschichte und das Tor zu Neuengland. Die Metropole an der Ostküste der USA lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden und lockt mit einer Vielzahl kultureller und kulinarischer Angebote. 1630 gegründet gehört Boston zu den ältesten Städten der USA und war maßgeblich an der Amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung beteiligt. Auf dem Freedom Trail kann man sich auf die Spuren amerikanischer Geschichte begeben und dabei an bedeutenden Bauwerken und Schauplätzen Halt machen.

Zum Gedenken des 1963 ermordeten Präsidenten wurde in Boston die John F. Kennedy Presidential Library and Museum errichtet. Das von Stararchitekt I. M. Pei entworfene Gebäude ist der offizielle Aufbewahrungsort für Originaldokumente und

JFK mit Nichten und Neffen in Hyannisport (c) Robert Knudsen, White House Photographs, John F. Kennedy Presidential Library and Museum.jpg

JFK mit Nichten und Neffen in Hyannisport (c) Robert Knudsen, White House Photographs, John F. Kennedy Presidential Library and Museum.jpg

Schriftverkehr der Regierung Kennedy. Die Dauerausstellung „Young Jack“ gibt Besuchern einen Einblick in Kennedys Kindheit und zeichnet seinen Weg vom Jungen zum Präsidenten nach. Außerdem beherbergt das Museum eine Sammlung mit Geschenken ausländischer Staatsoberhäupter, eine Nachbildung des Schreibtisches aus dem Oval Office und zahlreiche Dokumente und Ausstellungsstücke zu Kennedys Wahlkampf, seiner Amtseinführung und dem amerikanischen Raumfahrtprojekt Apollo, das 1969 mit Neil Armstrong den ersten Menschen auf den Mond brachte. In der Sonderausstellung „JFK 100 – Milestones & Mementos“ werden viele von Kennedys persönlichen Habseligkeiten gezeigt, die der Öffentlichkeit bisher unbekannt waren. Dazu gehören unter anderem eine Sonnenbrille, Krawatten und Geschenke seiner Kinder. Vor dem Museum können Besucher zudem Kennedys geliebtes Boot Victura bewundern, mit dem er als Junge durch die Gewässer Neuenglands segelte.

Zeitreise mit Hochzeit und Sommerfrische

Cliff Walk in Newport (c) Discover Newport.jpg

Cliff Walk in Newport (c) Discover Newport.jpg

Auch in Newport, Rhode Island kann man auf den Spuren des beliebten Präsidenten wandeln. In dem pittoresken Seefahrerort heiratete John F. Kennedy 1953 Jacqueline Bouvier in der St. Mary’s Church. Die Kirche bietet heute nicht nur Besichtigungen an, sondern nimmt Besucher mit Musik, Bildern und Videos von der Kennedy-Hochzeit auch mit auf eine Zeitreise. Der prächtige Hochzeitsempfang mit 1.300 geladenen Gästen fand auf der Hammersmith Farm statt, in der die spätere First Lady ihre Kindheit verbracht hatte. Das im viktorianischen Stil errichtete Herrenhaus wurde, wie der Familiensitz in Hyannis Port, während seiner Präsidentschaft von Kennedy als „Summer White House“ genutzt. Seit 1999 ist das Haus in Privatbesitz und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Auf eigene Faust kann man hingegen das malerische Newport erkunden und auf dem Cliff Walk an imposanten Herrenhäusern aus dem 19. Jahrhundert vorbeilaufen, die direkt an Rhode Islands atemberaubender Küste liegen.

Weitere Informationen zum Kennedy Jubiläum gibt es auf www.jfkcentennial.org, Wissenswertes über Neuengland auf www.neuenglandusa.de.

Aus dem Sumpf in die Welt hinaus

Landwirtschaft prägte vor 250 Jahren das östliche Illinois, Landwirtschaft prägt die Gegend auch heute: Bauernhof bei Nauvoo. (c)Tom Simpson Photography

Landwirtschaft prägte vor 250 Jahren das östliche Illinois, Landwirtschaft prägt die Gegend auch heute: Bauernhof bei Nauvoo. (c)Tom Simpson Photography

Wer durch die ländlichen Regionen von Illinois unterwegs ist, stößt immer wieder auf Siedlungen mit einem stark ausgeprägten religiösen Charakter. Nicht nur die Amish haben in den vergangenen gut 250 Jahren ihre Heimat in Nordamerika gefunden. Auch viele andere Glaubensgemeinschaften nutzen die neue Freiheit in der Neuen Welt, um sich unbedrängt von den politischen Strukturen ihrer europäischen Heimat zu entfalten. Diese Siedlungen lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen. Einmal in solche, die Traditionen aus ihren Herkunftsländern fortführten, wie zum Beispiel die schwedischen Pietisten, die sich in Bishops Hill niederließen. Zum anderen in solche, die den gut gedüngten spirituellen Nährboden dieser Gegend nutzen, um neue Religionen reifen zu lassen. Dazu gehörten die Mormonen, die ihren Ursprung in Nauvoo hatten.

Zuflucht am Ufer des Mississippi

Auf das kleine Städtchen mit seinen gut 1.000 Einwohnern stößt man auf einer Reise entlang des Mississippi im US-Bundesstaat Illinois. Dort, wo heute zwischen grünen Wiesen und alten Bäumen zahlreiche, original erhaltene historische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert stehen, hatten die Mormonen ihre erste feste Ansiedlung errichtet. Auf ihrer Flucht vor Verfolgung in anderen Bundesstaaten und auf der Suche nach einem Ort, an dem sie gemeinsam leben und ihren Glauben in Frieden praktizieren konnten, kauften die Anhänger der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ im Jahr 1839 das sumpfige Stück Land am Ufer des Mississippi. Schon die indianische Urbevölkerung hatte dort gelebt und den Landstrich unter anderem Quashquema genannt. Später errichten weiße Trapper und Siedler an der Stelle einen Handelsposten, dem sie erst den Namen Venus und später Commerce gaben. Der bis heute gültige Ortsname Nauvoo geht auf die Mormonen zurück und ist die aus dem Hebräischen entlehnte Bezeichnung für „schöner Ort“.

Radikale Anfänge unter Joseph Smith

Unter Führung von Joseph Smith jr., Gründer der Glaubensgemeinschaft und Prophet der Mormonen, legten die neuen Eigentümer das Land trocken und errichteten ihre Stadt. Auf dem Hügel darüber entstand ab 1841 der große Nauvoo Tempel. Joseph Smith arbeitete als Kaufmann und Gastwirt, wurde später auch Bürgermeister von Nauvoo und kandidierte 1844 sogar für das Amt des amerikanischen Präsidenten.

Mit der Pferdekutsch erfahren Besucher eine Ahnung historischer Verhältnisse in Nauvoo. (c) Tom Simpson Photography

Mit der Pferdekutsch erfahren Besucher eine Ahnung historischer Verhältnisse in Nauvoo. (c) Tom Simpson Photography

Im gleichen Jahr ließ er mit Zustimmung des Stadtrates die Druckerpresse der örtlichen Zeitung Nauvoo Expositor zerstören, nachdem diese in ihrer ersten und einzigen Ausgabe kritisch über Smith und seine religiösen Ansichten berichtet hatte. Nach diesem Angriff auf die Pressefreiheit ließ ihn der Gouverneur von Illinois, Thomas Ford, verhaften und im nahegelegenen Carthage in Untersuchungshaft stecken. Als eine aufgebrachte Meute am 27. Juni 1844 das Gefängnis stürmen und Smith lynchen wollte, versuchte dieser zu fliehen, wurde dabei aber erschossen.

Interner Streit führt zum Exodus

Nach seinem Tod übernahm Brigham Young die Führung der Kirche. Es herrschte innerhalb der Gemeinschaft jedoch Uneinigkeit über die künftige Ausrichtung und einige Praktiken wie die Polygamie, weshalb sich in der Folge zahlreiche Gruppen abspalteten. Diese begleiteten Young auch nicht, als er im Februar 1846 mit einigen hundert Gefolgsleuten zum großen „Exodus“ in Richtung Westen aufbrach. Der Treck mündete im Sommer des darauffolgenden Jahres in der Gründung von Salt Lake City. Die überwiegende Mehrheit der rund 20.000 Gläubigen, die in Nauvoo und Umgebung lebten, folgte Young. Die Angehörigen von Joseph Smith jr, darunter sein ältester Sohn, Joseph Smith III., gehörte dagegen zu denen, die in Nauvoo zurückblieben. Unter seiner Führung formierten sich die meisten verbliebenen Splittergruppen zur „Reorganisierten Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ (seit 2001 „Gemeinschaft Christi“).

Viele Attraktionen für Besucher

Wer heute nach Nauvoo kommt, kann viel aus der Zeit der ersten Mormonen-Siedler entdecken. Zu den Höhepunkten gehören das frühere Wohnhaus von Joseph Smith jr., das Wirtshaus, das er einst betrieb, sowie die Gräber der Smith-Familie. Von hoher Bedeutung speziell für die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ ist der „Trail of Hope“, jene Straße, an der die Menschen, die Brigham Young nach Westen folgten, zu tausenden warteten, um den Mississippi zu überqueren.

Zudem stehen zahlreiche weitere original erhaltene Häuser den Besuchern offen. Dort erfahren sie viel über Leben und Alltag der Menschen jener Zeit. In manchen Häusern kann man sogar übernachten. Die Handwerkskunst jener Zeit wird im Family Living Center demonstriert. Ein kleines Museum ist die ehemalige Werkstatt des Waffenmachers Jonathan Browning, der unter anderem das „Harmonica Gun“ erfand. Nicht mehr original ist dagegen der Nauvoo Tempel, der prächtig auf dem Hügel über dem Städtchen thront. Bei ihm handelt es sich um den 2006 geweihten Nachbau des Originals, das durch Feuer und Sturm im 19. Jahrhundert zerstört worden war.

Geschichte in Musical-Form

Einen guten Überblick zum historischen Nauvoo vermitteln die Besucherzentren sowie kostenlose Fahrten mit Pferde- oder Ochsenkarren. Die Geschichte der Mormonen in Musicalform erzählen die Aufführungen „Rendezvous in Old Nauvoo“ (täglich montags bis samstags in der Cultural Hall) sowie die Historienspiele „Nauvoo Pageant“ und „British Pageant“ im Juli und August unter freiem Himmel. Der Eintritt ist jeweils frei. Zu den Sehenswürdigkeiten Nauvoos ohne direkten Bezug zum Mormonentum gehört Baxter’s Vineyards & Winery, das älteste Weingut von Illinois (Ausschank und Probierstube sind täglich geöffnet).

Auf den Spuren von Harriet Tubman

Zugang zur amerikanischen Geschichte der Sklaverei und ihrer Überwindung: Das Besucherzentrum im Harriet Tubman National Park (c) NPS National Park Service

Zugang zur amerikanischen Geschichte der Sklaverei und ihrer Überwindung: Das Besucherzentrum im Harriet Tubman National Park (c) NPS National Park Service

Dieser Tage eröffnete das neue Besucherzentrum des historischen Nationalparks Harriet Tubman Underground Railroad. Das Gelände, dessen Grundlage bereits 2013 durch den damaligen US-Präsidenten Barack Obama geschaffen wurde, würdigt das Leben der berühmten Ex-Sklavin sowie Fluchthelferin im 19. Jahrhundert und hält ihr Vermächtnis lebendig. Mit dem neu gebauten Besucherzentrum des Harriet Tubman Underground Railroad National Historical Parks wurde nun das Herzstück der Anlage nahe Cambridge im US-Bundesstaat Maryland eingeweiht.

Kindheit als Sklavin

Das knapp sieben Hektar große Gelände umfasst Orte, an denen Harriet Tubman seit ihrer Kindheit als Sklavin dienen musste, darunter auch den Nachbau eines Geschäfts, in dem Tubman in jungen Jahren eine schwere Kopfverletzung zugefügt wurde, unter deren Folgen sie ihr Leben lang litt. Auch eine Ausstellung und eine Multimedia-Installation sind nun Teil des historischen Nationalparks und vermitteln das Wirken der legendären Freiheitskämpferin. Eine Bibliothek, ein Museums-Shop und öffentliche Toiletten ergänzen das Angebot des kostenlos zugänglichen Parks.

Helferin für Entflohene

Harriet Tubman, circa 1820 als Sklavin auf einer Farm im Gebiet des heutigen Nationalparks geboren, gelang es 1849 mit Hilfe des Fluchtnetzwerks Underground Railroad, einem drohenden Verkauf durch ihre Besitzer zu entkommen und nach Norden zu fliehen. Anders als viele andere entflohene Sklaven kehrte sie unter hohem persönlichem Risiko als Helferin der Underground Railroad rund ein dutzendmal zurück, um Familienmitglieder und weitere Sklaven zu befreien und diese in den sicheren Norden zu führen, mitunter bis nach Kanada. Im Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten unterstützte sie später die Gegner der Sklaverei als Kundschafterin und Krankenschwester und kümmerte sich um die von den Unionstruppen befreiten Sklaven.

Leistung von historischem Rang

Ihr unermüdlicher Einsatz wurde von offizieller Seite aufgrund fehlender Dokumente lange Zeit nicht anerkannt; Tubman kämpfte 34 Jahre für eine Veteranenpension und erhielt letztlich lediglich eine Witwenrente. Umgeben von Freunden und Verwandten starb Harriet Tubman am 10. März 1913 in einem von ihr gestifteten Heim für alte und mittellose Farbige. Heute gilt sie als eine der bekanntesten historischen Persönlichkeiten der USA.

Eine neue Landmark auf Mississippis „Freedom Trail“

Das Medgar Evers Home in der Hauptstadt des Staates Mississippi, Jackson. (c) Verkehrsbüro Memphis-Mississippi

Das Medgar Evers Home in der Hauptstadt des Staates Mississippi, Jackson. (c) Verkehrsbüro Memphis-Mississippi

Die Nationalparkverwaltung der USA hat das Medgar Evers Home in Jackson, Mississippi, zum nationalen Denkmal erhoben. Das Haus war 1963 Schauplatz eines rassistischen Mordes, durch den die Bürgerrechtsbewegung einen wichtigen Anschub erfuhr. Medgar Wiley Evers arbeitete für die National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), die in den damals noch rassengetrennten Südstaaten für die Gleichstellung der schwarzen Bevölkerung kämpfte. Seinen Einsatz in der großen Bürgerrechts-Organisation bezahlte er mit seinem Leben.

Historischer Link zum Kennedy-Attentat

Vor allem setzte sich der Afroamerikaner Medgar Evers dagegen ein, dass Farbige vom Wählen abgehalten wurden. Auch zeichnete er Verstöße gegen die Bürgerrechte auf. Am 12. Juni 1963 erschoss ihn der weiße Rassenfanatiker Byron De La Beckwith vor der Garage seines Hauses. Dieser Mord zählte, neben dem Attentat auf den Präsidenten John F. Kennedy am 22. November im selben Jahr, zu den entscheidenden Ereignissen, die das Gleichstellungsgesetz Civil Rights Act von 1964 und damit das baldige Ende der Rassentrennung herbeiführten. Beckwith wurde nach zwei Verfahrens-Einstellungen in den 1960ern durch ausnahmslos weiße Geschworene erst im dritten Anlauf 1994 zu lebenslanger Haft verurteilt und starb 2001 als Häftling.

Geschichtliches Gedächtnis der Nation

Der National Park Service hat das Haus am 11. Januar zu einem nationalen Denkmal erklärt. Mit 24 neu dazugekommenen Stätten zählen die USA jetzt gut 2500 solcher National Historic Landmarks, die in ihrer Gesamtheit ein geschichtliches Gedächtnis der Nation bilden. Weltberühmte Gebäude wie etwa das Weiße Haus und das Empire State Building gehören dazu, aber auch eher unscheinbare Orte von großer Bedeutung wie eben jetzt das Medgar Evers Home.

Die Hochschule Tougaloo College pflegt das Medgar Evers Home als ein Museum. Führungen sind möglich nach Anmeldung unter libraryservices@tougaloo.edu oder telefonisch unter 001(601)977-7935.

Trail verbindet Schlüsselorte der Bürgerrechtsbewegung

Bereits seit 2011 gehört das Medgar Evers Home zum Mississippi Freedom Trail. Dieses Projekt, das im selben Jahr entstand, weist Touristen den Weg zu Schlüsselorten der Bürgerrechtsbewegung, die in Mississippi auf besonders harten Widerstand von Rassisten stieß. Schilder an bisher 24 Orten im Staat erklären die Hintergründe.

In der Staatshauptstadt Jackson entsteht zurzeit auch ein großes Bürgerrechtsmuseum. Erstmals in den USA kommen die Mittel für ein derartiges Museum von einer Staatenregierung. Mit diesem Engagement unterstreicht Mississippi seine Haltung, aus der schwierigen eigenen Geschichte zu lernen und sich umso entschiedener gegen Rassismus zu stellen.

Ganz nahe am Anfang der Vereinigten Staaten

Geschichte auf Schritt und Tritt: die Efreths-Alley in Philadelphia. (c) PHL CVB

Geschichte auf Schritt und Tritt: die Efreths-Alley in Philadelphia. (c) PHL CVB

New York, Washington, Miami: die großen Namen an der Ostküste der USA, Pflichtprogramm für die meisten Reisenden. Wer die Muße hat für eine Kür, sollte sich auf den Weg nach Philadelphia machen. Die Stadt gilt als Wiege der Nation und birgt nicht nur jede Menge Geschichte. Wie könnte ein Wochenendbesuch in der „City of Brotherly Love“ aussehen? Ich habe mir von Kennern ein Programm empfehlen lassen, das in 36 Stunden ein gutes Bild der Stadt zeigt.

Natürlich lässt sich eine Stippvisite in Philadelphia an jedem beliebigen Wochentag durchführen – in diesemBeispiel gehen wir von einer Ankunft am Freitagnachmittag aus. Schauen Sie sich nach dem Einzug ins Hotel unbedingt die Unterkunft der Barnes Foundation an, die sich seit Mai 2012 am Franklin Parkway befindet. Sie umfasst eine der weltweit besten privaten Gemäldekollektionen der frühen französischen Moderne und des Postimpressionismus. Reservieren Sie am besten frühzeitig Eintrittskarten unter www.barnesfoundation.org. Gegen Abend ist ein Besuch im hauseigenen „Garden Restaurant” zu empfehlen. Freitags findet hier bis 20.30 Uhr eine Happy Hour mit großer Martini-Auswahl statt.

Nachtleben mit Flair

Das Magazin U.S. News wählte Philadelphia bereits in die Top 10 der Städte mit dem besten Nachtleben in den USA. Das sollte ausgekostet werden: Los geht es mit einem Digestif im Parc Restaurant am Rittenhouse Square. Das Restaurant, in dem man auch draußen sitzen kann, ist einem Pariser Straßenbistro nachempfunden – und tatsächlich herrscht hier eine herrlich entspannte Atmosphäre. Wen dann noch das Tanzfieber packt, kann den Abend bis zur Sperrstunde um 2 Uhr im Cuba Libre (www.cubalibrerestaurant.com) im historischen Viertel Old City bei guter Salsa- und Merengue-Musik ausklingen lassen.

Direkter Zugang zur Geschichte der USA

Am nächsten Morgen steht Geschichte auf Ihrer Agenda, denn davon gibt es in Philadelphia jede Menge. Beginnen Sie Ihren Besuch der historischsten Quadratmeile Amerikas im Independence Visitor Center und erhalten Sie hier kostenlose Eintrittskarten für das Liberty Bell Center, das President’s House und die Independence Hall. Ein geschichtsträchtiger Ort: hier haben die Gründungsväter des Landes die Unabhängigkeitserklärung ausgearbeitet. Im National Constitution Center gibt es spannende Ausstellungen zur Geschichte und ihren Einfluss auf die amerikanische Verfassung.

Bächtliche Glanzlichter in der "City of brotherly love" (c) PHL CVB

Bächtliche Glanzlichter in der „City of brotherly love“ (c) PHL CVB

Koloniale Spuren

Nun ist es Zeit für eine Mittagspause: In der historischen City Tavernfühlt man sich in die koloniale Zeit des 18. Jahrhundert zurückversetzt. Das Interieur sowie die preisgekrönte Restaurantküche sind inspiriert von der damaligen Zeit und unbedingt einen Besuch wert. Der Stadtteil Chinatown und der überdachte Reading Terminal Market befinden sich nur einen zehnminütigen Fußmarsch entfernt und halten ebenfalls eine große Auswahl an Leckereien bereit.

Grüne Gärten, bunte Läden

Gönnen Sie sich nach dem Essen einen Spaziergang zum Washington Square, einem von fünf öffentlichen Parks, die von Stadtgründer William Penn entworfen wurden. Dieser Platz erinnert ein wenig an einen Londoner Stadtpark und ist umgeben von begehrten Immobilien mit imposanter Architektur und einer Vielzahl an Geschäften. Jede Menge Einkaufsmöglichkeiten befinden sich auch etwas weiter westlich – in der Walnut Street und Chestnut Street. Da in Pennsylvania keine Steuern auf Kleidung und Schuhe erhoben werden, lohnt es sich, hier einmal entlang zu flanieren und nach Schnäppchen Ausschau zu halten.

Dinner with a view

Für eine besonders schöne “Dinner-Experience” sollten Sie sich abends ins Restaurant XIX begeben. Aus dem 19. Stock des Hotels Hyatt at the Bellevue haben Sie einen wundervollen Ausblick über die Stadt, während Sie ein exquisites Abendessen genießen. Wie wäre es später am Abend mit etwas Karaoke? In der Japas Karaoke Lounge sind Sie genau an der richtigen Adresse.

Mit über 1300 Tieren aus aller Welt ist der Philadelphia Zoo der älteste Zoo der USA und eines der beliebtesten Ausflugsziele für Familien in der ganzen Region. Von der abenteuerlichen Ballonfahrt bis hin zu einem schaukelnden Ritt auf einem Kamel wird hier viel geboten – genau das Richtige also für den folgenden Vormittag.

Stipvisite bei Al Capone

Bevor es Zeit für die Abreise wird, sollten Sie noch einen Stopp beim Eastern State Penitentiary einlegen. Das ehemalige Gefängnis, in dem auch Al Capone schon seine Strafen abgesessen hat, ist heute eine schaurig-schöne Ruine und unbedingt einen Besuch wert – besonders im Herbst: die Veranstaltung „Terror Behind the Walls“ sollte sich kein Horrorfan entgehen lassen.

 

Setting sail to Baltimore

Sonnenaufgang in Annapolis erleuchtet das City Dock und die Main Street (c) Robert Peterson.jpg

Sonnenaufgang in Annapolis erleuchtet das City Dock und die Main Street (c) Robert Peterson.jpg

Im Oktober 2016 erinnert der US-Bundesstaat Maryland an sein großartiges seemännisches Erbe: Dann laden die Hafenstadt Baltimore und die „Segelhauptstadt Amerikas“, Annapolis, zu Großereignissen an der Chesapeake Bay ein, die James A. Mitchener in seinem Werk „Die Bucht“ als einen der wichtigsten Lebensräume an der US-Ostküste eindrucksvoll beschreibt. Einen Blick zurück in die maritime Geschichte liefert vom 10. bis 16. Oktober 2016 die „Maryland Fleet Week“ in Baltimores Inner Harbor – Glanzstück eines komplett restaurierten Hafens inmitten der Stadt.

Maritime Geschichte zum Greifen nah

Neben Schiffen der U.S. Navy geben sich traditionelle Schoner und andere stolze Dreimastsegler ein Stelldichein vor großartiger Kulisse: So vor der „USS Constellation“, einem perfekt restaurierten Schiff aus Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs, das fest im Inner Harbor liegt und Besuchern offen steht. Gleich daneben findet sich das Seven Foot Knoll Lighthouse, ein Leuchtturm, der 130 Jahre lang am Patapsco River Schiffen den sicheren Weg in den Hafen von Baltimore wies.

Heute steht er – versetzt, genau dort im Hafen selbst – und ist Teil des maritimen Open Air Museums. Hier finden sich auch das historische Schnellboot „Taney“ der US Coast Guard, das U-Boot „Torsk“, das bis in die sechziger Jahre im Nordatlantik im Dienst war und das alte Feuerschiff „Chesapeake 116“. Zwischen dem 13. und 16. Oktober 2016 gewähren viele Schiffe im Inner Harbor kostenlosen Zutritt. Am letzten Tag findet zugleich das „Seafood Festival“ statt, das die maritime Kulinarik der Chesapeake Bay unterstreicht.

Powerboats und Super-Yachten lpcken Publikum an

Rund 50.000 Besucher werden zu den Bootsmessen „U.S. Sailboat Show“ (6. bis 10. Oktober 2016) und „U.S. Powerboat Show“ (13. bis 16. Oktober 2016) in Annapolis erwartet. Beide zählen zu den bedeutendsten Messen der USA auf dem Gebiet. Beide Shows, die nunmehr im 46. Jahr regelmäßig an der Chesapeake Bay stattfinden, präsentieren die gesamte Welt des internationalen Wassersports mit ehrwürdigen Oldtimern und modernsten Super-Yachten, deren Kaufpreise sich im oberen zweistelligen Millionenbereich bewegen.

Die Chesapeake Bay erstreckt sich über 300 Kilometer an der amerikanischen Ostküste. Sie ist Mündungsbiet von über 150 Flüssen. Von verschiedenen Städten rund um die Bucht können Besucher unter sehr kurzen Ausflügen bis zu eintägigen Bootstouren wählen. Das ist die beste Art, die Bay mit ihrer großartigen Naturvielfalt zu erleben. Eine besonders schöne Tagestour empfiehlt sich von Annapolis zum malerischen Fischerstädtchen St. Michaels.

„Rauchende Colts“ qualmen wieder

Neues Leben für den historischen Wilden Westen auf der Front Street von Dodge City (c) KSOK Travel & Tourism

Neues Leben für den historischen Wilden Westen auf der Front Street von Dodge City (c) KSOK Travel & Tourism

Zwischen dem 28. Juli und dem 7. August ist es wieder so weit: Während der legendären Dodge City Days, heuer zum 56. Mal veranstaltet, fliegen den Besuchern wieder „Blaue Bohnen“ um die Ohren. Elf Tage lang wird in dem 25.000-Seelen-Städtchen Dodge City, im Südwesten des Bundesstaats Kansas, der ehemals Wilde Westen zu neuem Leben erweckt: Über 50 Events, darunter Konzerte, ein hoch dotierter Rodeo-Wettbewerb, ein Kunsthandwerksmarkt, ein Kinderfest, ein großer Umzug und ein BBQ-Wettbewerb, unterhalten die Besucher.

Höhepunkte des Festivals sind die Rodeo-Wettbewerbe (3. bis 7.8.), die heuer zum 40. Mal ausgetragen werden, die große Western-Parade am Samstag (30.7.), die täglich auf der Central Avenue stattfindenden Konzerte sowie die Kinoabende unter freiem Himmel mit Westernklassikern. Bei den Kindern beliebt ist der Rummelplatz, genannt „Carnival in the Park“.

„Gunsmoke“ begründete den Ruf der Stadt

Dank der langlebigsten TV-Westernserie aller Zeiten „Gunsmoke“, hierzulande als „Rauchende Colts“ bekannt, erlangte Dodge City weltweiten Ruhm. Zwischen 1955 und 1975 sorgten U.S. Marshall Dillon (James Arness) und sein Gehilfe, Deputy Festus (Ken Curtis) auf der Leinwand für Recht und Ordnung im berühmt-berüchtigten „Dodge“ und verhalfen ihm zu dem Ruf die Westernstadt schlechthin zu sein.

Die Wurzeln der Stadt reichen zurück ins Jahr 1871, als eine erste Ranch entstand und ein Jahr später ein gewisser George Hoover begann, in seinem Saloon Geschäfte mit auf dem Santa Fe Trail vorbeiziehenden Händlern und Soldaten vom nahen Fort Dodge zu machen. Doch erst die Ankunft der Eisenbahn sorgte für Aufschwung: Zunächst wurden Bisonfleisch und -felle von der als „Buffalo City“ bekannten Stadt nach Osten verschickt, dann wurde Dodge City zu einer der wichtigsten Rinder-Verladestationen im Westen.

Einstmals eine wahre Königin

Die Idee, Rinderherden aus Texas zu den Eisenbahnknoten in Kansas zu treiben, kam in der zweiten Hälfte des 19. Jh. auf, um der gestiegenen Nachfrage an Fleisch in den wachsenden Metropolen im Ostens gerecht zu werden. Cowboys trieben die Longhorn-Rinder in langen Trecks Richtung Norden, z.B. ab 1867 auf dem Chisholm Trail, der nächstes Jahr groß seinen 150. Geburtstag feiert. Hatten die Cowboys ihre Herden nach mehreren Monaten auf dem Trail verladen und ihren Sold erhalten, waren Spass und Unterhaltung angesagt – Dodge City wurde nicht ohne Grund „Little Las Vegas“ oder „Queen of the Cow Towns“ genannt! Um Schießereien zu vermeiden, mussten die Cowboys am Ortseingang ihre Waffen abgeben und fungierten berühmt-berüchtigte Revolverhelden wie die Earp-Brüder, Doc Holliday oder die Masterson-Brüder als Sheriffs.

Mit dem Ende der Viehtriebe um 1890 endeten die „wilden Zeiten“ und Dodge City versank in einen Dornröschenschlaf. Filme und die TV-Serie „Gunsmoke“ sorgten dann für ein Revival und heute strömen unter dem Motto: „Get the Heck into Dodge!“ Besucher nicht nur zu den Dodge City Days in die Stadt.

Aufbruchstimmung im Basislager von Lewis und Clark

In der Lewis & Clark State Historic Site in Alton, Illinois, ist ein Nachbau des Boots der beiden Erkunder zu sehen. (C) Visit Alton

In der Lewis & Clark State Historic Site in Alton, Illinois, ist ein Nachbau des Boots der beiden Erkunder zu sehen. (C) Visit Alton

Die Expedition von Meriwether Lewis und William Clark markiert einen Wendepunkt in der US-amerikanischen Geschichte. Durch die Erkundung der bis dahin vollkommen unbekannten Gebiete westlich des Mississippis vergrößerte sich nicht nur das Land um ein Vielfaches, es wurden auch viele hundert bislang noch nicht bekannte Tier- und Pflanzenarten entdeckt. Bevor Lewis und Clark am 14. Mai 1804 mit 31 weiteren Männern ihre historische Reise antraten, verbrachten sie fünf Monate in Alton, in der Nähe der Mündung des Missouri in den Mississippi.

Expeditions-Vorbereitung in Camp Dubois

Wichtigstes Ziel der von Präsident Jefferson angeordneten Forschungsreise, mit der er seinen Privatsekretär Captain Lewis beauftragte, war die Suche nach einem schiffbaren Wasserweg zum Pazifik, um den Handel weiter auszubauen. Zur Vorbereitung auf die bedeutende Expedition wurde ein militärisches Arbeitslager, Camp Dubois, errichtet, in dem die Mannschaft unmittelbar vor der Abreise lebte und trainierte. In der Lewis & Clark State Historic Site in Alton befindet sich ein Nachbau dieses Basislagers, in dem Besucher eine Zeitreise zu den Anfängen des 19. Jahrhunderts unternehmen können. Soldaten in Uniform, die exerzieren und Kanonen abfeuern, Arbeiter, die auf einem Feuer Essen kochen – im Camp Dubois wird der Alltag, wie ihn die Pioniere 1804 hier geführt haben, zum Leben erweckt.

Anschaulicher Geschichtsunterricht

Zusätzlich zum Nachbau des Winterquartiers – das Original-Camp ist aufgrund einer Verschiebung des Flusslaufs nicht mehr zugänglich – befindet sich in der Lewis & Clark State Historic Site ein Informationszentrum mit Museum, das mit Exponaten wie historischen Landkarten, einer Video-Vorführung und Audio-Lesungen echter Tagebucheinträge von Lewis und Clark ein umfassendes Bild der politischen und gesellschaftlichen Situation der damaligen Zeit vermittelt. Besonders sehenswert ist der originalgetreue Nachbau des fast 17 Meter langen Kielboots, mit dem die Forscher ihre Reise ins Unbekannte begannen.

Die Lewis & Clark State Historic Site mit dem Camp Dubois und dem Informationszentrum ist mittwochs bis sonntags von 9 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet.

 

Nevada – einfach außerirdisch

 Ghost Rider, by Albert Szukalski, is a sculpture at the Goldwell Open Air Museum adjacent to the ghost town of Rhyolite. Photo credit: Chris Moran/TravelNevada


Ghost Rider, by Albert Szukalski, is a sculpture at the Goldwell Open Air Museum adjacent to the ghost town of Rhyolite.
Photo credit: Chris Moran/TravelNevada

Außerirdische, UFO-Sichtungen, ein streng geheimes Testgebiet und mondähnliche Landschaft, das alles befindet sich in Nevada entlang der Route 375, auch „Extraterrestrial Highway“ genannt. Diese Bezeichnung bedeutet so viel wie außerirdischer Highway und rührt daher, dass die Straße in der Nähe der sagenumwobenen Area 51 verläuft, wo laut einiger Aussagen ungewöhnliche Dinge gesichtet wurden. Aliens oder nicht, die menschenleere Umgebung des „ET“ Highway ist, mit nur etwa 200 passierenden Autos pro Tag, wirklich unheimlich.

Auch wenn Besucher im restlichen Nevada dazu aufgefordert werden die Umgebung zu erkunden, sollten sie sich hier nicht zu weit von den Straßen entfernen – denn ganz schnell kann es passieren, dass Soldaten einen zum umdrehen auffordern…auch wenn die Area 51 „offiziell“ gar nicht existiert.

Die Geister der Vergangenheit

Nevada ist bis heute, nach Afrika, der weltweit zweitgrößte Goldproduzent und zog in frühen Jahren viele Goldsucher an, die sich in vielversprechenden Gegenden zum Rohstoffabbau ansiedelten. Nachdem Goldadern ausgeschöpft waren oder die Suche nach Edelmetallen erfolglos blieb, wurden die Städte jedoch schnell wieder verlassen und starben langsam aus. So ist Nevadas Landschaft bis heute von Geisterstädten durchzogen, deren Besuch eine Stippvisite in die Vergangenheit darstellt.

Etwa zwei Stunden Fahrtweg von Las Vegas entfernt liegt die 1905 gebaute Stadt Rhyolite, welche innerhalb von fünf Jahren flott auf eine Größe von über 6.000 Einwohnern wuchs. Heute ist die Stadt ein Freilichtmuseum, wo unter anderem ein komplett aus Flaschen gebautes Haus bestaunt werden kann. Ende der 80er Jahre schuf ein belgischer Künstler sieben Geisterskulpturen aus Acryl, welche die einzigen ständigen Bewohner der Stadt sind.

Flüchtiger Glanz des Goldes

Im Zentrum Nevadas gelegen produzierte Belmont von 1865 bis 1890 etwa 15 Millionen US-Dollar in Gold und Silber. Nachdem die Adern erschöpft waren, wurde Belmont sehr schnell verlassen und verfiel nach und nach. Das alte Belmont ist aber immer noch gut erhalten und entlang der heute asphaltierten Hauptstraße können die Ruinen der ehemaligen Stadt bestaunt werden.

Neben Rhyolite und Belmont gibt es natürlich noch weitere Geisterstädte wie Goldfield, Midas, Berlin, Silver Peak oder Goldpoint, in denen teilweise auch die alten Mienen besucht werden können.