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Tag: Indianer

Das große Fest der „Roten Menschen“

Festlich gekleideter Tänzer beim "Red Earth Festival" in Oklahoma City (c) TravelOK.com

Festlich gekleideter Tänzer beim „Red Earth Festival“ in Oklahoma City (c) TravelOK.com

„Okla humma“ – „Rote Menschen“ – heißt in der Choctaw-Sprache die Urbevölkerung und so erhielt auch der heutige US-Bundesstaat Oklahoma seinen Namen. Dass in Oklahoma 39 von 562 offiziell in den USA anerkannten Indianervölkern zu Hause sind, geht darauf zurück, dass US-Präsident Jefferson Anfang des 19. Jahrhunderts Land westlich des Mississippi zum „Indian Territory“ ernannt hatte.

Einzigartiges „Red Earth Festival“

In Oklahoma informieren nicht nur hochklassige Museen über die Indianer, sondern geben vor allem Powwows, Besuchern Gelegenheit, Mentalität und Kultur der Native Americans besser kennenzulernen. Das dieses Jahr zum 30. Mal ausgetragene Red Earth Festival in der Hauptstadt Oklahoma City gehört zu den jährlichen Veranstaltungshöhepunkten und zu den besten derartigen Events im ganzen Land.

Im Cox Convention Center treffen sich am Wochende vom 10. bis 12. Juni über 130 der besten indianischen Künstler und Tänzer von über 100 Stämmen aus ganz Nordamerika. Eröffnet wird das Festival am Freitagvormittag, 10. Juni, mit einem Umzug der Teilnehmer durch die Innenstadt von OKC. Höhepunkt des Kulturfestes sind die täglich stattfindenden Tanzwettbewerbe, an denen die ausdrucksstarken Powwow-Tänzer in verschiedenen Kategorien und unterteilt nach Geschlecht und Alter um Geld- und Sachpreise gegeneinander antreten.

Die drums geben den Takt an

Die traditionelle Parade prägt das Bild des "Red Earth Festivals" (c) TravelOK.com

Die traditionelle Parade prägt das Bild des „Red Earth Festivals“ (c) TravelOK.com

Untermalt werden die Tänze von wechselnden „drums“, wie die Gruppen von mindestens fünf Sängern, darunter ein Vorsänger, genannt werden. Sie sitzen am Rand der runden Tanzarena um eine große Trommel und begleiten ihre kehligen Gesang mit rhythmischen Schlägen. Die dargebrachten Lieder sind ebenfalls in Kategorien, passend zu den Tänzen, eingeteilt und ihre Interpretation wird reihum von einer Jury bewertet.

Darüber hinaus ist im Kongresszentrum von OKC mehr geboten: zum Beispiel gibt es Vorführungen und Ausstellungen von indianischen Künstlern und bei der Art Competition werden die Kunstwerke bzw. das Kunsthandwerk bewertet und prämiert. Organisationen und Gruppen, Sights und Museen stellen sich vor und bei „Ask the Expert“ wird erstmals von Besuchern mitgebrachte indianische Kunst von Experten beurteilt. Ebenfalls neu ist ein „Sunrise Breakfast “ mit Vorträgen zu indianischer Kunst und Kultur.

Einladung zum Hinschauen und Mitmachen

Die Red Earth Corporation macht sich seit 1978 für die Indianer stark und das nicht nur mit dem seit 1987 veranstalteten Red Earth Festival, sondern auch durch ein Museum, Kinderprogramme und Workshops sowie durch die Beteiligung an Märkten. Das Red Earth Art Center verfügt über eine Dauerausstellung von über 1.400 Stücken indianischer Kunst aus verschiedensten Bereichen – Malerei, Keramik, Textilarbeiten, Perlenstickerei, Korbflechterei u.a. Genres – und organisiert Programme, Sonderausstellungen und Workshops, Veranstaltungen und Konzerte.

Infos zum Red Earth Festival

„Um zu überleben“

Anfang der 1990er Jahre habe ich für das inzwischen eingestellte Magazin HiFi-Vision ein Interview mit John Trudell geführt. Der hatte gerade sein Album „Aka Graffiti Man“ in überarbeiteter Form ein zweites Mal veröffentlicht. Es kam zu einem Gespräch, in dem ich mehrerlei lernte: Ein guter Musiker definiert sich nicht nur über seine Musik; über Indianer muss ich noch viel in Erfahrung bringen; es gibt immer eine Alternative.

Am meisten haben mich jene zwei Minuten bewegt, in denen John, Santee-Indianer und Vietnam-Veteran, von der Nacht erzählte, die sein Leben auf einen neuen Weg geschickt hatte. Was war passiert? Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg hatten ihn die Lebensumstände der Indianer in den USA so bewegt, dass er sich aufmachte, gegen die politisch Verantwortlichen vorzugehen. Als Mitglied und später Vorsitzender des American Indian Movement ging er an die Öffentlichkeit – unter anderem warf er dem dem FBI Vergehen gegen die Indianer vor. Anlässlich einer Rede zu diesem Thema verbrannte er die US-Flagge, „because we learned as soldiers that we have to burn the flag if it is disgraced“. Stunden danach ging sein Zuhause in Flammen auf. Darin verbrannten seine Frau, seine drei Kinder und seine Schwiegermutter.

Dies ist der Ausgangspunkt für das Interview, das es online bisher nirgendwo zu finden gibt. Mir liegt daran, dass es (auch in der typischen Länge eines gedruckten Interviews) erhalten bleibt, um an John Trudell zu erinnern, der am 8. Dezember gestorben ist.

Wenn einer Ihre Biographie liest, dann könnte er auch auf den Gedanken kommen: Der Mann hätte auch Terrorist werden können statt Dichter und Sänger. Warum haben Sie sich so entschieden?

Wenn ich zurückschaue, dann hatte ich keine andere Wahl. Welche Gefühle ich auch damals hatte – ich hatte nicht die Energie, darauf zu reagieren. Ich verstehe das wirklich selbst nicht. Als alle diese Dinge geschahen, war Schreiben sicher das letzte, woran ich dachte. Aber vielleicht ist das der Grund, warum ich diesen Weg gegangen bin: Weil es das war, was ich am wenigsten erwartete. Man muß das auch ganz pragmatisch sehen: Wann immer ich versucht hätte, Rache zu üben, die Leute, die ich hätte erwischen müssen, an die wäre ich nie herangekommen.

War es vorher schon Teil Ihres Lebens, Lyrik zu schreiben?

Nein.

Als Sie damit anfingen, wollten Sie da nur schreiben, oder dachten Sie da auch schon daran, auch Musiker zu sein?

Auch nicht. Als ich zu schreiben anfing, hatte ich nichts anderes im Sinn als zu überleben. Ich habe auch nicht gezielt zu schreiben begonnen, sondern es ist einfach passiert. Ich wußte, daß unabhängig von Gründen, ich dadurch ein Ziel bekam, eine Richtung. Die hatte ich vorher nicht. Mit der Zeit entdeckte ich dann auch meine Fähigkeit, mit Worten etwas auszudrücken. Später dann dachte ich darüber nach, meine Worte mit Musik zu verbinden. Aber zunächst hatte ich all das nicht im Sinn.

Die Gedichte, die Sie schreiben – wollen Sie die einer möglichst großen Menge Menschen mitteilen oder möchten Sie entdeckt werden?

Als ich beschloß, das alles nach außen tragen, da war das meine Entscheidung. Wie die Leute das annehmen oder nicht annehmen wollten, das überließ ich ganz ihnen. Ich habe nicht nach denen gesucht, die mit mir übereinstimmen, und nicht nach denen, die etwas gegen mich haben.

Sie haben sich nicht wie ein Missionar gefühlt, der eine Botschaft verbreiten will?

No. Ich mußte mich selbst ausdrücken und das war der Weg, der mir dazu einfiel. Es war meine Reaktion auf die Ereignisse, danach nicht zu schweigen.

Glauben Sie nicht, daß viele Indianer schweigen, weil Ihnen die Worte fehlen? Oder weil sie Angst haben?

Ich glaube nicht, daß es Angst ist, oder daß sie nicht wüßten wie sie sich ausdrücken sollen. Denn unter uns können wir uns ganz gut darüber verständigen. Viele Leute verstehen nur nicht, wenn wir etwas ausdrücken wollen, weil sie erwarten, daß wir in ein bestimmtes Bild passen, das sie von uns haben. Und dann wird’s schwierig, denn du kannst nicht in irgendjemands Bild passen und gleichzeitig dein echtes Bild zeigen. Denn jene, die ein Bild wollen, verwehren der Wahrheit den Zutritt. Da muß man sich schon überlegen, ob man zu diesen Leuten überhaupt sprechen will, weil sie dich ja sowieso nicht verstehen.

Der Stamm der Hopi diskutiert gerade, ob sie nicht künftig grundsätzlich Besucher von allen Ereignissen fernhalten sollen, wo sie ihre Religion oder ihre Kultur zeigen. Wie stehen Sie zu diesen Überlegungen, zur Tradition überhaupt?

Ich respektiere diesen Standpunkt, denn das ist keine Show. Was sie tun, ist vermutlich das gesündeste für sie. Wenn die Leute kommen, um eine Show zu sehen, dann haben sie keinen Blick dafür, was wirklich geschieht. Und wenn man zuläßt, daß Fremde dazukommen, fotografieren oder mitschneiden, dann ist das Ganze aber nichts anderes mehr als eine Show. Die Hopis sind ja keine verschlossenen Leute, sondern gehen nach außen, um über sich zu berichten. Aber wenn sie ihre Kultur schützen wollen, muß man das akzeptieren. Wer eine Show sehen will, kann ja zu einem Powwow gehen. Das ist offen zugänglich und braucht kein großes Verständnis.

Wer sich Ihre CD anhört, der wird nicht viel von jener traditionellen indianischen Musik entdecken, wie man sie sich vielleicht erwartet, wenn man hört: Da singt ein Indianer. Dafür ist viel mehr weiße und schwarze Musik drin, als zu erwarten wäre.

Genau das war der Grund, warum wir’s so gemacht haben. Weil wir keinem Bild entsprechen wollten. Zu oft wollen uns Nicht-Indianer so sehen, wie es ihnen ihre Phantasie vormacht. Sie wollen unsere Wirklichkeit verdrängen. Da gibt’s einige bei uns, die sich dagegen wehren. Wir sind hier und jetzt. Wer auf die Worte der Lieder hört, wird merken, daß sie durch und durch indianisch sind. Wer romantische, stereotype Bilder sucht, ist bei uns an der falschen Adresse. Das kriegt er nicht von uns. Und wird, das sind inzwischen ziemlich viele. Ich weiß nicht, wie ich’s nennen soll: kulturelles Mißverständnis oder unabsichtlicher Rassismus.

Jesse R. Davis, ein Kiowa-Indianer: Hör zu, wie der Gitarre spielt. Das ist ein Indianer, der über seine Gitarre spricht. Keiner spielt wie er. Was mich beunruhigt, ist das jene, die mit uns sympathisieren, für unsere Zukunft genauso gefährlich sind wie unsere Feinde. Denn unsere Feinde mögen uns nicht, weil wir Indianer sind. Und unsere Sympathisanten mögen uns, weil sie ein Bild von uns haben, daß wir darstellen sollen. Wenn sie aber nicht akzeptieren, wie wir heute sind, dann können sie uns genauso gefährlich werden. Sie wollen uns in der Vergangenheit halten.

Ich mache mir Sorgen über den Drogenhändler auf der Straße. Ich muß mir Sorgen machen, über Leute, die Krieg wollen und Bomben auf Bagdad werfen. Ich muß mir Sorgen darüber machen, wie Frauen und Männer mit der Gesellschaft zurechtkommen. Das berührt mein Leben als Indianer genauso, wie wenn die Regierung Bäume umlegt. Was wir der Außenwelt klarmachen wollen, ist: Um uns eine Zukunft zu geben, müssen sie unsere Gegenwart anerkennen. Unsere Feinde wollen uns zerstören, unsere Freunde uns in der Vergangenheit halten – und beide verweigern uns unsere Zukunft.

Die Tatsache, daß Jessse R. Davis, seine Gitarre so spielt, wie er sie spielt: Der Mann ist Vollblut-Indianer und drückt seine Gefühle dadurch aus, wie er seine Gitarre spielt. Die Leute sollten sich dadurch nicht täuschen lassen. Ich könnte auch hingehen und ein Album machen mit nichts als trommeln und indianischer Musik. Können Sie sich vorstellen, wieviele Leute das aus dem Regal nehmen würden? Ganz wenige. Was wir machen, ist, die Hautfarbe aus dem Spiel zu lassen und menschliche Lebewesen anzusprechen. Und da ich alle Lyrik schrieb und Jesse alle Musik – dann ist das Album indianisch.

Gibt es viele Dichter, Schreiber, Musiker wie Sie unter den Indianern?

Die Zahl wächst. Vor 20 Jahren haben wir unseren Kampf um politische Rechte aufgenommen. Die Form dieses Kampfs hat sich geändert, wie drücken unsere Kultur heute vielmehr durch Kunst aus. Vor 15 Jahren gab es politische Aktivisten, heute gibt es Künstler. Immer mehr Indianer greifen zu Gitarren und Keyboards und diesen Dingen und drücken damit traditionelle und zeitgenössische Formen aus.

Es gibt zur Zeit viele Filme, die Indianer zum Thema haben, und in Deutschland gut ankommen, weil wir für Indianerfilme seit Winnetou etwas übrighaben. Was denken Sie darüber?

„Der mit dem Wolf tanzt“ und „Black Robe“ werden das deutsche Indianerbild weiter festigen. Ich kann mit beiden wenig anfangen, weil sie sich nicht mit unserer heutigen Realität auseinandersetzen. Vor ein paar Jahren gab es den Film „Powwow Highway“, der mir gut gefiel, weil er uns in die Gegenwart setzte. Er gab uns Leben in dieser Generation. Der nächste Film, der kommt, „Thunderheart“, folgt dieser Linie. Und ich denke er wird gut aufgenommen, weil er sich mit unserem politischen Kampf in dieser Generation befaßt und damit, was die Regierung mit uns angestellt hat.

Gibt es derzeit eine Stimme zugunsten der native Americans, die auch gehört wird und die etwas ändern kann? Haben die Indianer zum Beispiel in dem Konflikt zwischen Schwarz und Weiß noch eine Chance gehört zu werden?

Nein, da kümmert sich keiner drum. Eher sorgen sie dafür, daß unsere Probleme kein Ende nehmen, sie sind die Quelle dafür. Ein Kolonisator ist programmiert, dich zu kolonialisieren, aber nicht, sich um deine Probleme zu kümmern. Das ist die Situation, der wir uns in den USA ausgesetzt sehen. Wir haben zwar Sympathisanten, aber es ist keiner im System, der unsere Rechte schützt.

Gibt es nicht Staaten, wo die Indianer mit den Eindringlingen besser zurechtkommen als in anderen?

Das kommt drauf an, um was es geht und in welchem Staat es geschieht. Wenn der Staat irgendetwas entdeckt, was die Indianer haben und was der Staat braucht, dann ist zum Beispiel in Oklahoma nicht leicht dranzukommen. Mancherorts sind die Stämme kulturell stärker, anderswo schwächer. Die Navajos sind ziemlich stark und konnten in Arizona und New Mexico einiges durchsetzen. Die Indianer in Oklahoma hat der Staat um so ziemlich alles beraubt, was sie haben konnten. Das ist für mich eine Form von Apartheid: Jeder akzeptiert, daß die Indianer da sind, aber sie werden kurzgehalten in einem zweitklassigen Status.

An welche Gruppe richten sich Ihre Lieder zuerst? Wollen Sie anderen Indianer damit zu einer Identität verhelfen?

Es geht nicht so sehr darum, eine Identität zu verschaffen. Zunächst entstanden die Songs, um auszudrücken, was Jesse und ich zu sagen hatten. Wir wollten sagen: Da sind wir zwei Indianer in einer Gesellschaft von heute. Von diesem Punkt ausgehend sind die Songs für alle, für die sie Sinn machen. Und wenn Sie ansprechen, daß diesem Album die indianischen Elemente fehlen: Den Indianern gefällt’s. Es sind die weißen Menschen, die fragen „wo sind die Indianer auf diesem Album?“ Es ist nun mal so, daß wir ein paar Jahrhunderte lang uns der Sprache, der Kultur der Weißen ausgesetzt haben und nun einen Weg entdeckt haben, um uns auf diesem Weg ihnen verständlich zu machen. Aber jetzt wollen sie’s nicht hören, weil sie uns lieber in einer Weise sprechen hören, die sie nicht verstehen. Es ist schon ziemlich bizarr.

Also: Die Musik ist geschrieben für Menschen mit Stammesbewußstein (tribaly conscious people), nicht Rassenbewußte (racialy conscious)! Das kann jede Farbe sein, auch wenn keiner dieses Stammesbewußtsein als solches erkannt hat.

Viele Menschen sagen, der Verlust der Sprache würde die Indianer ihrer letzten Wurzel berauben. Die letzte Schlacht, die sie verlören, wäre die gegen eine überwältigende Kultur aus Micky Maus und Fernsehen. Ist es da nicht Teil der Lebensaufgabe für einen Dichter, das Gefühl für Tradition und Stammesbewußtsein aufrecht zu erhalten?

Das ist die Aufgabe eines jeden Individuums. Das ist doch das Problem unserer Gesellschaft, daß jeder möchte, daß ein anderer für sie die Aufgaben übernimmt. Es ist Ihre Verantwortung genauso, meine Kultur am Leben zu erhalten, wie es meine Aufgabe ist. Das kann nicht die Aufgabe einzelner sein. Und wenn wir das Gefühl haben, daß etwas verloren geht, dann müssen wir das akzeptieren. Es gibt eine Evolution. Ich mag die Tatsache nicht, daß unsere Erfahrung damit Genozid, Ausrottung heißt. Ich akzeptiere die Evolution. Aber ich entscheide, was ich verliere. Das lasse ich keinen anderen entscheiden. Und ich entscheide, was für Veränderung und was für Verlust steht. Ich wäre besorgt, wenn ich nicht länger über eine spirituelle Identität verfügte. Wenn ich nicht mehr wüßte, wie ich zu beten habe, wie ich Rücksicht zu nehmen habe, wenn ich nicht mehr weiß, daß die Erde meine Mutter ist – dann würde ich vermutlich einen Verlust fühlen. Jetzt gerade fühle ich mich verändert. Ich kenne meine spirituelle Gegenwart und ich spüre die meiner Vorfahren und das, was sich für die Zukunft daraus entwickelt. Wenn ich’s so sehe, bin ich ein Produkt der Evolution. Ich fühle mich deswegen aber nicht verloren. Ich bin erst dann ein wirklicher Verlierer, wenn ich die Existenz der Evolution bestreite. Dann werde ich rigid…… und kann mich nicht mehr an die Wirklichkeit anpassen, wie es die Menschheit immer schon getan hat. Es ist mein Pech, daß ich in einer räuberischen Gesellschaft lebe, das zehrt an der Spiritualität der Menschen. Aber soll ich deswegen die Wirklichkeit bestreiten, mich den Räubern auf dem Präsentierteller stellen und mich verzehren lassen?

Sie sprechen von einer Sprache, die alle verbinden soll. Kann das die Musik sein?

Sie ist’s schon.

Sind sie sicher?

Alle Musik kann das, wenn sie die Gefühle und Wahrheiten einer Gesellschaft ausdrückt.

Was halten Sie dann von Nationalhymnen?

Nonono. Die Frage war, „kann“ die Musik? Ja, sie kann. Aber ich habe keine Ahnung von Nationalhymnen, weil ich sie noch nie beachtet habe. Ich glaube nicht daran und weiß, daß das alles Propaganda und Müll ist. Das hat nichts mit Wahrheit und Gefühlen zu tun. Das hat mit Verhaltensveränderung zu tun, mit Gehirnwäsche. In diesem Fall wird Musik nicht als Sprache der Gefühle verwendet, sondern als Kontrollinstrument. Aber das verhindert ja nicht, daß Musik als die eine, gemeinsame Sprache verwendet werden kann. Schau doch in die Geschichte: Jede Epoche und jede Gesellschaft hatte ihre Lieder. Und immer wenn einer versuchte, über die Musik die Kontrolle zu gewinnen, dann hat er die Musik verändert. Aber die Musik kommt immer wieder zum Leben.

Werden die indianischen Lieder einmal verlorengehen?

Nein.

Wer wird sie am Leben erhalten?

Indianer.

Aber von denen gibt’s doch immer weniger…

Das könnte ein falscher Eindruck sein. Wir sind unterdrückt, Genozid arbeitet gegen uns, aber wir sind noch immer da. Und wir haben noch immer unsere Einflußmöglichkeiten. Du kannst nicht alles behalten, was du je gehabt hast, und mit dir nehmen. Ab und zu mußt du etwas zurücklassen, das ist Evolution. Ich kann in jede beliebige indianische Gemeinschaft in den USA gehen – und die Lieder werden da sein. Das Problem ist wieder einmal die nicht-indianische Sichtweise: Wir sehen nicht so aus, wie sie uns sehen wollen, also deuten sie das als Verlust. Vielleicht ist der wirkliche Verlust in der nicht-indianischen Gesellschaft, die verlernt hat zu sehen. Für die wäre es viel wichtiger, auf sich selbst zu achten, was sie verlieren. Ich kenne die Gefahren, denen ich ausgesetzt bin, und kann mich darauf einstellen. Die Gefahr, daß es keine Zukunft für mich gibt, die verstehe ich sehr, sehr gut. Wenn die nicht-Indianer sich genauso gut auf die Gefahren ihres Lebens einstellen und sie erkennen würden, dann würde keiner von uns verlieren.

Welche Reaktion erwarten Sie auf Ihre Musik?

Meine Musik wird von jenen akzeptiert werden, die sich mit der Wirklichkeit abgeben, egal wo das ist. Wer sich mit romantischen Stereotypen befassen will, der wird Probleme damit haben. Aber das ist nicht mein Problem, sondern ihres. Ich bin kein Teil von Buffalo Bills Wild West Show und ich werde nicht singen und tanzen, wenn sie das wollen. Wenn ich’s mache, dann so wie ich will.

Powwow-Atmosphäre schnuppern – in Augsburg

Meine Heimatstadt Augsburg steht während der AMERICANA 2015 zwischen dem 2. und 6. September wieder ganz im Zeichen der Western-Reitkunst. Am Stand der beiden US-Bundesstaaten Kansas und Oklahoma, die mit einer eigenen mehrköpfigen Delegation anreisen, sind dann auch indianische Tänzer in Aktion zu sehen.  Michael Roberts zum Beispiel, ein Choctaw/Chickasaw-Indianer aus Oklahoma, dessen indianischer Name „Dancing Eagle Feathers“ lautet, ist ein professioneller Powwow-Tänzer. Er reist zusammen mit seiner Frau Rebecca, einer Pueblo-Indianerin aus Taos, New Mexico, oft auch in Begleitung der Töchter, von Wettbbewerb zu Wettbewerb im Wohnwagen durch die USA. Die Roberts gehören zu einer kleinen Gruppe indianischer Familien, die ihren Lebensunterhalt fast auschließlich mit Powwows verdienen.

Außer Michael und Rebecca sind erstmals auf der AMERICANA 2015 die beiden jüngeren Töchter, Paan Pai und Morning Star, mit dabei. Michael gilt als einer der besten Vertreter des Southern Fancy War Dance, bei dem meist jüngere Tänzer in fantasievoll-bunten Kostümen ausdrucksstark die Bewegungen von Pferden nachahmen. Während Rebecca den Old Style Jingle Dress Dance zeigt, hat sich Paan Pai auf den elegant-anmutigen Southern Cloth Dance spezialisiert und wirbelt Morning Star im Fancy Shawl Dance über die Tanzfläche.

Der Begriff „powwow“ oder „pow wow“ leitet sich vom Wort „powwaw“ – „spiritual leader“ – aus der Sprache der Narragansett-Indianer aus Rhode Island, an der US-Ostküste, ab. Spricht man heute von „Powwow“ meint man nicht nur die traditionelle Form des Zusammentreffens von indianischen Stämmen bzw. Familienverbänden, sondern auch mit Geld- bzw. Sachpreisen dotierte Tanz-, Trommel- und Gesangswettbewerbe. Im Mittelpunkt eines Powwow stehen die Tänze, wobei Senioren und -innen (über 50 Jahre), Männer und Frauen zwischen 18–49 Jahren, Teens (13–17) und Kinder (6–12) getrennt in verschiedenen Kategorien antreten. Untermalt werden die Tänze von wechselnden „Drums“ – so werden Gruppen von mindestens fünf Sängern, darunter ein Vorsänger, genannt, die am Rand des Tanzrunds um eine große Trommel sitzen und ihren kehligen Gesang mit rhythmischen Schlägen begleiten.

Zumindest den Hauch eines Powwows können Besucher während der AMERICANA 2015 am Gemeinschaftsstand von Travel Kansas und Travel Oklahoma (Halle 3 A-12) erleben. Dort werden die Roberts täglich halbstündlich von 10 bis 18 Uhr auftreten. Am Stand werden täglich zwischen 9 und 19 Uhr mehrere Vertreter beider Staaten nicht nur Reisetipps geben, sondern ganz besonders über Cowboys und Indianer sowie die legendäre Route 66, die beide Staaten quert, informieren. Als „Eyecatcher“ steht vor dem Messeeingang wieder der bunt-bemalte Trailer von Travel Kansas/Oklahoma, der bei Schulungen und Workshops von/mit Reiseprofis zum Einsatz kommt.

Weitere Informationen findet sich auf der deutschen Webseite von Kansas und Oklahoma sowie auf der Webseite der AMERICANA.

Viele Pfade führen zu den „native people“

Nachfahren der amerikanischen Ureinwohner auf der Plimoth Plantation (c) Plimoth Plantation

Nachfahren der amerikanischen Ureinwohner auf der Plimoth Plantation (c) Plimoth Plantation

Das Wissen, die Erfahrungen und die Traditionen der Ureinwohner haben auch die Geschichte und die Kultur Neuenglands geprägt und bereichert. Im Nordosten der USA lebten schon vor vielen Jahrtausenden die ersten Bewohner ein Leben im Rhythmus der Jahreszeiten, bauten Bohnen, Mais, Kürbis und Wildreis an, fingen Lachs, Forellen und Kabeljau und fuhren in ihren leichten Kanus aus Birkenrinde aufs offene Meer hinaus. Die ersten Begegnungen mit Europäern vor rund 400 Jahren führten zu weit reichenden Veränderungen für alle Beteiligten.

Glücklicherweise konnten die Stämme jedoch ihre Identität weitestgehend erhalten und so haben Reisende in Neuengland auch heute noch die Möglichkeit, sich intensiv mit der Kultur der Indianer zu beschäftigen, über deren Namen und Spuren man allerorten stolpert. Anders als in vielen Regionen Nordamerikas lebt hier nur ein relativ kleiner Teil in Reservaten, wie bei den Penobscot in Maine, die auch Besucher willkommen heißen. Die meisten „Native People“ in den sechs Bundesstaaten Neuenglands sind gut in die Gemeinden integriert und eine Vielzahl von Einrichtungen und Initiativen bemüht sich, das Erbe ihrer Vorfahren zu bewahren.

Wigwam in Originalgröße

In Vermont siedelten sich vor rund 13.000 Jahren die Paläoindianer an, deren Nachfahren als Abenaki bekannt sind. Das Vermont History Museum in Montpelier beleuchtet die Geschichte des Bundesstaates und widmet sich entsprechend ausführlich dem Leben der Ureinwohner in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Die interaktive Multimedia-Ausstellung „Freedom and Unity“ gibt Besuchern Gelegenheit, den Nachbau eines Abenaki Wigwams in Originalgröße zu betreten und thematisiert die Wechselwirkungen der Begegnungen mit den weißen Siedlern aus Europa. ,

Das Mashantucket Pequot Museum in der Nähe von Mystic, Connecticut lässt nicht nur die 20.000-jährige Geschichte und Kultur der Pequot eindrucksvoll wieder aufleben, sondern befasst sich auch mit anderen nordamerikanischen Stämmen. Im weltweit größten Museum zu diesem Thema kann man unter anderem ein rekonstruiertes Dorf besichtigen.  Jedes Jahr im August laden die Stammesmitglieder Einheimische und Touristen zum Schemitzun PowWow ein, wo die traditionelle Lebensweise voller Stolz präsentiert und zelebriert wird. Zusammen mit ihren Familien und Freunden anderer Stämme führen sie traditionelle Tänze vor, stellen Schmuck aus Muscheln, Perlenstickereien und Fischernetze her, machen mit Steinen Feuer, um darüber zu kochen und erzählen Geschichten ihrer Ahnen.

Leben wie seit ewigen Zeiten

Tanzvorführung beim PowWow (c) Mashantucket Pequot Museum & Research Center

Tanzvorführung beim PowWow (c) Mashantucket Pequot Museum & Research Center

Die Wampanoag Homesite im Freilichtmuseum Plimoth Plantation liegt an den Ufern des Eel River in Massachusetts. Hier können Besucher die traditionellen Häuser der Wampanoag besichtigen und dabei zusehen, wie dieser Stamm im 17. Jahrhundert mit Ackerbau, Jagd, Fischfang und der Herstellung von Matten und Körben aus Schilf seinen Lebensunterhalt verdiente. Die hier arbeitenden Ureinwohner sind historisch korrekt gekleidet, sprechen über die Geschichte und Kultur der Wampanoag und kennen sich sehr gut aus in den Traditionen der Menschen, die seit ewigen Zeiten in dieser Region gelebt haben.

Das Mount Kearsarge Indian Museum in Warner, New Hampshire thematisiert ebenfalls die bereits seit 20.000 Jahren existierende Kultur der amerikanischen Ureinwohner und ihren Umgang mit der Natur. Zu diesem Zweck präsentieren Wechselausstellungen typische Gebrauchsgegenstände, Textilien, Bekleidung, Keramikwaren, Kanus und andere Exponate. Ein besonderes Highlight des Museums ist der Medicine Woods Nature Trail, ein Lehrpfad, der durch einen Garten mit über 100 Heilpflanzen führt.

Zwischen Land und Meer

Zu den vier Stämmen Maines gehören die Maliseet, Micmac, Penobscot und Passamaquoddy, die zusammen als Wabanaki bekannt sind. Jede Gemeinschaft verfügt über eine eigene Stammesregierung, Gemeinschaftsschulen, ein Kulturhaus und jede verwaltet ihr jeweiliges Land und die natürlichen Ressourcen selbst. Das Abbe Museum in Bar Harbor präsentiert ihre individuelle Geschichte und ihre vielfältigen Kulturen durch Wechselausstellungen, Veranstaltungen und Lehrwerkstätten für Kinder und Erwachsene.

Lange bevor Rhode Island als solches existierte, bewohnte schon der Stamm der Narragansett diese Küstenregion. Das Tomaquag Museum in Exeter widmet sich insbesondere der Geschichte dieses seefahrenden Volkes, versucht zudem aber auch ein größeres Verständnis für alle Ureinwohner Neuenglands zu erzielen. Das Museum beherbergt eine einzigartige Sammlung mit über 20.000 Exponaten, dazu gehören historische Artefakte, Bilder und andere Kunstwerke. Außerdem werden Vorträge, kulturelle Darbietungen und Workshops zu Perlenarbeiten, Keramik, Malerei und ganzheitlicher Heilung durch Kräuter angeboten, um die Denkweise der Narragansett zu veranschaulichen.

„Native“ ist Leben, nicht Folklore

Mitglieder der Ckickasaw Nation (c) AIANTA

Mitglieder der Ckickasaw Nation (c) AIANTA

Der Verband der nordamerikanischen Ureinwohner AIANTA (American Indian Alaska Native Tourism Association) präsentiert in diesem Jahr auf der Reisemesse ITB in Berlin seine gesamte geographische und kulturelle Bandbreite mit Vertretern aus allen Teilen der USA. „Es gibt 566 bundesstaatlich anerkannte Stämme. Wir sind alle sehr unterschiedlich und kommen aus den verschiedensten Regionen der Vereinigten Staaten“, erklärt Camille Ferguson, Geschäftsführerin von AIANTA. „Wir finden, die ITB ist eine hervorragende Plattform, Europäern – und insbesondere den Deutschen – die Vielfalt und das Angebot der nordamerikanischen Ureinwohner zu zeigen.“

Viele Facetten traditioneller Kultur

Hawaii als südlichster Teil der USA lädt Besucher in ein wundervolles Land ein, welches bereits vor über 800 Jahren von den Polynesiern entdeckt wurde. Neben Sonne, Sand und Surfen empfiehlt das Office of Hawaiian Affairs Reisenden einen Besuch des Iolani Palasts. Die ehemalige königliche Residenz im Herzen Honolulus ist eines der prunkvollsten und faszinierendsten Gebäude im pazifischen Raum.

Die Native Hawaiian Hospitality Association (NAHHA) kommt ebenfalls aus Hawaii an den Stand von AIANTA, um Künstler, Hotels und typisch hawaiianische Sehenswürdigkeiten vorzustellen. Wenn es um die Erlebnisse der Besucher auf Hawaii geht, ist Authentizität das oberste Gebot für die NAHHA. Spezielle Mitarbeitertrainings und Unterstützung des studentischen Nachwuchses in der Tourismusindustrie sollen dies gewährleisten.

Menschen und ihr Land prägen das Bild

Die Chickasaw Nation in Oklahoma bietet bedeutende historische und moderne Sehenswürdigkeiten. Sie verfügt über das größte Stammeskulturzentrum in den USA, wo Vorführungen, Ausstellungen und ein Amphitheater für Gesang und Himmelsbeobachtung besucht werden können. Kunst, Werkzeuge und Archive der Chickasaw werden im Chickasaw Council House Museum präsentiert.

Für viele Europäer ist das Land der Indianer gleichbedeutend mit dem Monument Valley. Die farbenprächtige Gegend ist sowohl mit Naturwundern als auch mit indianischer Kultur reich gesegnet. Monument Valley Simpson’s Trailhandler Tours veranstaltet Reisen für Fotografen und Abenteuersuchende, die von einheimischen Navajo Indianern geleitet werden. Sie kennen in ihrer Heimat jedes Sandkorn, jeden Krater und jede Pflanze und führen die Gäste zu Felszeichnungen, Piktogrammen, altertümlichen Behausungen und magischen Landschaften mit spektakulären Farben.

Luxus-Urlaub mit ungewöhnlichem Touch

Das luxuriöse We-Ko-Pa Resort & Conference Center des Yavapai Stammes stellt sich bei der ITB als neuer Partner von AIANTA vor. Die Hotelanlage in Arizona verfügt über 246 Gästezimmer und Suiten, ein Restaurant mit südwestlicher Küche, ein großzügiges Spa sowie einen beheizten Außenpool und zwei Whirlpools. In direkter Nähe befinden sich die zwei preisgekrönten Golfplätze des We-Ko-Pa Golfclubs und das Fort McDowell Casino. Fort McDowell Adventures organisiert Ausflüge in die Wüste zu Pferd oder mit dem Jeep, Kajakfahrten auf dem Verde River, Segwaytouren, Flusskreuzfahrten und die Yavapai Experience Cultural Tour.

 

AIANTA ist eine gemeinnützige Organisation amerikanischer Stämme und Stammesunternehmen, die 2002 gegründet wurde, um den Tourismus im Indian Country zu fördern. Die Organisation besteht aus Mitgliedsstämmen sechs verschiedener Regionen der USA: der Osten, die Präriegebiete im Westen der USA, der Mittlere Westen, der Südwesten, der Pazifikraum und Alaska. Ziel von AIANTA ist es, einen Tourismus zu etablieren, der die Traditionen und Werte der einzelnen Stämme achtet und schützt. Weitere Informationen auf www.aianta.org. Für Neuigkeiten und Updates folgen Sie AIANTA auf Facebook und Twitter (@OfficialAIANTA).