Pfaffinger Umschau

upf schaut hin, hört zu und schreibt's auf

Tag: Konzert

Bach verstanden

Es kostet Kraft, viel Kraft dieses „Kyrie“. Ganz Bach eben, Diener seines Herrn, ganz der Aufgabe verpflichtet, die Hörenden zu Glaubenden zu machen, versetzt er sie in Trance, so lange, bis der Alltag vergessen und alle Sinne dem Herrn zugewandt. Musik, nicht nur zur Ehre, sondern auch zum Dienste Gottes sind diese zwei Stunden BWV 232 im anspruchsvollen h-moll. Musik, die jeden fordert, der sich mit ihr befasst, vor allem aber einen Chor. Zumal wenn sich dieser als Konzertchor versteht, nicht als geistliches Ensemble. Eine echte Bewährungsprobe also, noch dazu an bester Adresse, dem Herkulessaal, dessen Akustik alles offenbart.

Der Chor der Bayerischen Philharmonie, der nach mehreren geglückten Bewährungsproben dieses Spitzenwerk angeht, besteht die Herausforderung ans eigene Können. Hohe Disziplin, kluge Einteilung der Kräfte und ein offenkundiges Verständnis für die hohe Kunst des Komponisten liefern die Grundlagen fürs Gelingen. Mark Mast hat seinen Sängerinnen und Sängern vermittelt, worauf es ankommt, führt sie souverän und inspiriert durchs Konzert – und sein Ensemble setzen es in einer Qualität um, die deutlich über das hinausragt, woran man einen Laienchor misst.

Die kluge Kombination der singenden mit den spielenden Stimmen trägt das Ihre dazu bei. Das Barockensemble L’arpa festante zählt nicht von ungefähr zu den Glanzlichtern unter denen, die sich dem Spiel mit historischen Instrumenten widmen. Seine Geschlossenheit und seine Musikalität sind von allerster Güte, was sich insbesondere dann zeigt, wenn sich einzelne Instrumentalisten zur Begleitung der singenden Solisten finden, mit ihnen in Dialog treten. Da hören wir Bach in Reinkultur und das Herz freut sich.

Auch deshalb, weil die Besetzung der Solostimmen mit großem Bedacht erfolgte – was das Werk angeht wie auch die erweiterte Dimensionalität zum Chor. Manfred Bittner ist ein Bass, wie man ihn sich für ein solches Konzert und einen solchen Raum nur wünschen kann: kraftvoll entspannt, mit einem feinen Gespür für Zwischentöne und Tempi. Marcus Ullmann als Tenor setzt die Akzente, wo sie das Werk fordert, nicht das Publikum, überzeugt mit Klarheit und Wärme. Marion Eckstein gibt den Altpartien eine anregende Prägung, nicht zuletzt weil ihre kluge Intonation besonders gut mit der Stimmung der historischen Instrumente harmoniert. Monika Eder bewegt sich mit traumwandlerischer Sicherheit im Spannungsfeld von Dramatisierung und Demut, erweist der Intention Bachs eine vollendete Referenz.

Sie alle da oben auf der Bühne haben ihren Bach verstanden. Das vollbesetzte Haus dankt es mit langem, herzlichem Applaus.      (c) Ulrich Pfaffenberger

Gute Laune-Musik, frisch gezupft

Swing und Ragtime sind an und für sich schoin Garanten für Gute-Laune-Musik. Vorigen Samstagabend, beim Konzert von „Front Porch Picking“ in der Schrottgalerie, kam noch eine Packung Fröhlichkeit obendrauf. Denn das Quintett aus Göttingen packt in sein Programm stets auch eine Dosis Hawaii mit hinein. Bei Stücken wie „Radio Hula“ oder die „Maui Chimes“ greift die Band zu ausgesuchten und authentischen Instrumenten, um unplugged den typischen Südsee-Insel-Sound erklingen zu lassen. Gerade in Verbindung mit der von Peter Funk meisterhaft gezupften Lapsteel Guitar wirken die Melodien, die Wolfgang Beisert aus der Ukulele herausholt, besonders intensiv. Dazu die temporeiche Dramaturgie von Dirk Heimberg, der schon mal die Hawaiian Slack Key Guitar herausholt, der lässig-souveräne Hans-Jörg Maucksch am Kontrabass und als treibende Kraft Klaus Hoheisel auf dem Cajon – das ist eine mitreißende Mischung. Das zeigen sie beim Swing, das zeigen sie beim Blues, das zeigen sie bei Rag, beim Bluegrass und beim Walzer. Walzer? Ja, Walzer. Hier wird Musik nicht nur gespielt, hier wird sie mit Herzblut gefeiert. Das ist einen extra Applaus wert, der über die gebotenen drei Zugaben hinausgeht. Zumal einem das entspannte „Spass an der Freud'“-Spiel der Fünf auch bewusst macht, welche Klasse die Komponisten hatten, die jener Zeit, die wir nur aus Schwarzweiß-Filmen kennen, die musikalische Farbe gaben. Absolut empfehlenswert. Hör- und Seh-Probe (Schrottgalerie 2010) anbei. (Foto: (c) Front Porch Picking)

Bilder hören

Dieses Foto entstand bei einem Konzert in der Schrottgalerie in Glonn. Für mich einer der besten Plätze im Großraum München, um guten Blues und guten Jazz zu hören.

This picture I took during a concert at the Schrottgalerie in Glonn. In my eyes (and ears) one of the best places in the Greater Munich Area to enjoy good Blues and good Jazz.