Pfaffinger Umschau

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Tag: Kulinarik

Seitenweise Reiseträume

Bücher vom und übers Reisen schüren seit jeher unsere Phantasie und Vorfreude, begleiten uns als anregendes Gepäck unterwegs oder befördern kostbare Erinnerungen. Eine Auswahl für die Saison.

Soeben erschienen ist Karsten Eichners Traumschiff Ahoi – Das Kreuzfahrt 1×1“ (ISBN 978-3-7822-1279-3). Ein idealer Einstieg in die Welt der Kreuzfahrt und ein unverzichtbares Kompendium für den Smalltalk an Bord. Es erzählt die Geschichte der modernen Seereise von ihren Anfängen im 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit, gibt Tipps zu Routen und Reedereien und berät bei der Schiffs- und Kabinenwahl. Ein augenzwinkerndes Lesevergnügen für Kreuzfahrt-Fans und alle, die es werden wollen.

Das Kochbuch „Stories of Menu – Historische maritime Speisen neu interpretiert“ (ISBN 978-3-7822-1266-3) widmet sich den Menüs historischer Seereisen. Der Hamburger Sternekoch Heinz O. Wehmann vom Landhaus Scherrer, Blankenese, hat die Gerichte der Bord-Speisekarten von einst für das Kochbuch modern interpretiert, Autorin Birgit Altendeitering-Tiggemann liefert spannende Anekdoten rund um die jeweiligen Schiffsreisen.

Die Zeit beherrscht das Leben der Menschen. Im Lauf der vergangenen 250 Jahre ist sie zu einer ungeheuer dominanten und drängenden Kraft geworden. Man glaubt, sie läuft davon, versucht, sie zu messen, zu kontrollieren, zu verkaufen, zu filmen, sie zu inszenieren, unvergänglich und sinnerfüllt zu machen. Doch wie sind die Menschen derart unter das Diktat der Zeit geraten und was lässt sich dagegenhalten? Leidenschaftlich, witzig und klug geht der preisgekrönte britische Autor Simon Garfield in seinem neuen Buch „Zeitfieber“ (ISBN 978-3-8062-3443-5) der Geschichte der Zeit nach.

Weil ihre weltfremden Künstler-Eltern 2005 ins legendäre Chelsea Hotel in New York („Das Hotel, in dem ich ohne Aufsehen morgens um vier mit einem Zwerg, einem Bären und vier Frauen aufs Zimmer gehen kann.“ Leonard Cohen) ziehen, wächst Nicolaia Rips auf inmitten von Bohemiens, Callgirls und Spinnern. Ständig werden auf den Zimmern Partys gefeiert, krumme Dinger gedreht, phantastische Geschichten als lautere Wahrheit verkauft. Mit wundervoller Komik und viel Humor erzählt Rips in „Alles außer gewöhnlich(ISBN 978-3-312-01018-9), wie sie die Normalität zu meistern lernte und sich ihren Platz im fast normalen Anderssein erkämpfte.

Reisen bringt das Bedürfnis mit sich, von seinen Reisen zu erzählen. Früher am gefürchteten Dia-Abend, heute mit einem endlosen Strom aus Posts, Pics und Messages. Mit dem Handbuch „Die Kunst, andere mit seinen Reiseberichten zu langweilen“ (ISBN 978-3-312-01021-9) von Matthias Debureaux lernt man, wie sich der Erlebnisbericht weiter ausbauen lässt, welche Wendungen uns ins optimale Licht rücken, und zwar noch vor der Abreise, während der Tour und nach der Rückkehr sowieso. Jeder darf sich wiedererkennen; unser Lachen über den albernen Touristen meint uns selbst. Unterhaltsam, böse und klug: In einer Mischung aus Satire und Kulturgeschichte erzählt Debureaux von einer der großen Schwächen unserer Gesellschaft und wie sie auf die Spitze getrieben wird.

Hinweis: Die Links auf dieser Seite führen auf die Bestellseiten des Online-Buchhändlers buch7.de, zu dem keinerlei geschäftliche Beziehungen bestehen. Ich unterstütze allerdings dessen Ansatz, aus seinem Gewinn 75% „an wertvolle soziale, kulturelle undökologische Projekte“ zu spenden – zumal die Kunden selbst Vorschläge machen können, wer das sein soll.

Dreizehn Wege, New Orleans kennenzulernen

Die Canal Street in New Orleans führt mitten hinein ins Leben der Stadt. (c) Alex Demyan/neworleansonline.com

Die Canal Street in New Orleans führt mitten hinein ins Leben der Stadt. (c) Alex Demyan/neworleansonline.com

Ob das legendäre French Quarter, der beeindruckende Garden District, oder die neuen In-Viertel Faubourg Marigny & Bywater – jede der unzähligen Nachbarschaften in New Orleans hat einen einzigartigen Charakter. Um die Atmosphäre der Stadt wirklich erleben zu können, sollten Besucher keines dieser markanten Distrikte auslassen. 13 besondere Straßen verstreut in The Big Easy sind dabei die geeigneten Wege, der Seele der Stadt nahe zu kommen.

Begleitet von Grün und Eleganz…

Die wunderschönen Villen und Anwesen des Garden District finden Besucher entlang der St. Charles Avenue. Geschmückt mit uralten Baumbeständen bietet sich hier eine Fahrt mit der historischen St. Charles Streetcar an, um diese Gegend auf sich wirken zu lassen. Highlight der Fahrt ist ein Stopp am Audubon Park zum Entspannen und Genießen in freier Natur sowie ein anschließender Besuch des Audubon Zoo. Ein kleiner Tipp: Während der Mardi Gras-Zeit verwandelt sich die St. Charles Avenue eine Paradenstraße und wird unter anderen zum absoluten Besuchermagnet.

Ursprünglich als Hauptstraße in New Orleans geplant, liegt die Canal Street zwischen dem French Quarter und dem Central Business District. Mit dieser zentralen Lage ist sie idealer Ausgangspunkt für jegliche Ausflüge und Unternehmungen. Besucher können einfach in die rote Canal Street Streetcar einsteigen und so die Highlights von Mid-City erreichen – darunter auch das New Orleans Museum of Art im City Park und das beliebte Ralph’s on the Park Restaurant.

… von Musik und feiner Küche …

Natürlich darf bei den wichtigsten Straßen der Stadt eine ganz sicher nicht fehlen: die berühmte Bourbon Street. Sie ist vor allem bekannt für ihr aufregendes Nachtleben, historische Bars und toller Live-Musik. Als perfekter Startpunkt für einen schönen Abend empfiehlt sich ein kurzer Besuch im Fritzel’s oder dem ältesten Gebäude, das als Bar genutzt wird: Lafitte’s Blacksmith Shop. Auch ein Essen im Galatoire’s, das seit 1905 kreolische Küche serviert und Wert auf Familientraditionen legt, rundet den Abend ab.

Laden an Laden zum "Durchblättern" in derMagazine Street. (C) Alex Demyan/neworleansonline.com

Laden an Laden zum „Durchblättern“ in derMagazine Street. (C) Alex Demyan/neworleansonline.com

Obwohl parallel zur Bourbon Street gelegen befindet man sich auf der Royal Street in einer vollkommen anderen Welt. Kunstgalerien, Antiquitäten-Shops und ausgezeichnete Restaurants – diese Straße steht nicht nur für Kultur und Geschichte, sondern auch für einige der atemberaubendsten, architektonischen Gebäude der Stadt.

… von Künstlern, Bars und Clubs …

Shopping-Begeisterte sollten einen Abstecher auf die Magazine Street einplanen. Von Uptown bis zum Lower Garden District stehen sechs Meilen mit unzähligen Boutiquen und Geschäften zur Verfügung. Ob gehobene Küche oder eine schnelle Mahlzeit zwischendurch, Spas, Coffee Shops oder Kunstgalerien, die Magazine Street ist für einen Einkaufsbummel genau das Richtige.

Die Frenchmen Street ist das Herz und die Seele für Live-Musik in New Orleans und erfreut sich immer größer werdender Beliebtheit. Hier kommen nicht nur Besucher, sondern vor allem die Einheimischen hin, um mit die beste Musik der Stadt zu genießen. Mit unzähligen Bars und Clubs, wie dem Spotted Cat und dem d.b.a., die keinen Eintritt verlangen sowie das Snug Habor Jazz Bistro als beliebte Location, zieht die Straße unzählige Musik-Begeisterte an und zeigt alles, was die Stadt musikalisch zu bieten hat.

… kennt die lebendige Vielfalt kein Ende

Auch die Esplanade Avenue mit ihren historischen Gebäuden der früheren kreolischen Oberklasse, die Julia Street, oder liebevoll „Gallery Row“ genannt, die mit zahlreichen Galerien und Events beeindruckt sowie die zahlreichen Bars, Restaurants und Shops in der Oak Street geben Reisenden einen einmaligen Eindruck der Vielfältigkeit von The Big Easy. Nicht zu vergessen sind ebenfalls die bei Studenten beliebte Maple Street, die lebendige Freret Street mit den angeblich besten Cocktails der Stadt im Cure, der Oretha Castle Haley Boulevard, auf welchem das Southern Food and Beverage Museum beheimatet ist und zu guter letzt die St. Claude Avenue, der Himmel auf Erden für alle Künstler.

Gut, dass bei diesem Angebot New Orleans eine fußgängerfreundliche Stadt ist und Reisende mit einem guten Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln überall problemlos hinbringt.

Neuengland von seiner festlichen Seite

Chanteymen spielen Seemannslieder beim Seaport Music Festival (c) Mystic Seaport.jpg

Chanteymen spielen Seemannslieder beim Seaport Music Festival (c) Mystic Seaport.jpg

Zu jeder Jahreszeit spielt sich ein Großteil des Lebens in Neuengland unter freiem Himmel ab. So locken auch in diesem Jahr hochkarätige Festivals und Events rund um die Themen Kulinarik, Musik, Natur und Geschichte in die sechs Bundesstaaten im Nordosten der USA.

Vermont Maple Festival, 24.-26. April 2015

Das Vermont Maple Festival in St. Albans feiert alles, was im Zusammenhang mit Vermonts berühmtem Ahornsirup steht. Besucher können Ausstellungen anschauen, Kochvorführungen erleben, die Sugarhouses besichtigen, wo der Sirup hergestellt wird, und natürlich die Leckereien probieren, die sich mit dem goldenen Saft herstellen oder verfeinern lassen. www.vtmaplefestival.org

Boston Jazz Week, 24. April – 3. Mai 2015

Die zehntägige Boston Jazz Week präsentiert mit renommierten lokalen und internationalen Künstlern die gesamte Bandbreite des Jazz. Neben den Konzerten werden Meisterklassen vorgestellt und Diskussionsrunden und Workshops laden Besucher zur aktiven Teilnahme ein. www.jazzboston.org

Sea Music Festival, 11.-14. Juni 2015

Das Sea Music Festival im Mystic Seaport in Connecticut zelebriert mit musikalischen Darbietungen sowohl die maritime Kultur der USA als auch die vieler anderer Länder. Künstler und Entertainer präsentieren dabei ihre Songs in Form der klassischen Musiktradition des Goldenen Zeitalters der Segelschifffahrt. www.mysticseaport.org/event/sea-music-festival-2

New England Brewfest, 26.-28. Juni 2015

Die besten Biere aus Neuengland werden auf dem New England Brewfest in der historischen Altstadt von Lincoln, New Hampshire vorgestellt. Mitten im Herzen der White Mountains können Besucher über 100 verschiedene Brauerzeugnisse frisch vom Fass probieren und bei einem großen kulinarischen und musikalischen Rahmenprogramm viel über die Bierherstellung erfahren. www.nebrewfest.com

Unabhängigkeitsparade in Bristol, Rhode Island (c) Discover Newport.jpg

Unabhängigkeitsparade in Bristol, Rhode Island (c) Discover Newport.jpg

Amerikas älteste Parade zum Unabhängigkeitstag, 4. Juli 2015

Im historisch angehauchten Bristol in Rhode Island findet jedes Jahr am 4. Juli die älteste Independence Day Feier der USA statt. Die Stadt verfügt über einen schönen Blick auf die Narragansett Bay und eine klassische ‚American Main Street‘ mit prächtigen Herrenhäusern, die dem Anlass entsprechend patriotisch dekoriert werden. www.explorebristolri.com

Acadia Night Sky Festival, 10.-14. September 2015

Der Acadia Nationalpark in Maine ist die Heimat eines sternenübersäten Nachthimmels und bietet in und um Bar Harbor mit dem Acadia Night Sky Festival vielfältige Events zu den Themen Kunst, Musik, Wissenschaft, Poesie und Sternenbeobachtung. Zu den Highlights gehören eine Sternenparty auf dem Cadillac Mountain und nächtliche Paddelausflüge bei Castine Harbor. www.acadianightskyfestival.com

Weitere Events und Veranstaltungen auf www.neuenglandusa.de/events.

 

Frisch gepresst und frisch gepflückt in Oregon

Oregon Ciders erobern gerade den Gaumen der Genießer (c) Travel Oregon

Oregon Ciders erobern gerade den Gaumen der Genießer (c) Travel Oregon

Apfelwein wird nicht nur in Deutschland gerne getrunken, sondern erlangt auch in Oregon eine immer größere Beliebtheit. Die amerikanische Variante des Apfelweins, „Cider“ genannt, wird heute an 16 verschiedenen Orten im Staate Oregon hergestellt. Aber Oregon ist nicht nur für seine Cider-Produktion beliebt, sondern auch für ausgezeichnetes Essen „á la nature“.

Nachdem James Kohn schockiert feststellte, dass in sogenannten „Apple Ciders“ aus dem Supermarkt keine Äpfel mehr enthalten sind, sondern unzählige Zusatzstoffe und Geschmackverstärker, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern. Nur wenige Zeit später gründete er das „Wandering Aengus Ciderworks“ und stellt heute erfolgreich Cider aus reinem Obst her – mindestens drei Äpfel pro Flasche. Im Laufe der Jahre haben James Kohn und sein Partner Nick Gunn die größte Auswahl an Ciders entwickelt und blicken auf eine erfolgreiche Karriere zurück – sie waren es, die das Geschäft mit dem flüssigen Obst wieder zu neuem Leben erweckt haben.

Auch im beliebten Weinanbaugebiet Willamette Valley existieren bereits Cider-Hersteller wie 2 Towns Ciderhouse, Carlton Cyderworks und E.Z. Orchards, die auf den Geschmack gekommen sind. Das Geschäft mit den Ciders läuft gut und vergrößert sich stetig. Da müssen sich die Hersteller anstrengen, um immer neue, kreative Cider zu entwickeln. 2 Towns präsentierte erst kürzlich ihren neuen „it“-Cider aus Rhabarber – hergestellt mit Hopfen aus dem Willamette Valley.

Heute können die Cider von lokalen Anbietern auch in den gängigen Supermärkten gekauft werden – und der Plan geht auf. In Portland findet eine Oregon Cider Week statt und auch ein Festival im Juni wurde „Cider Summit PDX“ genannt.

Justin Wills kreiert kulinarische Noten mit wilden Zutaten von Mutter Natur (c) Restaurant Beck

Justin Wills kreiert kulinarische Noten mit wilden Zutaten von Mutter Natur (c) Restaurant Beck

Zu einem leckeren Getränk gehört natürlich auch immer etwas zu Essen, das genauso frisch ist, wie der Saft selbst. Da ist man bei Koch Justin Wills und seiner „wildly local cuisine“ am Depoe Bay genau richtig. Denn hier geht der Chef des „Restaurant Beck“ noch selbst auf die Jagd nach frischen Zutaten für seine Menüs. 95 % aller verwendeten Zutaten des Restaurants bezieht Wills von Farmern und Fischern aus der Umgebung oder macht sich selbst entlang der Küste oder im Wald auf die Suche nach leckeren Beilagen. Dabei verwendet der Chefkoch alles, was er finden kann und entsteht dann schon mal eine Art „Salt and Vinegar Chip“ aus Eichenmoos. „Mutter Natur ist einfach unglaublich. Sie gibt uns alles, was wir brauchen“, so Wills, der von seiner italienischstämmigen Familie alles über die Natur und das Kochen lernte.

Bei so einer Leidenschaft in Kombination mit einem einzigartigen Konzept lässt der Erfolg nicht lange auf sich warten. 2011 wurde Wills vom Food&Wine Magazine für den „People´s Choice Best New Chef: Pacific Northwest“ nominiert und gehört zu den „Best Chefs America 2013“. Da bekommt das Prinzip „an apple a day“ einen ganz neuen Geschmack…