Pfaffinger Umschau

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Tag: Lo De Laura

Tango schafft sich Raum

Die Schulleiter von Lo de Laura, Laura Cairo und Ulrich Avenarius, beim Tango en la lluvia auf dem Wittelsbacherplatz. (c) Foto: Lo de Laura

Die Steinplatten auf dem Wittelsbacher Platz laden auf dem ersten Blick kaum zum Tanzen ein. Schon gar nicht zu einem geschmeidigen Tango. Aber wenn die Sehnsucht nach getanzter Leidenschaft so groß wird, dass die Bailarina und der Bailarin nicht mehr an sich halten können, dann wandelt sich das weitläufige Areal im Herzen von München zur schönsten Milonga, die man sich wünschen kann. Ein Tanzplatz nach Maß, groß genug, um den Widerspruch zum social distancing in Bewegung und Begegnung aufzulösen.

Nähe mit Distanz: Der Tango überbrückt die Gegensätze. (c) Foto: Lo de Laura

Am fünften Wochenende in Folge werden sich am 4. Juli Angehörige der Tanzschule Lo de Laura auf dem Platz versammeln, um öffentlich ihre Leidenschaft zu bekunden. Ja, versammeln, denn Veranstaltungen darf es ja keine geben. Weswegen Schulleiter und Tanzlehrer Ulrich Avenarius, wie die vorigen Male auch, eine Versammlungs-Rede halten wird, bevor und nachdem sich die Tango-Paare zu den mitreißenden Melodien von Tangomusik übers Karree bewegt haben. „Wir suchen bewusst die Öffentlichkeit“, sagt Avenarius, „um auf die Unerträglichkeit des Stillhaltens aufmerksam zu machen, die uns aufgezwungen ist.“ Keine Frage, betont er, man nehme die Corona-Beschränkungen sehr ernst; aber Paare, die zusammen leben und seit langem gemeinsam tanzen, würden sich beim großzügigen Abstand auf dem Platz ja nicht gefährden. Rund 100 Tänzerinnen und Tänzer waren es beim vorigen Mal, da mussten zwischendrin sogar einige pausieren, um genügend Platz für die anderen zu lassen.

Der Platz. Klug gewählt, um Aufmerksamkeit zu gewinnen. Gerade am Samstagabend, wenn um sieben Uhr noch genügend Menschen die City bevölkern und die Versammlung aufmerksam beobachten, sich von den eleganten Figuren und den rhythmischen Melodien mitreißen lassen. Einen Zuschauer hatten Avenarius und sein Team gar nicht auf dem Plan, als sie sich den Wittelsbacher Platz als Versammlungsort genehmigen ließen: Sozusagen von einem Logenplatz aus nahm der Innenminister aus dem anliegenden Dienstgebäude heraus das muntere Treiben wahr – um anschließend bei einer Rede explizit auf den Wunsch nach und die Freude am Tanzen einzugehen.

Mal schau’n, ob der Minister wieder zuschaut. (c) Lo De Laura

Noch ist nicht absehbar, wann Lo De Laura aufs geliebte Parkett zurückkehren dürfen. Ihre öffentlichen Versammlungen wollen sie daher so lange wie möglich durchhalten – und scheuen sich auch nicht, gegen ein Fussball-Pokalfinale anzutanzen, Samstagabend, 4. Juli, von sieben bis acht, mitten in München.