Pfaffinger Umschau

upf schaut hin, hört zu und schreibt's auf

Tag: Musik

Celine, Britney & Co. setzen 2017 in Vegas AKzente

Las Vegas ist als „Entertainment Capitol of the World“ bekannt. Zahlreiche Stars, Kabarettisten, Magier, Tänzer und Akrobaten sind hier Zuhause. So haben auch Berühmtheiten wie Celine Dion, Britney Spears, Mariah Carry, Jennifer Lopez oder Lionel Richie permanente Shows in der Glitzermetropole. Mit den Backstreet Boys kommen 2017 weitere Superstars in die Stadt. Vor allem durch die kleinen Theater fühlt man sich den Stars häufig ganz nah.

Celine Dion, Backstreet Boys, Britney Spears und Mariah Carey stehen 2017 in Las Vegas auf der Show-Bühne. (c) LVCVA

Celine Dion, Backstreet Boys, Britney Spears und Mariah Carey stehen 2017 in Las Vegas auf der Show-Bühne. (c) LVCVA

Nach vielen Gerüchten ist es endlich offiziell – die Backstreet Boys kommen nach Las Vegas. Mit 130 Millionen verkauften Alben weltweit sind sie wohl die bekannteste Boy-Band aller Zeiten. Die erste Show von „Backstreet Boys: Larger Than Life“ wird am 1. März 2017 im Theater The AXIS at Planet Hollywood Resort & Casino sein. Diese Show wurde exklusiv für Las Vegas produziert und umfasst die Top Nummer 1 Hits der Band. Nick Carter, Howie Dorough, Brian Littrell, AJ McLean und Kevin Richardson werden dann im März und Juni weitere Konzerte geben

Britney Spears gehört schon zu den „alten Hasen“ in der Glitzermetropole. Mit der Show „Piece of Me“ tritt sie bereits seit 2013 im The Axis at Planet Hollywood Resort & Casino auf und war dort die erste Künstlerin mit einer permanenten Show. Seitdem haben über 500.000 Personen ihr Konzert in Las Vegas gesehen. Nun hat sie von März bis Mai 2017 weitere 18 Auftritte angekündigt. Selbst für Gäste, die das Konzert schon mal gesehen haben lohnt sich ein erneuter Besuch. Im Februar wurde die Show überarbeitet und begeistert die Zuschauer mit neuen Songs sowie neuen verführerischen Kostümen und Choreographien.

Passend zum 50. Geburtstag des Caesars Palace feierte Celine Dion im Oktober 2016 ihr Jubiläum mit dem 1.000 Auftritt. Die Musik-Ikone ist schon seit 2003 im The Colosseum des Caesars Palace zuhause. Wegen der großen Nachfrage hat sie von April bis Juni 2017 weitere 24 Auftritte angekündigt. Die verbesserte Show verbindet Celines größten Hits mit zeitlosen Klassikern von Stars wie Elvis, den Bee Gees, Queen und Prince und wird von einem vollen Orchester und einer Band begleitet.

Mit über 220 Millionen verkauften Alben zählt Mariah Carey zu den erfolgreichsten Künstlerinnen aller Zeiten. Ihre Show „#1 TO INFINITY“ mit jeder Menge Glanz und Glamour passt zudem perfekt zu Las Vegas. Nach zwei Jahren wird sie nun die Stadt verlassen. In insgesamt neun Abschluss-Konzerten wird sie ihre 18 Nummer 1 Hits nächstes Jahr zum Besten geben. Wer die Grand Dame noch ein letztes Mal live in Las Vegas erleben möchte, sollte sich für ihren letzten Auftritt im The Colosseum des Caesars Palace am 13. Mai 2017 Tickets besorgen.

Nashville erinnert an den „Teufelsgeiger“ Charlie Daniels

Die Country Music Hall of Fame & Museum in Nashville widmet Charlie Daniels eine Ausstellung. (c) tennesseetourism.de

Die Country Music Hall of Fame & Museum in Nashville widmet Charlie Daniels eine Ausstellung. (c) tennesseetourism.de

Zu Charlie Daniels‘ bevorstehender Aufnahme in ihre Ruhmeshalle zeigt die Country Music Hall of Fame & Museum das Lebenswerk des „Teufelsgeigers“. Die Ausstellung Charlie Daniels: Million Mile Reflections in Nashville eröffnet am 23. September und läuft bis zum März kommenden Jahres.

„The Devil went down to Georgia. He was lookin‘ for a soul to steal.” Spätestens 1979 mit dieser Songzeile und irrwitzigen Riffs auf der Geige schaffte Charlie Daniels seinen Durchbruch als Weltstar. Diese Südstaaten-Variante des Faust’schen Teufelspakts, bei der ein gewisser Johnny mit dem Teufel um seine Seele fiedelt, erschien auf dem Album Million Mile Reflections der Charlie Daniels Band, nach dem jetzt auch die Ausstellung in Nashville benannt wurde.

An der Seite von Presley, Dylan und Cohen

Charlie Daniels‘ Karriere reicht aber noch sehr viel weiter zurück mit Anfängen im Bluegrass. Seit 1950 arbeitet er als Berufsmusiker. Seinen ersten Hit landete er 1964 als Koautor von Elvis Presleys It Hurts Me. 1967 zog er nach Nashville, Tennessee, war dort auch Studiomusiker für Bob Dylan, Leonard Cohen und Ringo Starr. 1970 dann das erste Soloalbum, und 1972 die Gründung der Charlie Daniels Band. Am 30. Oktober dieses Jahres wird Charlie Daniels 80 Jahre jung.

Der „Tempel der Country Music“ wächst

Die Country Music Hall of Fame & Museum, gebaut und betrieben von der Stiftung Country Music Foundation, ist das weltweit größte Museum der Country Music. Vor fast 50 Jahren am 1. April 1967 gegründet, wurden Ruhmeshalle und Museum aus einem bescheidenen Bau im Viertel der Musikverlage Music Row 2001 ins Herz von Tennessees Hauptstadt Nashville verlegt – und damit die Fläche vervierfacht. Im Jahr 2014 verdoppelte sich die Gesamtfläche des Neubaus mit der Fensteranordnung einer Klaviatur noch einmal auf nun 32500 Quadratmeter.

Info: Zusätzlich zum Eintritt buchbar sind geführte Touren durch das Museum sowie durch die nahe gelegene Plakatdruckerei Hatch Show Print und das RCA Studio B im Stadtteil Music Row, zu dem Shuttlebusse fahren.

 

Wo Bristol und Bonnaroo den Ton angeben

Bristol in Tennessee feiert sein traditionelles Rhythm & Roots Festival 2016 vom 16. bis 18. September (c) Brandon Reece/Tennessee Tourism

Bristol in Tennessee feiert sein traditionelles Rhythm & Roots Festival 2016 vom 16. bis 18. September (c) Brandon Reece/Tennessee Tourism

Frühling und Sommer sind Festivalzeit in Tennessee. Nirgendwo gibt es mehr Bühnen als im Musikstaat der USA – von ganz klein und traditionsbewusst wie beim Bristol Rhythm & Roots bis gigantisch wie auf dem CMA Fest in Nashville für Country Music oder auf dem Bonnaroo bei Manchester mit Rock im Woodstock-Stil.

Die Mega-Festivals von Tennessee bringen Weltstars auf die Bühnen. Memphis in May, an vier Wochenenden vom 29. April bis 28. Mai, präsentiert Paul Simon und Neil Young. Das CMA Music Festival, weltweit größtes Country-Music-Ereignis vom 9. bis 12. Juni in Nashville, glänzt mit den Rascal Flatts, Carrie Underwood und Hank Williams Jr. Gleichzeitig lässt das Rockspektakel Bonnaroo mit hunderttausenden von Besuchern auf einem Feld bei Manchester Erinnerungen an Woodstock aufleben – mit Pearl Jam als Top-Act. Und das große Stadtfest Riverbend in Chattanooga vom 10. bis 18. Juni hat Blood, Sweat & Tears gebucht. Zum Nationalfeiertag am 4. Juli tritt in Nashville die neunfache GRAMMY-Gewinnerin Sheryl Crow bei freiem Eintritt auf.

Doch Tennessee hat damit noch lange nicht genug und begeistert mit musikalischen Leckerbissen auf vielen mittelgroßen Festivals. Jackson lockt mit dem Rock-A-Billy Music Festival am 5. und 6. August, Bristol mit traditionellem Country zum Rhythm & Roots vom 16. bis 18. September. Das Pilgrimage Music & Cultural Festival in Franklin bei Nashville bringt am 24. und 25. September Americana-Sounds auf die Bühne.

Ein spannender Newcomer 2016 ist das Stomp Festival for Lost Music vom 5. bis 8. Mai in Knoxville. Gefeiert werden dort die verloren geglaubten Aufnahmen der „Knoxville Sessions“ von 1929 und 1930 aus dem St. James-Hotel der Stadt, die am 29. April auf vier CDs mit Begleitbuch erscheinen sollen. Weltweiter Herausgeber der wiederentdeckten Pionieraufnahmen kommerzieller Country-Musik ist der deutsche Musikverlag Bear Family Records aus Holste-Oldendorf bei Bremerhaven. Das Festival ist Teil einer ganzen Reihe von Stadtfestivals in Knoxville, die bereits am 31. März bis 2. April mit Ears beginnt, gefolgt von Rhythm & Blooms gleich am Wochenende darauf.

Und schließlich gibt es jede Menge kleiner und kleinster Festivals. In Tennessee kommt kein Stadtfest ohne Live-Musik aus, und davon gibt es hunderte. Sie bieten an jedem Wochenende irgendwo im Staat beste Möglichkeiten, nicht nur absolut ursprüngliche Sounds aus dem Herzland amerikanischer Musik zu hören, sondern auch Einheimische kennen zu lernen. Sie sind es, und erst in zweiter Linie Touristen, die mit ihrer Musikbegeisterung den Sommer der Musik tragen. Denn Tennessee ohne Musik wäre für sie einfach undenkbar.

Dreizehn Wege, New Orleans kennenzulernen

Die Canal Street in New Orleans führt mitten hinein ins Leben der Stadt. (c) Alex Demyan/neworleansonline.com

Die Canal Street in New Orleans führt mitten hinein ins Leben der Stadt. (c) Alex Demyan/neworleansonline.com

Ob das legendäre French Quarter, der beeindruckende Garden District, oder die neuen In-Viertel Faubourg Marigny & Bywater – jede der unzähligen Nachbarschaften in New Orleans hat einen einzigartigen Charakter. Um die Atmosphäre der Stadt wirklich erleben zu können, sollten Besucher keines dieser markanten Distrikte auslassen. 13 besondere Straßen verstreut in The Big Easy sind dabei die geeigneten Wege, der Seele der Stadt nahe zu kommen.

Begleitet von Grün und Eleganz…

Die wunderschönen Villen und Anwesen des Garden District finden Besucher entlang der St. Charles Avenue. Geschmückt mit uralten Baumbeständen bietet sich hier eine Fahrt mit der historischen St. Charles Streetcar an, um diese Gegend auf sich wirken zu lassen. Highlight der Fahrt ist ein Stopp am Audubon Park zum Entspannen und Genießen in freier Natur sowie ein anschließender Besuch des Audubon Zoo. Ein kleiner Tipp: Während der Mardi Gras-Zeit verwandelt sich die St. Charles Avenue eine Paradenstraße und wird unter anderen zum absoluten Besuchermagnet.

Ursprünglich als Hauptstraße in New Orleans geplant, liegt die Canal Street zwischen dem French Quarter und dem Central Business District. Mit dieser zentralen Lage ist sie idealer Ausgangspunkt für jegliche Ausflüge und Unternehmungen. Besucher können einfach in die rote Canal Street Streetcar einsteigen und so die Highlights von Mid-City erreichen – darunter auch das New Orleans Museum of Art im City Park und das beliebte Ralph’s on the Park Restaurant.

… von Musik und feiner Küche …

Natürlich darf bei den wichtigsten Straßen der Stadt eine ganz sicher nicht fehlen: die berühmte Bourbon Street. Sie ist vor allem bekannt für ihr aufregendes Nachtleben, historische Bars und toller Live-Musik. Als perfekter Startpunkt für einen schönen Abend empfiehlt sich ein kurzer Besuch im Fritzel’s oder dem ältesten Gebäude, das als Bar genutzt wird: Lafitte’s Blacksmith Shop. Auch ein Essen im Galatoire’s, das seit 1905 kreolische Küche serviert und Wert auf Familientraditionen legt, rundet den Abend ab.

Laden an Laden zum "Durchblättern" in derMagazine Street. (C) Alex Demyan/neworleansonline.com

Laden an Laden zum „Durchblättern“ in derMagazine Street. (C) Alex Demyan/neworleansonline.com

Obwohl parallel zur Bourbon Street gelegen befindet man sich auf der Royal Street in einer vollkommen anderen Welt. Kunstgalerien, Antiquitäten-Shops und ausgezeichnete Restaurants – diese Straße steht nicht nur für Kultur und Geschichte, sondern auch für einige der atemberaubendsten, architektonischen Gebäude der Stadt.

… von Künstlern, Bars und Clubs …

Shopping-Begeisterte sollten einen Abstecher auf die Magazine Street einplanen. Von Uptown bis zum Lower Garden District stehen sechs Meilen mit unzähligen Boutiquen und Geschäften zur Verfügung. Ob gehobene Küche oder eine schnelle Mahlzeit zwischendurch, Spas, Coffee Shops oder Kunstgalerien, die Magazine Street ist für einen Einkaufsbummel genau das Richtige.

Die Frenchmen Street ist das Herz und die Seele für Live-Musik in New Orleans und erfreut sich immer größer werdender Beliebtheit. Hier kommen nicht nur Besucher, sondern vor allem die Einheimischen hin, um mit die beste Musik der Stadt zu genießen. Mit unzähligen Bars und Clubs, wie dem Spotted Cat und dem d.b.a., die keinen Eintritt verlangen sowie das Snug Habor Jazz Bistro als beliebte Location, zieht die Straße unzählige Musik-Begeisterte an und zeigt alles, was die Stadt musikalisch zu bieten hat.

… kennt die lebendige Vielfalt kein Ende

Auch die Esplanade Avenue mit ihren historischen Gebäuden der früheren kreolischen Oberklasse, die Julia Street, oder liebevoll „Gallery Row“ genannt, die mit zahlreichen Galerien und Events beeindruckt sowie die zahlreichen Bars, Restaurants und Shops in der Oak Street geben Reisenden einen einmaligen Eindruck der Vielfältigkeit von The Big Easy. Nicht zu vergessen sind ebenfalls die bei Studenten beliebte Maple Street, die lebendige Freret Street mit den angeblich besten Cocktails der Stadt im Cure, der Oretha Castle Haley Boulevard, auf welchem das Southern Food and Beverage Museum beheimatet ist und zu guter letzt die St. Claude Avenue, der Himmel auf Erden für alle Künstler.

Gut, dass bei diesem Angebot New Orleans eine fußgängerfreundliche Stadt ist und Reisende mit einem guten Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln überall problemlos hinbringt.

„Um zu überleben“

Anfang der 1990er Jahre habe ich für das inzwischen eingestellte Magazin HiFi-Vision ein Interview mit John Trudell geführt. Der hatte gerade sein Album „Aka Graffiti Man“ in überarbeiteter Form ein zweites Mal veröffentlicht. Es kam zu einem Gespräch, in dem ich mehrerlei lernte: Ein guter Musiker definiert sich nicht nur über seine Musik; über Indianer muss ich noch viel in Erfahrung bringen; es gibt immer eine Alternative.

Am meisten haben mich jene zwei Minuten bewegt, in denen John, Santee-Indianer und Vietnam-Veteran, von der Nacht erzählte, die sein Leben auf einen neuen Weg geschickt hatte. Was war passiert? Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg hatten ihn die Lebensumstände der Indianer in den USA so bewegt, dass er sich aufmachte, gegen die politisch Verantwortlichen vorzugehen. Als Mitglied und später Vorsitzender des American Indian Movement ging er an die Öffentlichkeit – unter anderem warf er dem dem FBI Vergehen gegen die Indianer vor. Anlässlich einer Rede zu diesem Thema verbrannte er die US-Flagge, „because we learned as soldiers that we have to burn the flag if it is disgraced“. Stunden danach ging sein Zuhause in Flammen auf. Darin verbrannten seine Frau, seine drei Kinder und seine Schwiegermutter.

Dies ist der Ausgangspunkt für das Interview, das es online bisher nirgendwo zu finden gibt. Mir liegt daran, dass es (auch in der typischen Länge eines gedruckten Interviews) erhalten bleibt, um an John Trudell zu erinnern, der am 8. Dezember gestorben ist.

Wenn einer Ihre Biographie liest, dann könnte er auch auf den Gedanken kommen: Der Mann hätte auch Terrorist werden können statt Dichter und Sänger. Warum haben Sie sich so entschieden?

Wenn ich zurückschaue, dann hatte ich keine andere Wahl. Welche Gefühle ich auch damals hatte – ich hatte nicht die Energie, darauf zu reagieren. Ich verstehe das wirklich selbst nicht. Als alle diese Dinge geschahen, war Schreiben sicher das letzte, woran ich dachte. Aber vielleicht ist das der Grund, warum ich diesen Weg gegangen bin: Weil es das war, was ich am wenigsten erwartete. Man muß das auch ganz pragmatisch sehen: Wann immer ich versucht hätte, Rache zu üben, die Leute, die ich hätte erwischen müssen, an die wäre ich nie herangekommen.

War es vorher schon Teil Ihres Lebens, Lyrik zu schreiben?

Nein.

Als Sie damit anfingen, wollten Sie da nur schreiben, oder dachten Sie da auch schon daran, auch Musiker zu sein?

Auch nicht. Als ich zu schreiben anfing, hatte ich nichts anderes im Sinn als zu überleben. Ich habe auch nicht gezielt zu schreiben begonnen, sondern es ist einfach passiert. Ich wußte, daß unabhängig von Gründen, ich dadurch ein Ziel bekam, eine Richtung. Die hatte ich vorher nicht. Mit der Zeit entdeckte ich dann auch meine Fähigkeit, mit Worten etwas auszudrücken. Später dann dachte ich darüber nach, meine Worte mit Musik zu verbinden. Aber zunächst hatte ich all das nicht im Sinn.

Die Gedichte, die Sie schreiben – wollen Sie die einer möglichst großen Menge Menschen mitteilen oder möchten Sie entdeckt werden?

Als ich beschloß, das alles nach außen tragen, da war das meine Entscheidung. Wie die Leute das annehmen oder nicht annehmen wollten, das überließ ich ganz ihnen. Ich habe nicht nach denen gesucht, die mit mir übereinstimmen, und nicht nach denen, die etwas gegen mich haben.

Sie haben sich nicht wie ein Missionar gefühlt, der eine Botschaft verbreiten will?

No. Ich mußte mich selbst ausdrücken und das war der Weg, der mir dazu einfiel. Es war meine Reaktion auf die Ereignisse, danach nicht zu schweigen.

Glauben Sie nicht, daß viele Indianer schweigen, weil Ihnen die Worte fehlen? Oder weil sie Angst haben?

Ich glaube nicht, daß es Angst ist, oder daß sie nicht wüßten wie sie sich ausdrücken sollen. Denn unter uns können wir uns ganz gut darüber verständigen. Viele Leute verstehen nur nicht, wenn wir etwas ausdrücken wollen, weil sie erwarten, daß wir in ein bestimmtes Bild passen, das sie von uns haben. Und dann wird’s schwierig, denn du kannst nicht in irgendjemands Bild passen und gleichzeitig dein echtes Bild zeigen. Denn jene, die ein Bild wollen, verwehren der Wahrheit den Zutritt. Da muß man sich schon überlegen, ob man zu diesen Leuten überhaupt sprechen will, weil sie dich ja sowieso nicht verstehen.

Der Stamm der Hopi diskutiert gerade, ob sie nicht künftig grundsätzlich Besucher von allen Ereignissen fernhalten sollen, wo sie ihre Religion oder ihre Kultur zeigen. Wie stehen Sie zu diesen Überlegungen, zur Tradition überhaupt?

Ich respektiere diesen Standpunkt, denn das ist keine Show. Was sie tun, ist vermutlich das gesündeste für sie. Wenn die Leute kommen, um eine Show zu sehen, dann haben sie keinen Blick dafür, was wirklich geschieht. Und wenn man zuläßt, daß Fremde dazukommen, fotografieren oder mitschneiden, dann ist das Ganze aber nichts anderes mehr als eine Show. Die Hopis sind ja keine verschlossenen Leute, sondern gehen nach außen, um über sich zu berichten. Aber wenn sie ihre Kultur schützen wollen, muß man das akzeptieren. Wer eine Show sehen will, kann ja zu einem Powwow gehen. Das ist offen zugänglich und braucht kein großes Verständnis.

Wer sich Ihre CD anhört, der wird nicht viel von jener traditionellen indianischen Musik entdecken, wie man sie sich vielleicht erwartet, wenn man hört: Da singt ein Indianer. Dafür ist viel mehr weiße und schwarze Musik drin, als zu erwarten wäre.

Genau das war der Grund, warum wir’s so gemacht haben. Weil wir keinem Bild entsprechen wollten. Zu oft wollen uns Nicht-Indianer so sehen, wie es ihnen ihre Phantasie vormacht. Sie wollen unsere Wirklichkeit verdrängen. Da gibt’s einige bei uns, die sich dagegen wehren. Wir sind hier und jetzt. Wer auf die Worte der Lieder hört, wird merken, daß sie durch und durch indianisch sind. Wer romantische, stereotype Bilder sucht, ist bei uns an der falschen Adresse. Das kriegt er nicht von uns. Und wird, das sind inzwischen ziemlich viele. Ich weiß nicht, wie ich’s nennen soll: kulturelles Mißverständnis oder unabsichtlicher Rassismus.

Jesse R. Davis, ein Kiowa-Indianer: Hör zu, wie der Gitarre spielt. Das ist ein Indianer, der über seine Gitarre spricht. Keiner spielt wie er. Was mich beunruhigt, ist das jene, die mit uns sympathisieren, für unsere Zukunft genauso gefährlich sind wie unsere Feinde. Denn unsere Feinde mögen uns nicht, weil wir Indianer sind. Und unsere Sympathisanten mögen uns, weil sie ein Bild von uns haben, daß wir darstellen sollen. Wenn sie aber nicht akzeptieren, wie wir heute sind, dann können sie uns genauso gefährlich werden. Sie wollen uns in der Vergangenheit halten.

Ich mache mir Sorgen über den Drogenhändler auf der Straße. Ich muß mir Sorgen machen, über Leute, die Krieg wollen und Bomben auf Bagdad werfen. Ich muß mir Sorgen darüber machen, wie Frauen und Männer mit der Gesellschaft zurechtkommen. Das berührt mein Leben als Indianer genauso, wie wenn die Regierung Bäume umlegt. Was wir der Außenwelt klarmachen wollen, ist: Um uns eine Zukunft zu geben, müssen sie unsere Gegenwart anerkennen. Unsere Feinde wollen uns zerstören, unsere Freunde uns in der Vergangenheit halten – und beide verweigern uns unsere Zukunft.

Die Tatsache, daß Jessse R. Davis, seine Gitarre so spielt, wie er sie spielt: Der Mann ist Vollblut-Indianer und drückt seine Gefühle dadurch aus, wie er seine Gitarre spielt. Die Leute sollten sich dadurch nicht täuschen lassen. Ich könnte auch hingehen und ein Album machen mit nichts als trommeln und indianischer Musik. Können Sie sich vorstellen, wieviele Leute das aus dem Regal nehmen würden? Ganz wenige. Was wir machen, ist, die Hautfarbe aus dem Spiel zu lassen und menschliche Lebewesen anzusprechen. Und da ich alle Lyrik schrieb und Jesse alle Musik – dann ist das Album indianisch.

Gibt es viele Dichter, Schreiber, Musiker wie Sie unter den Indianern?

Die Zahl wächst. Vor 20 Jahren haben wir unseren Kampf um politische Rechte aufgenommen. Die Form dieses Kampfs hat sich geändert, wie drücken unsere Kultur heute vielmehr durch Kunst aus. Vor 15 Jahren gab es politische Aktivisten, heute gibt es Künstler. Immer mehr Indianer greifen zu Gitarren und Keyboards und diesen Dingen und drücken damit traditionelle und zeitgenössische Formen aus.

Es gibt zur Zeit viele Filme, die Indianer zum Thema haben, und in Deutschland gut ankommen, weil wir für Indianerfilme seit Winnetou etwas übrighaben. Was denken Sie darüber?

„Der mit dem Wolf tanzt“ und „Black Robe“ werden das deutsche Indianerbild weiter festigen. Ich kann mit beiden wenig anfangen, weil sie sich nicht mit unserer heutigen Realität auseinandersetzen. Vor ein paar Jahren gab es den Film „Powwow Highway“, der mir gut gefiel, weil er uns in die Gegenwart setzte. Er gab uns Leben in dieser Generation. Der nächste Film, der kommt, „Thunderheart“, folgt dieser Linie. Und ich denke er wird gut aufgenommen, weil er sich mit unserem politischen Kampf in dieser Generation befaßt und damit, was die Regierung mit uns angestellt hat.

Gibt es derzeit eine Stimme zugunsten der native Americans, die auch gehört wird und die etwas ändern kann? Haben die Indianer zum Beispiel in dem Konflikt zwischen Schwarz und Weiß noch eine Chance gehört zu werden?

Nein, da kümmert sich keiner drum. Eher sorgen sie dafür, daß unsere Probleme kein Ende nehmen, sie sind die Quelle dafür. Ein Kolonisator ist programmiert, dich zu kolonialisieren, aber nicht, sich um deine Probleme zu kümmern. Das ist die Situation, der wir uns in den USA ausgesetzt sehen. Wir haben zwar Sympathisanten, aber es ist keiner im System, der unsere Rechte schützt.

Gibt es nicht Staaten, wo die Indianer mit den Eindringlingen besser zurechtkommen als in anderen?

Das kommt drauf an, um was es geht und in welchem Staat es geschieht. Wenn der Staat irgendetwas entdeckt, was die Indianer haben und was der Staat braucht, dann ist zum Beispiel in Oklahoma nicht leicht dranzukommen. Mancherorts sind die Stämme kulturell stärker, anderswo schwächer. Die Navajos sind ziemlich stark und konnten in Arizona und New Mexico einiges durchsetzen. Die Indianer in Oklahoma hat der Staat um so ziemlich alles beraubt, was sie haben konnten. Das ist für mich eine Form von Apartheid: Jeder akzeptiert, daß die Indianer da sind, aber sie werden kurzgehalten in einem zweitklassigen Status.

An welche Gruppe richten sich Ihre Lieder zuerst? Wollen Sie anderen Indianer damit zu einer Identität verhelfen?

Es geht nicht so sehr darum, eine Identität zu verschaffen. Zunächst entstanden die Songs, um auszudrücken, was Jesse und ich zu sagen hatten. Wir wollten sagen: Da sind wir zwei Indianer in einer Gesellschaft von heute. Von diesem Punkt ausgehend sind die Songs für alle, für die sie Sinn machen. Und wenn Sie ansprechen, daß diesem Album die indianischen Elemente fehlen: Den Indianern gefällt’s. Es sind die weißen Menschen, die fragen „wo sind die Indianer auf diesem Album?“ Es ist nun mal so, daß wir ein paar Jahrhunderte lang uns der Sprache, der Kultur der Weißen ausgesetzt haben und nun einen Weg entdeckt haben, um uns auf diesem Weg ihnen verständlich zu machen. Aber jetzt wollen sie’s nicht hören, weil sie uns lieber in einer Weise sprechen hören, die sie nicht verstehen. Es ist schon ziemlich bizarr.

Also: Die Musik ist geschrieben für Menschen mit Stammesbewußstein (tribaly conscious people), nicht Rassenbewußte (racialy conscious)! Das kann jede Farbe sein, auch wenn keiner dieses Stammesbewußtsein als solches erkannt hat.

Viele Menschen sagen, der Verlust der Sprache würde die Indianer ihrer letzten Wurzel berauben. Die letzte Schlacht, die sie verlören, wäre die gegen eine überwältigende Kultur aus Micky Maus und Fernsehen. Ist es da nicht Teil der Lebensaufgabe für einen Dichter, das Gefühl für Tradition und Stammesbewußtsein aufrecht zu erhalten?

Das ist die Aufgabe eines jeden Individuums. Das ist doch das Problem unserer Gesellschaft, daß jeder möchte, daß ein anderer für sie die Aufgaben übernimmt. Es ist Ihre Verantwortung genauso, meine Kultur am Leben zu erhalten, wie es meine Aufgabe ist. Das kann nicht die Aufgabe einzelner sein. Und wenn wir das Gefühl haben, daß etwas verloren geht, dann müssen wir das akzeptieren. Es gibt eine Evolution. Ich mag die Tatsache nicht, daß unsere Erfahrung damit Genozid, Ausrottung heißt. Ich akzeptiere die Evolution. Aber ich entscheide, was ich verliere. Das lasse ich keinen anderen entscheiden. Und ich entscheide, was für Veränderung und was für Verlust steht. Ich wäre besorgt, wenn ich nicht länger über eine spirituelle Identität verfügte. Wenn ich nicht mehr wüßte, wie ich zu beten habe, wie ich Rücksicht zu nehmen habe, wenn ich nicht mehr weiß, daß die Erde meine Mutter ist – dann würde ich vermutlich einen Verlust fühlen. Jetzt gerade fühle ich mich verändert. Ich kenne meine spirituelle Gegenwart und ich spüre die meiner Vorfahren und das, was sich für die Zukunft daraus entwickelt. Wenn ich’s so sehe, bin ich ein Produkt der Evolution. Ich fühle mich deswegen aber nicht verloren. Ich bin erst dann ein wirklicher Verlierer, wenn ich die Existenz der Evolution bestreite. Dann werde ich rigid…… und kann mich nicht mehr an die Wirklichkeit anpassen, wie es die Menschheit immer schon getan hat. Es ist mein Pech, daß ich in einer räuberischen Gesellschaft lebe, das zehrt an der Spiritualität der Menschen. Aber soll ich deswegen die Wirklichkeit bestreiten, mich den Räubern auf dem Präsentierteller stellen und mich verzehren lassen?

Sie sprechen von einer Sprache, die alle verbinden soll. Kann das die Musik sein?

Sie ist’s schon.

Sind sie sicher?

Alle Musik kann das, wenn sie die Gefühle und Wahrheiten einer Gesellschaft ausdrückt.

Was halten Sie dann von Nationalhymnen?

Nonono. Die Frage war, „kann“ die Musik? Ja, sie kann. Aber ich habe keine Ahnung von Nationalhymnen, weil ich sie noch nie beachtet habe. Ich glaube nicht daran und weiß, daß das alles Propaganda und Müll ist. Das hat nichts mit Wahrheit und Gefühlen zu tun. Das hat mit Verhaltensveränderung zu tun, mit Gehirnwäsche. In diesem Fall wird Musik nicht als Sprache der Gefühle verwendet, sondern als Kontrollinstrument. Aber das verhindert ja nicht, daß Musik als die eine, gemeinsame Sprache verwendet werden kann. Schau doch in die Geschichte: Jede Epoche und jede Gesellschaft hatte ihre Lieder. Und immer wenn einer versuchte, über die Musik die Kontrolle zu gewinnen, dann hat er die Musik verändert. Aber die Musik kommt immer wieder zum Leben.

Werden die indianischen Lieder einmal verlorengehen?

Nein.

Wer wird sie am Leben erhalten?

Indianer.

Aber von denen gibt’s doch immer weniger…

Das könnte ein falscher Eindruck sein. Wir sind unterdrückt, Genozid arbeitet gegen uns, aber wir sind noch immer da. Und wir haben noch immer unsere Einflußmöglichkeiten. Du kannst nicht alles behalten, was du je gehabt hast, und mit dir nehmen. Ab und zu mußt du etwas zurücklassen, das ist Evolution. Ich kann in jede beliebige indianische Gemeinschaft in den USA gehen – und die Lieder werden da sein. Das Problem ist wieder einmal die nicht-indianische Sichtweise: Wir sehen nicht so aus, wie sie uns sehen wollen, also deuten sie das als Verlust. Vielleicht ist der wirkliche Verlust in der nicht-indianischen Gesellschaft, die verlernt hat zu sehen. Für die wäre es viel wichtiger, auf sich selbst zu achten, was sie verlieren. Ich kenne die Gefahren, denen ich ausgesetzt bin, und kann mich darauf einstellen. Die Gefahr, daß es keine Zukunft für mich gibt, die verstehe ich sehr, sehr gut. Wenn die nicht-Indianer sich genauso gut auf die Gefahren ihres Lebens einstellen und sie erkennen würden, dann würde keiner von uns verlieren.

Welche Reaktion erwarten Sie auf Ihre Musik?

Meine Musik wird von jenen akzeptiert werden, die sich mit der Wirklichkeit abgeben, egal wo das ist. Wer sich mit romantischen Stereotypen befassen will, der wird Probleme damit haben. Aber das ist nicht mein Problem, sondern ihres. Ich bin kein Teil von Buffalo Bills Wild West Show und ich werde nicht singen und tanzen, wenn sie das wollen. Wenn ich’s mache, dann so wie ich will.

„Grand Ole Opry“ seit 90 Jahren auf Sendung

Die Grand Ole Opry in Nashville (c) Tennessee Tourism

Die Grand Ole Opry in Nashville (c) Tennessee Tourism

Am 28. November 1925 stellte der Moderator der Radiostation WSM aus Nashville, Tennessee,  den Country-Geiger Uncle Jimmy Thompson als ersten Act einer neuen Life-Show vor, The WSM Barn Dance. WSM stand für „We Shield Millions“ – „Wir schützen Millionen“ – und war der Slogan einer Versicherungsgesellschaft. Mit der „Scheunentanz“-Show wollte sie übers Radio ihre Policen unters Landvolk bringen. Der Plan ging auf. Zu der Sendung, schon 1927 zu Grand Ole Opry umbenannt, pilgern weiterhin Tausende, wenn sie freitags, samstags und dienstags auf Sendung geht. Auch WSM gibt es noch, weiterhin auf 650 Kilohertz – und die Opry läuft auch bei anderen Sendern und im US-Fernsehen.

Ein Format mit Format

Am Format hat sich kaum etwas geändert. Ein Ansager steht im Anzug auf der Bühne und sagt nicht nur die Musiker an, sondern verliest unglaublich altmodisch die Werbung. Nicht nur Country-Haudegen, die zu Mitgliedern der Grand Ole Opry geadelt worden sind, treten auf. Auch Newcomer haben ihre Chance.

An sechs Orten spielte die Grand Ole Opry in ihre langen Geschichte: die ersten sieben Jahre ab 1925 im Gebäude der National Life & Accident Insurance Company, 1934 bis 1943 auf drei unterschiedlichen Bühnen, bis 1974 im Ryman Auditorium – und seitdem in einem Neubau am Stadtrand. Kultstatus hat weiterhin das im Zentrum von Nashville gelegene Ryman Auditorium, die „Mutterkirche der Country Music“. Manche Opry-Konzerte finden immer noch dort statt, im Winter ab Dezember sogar so gut wie alle.

„Berühmteste Bühne des Landes“

Die Grand Ole Opry feiert ihren Geburtstag zwar nicht still, aber bescheiden mit einem regulären Samstagskonzert am 28. November im Ryman Auditorium. Angekündigt sind Tracy Lawrence, Restless Heart und Granger Smith. Wer dieses Konzert verpasst, muss sich nicht grämen. Die Opry garantiert auch für jede andere ihrer Shows dieselbe höchste Qualität und hat dieses Versprechen schon neun Jahrzehnte lang eingelöst.

Die Grand Ole Opry gilt als „die Heimat der amerikanischen Musik“ und „die berühmteste Bühne des Landes“. Zu ihren frühen Stars zählten auch Roy Acuff, Minnie Pearl, Ernest Tubb und Bill Monroe, gefolgt von noch lebenden Legenden wie Loretta Lynn, Dolly Parton und Bill Anderson. Längst ist die Country Music in den USA populärer und erfolgreicher als die Popmusik. Ehrensache auch für die Superstars, in der Opry aufzutreten – sei es nun Vince Gill, Martina McBride oder Carrie Underwood.

Hier schlägt das Herz der Country-Music

Nicht nur, dass die Opry die Country Music aus den Bergen von Tennessee in die Wohnzimmer der Nation brachte. Sie lockte auch unzählige Musiker nach Nashville. So konnte sich die Stadt zum Mittelpunkt der Musikindustrie in den USA entwickeln. Nashville wurde für die Musik so wichtig wie Hollywood für den Film. In den Honktytonk-Bars wie Tootsie’s Orchid Lounge oder Robert’s Western World hört man beste Live-Music. Die Country Music Hall of Fame & Museum zeigt die ganze Geschichte des Genre; im nahen Johnny Cash Museum geht es um den Musiker, der 1965 im Ryman Auditorium Scheinwerfer zerschlug und deshalb bei der Opry lange Hausverbot hatte.

Tickets gibt es völlig unkompliziert online auf www.opry.com. Neben einfachen Eintrittskarten werden auch solche mit Zutritt zur Backstage angeboten. Dort, hinter den Kulissen, trifft man durchaus auch Stars. Das Live-Erlebnis ist zwar unvergleichlich. Hineinhören lässt sich aber auch aus der Ferne übers Internet über dieselbe Adresse.

 

Kürbisse und alte Sagen in den Smoky Mountains

Tennessee Fall Homecoming im Museum of Appalachia in Norris, die Stewart Family spielt auf. (c) Tennessee Tourism

Tennessee Fall Homecoming im Museum of Appalachia in Norris, die Stewart Family spielt auf. (c) Tennessee Tourism

Dass die spannendsten Geschichten nicht aus dem Fernseher kommen, beweist jährlich das National Storytelling Festival in Tennessee. Vom 2. bis 4. Oktober versammeln sich die Meister des gesprochenen Wortes im Städtchen Jonesborough. Die Publikumslieblinge heißen Bil Lepp – bescheiden wie die Pioniere wirklich nur mit einem „l“ – und Donald Davis.

Viele alte Blockhäuser stehen im Museum of Appalachia, dem größten Freilichtmuseum für die Pionierkultur der Appalachen in Norris bei Knoxville. Weit mehr als eine halbe Million Exponate sind zu sehen – vom Handbohrer bis zur Hütte, in der Mark Twain zwar nicht geboren, aber dem Vernehmen nach gezeugt wurde.

Den Höhepunkt des Museumsjahres markiert das Tennessee Fall Homecoming. Vom 9. bis 11. Oktober gibt es Vorführungen der Handwerke aus den Appalachen, vom Holzsägen bis zum Schmieden. Die Siedlerkultur der südlichen Appalachen hat auch Bluegrass, Mountain Music und sämtliche anderen Urformen der Country Music hervorgebracht. Auf fünf Bühnen treten 60 Bands und Solokünstler auf. Die diesjährigen Stars heißen Del McCoury Band, Larry Sparks, Balsam Range und Gibson Brothers.

Der Nationalpark Great Smoky Mountains ist berühmt für seine Herbstfärbung, die jener von Neuengland in nichts nachsteht. Dank der großen Höhenunterschiede von 300 bis auf 2000 Meter bildet sich in den Wäldern die Pflanzenwelt der gesamten amerikanischen Ostküste ab. Den ganzen Herbst hinweg erreicht immer irgendwo im Höhenprofil die Herbstfärbung ihre schönste Pracht; sie zu verpassen ist fast unmöglich.

Die Great Smoky Mountains im Herbstgewand. (c) Tennessee Tourism

Die Great Smoky Mountains im Herbstgewand. (c) Tennessee Tourism

Passend zum Naturspektakel schmücken sich die Ferienorte am Nationalpark Gatlinburg, Pigeon Forge und Sevierville während des Smoky Mountain Harvest Festival mit Kürbissen und Strohfiguren. Bei der National Southern Gospel & Harvest Celebration vom 2. bis 31. Oktober in Dolly Partons Themenpark Dollywood in Pigeon Forge genießt man Southern Gospel Music und Köstlichkeiten aus den Bergen, erlebt Vorführungen alter Handwerkskünste vom Seifenkochen bis zum Spinnen und jede Menge „Rides“ – Fahrten mit Achterbahnen, Wasserrutschen, Karussells und einer großen Dampfeisenbahn. Über 80 Musikkünstler treten auf, darunter The Hoppers, The Florida Boys, Ernie Haase & Signature Sound, Guy Penrod, Karen Peck & New River.

Bier der Mikrobrauereien aus Chattanooga und ein krachledernes Deutschland, wie Amerikaner es sich vorstellen, sind das Thema beim Rocktoberfest auf dem Lookout Mountain hoch über der Stadt am Tennessee River in den Felsengärten namens Rock City immer samstags und sonntags im Oktober. Und das Städtchen Allardt, von Deutschen gegründet, versteht sich als die Welthauptstadt der Kürbisse; sogar der Wasserturm hat die Form dieser Frucht. Und die will am 3. Oktober mit dem Stadtfest Great Pumpkin Festival gefeiert sein. Der Gewinnerkürbis 2014 wog 638 Kilogramm!

Zu Dylan gehört Nashville, zu Dylan gehört Cash

Das Ausstellungsplakat “Dylan, Cash And The Nashville Cats: A New Music City” von Jon Langford - Foto: Country Music Hall of Fame & Museum.

Das Ausstellungsplakat “Dylan, Cash And The Nashville Cats: A New Music City” von Jon Langford – Foto: Country Music Hall of Fame & Museum.

Bob Dylan und seine Plattenaufnahmen im Nashville der 60er Jahre stehen im Mittelpunkt einer neuen großen Ausstellung ebenfalls in der „Music City“, die noch bis Ende 2016 läuft. Es geht auch um Dylans Studioband Nashville Cats und die Zusammenarbeit beider mit Johnny Cash.

Die Ausstellung Dylan, Cash And The Nashville Cats: A New Music City in der Country Music Hall of Fame & Museum beleuchtet den großen Einfluss Nashvilles auf Bob Dylan seit 1965 und 1966, als er dort das Doppel-Album Blonde on Blonde mit der Studiomusiker-Formation The Nashville Cats aufnahm. Auch geht es um die Zusammenarbeit Dylans mit Johnny Cash und um dessen legendäre The Johnny Cash Show von 1969 bis 1971 im ABC-Fernseh-Network.

Die Ausstellung untersucht zudem weitere Einspielungen der Nashville Cats aus der Epoche mit Musiklegenden wie Joan Baez, J.J. Cale, The Byrds, Leonard Cohen, Paul McCartney, Linda Ronstadt, Simon & Garfunkel und Neil Young. Diese Aufnahmen leiteten in den 1960er- und 70er-Jahren einen Wandel ein: War Nashville vorher nur die Hauptstadt der Country Music, öffnete sich die Stadt seitdem auch anderen Musikstilen. Mit Folk, Rock und Pop wurde Nashville so zur heutigen „Music City“. Was für den Film Hollywood, ist für die Musik Nashville.

Zu den Perlen der Ausstellung zählen Musikinstrumente und Kostüme, das handgeschriebene Manuskript des Songs Wanted Man von Bob Dylan, den Cash im Jahr 1969 für sein Album Johnny Cash at San Quentin aufnahm, sowie Clips der Johnny Cash Show.

Der Mississippi-Blues hat viele Farben

Die Bluesclubs in der Beale Street in Memphis, der Bluesmeile der USA, Mittelpunkt des Beale Street Music Festival 1.-3. Mai 2015. (C) www.memphis-mississippi.de

Die Bluesclubs in der Beale Street in Memphis, der Bluesmeile der USA, Mittelpunkt des Beale Street Music Festival 1.-3. Mai 2015.
(C) www.memphis-mississippi.de

Die Feldarbeiter auf den Baumwollplantagen des Staates Mississippi brachten den Blues hervor, aus der nahen Stadt Memphis im Nachbarstaat Tennessee eroberte diese uramerikanische Musik die Welt. Mehr als 50 Bluesfestivals feiern vom Frühjahr bis zum Herbst dieses reiche Erbe.

Die Hafenstadt Memphis am Ol‘ Man River besitzt mit der Beale Street die Bluesmeile der USA überhaupt. Ein Bluesclub reiht sich an den anderen, jeder davon gewährt für wenige Dollar Zutritt. Einmal im Jahr wird nicht nur diese Straße selbst, sondern auch eine große Wiese am Mississippi zum Mittelpunkt des Blues. Zum Beale Street Music Festival, einem von vier Wochenenden im Mai, zieht es Tausende in die Stadt – zu der Musik, die schon Elvis Presley inspiriert hat, als der „King“ dort in seiner heute vielbesuchten Villa Graceland residierte. In diesem Jahr steigt das Weltfest des Blues vom 1. bis 3. Mai.

Memphis nennt sich „Heimat des Blues und Geburtsort des Rock ‘n‘ Roll“, weiß aber sehr wohl zu schätzen, wo der Blues wirklich entstanden ist und weiterhin seine Wurzeln hat: im Nachbarstaat Mississippi, gleich südlich der Stadtgrenze gelegen. Dort, im Mississippi Delta, der 200 Kilometer langen flachen Ebene ehemaligen Schwemmlands des Mississippi, sangen die Baumwollarbeiter auf einem der fruchtbarsten Ackerböden der Welt ihre schwermütigen Lieder, um ihr schweres Los besser ertragen zu können – und schufen so eine gleichermaßen fruchtbare und bis heute höchst lebendig gebliebene und Musikkultur.

So verwundert es nicht, dass der Staat Mississippi allein von April bis Oktober mehr als 50 Blues- oder auch andere Festivals zählt, wo garantiert auch immer Bluesmusiker der Weltklasse auftreten. Die Kleinstadt Clarksdale hat gleich zwei große Konzertwochenenden im Kalender, das Juke Joint Festival vom 9. bis 12. April und das River Blues & Gospel Festival vom 7. bis 9. August. Zu den vielen Bühnen zählt dann auch der Club „Ground Zero“ des Filmstars Morgan Freeman.

Einem weiteren ganz Großen aus Mississippi, dem zweiten König der Region, begegnet man mit etwas Glück in Indianola. B.B. King, der „Blues Boy“ Riley King eben aus diesem kleinen Ort, kommt fast immer zum „Homecoming“ zurück zu seinen Anfängen, dieses Jahr am 23. Mai. Nach 70 Live-Auftritten weltweit im Jahr 2014 hat sich der größte lebende Bluesmusiker, der auf seinen 90. Geburtstag am 16. September zugeht, eine Pause verordnet und alle Konzerte 2015 abgesagt. Wohl aber hofft man in Indianola, dass er wie gewohnt zum Homecoming erscheint, auch wenn er dann wohl die Auftritte den Jüngeren überlassen wird. In Indianola steht nämlich das B.B. King Museum & Delta Interpretative Center: das große Museum rund um seine Person und das Leben in diesem besonderen Delta, das vom nächsten Meer, dem Golf von Mexiko mit seinen Badestränden der Mississippi Gulf Coast, vier Autostunden entfernt liegt.

Das Bentonia Blues Festival in Bentonia, Mississippi, immer am dritten Sonntag des Juni, 2015 am 21. des Monats. Foto: Dawn Rosenberg

Das Bentonia Blues Festival in Bentonia, Mississippi, immer am dritten Sonntag des Juni, 2015 am 21. des Monats. Foto: Dawn Rosenberg

Das Bentonia Blues Festival am 20. Juni auf einer Wiese nahe dem gleichnamigen Ort ist ein Geheimtipp für Musikpuristen. Während nämlich die E-Gitarren längst die erste Geige im Blues spielen, kommen hier auch solche Musiker zum Zuge, die nach alter Väter Sitte akustisch spielen – ganz so wie zu den Zeiten des Robert Johnson, dessen Grab nahe Greenwood ein Pilgerziel wahrer Fans ist. Man hört zum Beispiel regelmäßig „Super Chikan“ aus Clarksdale, der seine Gitarren selbst baut, gerne auch mal mit einem alten Kochtopf oder einem Auto-Auspuff als Klangkörper. Der Mentor des Festivals, Jimmy „Duck“ Holmes, auch bekannt als „500 Pfund Blues“, hatte 1972 die Idee zum ersten Bentonia-Festival und trat seitdem auch immer wieder selbst dort auf.

Die Hauptstadt des Staates Mississippi lockt mit dem Jackson Rhythm & Blues Festival vom 14. bis 15. August. Zu dieser Zeit, ab Juli, muss man im Staat am großen Strom allerdings mit bis zu 40 Grad bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit rechnen. Das passt zwar perfekt zum Blues und dessen Stimmung, ist aber nicht jedermanns Sache.

In der zweiten Septemberwoche wird es dann hochsommerlich – nach bescheidenen europäischen Maßstäben, überschreitet doch das Quecksilber nur noch selten die 30-Grad-Marke. So liegt dann für klimaempfindliche Naturen das Mississippi Delta Blues & Heritage Festival genau richtig im Kalender, nämlich am 19. September in Greenville am Mississippi.

Das Mighty Missisippi Music Festival vom 2. bis 4. Oktober, ebenfalls in Greenville, lässt sich gut mit dem King Biscuit Blues Festival in Helena, am anderen Flussufer im Bundesstaat Arkansas kombinieren, dieses Jahr vom 8. bis 10. Oktober. Die drei Tage zwischen den Festival-Wochenenden bieten genügend Zeit, das Delta auf eigene Faust zu erkunden. Der Mississippi Blues Trail schließlich führt zu wichtigen Orten der Bluesgeschichte.

Eine gute Übersicht der Festivals in Mississippi gibt ein Kalender, der kostenlos beim deutschen Verkehrsbüro erhältlich ist und auch auf www.memphis-mississippi.de/pdf/mississippifestivals2015.pdf steht. Zum Beale Street Music Festival informiert die Seite www.memphisinmay.org/beale-street-music-festival.

Früh übt sich, wer ein Jazzer werden will

Jazz Aktionstag Markt Schwaben (c) Pinus Text & Bild

Jazz Aktionstag Markt Schwaben (c) Pinus Text & Bild

Die Musikschule Markt Schwaben hatte dieser Tage unter dem Titel „Jazz Stories“ zu einem „großen Aktionstag“ in den Unterbräu geladen. Auch wenn das schmuck hergerichtete Gebäude den angestaubt, verspinnwebten und verrauchten Charme einer Jazz-Kneipe vermissen ließ, sorgte doch die Leidenschaft der jungen Musiker für dichte Atmosphäre. Beim Gang durch die Epochen kamen Musiker wie Zuhörer der Evolution eines stilbildenden Stücks Musikgeschichte sehr nahe. Besonders anregend geriet der Nachmittag auch dadurch, dass die Veranstalter ihre Nachwuchsmusiker wie auch das Publikum mit ausgewiesenen Profis wie Josef Ametsbichler, Guido May, Felix Sapotnik, Werner Klausnitzer und Andreas Kurz zusätzlich zu motivieren. Drei der auftretenden Ensembles seien besonders hervorgehoben, da wir ihnen mit Sicherheit in der Zukunft wieder begegnen werden. Erstens die Big Band „Markt Schwabens Finest“, geleitet von Hermann Rid und begleitet von der Sängerin Heike Schoch: Ballroom-Niveau. Zweitens die „glorreichen Sieben“ im Percussion Ensemble, voller Hingabe und Feingefühl. Drittens der „Youngsters Music Club“, der gerade seine erste eigene CD veröffentlicht hat.

Meine komplette Rezension ist in der Ebersberger SZ erschienen.