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Tag: Tennessee

Wo Bristol und Bonnaroo den Ton angeben

Bristol in Tennessee feiert sein traditionelles Rhythm & Roots Festival 2016 vom 16. bis 18. September (c) Brandon Reece/Tennessee Tourism

Bristol in Tennessee feiert sein traditionelles Rhythm & Roots Festival 2016 vom 16. bis 18. September (c) Brandon Reece/Tennessee Tourism

Frühling und Sommer sind Festivalzeit in Tennessee. Nirgendwo gibt es mehr Bühnen als im Musikstaat der USA – von ganz klein und traditionsbewusst wie beim Bristol Rhythm & Roots bis gigantisch wie auf dem CMA Fest in Nashville für Country Music oder auf dem Bonnaroo bei Manchester mit Rock im Woodstock-Stil.

Die Mega-Festivals von Tennessee bringen Weltstars auf die Bühnen. Memphis in May, an vier Wochenenden vom 29. April bis 28. Mai, präsentiert Paul Simon und Neil Young. Das CMA Music Festival, weltweit größtes Country-Music-Ereignis vom 9. bis 12. Juni in Nashville, glänzt mit den Rascal Flatts, Carrie Underwood und Hank Williams Jr. Gleichzeitig lässt das Rockspektakel Bonnaroo mit hunderttausenden von Besuchern auf einem Feld bei Manchester Erinnerungen an Woodstock aufleben – mit Pearl Jam als Top-Act. Und das große Stadtfest Riverbend in Chattanooga vom 10. bis 18. Juni hat Blood, Sweat & Tears gebucht. Zum Nationalfeiertag am 4. Juli tritt in Nashville die neunfache GRAMMY-Gewinnerin Sheryl Crow bei freiem Eintritt auf.

Doch Tennessee hat damit noch lange nicht genug und begeistert mit musikalischen Leckerbissen auf vielen mittelgroßen Festivals. Jackson lockt mit dem Rock-A-Billy Music Festival am 5. und 6. August, Bristol mit traditionellem Country zum Rhythm & Roots vom 16. bis 18. September. Das Pilgrimage Music & Cultural Festival in Franklin bei Nashville bringt am 24. und 25. September Americana-Sounds auf die Bühne.

Ein spannender Newcomer 2016 ist das Stomp Festival for Lost Music vom 5. bis 8. Mai in Knoxville. Gefeiert werden dort die verloren geglaubten Aufnahmen der „Knoxville Sessions“ von 1929 und 1930 aus dem St. James-Hotel der Stadt, die am 29. April auf vier CDs mit Begleitbuch erscheinen sollen. Weltweiter Herausgeber der wiederentdeckten Pionieraufnahmen kommerzieller Country-Musik ist der deutsche Musikverlag Bear Family Records aus Holste-Oldendorf bei Bremerhaven. Das Festival ist Teil einer ganzen Reihe von Stadtfestivals in Knoxville, die bereits am 31. März bis 2. April mit Ears beginnt, gefolgt von Rhythm & Blooms gleich am Wochenende darauf.

Und schließlich gibt es jede Menge kleiner und kleinster Festivals. In Tennessee kommt kein Stadtfest ohne Live-Musik aus, und davon gibt es hunderte. Sie bieten an jedem Wochenende irgendwo im Staat beste Möglichkeiten, nicht nur absolut ursprüngliche Sounds aus dem Herzland amerikanischer Musik zu hören, sondern auch Einheimische kennen zu lernen. Sie sind es, und erst in zweiter Linie Touristen, die mit ihrer Musikbegeisterung den Sommer der Musik tragen. Denn Tennessee ohne Musik wäre für sie einfach undenkbar.

Kürbisse und alte Sagen in den Smoky Mountains

Tennessee Fall Homecoming im Museum of Appalachia in Norris, die Stewart Family spielt auf. (c) Tennessee Tourism

Tennessee Fall Homecoming im Museum of Appalachia in Norris, die Stewart Family spielt auf. (c) Tennessee Tourism

Dass die spannendsten Geschichten nicht aus dem Fernseher kommen, beweist jährlich das National Storytelling Festival in Tennessee. Vom 2. bis 4. Oktober versammeln sich die Meister des gesprochenen Wortes im Städtchen Jonesborough. Die Publikumslieblinge heißen Bil Lepp – bescheiden wie die Pioniere wirklich nur mit einem „l“ – und Donald Davis.

Viele alte Blockhäuser stehen im Museum of Appalachia, dem größten Freilichtmuseum für die Pionierkultur der Appalachen in Norris bei Knoxville. Weit mehr als eine halbe Million Exponate sind zu sehen – vom Handbohrer bis zur Hütte, in der Mark Twain zwar nicht geboren, aber dem Vernehmen nach gezeugt wurde.

Den Höhepunkt des Museumsjahres markiert das Tennessee Fall Homecoming. Vom 9. bis 11. Oktober gibt es Vorführungen der Handwerke aus den Appalachen, vom Holzsägen bis zum Schmieden. Die Siedlerkultur der südlichen Appalachen hat auch Bluegrass, Mountain Music und sämtliche anderen Urformen der Country Music hervorgebracht. Auf fünf Bühnen treten 60 Bands und Solokünstler auf. Die diesjährigen Stars heißen Del McCoury Band, Larry Sparks, Balsam Range und Gibson Brothers.

Der Nationalpark Great Smoky Mountains ist berühmt für seine Herbstfärbung, die jener von Neuengland in nichts nachsteht. Dank der großen Höhenunterschiede von 300 bis auf 2000 Meter bildet sich in den Wäldern die Pflanzenwelt der gesamten amerikanischen Ostküste ab. Den ganzen Herbst hinweg erreicht immer irgendwo im Höhenprofil die Herbstfärbung ihre schönste Pracht; sie zu verpassen ist fast unmöglich.

Die Great Smoky Mountains im Herbstgewand. (c) Tennessee Tourism

Die Great Smoky Mountains im Herbstgewand. (c) Tennessee Tourism

Passend zum Naturspektakel schmücken sich die Ferienorte am Nationalpark Gatlinburg, Pigeon Forge und Sevierville während des Smoky Mountain Harvest Festival mit Kürbissen und Strohfiguren. Bei der National Southern Gospel & Harvest Celebration vom 2. bis 31. Oktober in Dolly Partons Themenpark Dollywood in Pigeon Forge genießt man Southern Gospel Music und Köstlichkeiten aus den Bergen, erlebt Vorführungen alter Handwerkskünste vom Seifenkochen bis zum Spinnen und jede Menge „Rides“ – Fahrten mit Achterbahnen, Wasserrutschen, Karussells und einer großen Dampfeisenbahn. Über 80 Musikkünstler treten auf, darunter The Hoppers, The Florida Boys, Ernie Haase & Signature Sound, Guy Penrod, Karen Peck & New River.

Bier der Mikrobrauereien aus Chattanooga und ein krachledernes Deutschland, wie Amerikaner es sich vorstellen, sind das Thema beim Rocktoberfest auf dem Lookout Mountain hoch über der Stadt am Tennessee River in den Felsengärten namens Rock City immer samstags und sonntags im Oktober. Und das Städtchen Allardt, von Deutschen gegründet, versteht sich als die Welthauptstadt der Kürbisse; sogar der Wasserturm hat die Form dieser Frucht. Und die will am 3. Oktober mit dem Stadtfest Great Pumpkin Festival gefeiert sein. Der Gewinnerkürbis 2014 wog 638 Kilogramm!